mini|Historische Karte von Hoya und Umgebung Hoya/Weser (plattdeutsch de Haaien, Hejen oder Hajen) ist eine Landstadt im Landkreis Nienburg/Weser nahe der geografischen Mitte Niedersachsens. Die Stadt Hoya/Weser ist Mitgliedsgemeinde und Sitz der Samtgemeinde Grafschaft Hoya.

Geographie Durch Hoya fließen der Fluss Weser, der in Hoya entspringende, während einer Flurbereinigung angelegte, Entwässerungsgraben Emte Zum Untersuchungsgebiet "Hilgermisser Kolk". Abgerufen am 1. Januar 2026., und, vom Ziegeleisee in Hoya gespeist, der nur Kanal genannte Meliorationshauptkanal. Zwischen Ziegeleisee und Hauptkanal ist der besteigbare Rodelberg gelegen, Hoyas höchste Stelle.Rodelberg Hoya: .

Geschichte Ortsname Hoya wurde zum ersten Mal ca. 1150 in den Wundern des heiligen Bernward als hogen erwähnt.Miracula sancti Bernwardi, Kapitel 11. In: . Der Name wird dabei als altniederdeutsch für hoch interpretiert, was sich aufgrund der keineswegs exponierten Lage Hoyas gegenüber dem Umland oder der Weser nur als Anspielung auf die Grafenburg (die hohe Feste) oder den Weserübergang (die hohe Furt) verstehen lässt. Überliefert ist als Nebenform auch de Hogen. Im Mittelalter wurde der Mittelkonsonant zum -j- verändert und es erfolgte eine Latinisierung des Endvokals zu -a. Im Niederdeutschen heißt der Ort heute de Haaien. Dies entspricht dem Ort Hajen an der Oberweser bei Bodenwerder, der ebenfalls zuerst als Hogen belegt ist.

Germanische Zeit Zur germanischen Zeit gehörte das Gelände der Stadt den EngernMeyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 1, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1888, S. 582.

12. bis 17. Jahrhundert Hoya ist seit dem 12. Jahrhundert belegt. Das Geschlecht der Grafen von Hoya ging wahrscheinlich auf die Grafen von Stumpenhusen (ehemalige Burg Stumpenhusen bei Wietzen) zurück. Residenz der Grafen von Hoya war zunächst ihre Burg zu Hoya. Nach der Teilung der Grafschaft in eine Nieder- und eine Obergrafschaft wurde auch Nienburg an der Weser Residenz.

Anfang des 16. Jahrhunderts starb die Hoyaer Linie der Grafen von Hoya aus, weshalb es zunächst zu einer Wiedervereinigung der Grafschaft kam. Ende des 16. Jahrhunderts starb dann auch die Nienburger Linie aus, sodass aufgrund eines Lehns- und Erbvertrages die Grafschaft Hoya an die Welfen kam. Das Wappen der Grafschaft Hoya (zwei schwarze Bärentatzen, nicht identisch mit dem Wappen der Stadt Hoya) wurde in das Allianzwappen des Welfenhauses aufgenommen. Der größte Teil der Grafschaft Hoya kam zusammen mit dem Flecken Hoya auf Dauer an das Fürstentum Lüneburg mit der Residenz Celle. Während des Niedersächsisch-Dänischen Krieges im Dreißigjährigen Krieg war Hoya in den Jahren 1625 und 1626 Schauplatz der Kämpfe zwischen dem Dänenkönig Christian IV. und dem kaiserlichen General Johann T’Serclaes von Tilly. Hierbei wurde das ehemalige Residenzschloss durch zahlreiche Kanonenkugeln schwer beschädigt.Eberhard Wassenberg: Der ernewerte Teutsche Floruis. Elzevier, Amsterdam 1647, S. 115. Hoya kapitulierte daraufhin am 12. Dezember 1626 vor der dänischen Streitmacht.Dieter Breuer (Hrsg.): Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen. Courasche, Frankfurt a. M. 2007 (Deutscher Klassiker Verlag 21), S. 786. (Kommentar zum Text)

18. Jahrhundert bis heute Hoya war mehrmals Garnison; 1784 lag ein Teil des II. Bataillons vom 5. Hannoverschen Infanterieregiment in Hoya, gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Hoyasche Landregiment und der Stab des 6. Infanterieregiments (das Gibraltarsche). Diese hatten ein schmales, hohes Gebäude („alte Wache“) am alten Brückenkopf in der Deichstraße (Höhe „Die Hütte“), welches in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts abgerissen wurde.

Im Jahre 1782 veröffentlichte Dr. Ellisen seine „Medicinische Ortbeschreibung des Städtchens Hoya“, welches ein sehr wichtiges Zeugnis gegen die Duldung von Missständen und für die damaligen Lebensumstände in der Stadt ist. (Transkript; abgerufen am 24. Februar 2024.)

