Karagündüz-Höyük ist ein Tell, der 34 km nordöstlich der Stadt Van am westlichen Ufer des Erçeksees liegt. Hier hat der Memedik-Bach, der in den See mündet, eine Ebene gebildet. Karagündüz-Höyük liegt an einer Handelsroute, die von Van in den Iran führt und ist mit 75 × 50 × 8–9 Metern der größte Tell am Vansee.

Der Ort Karagündüz

Auf dem Hügel befand sich seit dem Mittelalter ein armenisches Dorf namens Xaragonis, von dessen Namen das heutige Karagündüz stammt. Im Zuge des Ersten Weltkriegs und dem Völkermord an den Armeniern wurden die christlichen Einwohner vertrieben oder getötet. Im Anschluss wurden aserbaidschanische Flüchtlingen aus dem Iran hier angesiedelt. Wegen der Gefahr von Hochwasser wurde das Dorf später verlassen und 2 km weiter nördlich wieder aufgebaut.

Ausgrabungen

Karagündüz Höyük ist seit dem frühen 20. Jahrhundert in der archäologischen Literatur bekannt. Seine Berühmtheit verdankt er jedoch der armenischen Kirche Surp Tateos an der Nordwestseite. Diese Kirche stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde Mitte des 20. Jahrhunderts für den Bau der Karagündüz-Moschee demoliert und verwendet. Selbst ihre Fundamente sind heute nicht mehr sichtbar.Asuman Çırak, S. 3–10

Der Höyük wurde 1956 von Charles A. Burney identifiziert. Die Ausgrabungen begannen 1959 unter der Leitung von Afif Erzen. Nach einer langen Pause wurden die Ausgrabungen 1994 unter der Leitung von Veli Sevin mit finanzieller Unterstützung der Provinzverwaltung von Van, des Rektorats der Universität Istanbul, der Türk Tarih Kurumu und des Türkischen Reise- und Automobilverbands wieder aufgenommen. Veli Sevin, S. 409 Hauptgrund für den Beginn der Ausgrabungen war die Gefahr, dass der Hügel aufgrund des steigenden Wasserspiegels des Erçeksees überflutet wird.Asuman Çırak, S. 5

Stratigraphie

Nach der Auswertung der Grabungsstudien ist die Stratigraphie im Hügel von jung zu alt wie folgt:Asuman Çırak, S. 9

Mittelalterlicher Friedhof Mittelalter Späte Eisenzeit Mittlere Eisenzeit (Urartu) Frühe Eisenzeit Mittlere und Späte Bronzezeit Frühe Bronzezeit (Kura-Araxes-Kultur)

Die dickste Schicht mit 8–9 Metern gehört zur ältesten Periode der Kura-Araxes-Kultur. Alle anderen Schichten machen zusammen 2 Meter aus.Asuman Çırak, S. 16

Funde mini|Gefäß aus Karagündüz (Museum von Van) mini|Gefäß aus Karagündüz (Museum von Van)

Bis 1998 wurden auf dem mittelalterlichen Friedhof 577 Gräber geöffnet. Die Leichen waren in weiße Tücher gehüllt und mit dem Kopf nach Osten begraben. In einigen Gräbern trugen die Toten Schmuck. Frauen wurden in der Regel mit den Händen auf der Brust bestattet, während Männer auf dem Bauch, einer über dem anderen, bestattet wurden. Veli Sevin, S. 410

Ausgrabungen in der Nekropole, 1,5 km westlich des Hügels gelegen, brachten neun Gräber aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. zutage. Sechs dieser Gräber waren Kammergräber mit jeweils angeschlossener Feuerstelle. Jede Kammer enthielt je nach Größe 20 bis 80 Gräber. Offenbar wurde bei jeder neuen Bestattung die alten Gräber verlegt, um Platz zu schaffen, wie es bei urartäischen Gräbern bekannt ist. Man geht davon aus, dass die Toten in Tücher gewickelt waren oder bekleidet bestattet wurden. Standardisierte Grabbeigaben wurden neben den Toten niedergelegt. Zu diesen typischen Grabbeigaben gehören eine Terrakottaschale und enghalsige Gefäße mit hohem oder niedrigem Hals. In den Schalen wurden Fragmente von Wirbelsäulenknochen von Tieren wie Ziegen und Lämmern deponiert. Andere Keramikgegenstände scheinen Flüssigkeiten enthalten zu haben. Bei den Ausgrabungen wurden auch verschiedene Schmuckstücke freigelegt. Dazu gehörten bronzene Schmucknadeln, Ketten und Ringe, blaue Perlen, schmiedeeiserne Armbänder, Fußkettchen, Ringe, Schmucknadeln mit Ösen, Dolche, Speerspitzen, Messer verschiedener Größen, eine Keule und eine Kette. Zu den Funden gehörten auch zwei Siegel urartäischer Arbeit, eines aus Bronze, das andere aus schwarzem Stein.Asuman Çırak, S. 7, 8

Die im Karagündüz Höyük freigelegten menschlichen Skelette repräsentieren insgesamt 890 Individuen. Säuglings- und Kinderskelette machen etwa 54 % dieser Gesamtzahl aus. Etwa 35 % der Säuglings- und Kinderskelette scheinen im Alter zwischen 0 und 2 Jahren gestorben zu sein. Diese Rate übersteigt die Sterblichkeitsrate aller Altersgruppen.Asuman Çırak, S. 70 Skelettanalysen zeigen, dass 35,4 % der Bevölkerung aus Erwachsenen bestanden. Die höchste Sterblichkeitsrate lag zwischen 30 und 35 Jahren bei Frauen und zwischen 35 und 50 Jahren bei Männern. Darüber hinaus wiesen etwa 26 % der Frauen und 47 % der Männer mediterrane Rassenmerkmale auf.Asuman Çırak, S. 142

Bemerkenswert ist ein Gebäudekomplex aus der urartäischen Zeit im nördlichen Teil der Siedlung. Dieser Komplex erstreckt sich über eine Fläche von mindestens 400 Quadratmetern und umfasst Gebäude auf 1–1,40 Meter dicken Steinfundamenten sowie einen teilweise gepflasterten Innenhof.

Die Frühtranskaukasische Periode (Kura-Araxes-Kultur) weist ein regelmäßiges architektonisches Muster auf. Bei Ausgrabungen wurden rechteckige und quadratische Bauten freigelegt, die beide Seiten einer fünf Meter breiten, von Ost nach West verlaufenden Straße säumten. Die Mauern sind 40–45 cm dick und vollständig aus Lehmziegeln errichtet; Steinfundamente sind nicht sichtbar. Die angrenzenden Gebäude bieten keinen Durchgang durch die Mauern. Man nimmt an, dass Ein- und Ausgang durch eine Öffnung in der Decke erfolgte.Veli Sevin, S. 412

Bedeutung

Die Ausgrabungen bei Karagündüz zeigen, dass mit dem Zusammenbruch Urartus in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. bedeutende Veränderungen in der Vanseeregion stattfanden und auf allen Gebieten ein ernster Rückschritt eintrat.

Siehe auch Stele von Karagündüz

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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