Der tödliche Freund (Originaltitel: Deadly Friend) ist ein US-amerikanisches Scifi-Horror-Drama aus dem Jahr 1986 von Regisseur Wes Craven mit Matthew Labyorteaux und Kristy Swanson in den Hauptrollen. Der Film basiert auf dem Roman Das unheimliche Wunderkind (Originaltitel: Friend) von Diana Henstell und handelt von einem Teenager, der mittels künstlicher Intelligenz seine getötete Freundin wieder zum Leben erweckt, woraufhin diese sich roboterhaft verhält und mehrere Menschen tötet.
Handlung Paul, ein technisch begabter, junger Teenager zieht mit seiner Mutter in eine neue Stadt. Er baut einen Haushaltsroboter namens „BB“ und stattet ihn mit einem Mikrochip und künstlicher Intelligenz aus. Seine Nachbarin Samantha, mit der er eine Romanze beginnt, wird von ihrem gewalttätigen Vater Harry schwer misshandelt und im Krankenhaus für hirntot erklärt. Mit seinem Freund entwendet Paul Samanthas Leiche und implantiert den Chip von BB in ihr Gehirn, um sie wiederzubeleben. Nach der Wiederbelebung verhält Samantha sich ungewöhnlich mechanisch und beginnt, Personen in ihrer Umgebung zu töten, teils aus Rache, teils um Paul zu beschützen. Nachdem sie ihren Vater, die gehässige Nachbarin Elvira Parker und Pauls Freund getötet hat, setzt die Polizei dem Spuk ein Ende.
Entstehung Die Geschichte basiert auf dem Roman Friend von Diana Henstell, welcher in Deutschland 1987 vom Knaur Verlag unter dem Titel Das unheimliche Wunderkind veröffentlicht wurde. Der Drehbuchautor Bruce Joel Rubin, der später für Ghost - Nachricht von Sam einen Oscar erhielt, verfasste das Drehbuch und Horrorlegende Wes Craven (Nightmare on Elmstreet) inszenierte daraus den Film.
Craven und Rubin schwebte ein Teeniefilm mit Science-Fiction-Elementen vor, der sich auf die Beziehungen der Charaktere fokussiert, also nahe am Originalroman. Die ursprüngliche Filmversion war daher weniger gewalttätig und mehr auf Charakterentwicklung ausgelegt. Später wurden auf Wunsch des Testpublikums und des Studios zusätzliche und brutalere Horrorszenen eingebaut. Dies führte in der Postproduktion zu mehreren Nachdrehs und Änderungen am Film.
Hauptdarsteller Matthew Labyorteaux war bereits durch seine Rolle als Albert Ingalls in der Fernsehserie Unsere kleine Farm bekannt. Hauptdarstellerin Kristy Swanson (Pretty in Pink) bekam für ihre Rolle ein spezielles Bewegungstraining, um die mechanische Gestik und Mimik zu imitieren.
Besetzung und Synchronisation
Die deutsche Synchronfassung entstand bei cine-adaption in Gauting. Das Dialogbuch schrieb Helga Bernetti, die Dialogregie führte John Pauls-Harding. Rolle Darsteller Synchronsprecher Paul Conway Matthew Labyorteaux Pierre Peters-Arnolds Samantha Pringle Kristy Swanson Alexandra Ludwig Tom Toomey Michael Sharrett Florian Halm Jeannie Conway Anne Twomey Christina Hoeltel Elvira Parker Anne Ramsey Ingeborg Lapsien Harry Pringle Richard Marcus Michael Rüth Dr. Johanson Russ Marin Paul Bürks Carl Andrew Roperto Gudo Högel Deputy Joel Hile Klaus Nietz Nachbar Tom Spratley Werner Abrolat Veröffentlichung Der Film wurde am 10. Oktober 1986 in den US-Kinos veröffentlicht. Der deutsche Kinostart war am 12. Februar 1987.
