mini|Die Gelsdorfhütte im Juli 2025 Die Gelsdorfhütte an der Forster Straße in Weißwasser/O.L. ist ein Industriedenkmal in der Oberlausitz und gilt als ältestes Glaswerk der Stadt. Sie ist die letzte von ehemals fünfzehn Hütten auf der Gemarkung Weißwasser. Mit ihr begann die Entwicklung Weißwassers zur bedeutenden Glasmacherstadt. Der Standort steht unter Denkmalschutz und steht beispielhaft für die Industriearchitektur des 19. und 20. Jahrhunderts. Ein technikhistorisch bedeutsames Detail ist der erhaltene Siemens-Treppenrost-Gasgenerator, der deutschlandweit nur noch selten zu finden ist.
Das Areal wird derzeit nicht genutzt und befindet sich in einem verwahrlosten Zustand.
Geschichte Die erste Glashütte Weißwassers wurde ursprünglich im Jahr 1872 von den Görlitzer Kaufleuten Zwahr, Neubauer und Schulze gegründet. Weißwasser erwies sich als günstiger Standort, da die für die Produktion erforderlichen Rohstoffe (v. a. Sand aus dem nahe gelegenen Muskauer Faltenbogen) in ausreichender Menge zur Verfügung standen und Weißwasser an die Bahnstrecke Berlin–Görlitz angeschlossen war.
Nach finanziellen Schwierigkeiten, die 1876 bis in den Konkurs führten, trat Wilhelm Gelsdorf (21. April 1838 bis 3. Februar 1908), der im Jahr 1877 mit 26 Glasmacherfamilien aus Schlegel/Schlesien nach Weißwasser gekommen war, der Hütte als Teilhaber bei und entwickelt den Betrieb fort. Gelsdorf führte zur Befeuerung der vorhandenen Glasöfen als einer der ersten die Regenerativgasfeuerung mit Braunkohle ein. Die Hütte produzierte Tafelglas für Fenster, Pariser Lampenschirme, später Beleuchtungskörper und Zylinder für Petroleum- und Gasbeleuchtungsanlagen sowie weitere Glasspezialprodukte. Im Jahr 1892 übernahm Gelsdorf das Unternehmen vollständig und gab ihm den Namen „Glaswerke Wilhelm Gelsdorf & Co.“ Gelsdorf leitete die Hütte bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 1908. Das Erbe fiel an seine Frau, und der gemeinsame Sohn Edmund, der seit 1905 bereits kaufmännischer und technischer Leiter war, übernahm die Geschäftsführung.
Am 1. April 1928 wurde die Gelsdorfhütte Zweigbetrieb der 1914 gegründeten „Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG)“.
In der Zeit des Zweiten Weltkrieges erhielt das Unternehmen aufgrund der regimekritischen Haltung seines Inhabers kaum Aufträge. Im Jahr 1943 wurde ein zuvor erworbener Vollautomat für die Glasherstellung beschlagnahmt und einer anderen Glashütte überstellt. Ein Jahr später wurde die Hütte stillgelegt.
Im Jahr 1951 wurde die Gelsdorfhütte unter dem Namen „VEB Glaswerk Gelsdorf“ wieder in Betrieb genommen und war einige Zeit Ausbildungsstätte für Glasmacher. 1966 wurden die Öfen stillgelegt und die Ofengebäude 2 und 3 abgebrochen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm die Flabeg GmbH den Betrieb, stellte jedoch drei Jahre später die Produktion wieder ein. Das Gelände ging an die Treuhandanstalt, die es im Jahr 1995 als Industriedenkmal an die Stadt Krauschwitz übergab.
Gebäude mini|Gelsdorfhütte Das älteste Gebäude auf dem Gelände wurde in den 1880er-Jahren errichtet. Es handelt sich um einen zweigeschossigen Klinkerbau mit Satteldach, der ursprünglich als Verwaltungsgebäude und Wohnhaus für den Hüttenmeister diente. Es wurde im Jahr 2002 saniert.
Ein weiteres markantes Bauwerk ist das Kontorgebäude aus dem Jahr um 1915, ein verputzter Ziegelbau mit Satteldach und portalartigem Eingangsbereich. In ihm waren Büros, Besprechungs- und Ausstellungsräume untergebracht. Das Gebäude ist heute stark beschädigt, die Innenräume und das Dach sind durch Vandalismus und Leerstand in schlechtem Zustand. Der ehemalige Vorgarten ist noch in Resten als repräsentative Anlage erkennbar.
Bemerkenswert ist die bauliche Gestaltung der Öfen: Die Schornsteine an der Giebelseite, die Gesimse sowie Zahnfriese wurden architektonisch in das Mauerwerk integriert. Die Fassade besteht teils aus regionaltypischen gelben Ziegeln, für deren Herstellung heimischer Ton verwendet wurde.
In direkter Nachbarschaft zur Hütte befindet sich die 1925 für Edmund Gelsdorf erbaute Villa. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie enteignet und die Villa zusammen mit dem gesamten Betrieb in Volkseigentum überführt. Zu DDR-Zeiten diente sie u. a. als Sammelstelle für Muttermilch. Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde sie mit Unterstützung des Fördervereins Glasmuseum Weißwasser e.V. saniert und wird seit dem Jahr 1996 von der Stadt als Glasmuseum genutzt.
Künftige Nutzung des Areals mini|Areal im Juli 2025 Im Rahmen des Strukturwandels im Lausitzer Revier ist eine Neuentwicklung des gesamten Geländes vorgesehen.
Literatur Förderverein „Glasmuseum Weißwasser“ e. V. (Hg.): Glashütten in Weißwasser. Erfurt 2005
Weblinks
Denkmalliste Sachsen, Gelsdorfhütte Landesverband Industriekultur Sachsen, Gelsdorfhütte „Verwaltungsgebäude Gelsdorfhütte in Weißwasser O.L.“. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. Liste der Kulturdenkmale in Weißwasser/Oberlausitz Website Glasmuseum Weißwasser
Einzelnachweise
Kategorie:Glasmanufaktur Gelsdorfhutte Gelsdorfhutte Kategorie:Industriedenkmal in Sachsen Kategorie:Erbaut in den 1880er Jahren Kategorie:Erbaut in den 1910er Jahren