Oskar Federer (geboren am 5. Mai 1884 in Jičín, Österreich-UngarnKathleen Adler: Americans in Paris, 1860–1900, S. 228.; gestorben am 21. Juli 1968 in Montreal)Biografische Angaben zu Oskar Federer im Biografický slovník českých zemí, Bd. 16, S. 89. war ein österreichisch-tschechoslowakisch-britisch-kanadischer Unternehmensmanager und Kunstsammler.

Leben Herkunft und Staatsangehörigkeit Oskar Federer kam 1884 in Jičín in Böhmen zur Welt.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 241. Seine späteren Wohnorte in Böhmen gehörten 1918 zur neu gegründeten Tschechoslowakei. Nach seiner Zugehörigkeit zur Habsburgermonarchie wurde er zwar 1918 Bürger der Tschechoslowakei, musste sich aber im Nationalitätenkonflikt nach dem Ersten Weltkrieg trotz seiner Mehrsprachigkeit gegen den Vorwurf wehren, er sei Deutscher.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 264. Bei der Volkszählung 1930 bekannte er sich zur jüdischen Nationalität. In der Geburtenmatrik der jüdischen Kultusgemeinde in Jičín sind als seine Eltern Theodor und Mathilde Federer, geborene Veleminsky, aus dem Prager Vorort Vršovice angegeben. Der Vater ist dort zudem als Leiter des Geschäftes J. Kraus vermerkt. Oskar Federers Bruder Hans wurde 1889 geboren. 1947 machte Federer gegenüber den tschechischen Behören jedoch abweichende Angaben. Demnach waren seine Eltern Bohdan und Matilda Federer, geborene Kolínská-Hellenínová. Zudem gab er zu diesem Zeitpunkt an, britischer Staatsbürger zu sein. Darüber hinaus hatte er seit 1945 die kanadische Staatsangehörigkeit.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 271.

Berufliche Stationen vor dem Zweiten Weltkrieg Über die Jugend von Oskar Federer ist wenig bekannt. Er besuchte von 1898 bis 1901 die Deutsche Handelsakademie in Prag und schloss diese Schule im Alter von 17 Jahren ab.Biografische Angaben zu Oskar Federer in Encyklopedie města Ostravy Nach einer kurzzeitigen Beschäftigung in Triest nahm er seine kaufmännische Tätigkeit im Zentraldirektorium der Witkowitzer Bergbau- und Eisenhüttengesellschaft (tschechisch: Vítkovické horní a hutní těžířstvo, kurz VHHT) in Vítkovické (heute ein Stadtteil von Ostrava) auf. Das Unternehmen war im Besitz der schlesischen Familie Gutmann und dem Wiener Zweig der Familie Rothschild. Im Unternehmen stieg er rasch in der Firmenhierarchie auf.

Zunächst arbeitete er in der Handelsabteilung am Standort Vítkovické und wechselte 1915 nach Wien in die Handelsdirektorium der VHHT.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 242. 1916 wurde er dort zum Prokurist berufen. Im November 1918 – mit dem Ende der Monarchie in Österreich-Ungarn und nach der Gründung der Tschechoslowakei – verlies Federer Wien und organisierte in Prag das Büro der VHHT neu. 1921 übernahm er als Direktor die Leitung der neu gegründeten Kontinentalen Eisenhandelsgesellschaft Kern & Co (kurz: Kontinentale) in Prag, die als Hauptexporteur der tschechischen Schwerindustrie agierte.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 242–243. Das Unternehmen hatte bis 1934 acht Niederlassungen im Ausland, darunter im Vereinigten Königreich, in Bulgarien, Jugoslawien, Polen, Ungarn und in Palästina.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 243. 1931 wurde Federer stellvertretender Generaldirektor der VHHT in Vítkovické, 1932 stieg er zum Direktor auf und blieb bis zum Frühjahr 1939 in dieser Position.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 243–244. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 wurde in Wien der Mitbesitzer der VHHT Louis Rothschild verhaftet und der Verkauf des Unternehmens durch die Nationalsozialisten forciert. Hierzu wurde bis März 1939 ein vorläufiger Vertrag in Paris ausgehandelt, bei dem die tschechische Gewerbebank Živnostenská banka und die deutsche Dresdner Bank die VHHT übernehmen sollten.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 253. Mit der so genannten Besetzung der Resttschechei am 15. März 1939 endeten diese Vertragsverhandlungen, an denen Federer beteiligt war.

Darüber hinaus bekleidete Federer weitere Positionen in verschiedenen Wirtschaftsunternehmen. So war er beispielsweise Vorstandsvorsitzender der zu den Rüttgerswerken gehörenden Moravská Ostrava KG, Vorstandsmitglied der tschechischen Stickstoffstofffabrik und der Ferra PragBiografische Angaben zu Oskar Federer in Encyklopedie města Ostravy Hinzu kamen Mitgliedschaften in Berufs- und Interessenorganisationen der Bergwerks-, Eisen- und Chemieindustrie. So gehörte er als Vorsitzender dem Nordmährisch-Schlesischen Industriellenverband an, war Vizepräsident des Zentralverbandes der Tschechoslowakischen Industrie (Ústřední svaz československých průmyslníků) und Mitglied des Beratenden Ausschusses für Wirtschaftsfragen (Poradní sbor pro otázky hospodářské) in Prag.

