Die Sächsische Schweiz ist das größte und neben dem Klettergebiet Nördlicher Frankenjura das bekannteste Klettergebiet Deutschlands. Das Gebiet deckt sich räumlich weitgehend mit dem gleichnamigen Naturraum der Sächsischen Schweiz, reicht allerdings weit über das Gebiet des dortigen Nationalparks hinaus. Es erstreckt sich über den westlichen Teil des Elbsandsteingebirges und ist das älteste außeralpine Klettergebiet Deutschlands. Als Geburtsstunde wird meist die erste neuzeitliche Besteigung des Falkensteins im Jahr 1864 durch Bad Schandauer Turner angesehen. Insgesamt waren im Jahr 2011 über 1.100 Gipfel mit über 17.000 KletterwegenSächsischer Bergsteiger Bund: . in der Sächsischen Schweiz zu finden. Aufgrund seiner besonderen Bedingungen gilt das Klettern im Elbsandsteingebirge auch bei erfahrenen Bergsteigern als anspruchsvoll. Der deutsche Extremkletterer Stefan Glowacz äußerte in einem Interview:

miniatur|Die Barbarine am Pfaffenstein, erstbestiegen 1905, Kletterverbot seit 1975 miniatur|Hinweis auf einen Kletterzugang

Besonderheiten des Kletterns in der Sächsischen Schweiz Klettern in der Sächsischen Schweiz wird von einigen Besonderheiten geprägt, die in anderen deutschen Klettergebieten nicht oder nur teilweise zu finden sind. Es gilt eine strenge Kletterethik, die in den bereits seit 1913 geltenden Sächsischen Kletterregeln verbindlich niedergelegt ist. Damit sind bei Sicherungsmitteln und anderen Hilfsmitteln Einschränkungen zu beachten.Dietmar Heinicke (Hrsg.): Kletterführer Sächsische Schweiz. Band 3: Gebiet der Steine. Berg- & Naturverlag Peter Rölke, Dresden 2001, ISBN 3-934514-03-0, S. 11ff., 41ff.

Beschränkung auf freistehende Klettergipfel Eine erste Besonderheit ist, dass das Klettern nur an freistehenden Klettergipfeln mit mindestens 10 m Schartenhöhe zugelassen ist, während in anderen Klettergebieten auch Massivwände vielfach genutzt werden. Als historisch entstandene Ausnahme sind drei Massive freigegeben. Fast alle Gipfel sind mit Gipfelbüchern und Abseilösen versehen. Diese wie auch die Sicherungsringe werden durch den Sächsischen Bergsteigerbund (SBB) betreut und gewartet.

Sicherungstechnik mini|„Sanduhren“ in der Sächsischen Schweiz Traditionell sind die Kletterwege nur mit wenigen Sicherungsringen ausgestattet, dies auch nur an den Stellen, an denen keine andere Absicherung möglich ist. Die Sicherungsringe sind ca. 20 cm lange Felshaken, die in mit Kronenbohrer oder neuerdings auch mit Bohrmaschine erzeugte Löcher geschlagen werden. Riss- oder Lochhaken gelten als unsportlich. Ringe dürfen nur vom Erstbegeher geschlagen oder eingeklebt werden, dieser muss die Ringe aus der Kletterstellung schlagen. Dabei darf er Skyhooks und andere erlaubte Sicherungsmittel als Haltepunkt verwenden. Das „Einbohren“ einer Route von oben, also im Seil hängend, ist untersagt. Über nachträgliche Ringe, etwa wenn bisher vorhandene natürliche Sicherungsmöglichkeiten weggebrochen sind, entscheidet eine Kommission des SBB. In vielen Wegen, auch in höheren Schwierigkeitsgraden, ist der Kletterer damit auf die eigene Absicherung mit Knoten- und Bandschlingen angewiesen. Die Verwendung von anderen Sicherungsmitteln ist untersagt.

„Baustellen“ und Sprünge Als weitere sächsische „Spezialität“ ist es erlaubt, mittels „Bauens“ schwierige Stellen (so genannte Unterstützungsstellen) zu überwinden. Dabei unterstützen ein oder mehrere Personen den Kletterer beim Hinaufsteigen in Form eines „menschlichen Steigbaums“ oder einer „Räuberleiter“, wobei sich alle an der „Baustelle“ beteiligten Personen an natürlichen Haltepunkten festhalten müssen. Als „ausgiebige Baustellen“ werden dabei Stellen bezeichnet, bei denen mehrstöckige, menschliche Pyramiden (ähnlich den katalanischen Castells) zum Einsatz kommen.

Kletterwege mit Bau- bzw. Unterstützungsstellen werden anhand der normalen Skala eingestuft. Wenn eine von den Erstbegehern genutzte Unterstützungsstelle später frei geklettert wurde, werden für den Weg in der Regel zwei Schwierigkeitsgrade (mit und ohne Unterstützung) vergeben.

