mini|hochkant=0.75|Peter Kemeter (2025)Peter Kemeter (* 7. Juli 1941 in Wien) ist ein österreichischer Gynäkologe, Reproduktionsmediziner und gynäkologischer Endokrinologe. Er gehört zu den Begründern der In-vitro-Fertilisation (IVF) in Österreich.

Gemeinsam mit Wilfried Feichtinger (1950–2021) und einem Team der 2. Universitäts-Frauenklinik Wien baute er ab 1979 ein IVF-Programm auf, dem am 5. August 1982 die Geburt des ersten durch IVF gezeugten Kindes in Österreich gelang. Von 1982 bis 1991 betrieben Kemeter und Feichtinger gemeinsam ein privates IVF-Institut an zwei Standorten in Wien, wo sie die IVF-Behandlung vereinfachten und erstmals in Österreich vollständig ambulant durchführten. 1991 gründete Kemeter ein eigenes Institut, das er bis 2005 leitete. 2008 kehrte er auf Einladung Feichtingers an dessen Institut in Hietzing zurück, wo er die Abteilung für Samenspende und die psychosomatisch orientierte Kinderwunschberatung leitet. Leben

Herkunft und Ausbildung Kemeter wuchs als Sohn des Tontechnikers Paul Kemetter (1898–1983) und seiner Frau Margarethe, geborene Matscheg (1907–1967), in Wien-Penzing auf. Sein Großvater väterlicherseits war der Pädagoge und Politiker August Maria Kemetter (1866–1945). Einer seiner drei Brüder, Hannes Kemeter, war später als Sekretär und Grafiker in Kemeters Instituten tätig. Kemeter ist verheiratet und hat drei Kinder.

Nach der Matura am Bundesrealgymnasium Rosasgasse in Meidling studierte er Humanmedizin an der Universität Wien und promovierte 1968 zum Doktor der gesamten Heilkunde. Den Turnus absolvierte er an den Krankenhäusern Horn und Hainburg.

Beginn an der 2. Universitäts-Frauenklinik (1970–1982) 1970 trat Kemeter als Assistenzarzt in die 2. Universitäts-Frauenklinik Wien (2. UFK) ein, wo er unter dem Vorstand Hugo Husslein (1908–1985) seine Facharztausbildung absolvierte. Kemeters Interesse galt von Beginn an der gynäkologischen Endokrinologie (der Lehre von der Hormonsteuerung der weiblichen Fruchtbarkeitsvorgänge), die er bei Florian Friedrich, dem Leiter der Hormon- und Sterilitätsambulanz der Klinik, erlernte.

IVF-Programm (1979–1982) 1975 schloss Kemeter die Facharztausbildung ab und übernahm die Leitung der Hormon- und Sterilitätsambulanz. 1979 starteten Feichtinger, Kemeter und Stephan Szalay nach dem Vorbild der britischen Pioniere Patrick Steptoe und Robert Edwards ein IVF-Programm an der Klinik, in das auch der Ultraschall-Pionier Alfred Kratochwil (1928–2022) eingebunden war.

Am 22. Oktober 1981 gelang dem Team die erste erfolgreiche IVF-Schwangerschaft Österreichs. Am 5. August 1982 wurde das erste in Österreich durch IVF gezeugte Kind geboren. Im November folgten die ersten europäischen IVF-Zwillinge.

Ende 1982 schied Kemeter aus der Klinik aus; Feichtinger folgte ihm 1983 nach, nachdem Meinungsverschiedenheiten über die Leitung des IVF-Programms aufgetreten waren.

Näheres zur Frühphase des Wiener IVF-Programms findet sich im Artikel über Wilfried Feichtinger.

IVF-Institut mit Feichtinger (1982–1991) Fünfzehn Tage nach der Geburt der ersten europäischen IVF-Zwillinge gründeten Kemeter und Feichtinger am 25. November 1982 die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Extrakorporale Fertilisierung und Sterilitätsdiagnostik in Kemeters Privatordination in Penzing – nach eigener Darstellung eine der ersten ambulanten IVF-Einrichtungen weltweit. Der Wechsel von der laparoskopischen Follikelpunktion im Spital auf die ambulante, ultraschallgesteuerte Punktion in der Ordination ermöglichte es, die IVF-Behandlung erstmals in Österreich vollständig ambulant durchzuführen.