1705 kam Hoya mit Lüneburg nach dem Tod des sog. Heideherzogs Georg Wilhelm an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (ab 1815 Königreich Hannover). Seit der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen 1866 gehörte Hoya zur preußischen Provinz Hannover. Mit der preußischen Verwaltungsreform wurde der Landkreis Grafschaft Hoya mit Sitz zunächst in dem Flecken Hoya eingerichtet. 1929 wurden Hoya die Stadtrechte verliehen. Drei Jahre später wurde Syke Sitz des Landkreises. Mit der Gebietsreform 1974 wurde die Samtgemeinde Grafschaft Hoya mit dem Sitz in der Stadt Hoya gegründet. Von 1934 bis 1980 hatte die Verwaltung ihren Sitz im Alten Rathaus in der Villa Lange Straße 64.

Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Schaufenster eines jüdischen Geschäftes zertrümmert; am nächsten Tage setzten SA-Angehörige auf Befehl der SA-Gruppe „Nordsee“ die Synagoge in Brand. Sieben männliche Juden wurden „in Schutzhaft“ genommen, dann nach Hannover und von da aus ins KZ Buchenwald deportiert. Die jüdischen Einwohner wurden in das städtische Armenhaus „Am Kuhkamp“ eingewiesen. Ab 1942 wurden auf Anweisung der Gestapo Nienburg sämtliche jüdische Einwohner deportiert, neun davon ins „Altersghetto“ Theresienstadt. Insgesamt wurden 22 der 31 jüdischen Einwohner Opfer der NS-Diktatur.

Seit 1977 ist die Samtgemeinde Grafschaft Hoya Teil des Landkreises Nienburg/Weser.

Seit 2010 fusionierten die Samtgemeinden Grafschaft Hoya und Eystrup unter Beibehaltung des Namens Samtgemeinde Grafschaft Hoya. Der Hauptsitz der Samtgemeinde befindet sich im Rathaus Hoya.

An die Grafentochter Katharina von Hoya, eine Äbtissin des Klosters Wienhausen bei Celle, auf die dort unter anderem das sogenannte Heilige Grab auf dem Nonnenchor zurückgeht, erinnert der Katharinenmarkt, der vor allem aus kommerziellen Gründen Ende des 20. Jahrhunderts gegründet wurde.

Eingemeindungen Am 1. August 1972 wurden Gebietsteile der Gemeinde Dedendorf (Wienhofsiedlung) eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Jahr 1952 1961 1970 1987 1992 1997 2002 2007 2008 2009 2010 2011 2015 2016 2017 Einwohner 4638 4508 4374 3662 3944 3949 3883 3811 3780 3728 3714 3654 3772 3880 3865 (1961: 6. Juni, 1970: 27. Mai, ab 1987 jeweils am 31. DezemberLSKN-Online)

Politik

Rat Der Rat der Stadt Hoya/Weser setzt sich aus 15 Ratsmitgliedern zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Bei der letzten Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:https://votemanager.kdo.de/20210912/032565409/praesentation/ergebnis.html?wahl_id=225&stimmentyp=0&id=ebene_8_id_74 SPD: 8 Sitze CDU: 6 Sitze dieBasis: 1 Sitz

Bürgermeisterin ist Anne Sophie Wasner, Gemeindedirektor ist Detlef Meyer.

Wappen In Rot eine stilisierte silberne Burg mit drei blau bedachten Türmen und Erkeranbauten; dem breiten Mittelturm aufgelegt ein gelehntes goldenes Schildchen, darin zwei rotbewehrte, unten miteinander verbundene aufrechte schwarze Bärentatzen.