Weiterhin gibt es im Sächsischen Klettern auch die Möglichkeit, per „Sprung“ auf einen Gipfel zu gelangen, bspw. direkt vom Massiv oder von einem zum Gipfel gehörenden Vorblock. Ein Sprung zählt auch für sich allein als Kletterweg.

Sächsische Schwierigkeitsskala Eine weitere Besonderheit ist die Verwendung einer eigenen Schwierigkeitsskala zur Einstufung der Kletterwege, die mit römischen Ziffern geschrieben wird. Ab VII werden die Grade mit a, b und c weiter unterteilt. Die schwierigsten Wege erreichen derzeit den bestätigten Grad XIIb. Auch für Sprünge gibt es eine Skala. Sie wird in arabischen Ziffern angegeben und umfasst die Schwierigkeitsgrade 1 bis 6. Kletterrouten, die sowohl „normale“ Kletterei als auch Sprünge umfassen, erhalten für beides getrennte Bewertungen, die mit einem Schrägstrich zusammengefasst werden. Ein Beispiel ist der Alte Weg auf den Fritschfels am Pfaffenstein, der mit 2/II eingestuft ist.

Gefahren und Unfälle Das Klettern in der Sächsischen Schweiz ist nicht frei von Gefahren und Risiken. Im Unterschied zum Hochgebirgsklettern treten objektive Gefahren wie Lawinen oder Steinschläge kaum auf. Stattdessen dominieren vor allem fels- und sicherungstechnisch bedingte Risiken. Das Klettern ist durch den weichen, stark verwitterungsanfälligen Sandstein geprägt, wodurch Griffe, Tritte oder Sanduhren unerwartet ausbrechen können. Typische Unfallursachen sind zudem Fehler beim Abseilen, weite Hakenabstände mit langen Sturzstrecken sowie das Versagen oder falsche Legen von Knotenschlingen. Besonders riskant ist das Klettern bei Nässe, da Feuchtigkeit die Festigkeit des Gesteins deutlich reduziert. Die traditionelle Sicherungsethik der Sächsischen Kletterregeln mit wenigen fixen Zwischensicherungen erhöht die psychischen und technischen Anforderungen.

Seit Beginn des Kletterns mit Besteigung des Falkensteins im Jahr 1864 sind über 230 tödliche Kletterunfälle dokumentiert.Wegedatenbank Klettergebiet Sächsische Schweiz Besonders unfallträchtig sind der Vordere GansfelsWegedatenbank Vorderer Gansfels (13 tödliche Unfälle zwischen 1909 und 2019), der FalkensteinWegedatenbank Falkenstein (12 tödliche Unfälle zwischen 1926 und 2003) und der TiedgesteinWegedatenbank Tiedgestein (11 tödliche Unfälle zwischen 1916 und 1963). Zu den bekanntesten Opfern von Kletterunfällen gehören Fritz Brosin (Erstbegeher der Brosinnadel, tödlich verunglückt 1900 am Wilden Kopf in den Affensteinen) und Paul Löschner (Erstbegeher der Löschnerwand am Daxenstein, tödlich verunglückt 1909 im vereisten Gühnekamin am Vorderen Gansfels).

Geschichte des Kletterns in der Sächsischen Schweiz

Die Sächsische Schweiz gilt als eines der ältesten Klettergebiete der Erde und wird auch als „Wiege des Freikletterns“ bezeichnet. Sie entwickelte sich von einem Übungsgelände für die Alpen zum größten deutschen Klettergebiet mit über 17.000 Routen an 1100 freistehenden Felsen. Als Geburtsstunde des Kletterns gilt die Besteigung des Falkensteins durch Schandauer Turner im Jahr 1864. Dabei wurden noch künstliche Hilfsmittel wie Leitern verwendet.

Sächsische Kletterregeln miniatur|Schusterplakette im Schusterweg am Falkenstein Im 1913 von Rudolf Fehrmann veröffentlichten Kletterführer wurden die heute noch weitgehend unverändert gültigen Kletterregeln für die Sächsische Schweiz erstmals veröffentlicht. Sie wurden bereits vor 1900 in ihren Grundsätzen wesentlich durch Oscar Schuster entwickelt. Seitdem sind die Regeln nur sparsam weiterentwickelt worden. Hauptcharakteristikum war und ist der Verzicht auf künstliche Hilfsmittel zur Fortbewegung am Fels., abgerufen am 14. Juli 2014