Im Juni 1983 richteten beide in der Hofburg den ersten internationalen Kongress zur In-vitro-Fertilisation mit über 360 Teilnehmenden aus. Die frühen Behandlungserfolge zogen bald Patientinnen aus der ganzen Welt an und führten dazu, dass der Standort in der Hadikgasse rasch an seine Kapazitätsgrenzen stieß. Deshalb bezogen sie Ende 1984 eine Villa in Hietzing und richteten dort ein größeres Institut ein. Die Betreuung teilten sie sich im Wochenwechsel auf, sodass beide jede zweite Woche für eigene Forschung frei hatten.

Habilitation und eigenes Institut (1991–2005) 1990 reichte Kemeter seine Habilitationsschrift ein und erhielt 1991 an der Universität Wien die Habilitation für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Das Erstgutachten verfasste Herbert Janisch (1927–2010), der frühere Vorstand der 2. Universitäts-Frauenklinik Wien, an der Kemeter seine ärztliche Laufbahn begonnen hatte. Seit 1989 hielt er zudem einen Lehrauftrag im Weiterbildungsprogramm Psychosomatik für Ärzte.

Anfang 1991 endete die Zusammenarbeit im gemeinsamen Institut: Beide verlagerten ihre Schwerpunkte – Feichtinger stärker auf die technisch-methodische Seite der Reproduktionsmedizin, Kemeter auf die Psychosomatik.

In Penzing – nur wenige Hausnummern von seiner früheren Praxis entfernt – gründete Kemeter das Institut für Reproduktionsmedizin und Psychosomatik der Sterilität, das er bis 2005 leitete. Dort führte er alle Erstgespräche mit Kinderwunschpaaren gemeinsam mit der Psychotherapeutin Jutta Fiegl durch, der Mitbegründerin und Vizerektorin der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien. Neben seinem Bruder Hannes war später auch eine seiner Töchter im Institut tätig.

Tätigkeit ab 2006 Anfang 2006 übergab Kemeter sein Institut an Alexander Schütz, der es in Adebar-Privatklinik umbenannte. Auf Einladung Feichtingers wechselte Kemeter 2008 an dessen Wunschbaby Institut in Hietzing, wo er einerseits die Abteilung für Samenspende leitet – Samenspender rekrutiert und die Samenbank organisiert – und andererseits gemeinsam mit der Psychotherapeutin Michaela Leon Paare mit unerfülltem Kinderwunsch berät. Im Mittelpunkt stehen dabei die Sorgen, die entstehen können, wenn Betroffene an ihr künftiges Leben mit einem durch Samenspende gezeugten Kind denken.

Wissenschaftliches Werk Kemeters wissenschaftliches Werk gliedert sich in zwei Bereiche: die gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin einschließlich der methodischen Weiterentwicklung der IVF sowie die Psychosomatik der weiblichen Hormon- und Fruchtbarkeitsstörungen. Er veröffentlichte rund 150 Fachpublikationen.

Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktion An der 2. Universitäts-Frauenklinik liefen seit 1967 Forschungen zur genauen zeitlichen Bestimmung des Eisprungs. Die Ford Foundation hatte der Universität Wien dafür 200.000 US-Dollar bewilligt – damals rund fünf Millionen Schilling –, die bis 1973 ausbezahlt wurden. Projektleiter war der Klinikvorstand Hugo Husslein. Nach Kemeters Eintritt 1970 stellte ihn Husslein auf Vorschlag von Florian Friedrich für ein Jahr vollständig von der klinischen Routine frei, damit er sich ganz der Organisation des Projekts widmen konnte.

Den methodischen Kern des Projekts bildete der Radioimmunassay, den Kemeter im Herbst 1973 ins Routinelabor einführte – ein Verfahren, das Hormonwerte im Blut und, erstmals in Österreich, auch direkt in der menschlichen Follikelflüssigkeit präzise bestimmte. Anschließend plante er gynäkologische Eingriffe gezielt für den Zeitpunkt des Eisprungs und entnahm dabei Blut, Flüssigkeit und Gewebeproben aus den Follikeln (Eibläschen). Die Ergebnisse zeigten, welche Enzyme des Steroidstoffwechsels in den verschiedenen Phasen der Follikelreifung, des Eisprungs und der Gelbkörperphase eine Rolle spielen – Erkenntnisse, die später für die Entwicklung des Wiener IVF-Programms genutzt wurden. Kemeter, Friedrich und der Pathologe Gerhard Breitenecker publizierten die Ergebnisse international und präsentierten sie auf Konferenzen in Detroit und Miami.

Beiträge zur IVF-Methodik Ab Ende 1982 richteten Kemeter und Feichtinger ihre Forschung auf die Vereinfachung und Standardisierung der IVF: Aus dem stationären, in Vollnarkose durchgeführten Eingriff sollte eine ambulante Routinebehandlung werden, die durch geringere Belastung und niedrigere Kosten einer breiteren Patientengruppe zugänglich würde. Im Übersichtsbeitrag Ten years experience with simplifications in IVF (1990) zogen sie Bilanz dieser Entwicklung.