Städtepartnerschaften Zwischen Hoya und Bad Reinerz in der Grafschaft Glatz (ursprünglich – bis 1741 – Teil Böhmens, bis 1945 Teil der preußischen Provinz Schlesien, seit 1945 auf Polnisch offiziell Duszniki-Zdrój) besteht seit 1997 eine Städtepartnerschaft. Die Stadt Hoya/Weser hat nach 1945 die Patenschaft über die Stadt Allenburg im nördlichen Ostpreußen übernommen. Ein Findling neben der Martinskirche erinnert daran.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Man siehe auch die Liste der Baudenkmale in Hoya, mit um 30 Baudenkmalen, und Hoyas Kirchstraße mit mehreren bedeutsamen, auch denkmalgeschützten, Gebäuden. Bauwerke und Parkanlagen Das Schloss von Hoya weist nach dem Abbruch des Bergfriedes und anderer Gebäudeteile in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts nur noch geringe Reste mittelalterlicher Bausubstanz auf. Im Schloss war bis zur Auflösung des Amtsgerichtsbezirks Hoya das Amtsgericht untergebracht. Die zwischenzeitlich bestehende Zweigstelle des Amtsgerichts Nienburg ist nunmehr ebenfalls geschlossen. mini|Martinskirche (2018) Die ehemalige Pfarrkirche St. Martinus mit gotischem Backsteinchor wurde 1750/52 barock umgebaut (Schiff aus Fachwerk); der Turm entstand 1828. Als Kirche wurde sie 1967 aufgegeben und ersetzt durch einen modernen Bau auf der linken Weserseite. Der alte, sanierte Kirchenbau ist seit 1995 das Kulturzentrum Martinskirche, u. a. für Konzertveranstaltungen. Außerdem finden dort noch Eheschließungen statt und selten ev. Gottesdienste. Im Ortskern gibt es eine einige interessante Fachwerkbauten vom frühen 17. bis zum 19. Jahrhundert. Wohnhaus Deichstraße 11 von 1616 in Fachwerk mit mehrfach vorkragenden Giebel Im Wohnhaus Deichstraße 13 von 1658 war von 1687 bis 1841/43 die Hoyaer Rats-Apotheke. Wohnhaus Deichstraße 18: Hier verbarg sich hinter einem schlichten, nach 1905 erstellten Massivgiebel einst der älteste bekannte Profanbau der Stadt. Er wurde 1604 erbaut und wies an den Traufseiten und am rückwärtigen Giebel noch das ursprüngliche Fachwerk mit Kopf- und Fußbändern auf. Der eingeschossige Wandständerbau stand lange leer und wurde im Dezember 2007 trotz seiner Bedeutung abgebrochen. Anfang 2017 wurde hier eine offene Schutzhütte für Veranstaltungen im Bürgerpark errichtet; ⅔ der Balken stammen aus dem alten Bauwerk. Wohnhaus Kirchstraße 17 Wohnhaus Lange Straße 5 von 1614, Geburtshaus von Johann Beckmann Bürgerpark in der Nähe der Kirche, hervorgegangen aus dem Gutspark der Gräfin Bremer und dem Gelände des ersten kommunalen Friedhofs. Er weist verschiedene seltene Bäume und Pflanzen sowie historische Denkmäler, u. a. einen Findling zur Erinnerung an die Schlacht von Langensalza 1866 auf. Heimatmuseum Grafschaft Hoya am Bürgerparks im sogenannten Staffhorstschen Gutshaus aus dem 17. JahrhundertWebsite des Heimatmuseums Hoya Druckereimuseum in den Räumlichkeiten einer alten Molkerei (Lindenallee 2, Hoya) Grundschule Hoya von 1865 im neugotischen Stil, ortsbildprägendes Bauwerk der Innenstadt. Die Schule wurde ab 2012 restauriert und durch moderne Anbauten ergänzt, die ein 1928 erbautes Nebengebäude ersetzen. Burgmannshof Hoya des Rittergeschlechts von Behr, 1758 nach Zerstörung wiedererrichtetes Herrenhaus in Fachwerk mit angebaute Rittersaal von 1830 mit seinen Panorama-Bildtapeten, die Alexander von Humboldts Ankunft in Brasilien darstellenJörn Dirk Zweibrock: Zeugnis adeliger Wohnkultur. In: Weser-Kurier, 20. Dezember 2020, S. 16, mit Abb. Rathaus Hoya von 1914 im Jugendstil ehemaliges Landratsamt von 1780 im klassizistischen Stil Villa Lange Straße 64 von 1884; Altes Rathaus von 1934 bis 1980 ehemalige Rats-Apotheke von 1841 bis 1989 im Wohn- und Geschäftshaus Lange Straße 12

Kunst im öffentlichen Raum mini|hochkant|Zwergenbrunnen an der Grundschule Im Hoyaer Stadtbild finden sich sehr unterschiedliche Skulpturen von Künstlern. Diese Kunst-Objekte sind aus den verschiedensten Materialien gestaltet – aus Kupfer, Messing, Sandstein, Holz, Kunststoff und aus Edelstahl: In der Stadtmitte von Hoya in der Langen Straße der „Zwergenbrunnen“ (1989) von R. Duwe und R. Kubina. Er besteht aus Kupfer, Messing, Sandstein und Holz. Die Skulptur ist die gestalterische Umsetzung der Sage über die Zwerge im Schloss Hoya. Zwei Aalskulpturen (2004; aus Kunststoff und aus Edelstahl) auf dem Gelände des Famila-Marktes in der Nähe der Weserbrücke. Die Entwürfe stammen von den Künstlern A. Bittner, Dr. U. Bittner und R. D. Nerenberg. Die Skulpturen sollen ein Bindeglied zur Innenstadt darstellen und Hoyas Verbindung zur Weser widerspiegeln. Die Decke des Tunnels zwischen Zentralplatz und Hafenanlagen ist zudem mit der Unterseite eines Kanus bemalt, was auf die Nähe der Weser und den gegenüberliegenden Ruderverein hinweist. Wandbild des Schweringer Künstlers Gottlieb Pot d’Or (1905–1978), möglicherweise aus den 1950er Jahren, in der Kassenhalle der Sparkasse Hoya Bronzestatue Paartanz vom Hoyaer Architekten Norbert Thoss von 2006, vor dem Kulturzentrum Martinskirche. zwei Bärenskulpturen gegenüber dem alten Rathaus