Fohnsdorf ist eine im Bezirk Murtal gelegene Gemeinde des österreichischen Bundeslandes Steiermark mit Einwohnern (Stand ). Die Gemeinde wurde 1850 eingerichtet und gehört seither zum Gerichtsbezirk Judenburg und erstreckt sich vom Aichfeld bis zum Kamm des Gaaler Höhenzugs. Fohnsdorf besteht aus sieben Katastralgemeinden und zehn Zählsprengeln. 1114 wurde der Ort erstmals als „Fanestorf“ urkundlich erwähnt und im 19. Jahrhundert durch den Braunkohlebergbau bekannt, der Wodzicki-Schacht war mit Stollen bis zu einer Tiefe von knapp 1200 Meter der tiefste Braunkohlebergbau der Welt. Bei 05:18–05:32. Gesendet im ORF Themenmontag am 16. Juli 2018.
Geografie Geografische Lage Fohnsdorf liegt etwa fünf Kilometer (Luftlinie) nördlich der Bezirkshauptstadt Judenburg an der Nordgrenze des Aichfelds (auch Aichfeld–Murboden, Judenburg–Knittelfelder-Becken oder Fohnsdorfer Becken genannt). Das Aichfeld liegt im oberen Murtal (gesamter Längstalabschnitt der Mur in der Mur-Mürz-Furche). Das Obere Murtal wird durch das Aichfeld in zwei unterschiedliche Teile geteilt – dem westlichen Teil (manchmal als Oberes Murtal im engeren Sinn bezeichnet), zu dem der Bezirk Tamsweg (Salzburg) sowie der Bezirk Murau und Teile des Bezirks Murtal gehören sowie dem östlichen Teil unterhalb der Talenge bei Kraubath an der Mur.
Berge Die höchsten Berge sind der Hölzelkogel (), die Rattenberger Höhe () und der Fohnsdorfer Berg (). Weitere Erhebungen sind der Furtnerhübel (), der Rinachkogel (), der Schlapfkogel (), der Schlossberg (), der Sillweger (), der Vormacherberg (), der Waldkogel und der Zechnerriedel ().
Täler
Im Gemeindegebiet befinden sich mehrere Täler (von West nach Ost). Der Allerheiligengraben bildet die Grenze zwischen Fohnsdorf und Pöls-Oberkurzheim, der östliche Teil des Tals mit dessen Seitentälern Dirnberggraben, Hüblergraben, Steinmetzgraben und Distlingergraben liegt im Fohnsdorfer Gemeindegebiet. Der Kumpitzer Graben liegt nördlich von Kumpitz, der Dietersdorfer Graben nördlich von Dietersdorf. Westlich davon liegt der nördlich dem Ortszentrum gelegene Fohnsdorfer Graben, dazwischen der Wintergraben. Die östlichsten Täler sind der Sillweger Graben und der Rattenberger Graben.
Gewässer Der Dietersdorferbach hat ein Einzugsgebiet von 6,34 und der Fohnsdorferbach ein Einzugsgebiet von 6,25 Quadratkilometern und stellen damit die größten in Fohnsdorf entspringenden Gewässer dar. Beide münden – so wie der Allerheiligenbach, der Reiterbach, der Fohnsdorferbach und der Westliche Dinsendorferbach – in den Pölsfluss. Weitere Nebenflüsse des Pölsflusses sind der Steinmetzgrabenbach, der in den Allerheiligenbach mündet und der Winterbach, der in den Fohnsdorferbach mündet.
Der Rattenbergerbach mit seinen Nebenflüssen Obermoosbach (Zuflüsse: Blümeltalbach, Wassergraben) und Rattenbergerbach Umleitungsgerinne (Zufluss: Sillwegbach, dessen Zufluss: Rinachbach) vereinigt sich in Flatschach (Spielberg) mit dem Flatschacherbach und mündet in den Linderbach.
Auch der Kropfgrabenbach und sein Zufluss, der Brunngrabenbach, entspringen in Fohnsdorf und münden in den Flatschacherbach.
In Zeltweg münden sowohl der Pölsfluss als auch der Linderbach in die Mur – das größte Fließgewässer Fohnsdorfs.