Die Kletterregeln sind gleichzeitig Bestandteil der entsprechend der Nationalparkverordnung des Freistaates Sachsen notwendigen Bergsportkonzeption, die festlegt, wie und in welchem Umfang das Klettern im Nationalpark Sächsische Schweiz ausgeübt werden darf., abgerufen am 14. Juli 2014 Sie haben damit also normierenden Charakter, ebenso wie die Festlegungen zum Boofen, das nur im Rahmen des Klettersports erlaubt ist., abgerufen am 14. Juli 2014

Wichtigste Regelungen sind:

Künstliche Hilfsmittel sind untersagt, der Kletterer darf ausschließlich natürliche Griffe und Tritte nutzen und sich an ihnen mit der eigenen Körperkraft fortbewegen. Seile, Schlingen, Karabiner etc. dürfen ausschließlich zur Sicherung verwendet werden. Die gegebene Felsoberfläche darf nicht verändert werden (Ausnahme sind Sicherungsringe). Sicherungsringe dürfen nur vom Erstbegeher eines Kletterwegs angebracht werden, über nachträgliche Ringe entscheidet die zuständige Fachkommission des SBB. Die Verwendung von Magnesia ist verboten. Klemmkeile, Friends und ähnliche Hilfsmittel sind verboten, es dürfen ausschließlich Schlingen verwendet werden. Keile die ausschließlich aus textilem Material bestehen, sind jedoch erlaubt. An „Baustellen“ muss sich jeder Teilnehmer aus eigener Kraft halten können und darf nicht anderweitig, etwa per Seil, in seiner Position gehalten werden. Erstbegehungen eines neuen Kletterwegs dürfen ausschließlich von unten nach oben erfolgen, das in vielen Klettergebieten übliche Erschließen neuer Routen durch Einbohren von Haken „von oben“ (also im Seil vom Gipfel oder Ausstieg hängend) ist untersagt. An nassen und feuchten Felsen ist Klettern untersagt, wenn gesteinsbedingt das Risiko der Felsschädigung und des Ausbrechens von Griffen und Tritten besteht.

Weiterhin werden die genauere Vorgehensweise bei Erstbegehungen, Kletterverbote, die Bewertungsskala und das Verhalten beim Klettern geregelt.

Besonders wird auf naturschonendes Verhalten, sowohl beim Klettern als auch beim Zustieg, Wert gelegt. Der Elbsandstein ist stark erosionsgefährdet, entsprechend sollen sich Kletterer felsschonend verhalten. Nicht ausdrücklich untersagt, aber grundsätzlich unerwünscht ist daher Toprope-Klettern, auch beim Seilverlauf und der Sicherung des Nachsteigers sollen Kletterer es vermeiden, dass das Seil unnötig über den Fels schleift. Beim Zustieg sind die markierten Pfade einzuhalten und Sperrungen zu beachten.

Durch die Abriegelung der DDR nach 1945 blieben die Einflüsse alpiner Kletterströmungen weitgehend ausgeschlossen. Das heute vielfach als Irrweg angesehene Technische Klettern, das den Alpinismus in den 1960ern und 1970er Jahren prägte, wurde nur offiziell eingeführt und blieb geächtet. Fritz Wiessner hatte die sächsischen Freikletterregeln bereits vor dem Krieg in die USA mitgebracht und damit die dortige Entwicklung zum Freiklettern wesentlich mitgeprägt. Die Sächsischen Kletterregeln sind damit die Grundlage der heute am meisten verbreiteten Spielart des Kletterns. Seit 2024 zählt das Sächsische Bergsteigen zum immateriellen Kulturerbe und ist in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes eingetragen.Unesco.de: Immaterielles Kulturerbe: Bergsteigen in Sachsen, abgerufen am 5. Februar 2026

Kletterteilgebiete der Sächsischen Schweiz miniatur|Die Teilgebiete im Klettergebiet Sächsische Schweiz Aufgrund der Vielzahl der Gipfel und der großen räumlichen Ausdehnung wird das Klettergebiet in mehrere Teilgebiete unterteilt. In den aktuellen Kletterführern der Sächsischen Schweiz sind folgende Gebiete aufgeführt:

Affensteine Die Affensteine liegen südlich des Kirnitzschtals und östlich von Bad Schandau an den nördlichen Ausläufern des Großen Winterbergs. Der Name hat nichts mit Affen zu tun, sondern kommt von den hier horstenden Uhus, die im Mittelalter auch als Auf bezeichnet wurden.Peter Rölke (Hrsg.): Wander- & Naturführer Sächsische Schweiz, Band 1, Verlag Rölke, Dresden 1999, ISBN 3-934514-08-1, S. 95 Die meisten Gipfel sind relativ hoch, der Sandstein ist im Allgemeinen ziemlich fest, allerdings oft griffarm. In diesem Gebiet finden sich daher viele der anspruchsvollsten Kletterwege der Sächsischen Schweiz.

Zu den bekannten Klettergipfeln dieses Gebietes gehören: