mini|Hubertus Godeysen Hubertus Godeysen (* 1949 in Lüneburg) ist ein deutscher Journalist und Autor. Bekannt wurde er durch das Buch Piefke – Kulturgeschichte einer Beschimpfung und seine Recherchen zur Kaprun-Katastrophe.

Leben Godeysen wuchs in Niedersachsen auf. Nach dem Abitur absolvierte er ein journalistisches Volontariat (Hannoversche Presse) und diente anschließend bei der Bundeswehr als Presseoffizier, als Offizier im S2/G2 Stab und im Militärischen Abschirmdienst (MAD). Von 1979 bis 1996 arbeitete er als Pressereferent in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, danach war er für internationale Organisationen in Brüssel und Wien tätig und wohnte von 1998 bis 2013 in Niederösterreich bei Wien. Seit 2005 ist er auch freier Journalist und Autor. Godeysen ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt südwestlich von Hamburg. In seiner Freizeit war er Segler, Militaryreiter und Jagdreiter, heute singt er im Altländer Shanty-Chor.

Publikationen Piefke – Kulturgeschichte einer Beschimpfung (2010) 2010 veröffentlichte Godeysen Piefke – Kulturgeschichte einer Beschimpfung (Edition Va Bene), ein Standardwerk über das österreichisch-deutsche Verhältnis. Das Buch fand im deutschsprachigen Raum ein großes Echo und diente Wolfgang Stickler als Vorlage für seine ORF-Dokumentation „Die ungleichen Geschwister“ in der Reihe „Menschen & Mächte“. 2007 bezeichnete DIE ZEIT Godeysen als „ersten Piefkologen deutscher Zunge“ und die Süddeutsche Zeitung schrieb 2010: „Godeysen ist Abbild dessen, was Österreichern den Piefke ausmacht: stimmstark, unverblümt, direkt.“

Österreichs Bundes Bahnen – Schwarze Löcher, Rote Zahlen (2012) 2010 schrieb Godeysen den ZEIT-Artikel „Niemand zieht die Notbremse“ und informierte über fragwürdige Tunnelprojekte der ÖBB und warnte vor hohen Schulden. 2012 legte er das Buch „ÖBB – Schwarze Löcher, Rote Zahlen“ vor und berichtete regierungskritisch über fragwürdige Verkehrsprognosen und Rentabilitätsrechnungen, Verstöße gegen den Kulturerbeschutz und die von Österreich erfundene „Baltisch-Adriatische-Verkehrsachse“. Medien nahmen das Buch positiv auf, besonders als bekannt wurde, dass der ÖBB-Vorstand es verbieten lassen wollte.

155 – Kriminalfall Kaprun (2014) Im August 2009 veröffentlichte DIE ZEIT einen Hintergrundbericht von Godeysen über die Brandkatastrophe im Tunnel der Gletscherbahn Kaprun mit 155 Toten. Er wies nach, dass im Salzburger Kaprun-Prozess zweifelhafte Gutachten zum Freispruch aller 16 Beschuldigten geführt hatten, wobei die entlastenden Hauptbeweise von einem sehbehinderten 82-jährigen Gutachter stammten.

Der ZEIT-Artikel bezog sich auch auf Ermittlungen der deutschen Justiz und löste eine breite kritische Kaprun-Berichterstattung aus, diente in US-Gerichtsverfahren als Beweismittel, wurde in den japanischen TV-Nachrichten zitiert und führte zu politischen Verstimmungen zwischen Japan und Österreich.

Im November 2009 informierte Godeysen in DIE ZEIT über einen Geheimdeal zwischen US-Anwälten und der Republik Österreich, der die europäischen und japanischen Kaprun-Opfer finanziell massiv schlechterstellte.

2014 erschien das gemeinsam mit Hannes Uhl verfasste Buch 155 – Kriminalfall Kaprun (edition a). 2020 folgte die englische Ausgabe 155 – The Kaprun Cover-UP. Medien griffen die Kontroversen um das Kaprun-Urteil erneut auf.

Sommersturm (2021) Nach Recherchen in Berlin, Brüssel, Wien und Budapest veröffentlichte Godeysen 2021 den dokumentarischen Roman Sommersturm über die Flüchtlingskrise 2015. Er beleuchtet darin die entscheidenden 25 Tage des Sommers 2015, die Deutschland massiv veränderten und offenbarte das politische Krisenmanagement und das Scheitern einer europäischen Flüchtlingspolitik, deren Versagen deutsche Bürgermeister, Landräte und Bürger unvorbereitet zum Handeln zwang. Regionale Medien rezensierten das Buch.

Sommersturm als dänische Schulliteratur (2023)

2023 erschien im dänischen Verlag Systime in Aarhus das Schul- und Arbeitsbuch „Im Wandel“ für den Deutschunterricht an dänischen Gymnasien. Das Lehrbuch thematisiert die drei Krisen Corona, Klima und Flüchtlinge und enthält im Abschnitt „Die Flüchtlingskrise“ Auszüge aus dem Roman „Sommersturm“.

Beleidigungsverfahren (2011) Bei einem Vortrag im nichtöffentlichen Symposium des Brandschutzforums Austria in Graz (2010) kritisierte Godeysen den Richter des Kaprun-Prozesses, Manfred Seiss. Durch heimliche Bandaufnahmen eines von der Gletscherbahn AG beauftragten Detektivs, die dem Richter zugespielt wurden, kam es zu einem Ehrenbeleidigungs-Verfahren, das nach achtstündiger Verhandlung mit einem Vergleich endete. Vor dem Prozess hatte Godeysen gegen Seiss eine den Richter belastende Disziplinaranzeige versandt. Seiss wurde entgegen vorheriger Zusagen des Justizministeriums nicht zum Präsidenten des Landesgerichts Salzburg befördert und ging 2013 vorzeitig in Pension. Er starb 2022 im 69. Lebensjahr.

Werke (Auswahl) 2023: Hymnen, Hits & Hanseaten. 200 Jahre Hamburger Liedertafel von 1823. (Festschrift; bibliogr. Angaben laut Autorenseite). 2021: Sommersturm. Ein dokumentarischer Roman. Bedey & Thoms / Charles Verlag, Hamburg, ISBN 978-3-948486-34-1 2015: Aufgetischt – Norddeutsche Tafelfreuden aus Finkenwerder. Mit Kurt Wagner. Liedertafel Harmonie, Finkenwerder, ISBN 978-3-00-049887-9 2014: 155 – Kriminalfall Kaprun. Mit Hannes Uhl. edition a, Wien, ISBN 978-3-99001-076-1; engl. Übersetzung: 155 – The Kaprun Cover-Up (2020), ISBN 978-3-99001-465-3 2012: ÖBB – Schwarze Löcher, rote Zahlen: Wie Österreichs Zukunft durchbohrt wird. Edition Va Bene, Wien, ISBN 978-3-85167-254-1 2010: Piefke – Kulturgeschichte einer Beschimpfung. Edition Va Bene, Wien/Klosterneuburg, ISBN 978-3-85167-238-1

Filmografie 2014: Die ungleichen Geschwister (ORF-Dokumentation, Reihe Menschen & Mächte).

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