mini|Porsche 3512 Der Porsche 3512 ist ein Rennsportmotor, den der deutsche Automobilhersteller Porsche für den Einsatz in der 3,5-Liter-Saugmotorära der Formel-1-Weltmeisterschaft entwickelte und baute. Porsches einziger Kunde für diesen Motor war das unter der Bezeichnung Footwork antretende britische Mittelfeldteam Arrows, das ihn nur zu sechs Weltmeisterschaftsläufen der Saison 1991 meldete, dabei mehrfach die Qualifikation verpasste und keine Zielankunft erreichte. Der Motor gilt als einer der größten Misserfolge in Porsches Motorsportgeschichte.

Entstehungsgeschichte Von 1983 bis 1987 war Porsche mit einem von Techniques d’Avant Garde (TAG) finanzierten Turbomotor als exklusiver Partner des McLaren-Teams einer der erfolgreichsten Motorenlieferanten der Formel 1: McLaren und Porsche gewannen in dieser Zeit drei Fahrer- und zwei Konstrukteursmeisterschaften.Fahrerweltmeister mit McLaren-Porsche waren Niki Lauda (1984) und Alain Prost (1985 und 1986), Konstrukteursweltmeister wurde McLaren mit Porsche 1984 und 1985. Als die FISA im Oktober 1986 das Ende der Turboära in Aussicht stellte und ankündigte, ab 1989 nur noch Saugmotoren zuzulassen,Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports. Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9, S. 369. wurde eine Neuaufstellung der Teams und der Motorenhersteller erforderlich.

Porsche versuchte, unter den sich verändernden Bedingungen auch über das Ende der Turboära hinaus als Motorenlieferant in der Formel 1 zu bleiben. Das Unternehmen bot McLaren die Lieferung eines neu zu entwickelnden Saugmotors an, der sich zu dieser Zeit erst im Stadium einiger Zeichnungen befand; McLaren zog aber eine Partnerschaft mit dem bisherigen Williams-Lieferanten Honda vor, die bereits 1988 in Kraft trat. Einer Quelle zufolge schloss McLarens Teamchef Ron Dennis die Vereinbarung mit Honda, nachdem er Porsches Pläne für den 3512 gesehen hatte.

mini|Verantwortlicher Konstrukteur Hans Mezger Porsche trieb daraufhin auf eigene Initiative die Saugmotorpläne weiter voran. Der Anstoß dafür ging auf den Sport- und Entwicklungsvorstand Ulrich Bez zurück. Konstrukteur des Porsche 3512 war Hans Mezger, der bereits den erfolgreichen TAG-Turbomotor TTE PO1 für McLaren entwickelt hatte und unter anderem auch für den Porsche 917 verantwortlich war. Parallel zu den Entwicklungsarbeiten war Porsche auf der Suche nach einem Kundenteam. Mit McLaren (Honda), Williams (Renault) und Benetton (Ford) waren die stärksten Rennställe bereits anderweitig gebunden, sodass nur noch Allianzen mit Mittelfeldteams in Frage kamen. Im Herbst 1989 gab es enge Gespräche mit dem von Jean-Pierre Van Rossem unterstützten britischen Team Onyx Grand Prix, die Porsche allerdings beendete, nachdem sich Berichte über betrügerische Unternehmungen van Rossems gemehrt hatten.Van Rossem betrieb in Belgien ein Anlagesystem namens Moneytron, mit dem er angeblich Kursentwicklungen vorhersagen konnte. Moneytron war im Kern ein illegales Schneeballsystem. Van Rossem wurde später von einem belgischen Gericht wegen Betruges zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. S. dazu Notiz auf grandprix.com vom 22. Dezember 1997 (abgerufen am 15. September 2025).

Letztlich ergab sich im Februar 1990 eine Partnerschaft mit dem Arrows-Team, das in der Konstrukteursmeisterschaft 1989 den siebten Rang belegt hatte und zu dieser Zeit von dem japanischen Logistikunternehmen Footwork finanziert wurde. Footworks Inhaber Wataru Ohashi sicherte Porsche eine Beteiligung an den Entwicklungskosten in Höhe von 35 Mio. US-$ zu. Der Vertrag war je nach Quelle auf drei oder vierGeschichte des Footwork-Porsche-Projekts auf www.f1rejects.com, archivierte Version (abgerufen am 18. September 2025). Jahre ausgelegt; die Motorenlieferung sollte zum Start der Saison 1991 beginnen.

Im Herbst 1990 waren die ersten Prototypen des 3512 einsatzbereit. Im OktoberPierre Ménard: La Grande Encyclopédie de la Formule 1, 2. Auflage, St. Sulpice, 2000, ISBN 2-940125-45-7, S. 125. wurden die ersten Testfahrten mit einem umgebauten Arrows A11B durchgeführt, der in dieser Form die Bezeichnung A11C erhielt. Bei den Tests zeigten sich Leistungs- und Zuverlässigkeitsprobleme. Außerdem erwies sich der Motor als so groß, dass er nicht unmittelbar in den Footwork FA12 passte, den Alan Jenkins für die Saison 1991 konstruiert hatte. Arrows musste den FA12 daher umbauen. Bis zur Fertigstellung des überarbeiteten Autos ging das Team ungeplant mit dem Interimsmodell Arrows A11C an den Start, das in seiner ursprünglichen Form bereits 1989 erschienen war.

Die Renneinsätze erwiesen sich sowohl mit dem A11C als auch mit dem umgebauten FA12 als ein „komplettes Desaster“: Es gab mehr Nichtqualifikationen als Rennteilnahmen und keine einzige Zielankunft. Footwork wechselte nach dem sechsten Saisonrennen auf Cosworth-DFR-Motoren, die von Hart vorbereitet wurden. In dieser Form erschien das Auto ab dem Großen Preis von Frankreich als Footwork FA12C. Die Zusammenarbeit mit Porsche wurde zunächst nur ausgesetzt, bevor es im Oktober 1991 zur offiziellen Kündigung kam, in deren Folge Porsche dem Footwork-Inhaber Ohashi seine Investitionen vollständig zurückerstattete. Porsche veröffentlichte daraufhin eine Pressemitteilung, in der die Bereitschaft zur Belieferung eines wettbewerbsfähigen Teams erklärt wurde. Noch vor der Kündigung des Vertrags hatte Porsche im Spätsommer 1991 versucht, Ohashi dafür zu gewinnen, sein Sponsoring einschließlich des 3512-Motors von Footwork zum neu gegründeten Jordan-Team umzuleiten. Letztlich waren diese Bemühungen erfolglos geblieben, und Porsche fand auch kein anderes Kundenteam. 1991 entwickelte Porsche einen V10-Saugmotor für die Formel 1, der ebenfalls keinen Abnehmer in der Formel 1 fand. Er war einige Jahre später in veränderter Form als Antriebsquelle des – letztlich nicht eingesetzten – Le-Mans-Prototyps Porsche LMP2000 vorgesehen und trieb den ab 2003 gebauten Straßensportwagen Porsche Carrera GT an.

Beschreibung mini|Porsche 3512 V12 Der Porsche 3512 ist ein Ottomotor mit zwölf Zylindern in V-Anordnung ohne Turboaufladung.

Er baut in wesentlichen Strukturen auf dem Sechszylinder-Turbomotor TTE-P01 von 1983 auf. Die Automobilliteratur beschreibt den 3512 als einen Motor, „der praktisch aus zwei zusammengeflanschten V6-Einheiten aus der Turboära bestand“.Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9, S. 430. Wie der V6-Turbomotor,Ian Bamsey: The 1000 bhp Grand Prix Cars, 1988 (G.T. Foulis & Co. Ltd), ISBN 978-0-85429-617-0, S. 131. hat auch der 3512 einen Zylinderbankwinkel von 80 Grad, der für Saugmotoren der 3,5-Liter-Ära ungewöhnlich war.Einen 80-Grad-Winkel hatte abgesehen vom Porsche und den Cosworth-Achtzylindern nur der LE3512 von Lamborghini. Der Bankwinkel von Hondas Zehnzylindermotor betrug 72 Grad, der des Honda-Zwölfzylinders 60 Grad, und die Renault- und Ferrari-Motoren lagen bei 67 bzw. 65 Grad. S. Adriano Cimarosti: Das Jahrhundert des Rennsports, Stuttgart 1997, ISBN 3-613-01848-9, S. 433-

Ein besonderes Merkmal des 3512 ist der Mittelabtrieb: Die Motorleistung wird über Zahnräder, die sich zwischen den Zylindern 3 und 4 sowie 9 und 10 – das heißt in der Mitte zwischen zwei Sechszylindereinheiten – befinden, von der Kurbelwelle auf eine Antriebswelle übertragen, die im Innern des V oberhalb des Kurbelgehäuses angeordnet ist.DSJ: Engines. Motorsport Magazine, Dezember 1990, S. 1285. Eine vergleichbare Konstruktion hatte Mezger beim Porsche 917 verwirklicht. Der Platzbedarf der Zahnräder erhöhte die Baulänge des Porsche-Motors im Vergleich zu herkömmlichen V12-Motoren.