1982 belegte das Team in Fertility and Sterility, dass die laparoskopische Follikelaspiration – die Eizellentnahme per Bauchspiegelung – entgegen damaliger Annahmen keinen Lutealphasendefekt (eine Schwäche der Gelbkörperphase) auslöst. Ab 1983 erfolgte der Embryotransfer bereits am Tag nach der Punktion, was die Behandlungszeit für die Patientinnen verkürzte.

1986 wiesen sie in Human Reproduction nach, dass die zusätzliche Gabe von Prednisolon zu den Stimulationsmedikamenten die Spiegel der männlichen Sexualhormone und des LH senkt und Eizellqualität sowie Schwangerschaftsrate verbessert; das daraus entwickelte Stimulationsprotokoll wurde später als Kemeter-Feichtinger-Schema bekannt. 1989 schlugen sie ein fixes Stimulationsschema vor, bei dem die Reifung der Eibläschen ausschließlich per Ultraschall – ohne tägliche Bluthormonbestimmungen – überwacht wurde. 1990 wechselten sie zudem zu durchsichtigen Polystyrol-Schälchen statt Glasküvetten, welche die mikroskopische Beobachtung der Eizellen ohne vorheriges Umpipettieren ermöglichten.

Psychosomatik der Hormonstörungen und der Sterilität

Psychosomatische Zusammenarbeit Ab 1971 arbeitete Kemeter eng mit der Psychiaterin und Psychoanalytikerin Marianne Springer-Kremser (1940–2023) zusammen. Als Schülerin von Hans Strotzka gründete sie 1974 die Psychosomatische Frauenambulanz an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde mit – eine der frühesten Einrichtungen im deutschsprachigen Raum, in der seelische Ursachen körperlicher Beschwerden und Fehlfunktionen untersucht und behandelt werden. So konnte Kemeter gemeinsam mit Springer-Kremser und dem Soziologen Anselm Eder in mehreren Studien deutliche Zusammenhänge zwischen hormonell bedingten körperlichen Fehlsteuerungen und seelischem Leid wie Depression und vermindertem Selbstwertgefühl nachweisen.

Als Musterbeispiel gilt die 1979 in der Sexualmedizin erschienene Fallstudie Flucht aus einer Zwickmühle. Kemeter und Springer-Kremser zeigten darin, dass der Hormonbefund einer Patientin mit sekundärer Amenorrhoe (ausbleibender Regelblutung) und ihre psychischen Konflikte nicht unabhängig voneinander zu verstehen sind, sondern als zwei Seiten eines körperlich-seelischen Geschehens. Die Österreichische Gesellschaft für Psychosomatik in der Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGPGG) hob die Arbeit 2023 in ihrer Würdigung Springer-Kremsers als Beispiel gynäkologisch-psychotherapeutischer Zusammenarbeit hervor: Erst die parallel geführten psychotherapeutischen Gespräche hätten zeigen können, dass die Auflösung von Konflikten mit wichtigen Bezugspersonen und die Akzeptanz der weiblichen Identität bei der Patientin zum Wiederauftreten ovulatorischer Zyklen geführt habe; die Amenorrhoe sei als Kompromiss zu verstehen gewesen, der ihr geholfen habe, diese Konflikte auf eine erträglichere körperliche Ebene zu verschieben.

1988 legte Kemeter in Human Reproduction eine groß angelegte Studie vor, die mithilfe des Gießen-Tests 551 IVF-Patientinnen mit 115 fruchtbaren Kontrollpersonen verglich und zeigte, dass Frauen mit erhöhtem Kontrollbedürfnis und hohen eigenen Leistungsansprüchen beim Planen einer Schwangerschaft häufiger Hormonabweichungen aufweisen, die der Reifung der Eizellen in den Eierstöcken abträglich sind.

Das gynäkologisch-psychotherapeutische Beratungskonzept In den späten 1980er-Jahren vermittelte Springer-Kremser die Psychotherapeutin Jutta Fiegl an Kemeters Institut. Fiegl beriet zunächst die Kinderwunschpaare vor einer IVF, schlug aber bald vor, das Erstgespräch gemeinsam mit dem behandelnden Arzt zu führen. Dieses Setting bewährte sich und wurde ab 1991 als gynäkologisch-psychotherapeutisches Beratungsgespräch zur Standardmethode – im Praxisalltag bald kurz Vierergespräch genannt.