Ausdehnung des Ortsgebietes Der Allerheiligengraben ist die westliche Grenze der Gemeinde Fohnsdorf, westlich davon liegt Pöls-Oberkurzheim. Der Gebirgszug Gaaler Höhe stellt die nördliche Grenze dar und trennt die Gemeinde Fohnsdorf von Gaal. Kurz vor der Flatschacher Höhe verläuft die Grenze nach Süden, der Kropfgraben gehört zu Fohnsdorf und die Brandkuppe auf 1064 Meter Höhe zu Spielberg (Ortsteil Flatschach), der östlichen Nachbargemeinde. Teile des Fliegerhorsts Hinterstoisser gehören zu Fohnsdorf, die Gebäude liegen zur Gänze in Zeltweg. Auf der Fläche des Fliegerhorsts verläuft die Grenze nach Westen, kreuzt die Fohnsdorfer Bahn und trennt Fohnsdorf und Zeltweg. Die Grenze verläuft in nicht gerader Linie nach Süden und trifft auf die Mur, wo sich Fohnsdorf, Zeltweg und Weißkirchen in Steiermark kreuzen. Bis nach dem Einkaufszentrum Arena am Waldfeld (meist „Arena“ genannt) bildet die Mur die Grenze zu den Gemeinden Weißkirchen in Steiermark und Judenburg, danach verläuft die Grenze nach Norden, das gesamte Einkaufszentrum und wirtschaftliche Einrichtungen außerhalb des Einkaufszentrums (z. B. eine Filiale von Eurospar) gehören zu Fohnsdorf, wirtschaftliche Einrichtungen nördlich der Murtal Schnellstraße (z. B. eine Rudolf-Leiner-Filiale und zwei Autohäuser) gehören zu Judenburg. Weiter nördlich bildet der Pölsbach die Grenze zwischen Fohnsdorf und Judenburg, bis sich Fohnsdorf, Judenburg und Pöls-Oberkurzheim in Passhammer treffen.
Das Gemeindegebiet hat eine Fläche von 54,69 Quadratkilometern, davon sind 24,98 Quadratkilometer Dauersiedlungsraum und 9,63 Quadratkilometer Siedlungsraum.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Fohnsdorf besteht aus folgenden sieben Katastralgemeinden (Einwohner 1. Januar 2025Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2025 nach Katastralgemeinden (Gebietsstand 1.1.2025)):
Aichdorf (486,31 ha – 455 Ew.)
Dietersdorf (695,88 ha – 2.822 Ew.)
Fohnsdorf (874,42 ha – 2.697 Ew.)
Hetzendorf (348,01 ha – 1.014 Ew.)
Kumpitz (1.297,80 ha – 126 Ew.)
Rattenberg (1.281,36 ha – 200 Ew.)
Sillweg (485,00 ha – 348 Ew.)
Die Gemeinde Fohnsdorf besteht aus folgenden zehn Zählsprengeln:
Zählsprengel Einwohner () Aichdorf Dietersdorf Fohnsdorf-Nordwest Fohnsdorf-Ost-Dinsendorf Fohnsdorf-Südwest Fohnsdorf-Zentrum Hetzendorf Kumpitz Sillweg-Rattenberg Wasendorf
Abtrennung der Gemeinde Zeltweg Am 12. August 1872 stimmte der Fohnsdorfer Gemeinderat einstimmig der Abtrennung der beiden Katastralgemeinden Farrach und Zeltweg als Gemeinde Zeltweg zu. Die Abtrennung per Landesgesetz wurde am 24. Juni 1874 vollzogen.
Eingemeindungen Mit 1. Juli 1928 wurde die Katastralgemeinde Dietersdorf von der Gemeinde Kumpitz abgetrennt und nach Fohnsdorf eingemeindet. Der Rest der Gemeinde Kumpitz, die KG Kumpitz, wurde am 1. Juli 1948 mit der Gemeinde Fohnsdorf vereinigt.
Nachbargemeinden Von Norden beginnend, im Uhrzeigersinn:
Gaal Ortsteil Gaalgraben Ortsteil Schattenberg Spielberg Ortsteil Flatschach Zeltweg Ortsteil Neuzeltweg Ortsteil Farrach Weißkirchen in Steiermark Ortsteil Maria Buch Judenburg Ortsteil Murdorf-Nord Ortsteil Magdalenavorstadt-Nord Ortsteil Strettweg-Waltersdorf Pöls-Oberkurzheim Ortsteil Allerheiligen
Geologie
Braunkohle wurde vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1978 gefördert – im tiefsten Braunkohlebergbau Europas (über 1000 Meter Tiefe). Die „Halde“ – ein Kohle-Ton-Gemisch – blieb zurück, die Halde brannte durch den großen Eigendruck aus – in der Tiefe brennt sie mit über 1200 Grad Celsius. Die Halde besteht aus Siliciumdioxid, Aluminiumoxid und Eisen(III)-oxid. Im Gebiet der heutigen Südsteiermark bestand ein Meer, das bis zur Koralpe reichte. Bei Bad Gleichenberg existierte eine Bucht mit Vulkanen – der Ablagerungsraum reichte bis in die Mur-Mürz-Furche, wobei das Kohlevorkommen in Fohnsdorf entstand.
Klima Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 14 bis 25 Grad Celsius ist der Juli der wärmste Monat, der Jänner mit einer durchschnittlichen Temperatur von −5 bis 1 Grad Celsius der kälteste. Von Mai bis Juli gibt es durchschnittlich je 15 Regentage und von Jänner bis März je neun und von Juni bis August täglich acht Sonnenstunden und von November bis Jänner je zwei.
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung
Die Einwohneranzahl stieg durch den Bergbau ab 1869 rapid an. Waren es 1869 noch 3.345 Einwohner, zählte man 1900 bereits 10.013. Mit der Schließung des Bergbaus 1978 sank die Anzahl wieder stark. 2025 lebten 7.662 Personen in Fohnsdorf. Seit 2021 nahm die Bevölkerung trotz stark negativer Geburtenbilanz durch Zuwanderung wieder leicht zu (+51). 2024 wurden 51 geboren und 131 starben, 573 zogen nach Fohnsdorf und 415 zogen weg.