Exil und Wirken während des Zweiten Weltkrieges Federer verließ Prag im März 1939 und reiste mit dem Flugzeug nach Paris, um vor etwaigen Repressalien durch die deutscher Besatzung zu fliehen.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 254. Dorthin hatte sich auch sein Bruder Hans begeben, der zuvor ebenfalls in der VHHT gearbeitet hatte. Oskar Federer ließ sich danach in London nieder, wo er auf Wunsch des Präsidenten der Tschechoslowakischen Exilregierung Edvard Beneš Mitglied der Kommission für Wirtschafts- und Finanzfragen wurde.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 255. Später war er Mitglied des Tschechoslowakischen Wirtschaftsrates in London und in New York und beriet die britische und die US-amerikanische Regierung. In seiner tschechischen Heimat wurde ihm während des Exils durch die nunmehr als Protektorat Böhmen und Mähren bestehenden Verwaltungseinheit die Staatsangehörigkeit entzogen. Zugleich beschlagnahmten die Behörden seine Bankkonten, seine Aktien und andere Wertpapiere, seine Immobilien und sein bewegliches Vermögen einschließlich seines vor Ort befindlichen Kunstbesitzes. Zuständig hierfür war der so genannte Aussiedlerfonds der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Prag, der direkt dem Reichssicherheitshauptamt im Berlin unterstellt war.Mečislav Borák, Aleš Mühlbauer: Verspätete Gerechtigkeit: Die Restitution von enteignetem Kulturgut in Tschechien, S. 258. Das entsprechende Devisenschutzkommando begründete die Beschlagnahme mit dem Verdacht auf Devisenvergehen und dem vermuteten unerlaubten Transfer von Aktien ins Ausland. Federer konnte jedoch während des Exils durch die verschiedenen Filialen der Kontinentale den tschechischen Widerstand finanziell unterstützen.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 256. Federers Sohn Heinrich diente während des Krieges als Soldat in der kanadischen Armee.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 257.

Neuanfang in Kanada 1940 ließ sich Federer in Kanada nieder und baute sich in Montreal eine neue berufliche Existenz auf. 1945 wurde er kanadischer Staatsbürger.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 259. Ab 1946 leitete er die Prescott Brass Manufacturing Co. Ltd. in der Provinz Ontario. Zudem arbeitete Federer in der Nachkriegszeit erneut für die Familie Rothschild und reiste 1946 und 1947 in ihrem Auftrag für die in London ansässige Versicherungsgesellschaft Alliance Assurance Company Limited nach Prag, um vor Ort deren Eigentumsverhältnisse wieder herzustellen.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 258. Bei diesen Reisen konnte er für sich zudem die Rückübertragung seiner Villa in Prag erreichen. Weiterhin erhielt er einige Aktien zurück und konnte auf einige seiner Konten zugreifen. Nach dem kommunistischen Umsturzes im Februar 1948 wurde gegen Federer 1949 ein neues Verfahren geführt und anschließend sein im Land befindliches Vermögen konfisziert. Über sein weiteres Leben in Kanada gibt es nur wenige Informationen. Er starb am 21. Juli 1968 in Montreal.

Federers Kunstsammlung Durch seinen beruflichen Erfolg standen Federer die nötigen finanziellen Möglichkeiten zur Verfügung, um sich vor dem Zweiten Weltkrieg eine umfangreiche Kunstsammlung aufzubauen. Dazu gehörten Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Skulpturen sowie wertvolle Bücher.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 262. Er stand im Austausch mit anderen Kunstfreunden und gehörte dem Kuratorium der Modernen Galerie in Prag an, deren Sammlung heute zur Nationalgalerie Prag gehört. Zudem gründete er 1930 mit anderen Kunstinteressierten die Galerie Europa, in der im Folgejahr eine Ausstellung mit Werken von Pierre-Auguste Renoir zu sehen war.Magda Veselská: Oskar Federer - Unternehmer und Kunstsammler, S. 261. Auch seine eigene Sammlung zeigte er in Prag im Rahmen einer Sonderausstellung. Die Kunstwerke seiner Sammlung erwarb er meist in der Galerie von Hugo Feigl in Prag oder bei Justin Thannhauser in Berlin.

In der Sammlung von Oskar Federer befanden sich mehr als 140 WerkeJames Adams: Works recovered from Czech Republic. Artikel in The Global Mail vom 15. Dezember 2008., ein Großteil davon tschechische Kunst des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Hierzu zählen Arbeiten von Antonín Chittussi, Václav Brožík, Otakar Nejedlý, Antonín Slavíček, Oldřich Blažíček, Emil Filla, Rudolf Kremlička, Willi Nowak, Josef Čapek und Jan Štursa. Darüber hinaus kaufte er einige bedeutende Werke von anderen europäischen Künstlern wie Ilja Repin, Edvard Munch, Lovis Corinth, Max Liebermann, Henri Matisse, Gustav Klimt, Egon Schiele, Oskar Kokoschka, Oskar Laske, Hugo Harrer, Herbert Boeckl, James Ensor, Édouard Manet, Claude Monet, Paul Cézanne, Jean-Baptiste Camille Corot, Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Pierre-Auguste Renoir und Alfred Sisley.