Der Hubraum des Porsche 3512 wird mit 3499 cm³ angegeben. Der Motor hat vier obenliegende Nockenwellen und vier Ventile pro Zylinder.

Als maximale Leistung werden in der Literatur zumeist Werte zwischen 650 und 680 PS angegeben, die bei 12.000 Umdrehungen pro Minute anfielen. Die Höchstdrehzahl lag bei 13.000 Umdrehungen pro Minute. Eine einzelne Quelle geht von deutlich niedrigeren Werten aus: Danach gab der Motor auf dem Prüfstand höchstens 510 PS ab.

Schwachstellen Der Porsche 3512 erfüllte zu keiner Zeit die hoch gesteckten Erwartungen.David Hodges: Rennwagen von A–Z nach 1945, Stuttgart 1993, ISBN 3-613-01477-7, S. 105. Analysen führen eine Reihe von Defiziten auf, die seiner Konkurrenzfähigkeit entgegenstanden:

Der Motor war wesentlich größer und schwerer als die Konstruktionen anderer Hersteller. Das Gesamtgewicht einschließlich Kupplung lag bei 189 kg, nach anderen Quellen bei „fast 200 kg“. Hondas bereits drei Jahre alter Zehnzylindermotor vom Typ RA101E, der in diesem Jahr bei Tyrrell eingesetzt wurde, hatte ein Gesamtgewicht von 154 kg, sein Nachfolger mit zwölf Zylindern, der exklusiv an McLaren ging, wog 159,6 kg, Ferraris V12 annähernd 140 kg und Cosworths HB nur 136 kg.

Der Motor war vergleichsweise leistungsschwach. Die behaupteten Werte von 650 bis 680 PS lagen deutlich unter der Leistung des aktuellen Honda-Zwölfzylinders (780 PS), des Zehnzylinders von Renault (770 PS) und selbst unter Cosworths Achtzylinder-V-Motor der HB-Reihe (730 PS).Daten nach Alan Henry: Auto Course 1991/92. Hazleton Securities, London 1992, ISBN 0-905138-87-2, S. 30 (Honda), 40 (Renault) und 59 (Cosworth HB). Cosworths Kundenmotor DFR kam in der von Hart getunten Variante mit 625 PSGraham Robson: Horses for Courses. Motorsport Magazine, Heft 7/2007, S. 44. nahe an die Leistung des Porsche 3512 heran.

Der Bankwinkel von 80 Grad macht den Motor sehr breit. Zusammen mit der bauartbedingten Länge des Motors ergaben sich daraus aerodynamische Nachteile bei der Gestaltung der Motorabdeckung und der Anströmung des Heckflügels.

Die Ölversorgung war fehlerhaft. Der Mittelabtrieb löste Abdichtungs- und Öldruckprobleme aus. Insbesondere in langen Kurven brach vielfach die Schmierung ab. Das führte wiederholt zu kapitalen Motorschäden.

Die hoch liegende Antriebswelle passte nicht zur Position des niedriger eingebauten Getriebes. Um den Abstand zwischen Antriebswelle und Getriebe zu überbrücken, musste Arrows eine Zahnradkonstruktion entwickeln. Sie erwies sich im Rennbetrieb als sehr defektanfällig.

Alboreto kritisierte den A11C als hecklastig; das Fahrverhalten sei „eine Katastrophe“ gewesen.

Einsätze mini|Arrows A11C: Interimsmodell mit 3512-Motor mini|Footwork FA12 Footwork begann die Saison 1991 mit dem Interimsmodell A11C. Als Fahrerpaarung traten zunächst Michele Alboreto und Alex Caffi an; letzterer wurde, nachdem er sich bei einem Unfall im Straßenverkehr verletzt hatte, ab Kanada durch Stefan Johansson ersetzt.