Bevölkerung 2025 hatten von den 7662 Einwohnern 6950 die österreichische Staatsbürgerschaft. Der Ausländeranteil stieg von 2021 bis 2024 von 6,7 auf 9,3 %. Mit 52,1 % waren die Frauen 2024 in der Überzahl. Von 2001 bis 2023 hat sich die Zahl der unter 15-Jährigen um 31,8 % auf nur 11,6 % verringert, während die Zahl der über 65-Jährigen von 21,3 % auf 26,9 % stieg.
Der Anteil der über 14-Jährigen mit nur Pflichtschulabschluss sank in diesem Zeitraum von 35,5 % auf 22,5 %, der Prozentsatz der Absolventen einer Lehre sank nur leicht von 43,2 % auf 42,2 %. 15,8 % hatten 2023 eine berufsbildende mittlere Schule abgeschlossen (2001: 10,8 %). Bei den Absolventen der Höheren Schulen steigerten die AHS-Absolventen ihren Anteil von 2,2 % auf 2,9 %, die BHS-Absolventen von 4,2 % auf 8,4 %. Die Akademikerquote der 25- bis 64-Jährigen stieg von 6,1 % auf 10,8 % (12,% bei Frauen, 8,8 % bei Männern).
2023 waren 5,0 % arbeitslos, die Erwerbsquote bei den 15- bis 64-Jährigen betrug 77,2 % (Männer 81,2 %, Frauen 73,2 %)., nachdem sie 2001 noch bei 62,3 % gelegen war. Der Pendlersaldo war leicht negativ (2.240 Einpendler, 2.348 Auspendler). Die Zahl der Arbeitsstätten stieg von 606 (2001) auf 1,318 (2023), die der Beschäftigten im selben Zeitraum von 3.477 auf 4.190. Die Steuerkraftkopfquote erhöhte sich von 2021 bis 2024 von 1.336 € auf 1.547 € (+15,6 %).
3609 Privathaushalte wurden 2023 registriert, wobei die durchschnittliche Haushaltsgröße von 2,41 (2001) auf 2,06 gesunken war.
Wohnraum 2023 gab es in der Gemeinde Fohnsdorf 2.488 Gebäude, davon 2.151 Wohngebäude. Von 4.611 Wohnungen waren 3.601 Hauptwohnsitze.
Religion Die Pfarre Fohnsdorf ist eine römisch-katholische Pfarrei, die zur Diözese Graz-Seckau und damit zur Kirchenprovinz Salzburg gehört. Pfarrer ist Gottfried Lammer. Die ersten Missionare kamen in der Mitte des 8. Jahrhunderts aus Salzburg in die Umgegend Fohnsdorfs, Fohnsdorf, Kobenz und Pöls entwickelten sich bis zum 11. Jahrhundert zu Mutterpfarren. 1061/62 erhielt die Fohnsdorfer Pfarre das Tauf- und Begräbnisrecht. 1147 wurde die Pfarre urkundlich erwähnt. Die erste Pfarrkirche St. Rupert wurde im 11. Jahrhundert erbaut, die Filialkirche St. George wurde 1474 erstmals genannt, musste aber wegen Einsturzgefahr aufgrund von Bergschäden 1857 demoliert werden. Der Neubau im Osten des Ortes wurde 1861 abgeschlossen. Seit 1981/82 gibt es einen Singkreis. Die Katholische Jugend Österreich ist in der Pfarre ebenfalls vertreten.
mini|Filialkirche in Sillweg, dem heiligen Georg gewidmet
In Hetzendorf gibt es eine Weihestätte (1981 erbaut), in Dietersdorf (erbaut 1999), Aichdorf und Rattenberg Messkapellen.
1938 wurde ein Grundstück zum Bau einer evangelischen Kirche erworben, 1960 wurde mit dem Bau begonnen und 1964 die Christuskirche eingeweiht. Am 13. Dezember 2003 wurde eine neue Kirche in Judenburg der Bestimmung übergeben. Die evangelische Kirche in Fohnsdorf wurde verkauft.
Die Zeugen Jehovas besitzen einen „Königreichssaal“ in der Grabenstraße, nördlich des Hauptplatzes.
Geschichte
Das Aichfeld war gegen Ende der Jungsteinzeit (ungefähr 2000 v. Chr.) besiedelt, die Besiedelung Fohnsdorfs während der Hallstattzeit (800 bis 450 v. Chr.) ist belegt. Von 15 v. Chr. bis zum 5. Jahrhundert gehörte das Gebiet zum Römischen Reich. Aus der Umgegend Fohnsdorf gibt es Funde aus der Römerzeit; in Fohnsdorf selbst lässt sich keine Ansiedlung feststellen. Nach 476 (Auflösung des Weströmischen Reichs) wanderte die römische Bevölkerung größtenteils ab, wenige Einheimische blieben zurück.