Mit einem Budget von 11 Millionen US-Dollar und einem Einspielergebnis von 9 Millionen Dollar in den USA war der Film an den Kinokassen kein finanzieller Erfolg.
Der Film lief in deutschen Kinos ungekürzt mit der Altersfreigabe FSK 16.
Die deutsche VHS erschien im September 1987 und war trotz FSK-16-Freigabe gekürzt. In den USA und Japan wurde der Film 1987 außerdem als Laserdisc veröffentlicht. Die deutsche Free-TV-Premiere fand 1994 bei Sat.1 statt. 2007 erfolgte die deutsche DVD-Veröffentlichung ungekürzt. 2024 erfolgte die Blu-ray-Veröffentlichung durch Plaion.
Kritiken
Die New York Times lobtet, der Film enthalte einige wirklich blutige Szenen, gehöre aber nicht zur Kategorie „Slice-and-dice“ wie Freitag der 13. und sei auch nicht der aus dem Sitz springen lassende Horrorfilm, jedoch stilvoll und sarkastisch genug, um Horrorfans einige bewusst eingesetzte Lacher zu bieten und eine angenehme Abwechslung vom Kreischen zu verschaffen.
Die Los Angeles Times schrieb: „In diesem raffinierten kleinen Thriller gibt es reichlich Schocks und sogar einen Hauch von Traurigkeit, aber nicht genug rasiermesserscharfe Elektrizität.“
Der Filmdienst nennt den Film einen „auf oberflächliche Schrecksequenzen ausgelegten Horrorfilm, dem die reale Bedrohung durch neue Technologien nur als Aufhänger für die flache Handlung dient.“
TV Spielfilm würdigte den Film als düstere, moderne Frankenstein-Fabel im Zeitalter der Biokybernetik, die von Horror-Legende Wes Craven mit leisem Humor und ungewohnt viel Gefühl erzählt werde, und erwähnt die vielleicht "einzige Szene der Filmgeschichte, in der ein Mensch von einem Baseball geköpft wird".
Prisma zufolge inszenierte Wes Craven hier eine ironische Frankenstein-Variante befüllt mit reichlich Science-Fiction-Anleihen.
Leonard Maltin bescheinigte dem Film mehr Herz und tatsächlichen Unterhaltungswert, als man von einem Wes-Craven-Film erwarten würde.
2023 sprach Screen Rant von einem vergessenen und unterschätzten Wes-Craven-Film, der vor allem wegen seiner berüchtigten Todesszene mit einem Baseball bekannt sei, aus der unzählige GIFs entstanden seien. Doch die Mischung aus Science-Fiction und Horror habe weit mehr zu bieten als unbeabsichtigt komische Momente, sondern entwickle sich zu einer überraschend tragischen und düsteren Geschichte. Auch wenn er nicht zu Cravens unheimlichsten Filmen zähle, besitze er verstörende und wirkungsvolle Momente.
Die Filmwebsite Phantastik-Couch sah 2024 in dem Film eine Mischung aus Frankensteins Braut und Nummer 5 lebt!, die trotz des naiven Verständnisses von künstlicher Intelligenz einen angenehmen Retro-Charme und dramatische Elemente aufweise. Die Chemie zwischen den Darstellern stimme, das Tempo sei angenehm und die Spannungskurve steige stetig. Insgesamt handle es sich um charmanten 80er-Horror mit Herz und einigen makabren Horrormomenten.
Auszeichnungen Michael Sharrett war für seine Rolle als Tom Toomey 1987 für den Young Artist Award als Bester Hauptdarsteller in einem Spielfilm (Horror) nominiert, die Auszeichnung ging jedoch an Corey Feldman in The Lost Boys.
Einzelnachweise
Weblinks Der tödliche Freund bei IMDb Schnittfassungen bei Schnittberichte.com
Kategorie:Horrorfilm Kategorie:Filmtitel 1986 Kategorie:Science-Fiction-Film Kategorie:Roboter im Film Kategorie:Literaturverfilmung