Der Schatz der Sierra Madre ist ein erstmals 1927 in der Büchergilde Gutenberg erschienener Roman von B. Traven. Kurzbeschreibung Die US-Amerikaner Dobbs, Curtin und Howard investieren ihr spärliches letztes Geld in Goldgräber-Ausrüstung und begeben sich in die Sierra Madre Occidental, wo sie durch harte Arbeit tatsächlich Gold finden. Abgeschieden in den Bergen geraten die drei Goldsucher immer wieder aneinander. Diese Animositäten begünstigen nach Auflösung des Goldgräber-Camps das Zerreißen des fragilen Bündnisses: Dobbs entkommt mit der gesamten Ausbeute der Goldsuche, wird jedoch von Banditen getötet, die das Gold irrtümlich für Sand halten und achtlos an unbekanntem Ort verstreuen. Inhalt Der US-Amerikaner Dobbs schlägt sich als Tagelöhner und Schnorrer in Tampico durch, hat kein rechtes Verhältnis zum Geld, weil er so wenig besitzt: „Wenn er fünfzehn Centavos aufbringen konnte, dann konnte er auch zwanzig aufbringen, und wenn er keine zwanzig machen konnte, dann fehlten ihm auch die fünfzehn. Im Grunde genommen war es also ganz gleich“,B. Traven: Der Schatz der Sierra Madre. In: Der Schatz der Sierra Madre, Die Baumwollpflücker, Die Brücke im Dschungel. Drei Romane. 3. Auflage. Universitas, München 1992. ISBN 3-8004-0848-1. S. 7–181. Hier S. 16. und er kann Geld genauso gut zum Fenster rauswerfen, beispielsweise durch ein Lotterielos. „Immerhin, weg ist weg. Und man konnte ein paar Tage hoffen.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 17. Als Dobbs mal kurzzeitig Arbeit bei einer Bohrturm-Errichtung hat, lernt er den US-Amerikaner Curtin kennen.Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 38. Zusammen kommen sie auf die Idee, nach Gold zu suchen statt nach Arbeit. „Es ist schließlich keine gewagtere Spekulation, als auf Arbeit in den Ölfeldern zu warten.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 40. Ehe es fest zum Entschluss kommt, trifft Dobbs in seiner Billig-Absteige außerdem auf den älteren US-Amerikaner Howard, der in Alaska, British Columbia, Australien, Montana sowie Colorado nach Gold gegraben, den so erzielten Gewinn aber durch Ölsuche wieder verloren hat und von seinen Goldgräber-Erfahrungen erzählt.Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 42. Nach abermaliger tagelanger Arbeitssuche entschließt sich Dobbs Curtin gegenüber: „Ich gehe jetzt los auf Gold.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 50. Er will Howard mitnehmen: „Howard hat Erfahrung, er hat selbst gegraben und hat auch fein Geld gemacht. Im Öl ist alles wieder draufgegangen.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 51. Howard ist einverstanden. Die drei angehenden Goldsucher finanzieren ihre Goldsuch-Ausrüstung: Howard gibt zweihundert US-Dollar, sein „letztes Geld“, Dobbs kann feststellen, dass er durch das Lotterielos hundert Pesos gewonnen hat, und Curtin lässt sich von einem Freund hundert US-Dollar telegrafieren. „Sie nahmen den Nachtzug nach San Luis. Von dort fuhren sie mit dem nächsten Zug hinauf nach Durango. Hier saßen sie über Karten und studierten die Gegend“.Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 52. Auf Basis der Karten bestimmt Howard den Ort, wo ungefähr sie nach Gold suchen wollen. Viermal finden sie Gold, doch nicht in des Auswaschens lohnenswerter Menge, ziehen weiter, bis sie sich endlich an einer erfolgversprechenden Stelle dauerhaft einrichten.Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 53. „Sie schufteten wie blöd gewordene Sträflinge. Am Tage war es sehr heiß, und in der Nacht war es bitterkalt. Ihr Arbeitscamp lag hoch im Gebirge, in der Sierra Madre. Kein geordneter Weg führte dorthin, nur ein Maultierpfad bis zum Wasser“ mehr als 100 Meter tiefer am Berg: „Um die nächste Eisenbahnstation zu erreichen, dazu war ein Eselsritt von zehn oder zwölf Tagen erforderlich.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 54. Die drei US-Amerikaner „steigen durch ihre selbstständige Goldsuche in der Arbeitshierarchie nicht auf, sondern bringen ihre Erlebnisse aus Tampico mit und wiederholen sie unter extremen meteorologischen Bedingungen. Sie verlieren im dumpfen Alltag ihre Sprache und kommunizieren nur noch mit unverständlichen Kürzeln, geben ihre körperliche Pflege auf und treiben sich bärtig, langhaarig und nur mit Lumpen bekleidet bergauf und bergab“,Dariya Manova: „Sterbende Kohle“ und „flüssiges Gold“. Rohstoffnarrative der Zwischenkriegszeit. Wallstein Verlag, Göttingen 2021. ISBN 978-3-8353-3920-0. S. 183. werden äußerst reizbar durch das „ewig gleichförmige Essen“ und die „öde Eintönigkeit ihrer Tätigkeit“,Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 61. nämlich „den täglichen und geregelten Abbau“ des Goldes, der im Romanverlauf „mit monotoner und tayloristisch optimierter Fabrikarbeit verglichen wird“. Schließlich meinen sie, alsbald genug Gold zusammenbekommen zu haben, setzen sich ein End-Datum für ihre Goldsuche. „Sie hatten jetzt ein bestimmtes Ziel, einen festgesetzten Tag, an dem sie das Lager aufgeben wollten. Und das veränderte ihre Stimmung und ihr Wesen so vollkommen, daß sie nicht begreifen konnten, wie solche Streitigkeiten überhaupt möglich gewesen waren.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 64.

Bevor die drei Goldsucher abreisen, stößt mit dem US-Amerikaner Robert Lacaud unerwartet und unerwünscht ein weiterer Goldsucher zum Trio, der auf seinem Recht besteht, ebenso sehr vor Ort sein zu dürfen wie die drei alteingesessenen Goldsucher: „Mein Recht beruht darauf, daß ich etwas weiß, was ihr nicht wißt.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 75. Aus rein rationalen Gründen haben die drei Alteingesessenen Lacaud vorerst am Leben gelassen, als sich weitere Neulinge ankündigen. „Zehn oder zwölf“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 88. MestizenTraven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 78. nähern sich dem Camp, deren Anführer von Lacaud aus der Ferne als Anführer eines skrupellosen Zug-Überfalls identifiziert wird und Ramirez heißt. Die vier US-Amerikaner brechen das Camp ab, versuchen, dessen Platz so aussehen zu lassen, als wäre er aufgegeben, schmieden einen Verteidigungsplan. Basis der Verteidigung: „eine tiefe Erdrinne, die sich dicht an der Felswand befand. Diese Rinne war gut zur Verteidigung geeignet, denn sie konnten weder von hinten angegriffen noch umgangen werden und hatten den freien ausgerodeten Platz vor sich, wo sie jede Bewegung der Angreifer verfolgen und jeden Mann gut aufs Korn nehmen konnten.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 89. Während die vier Verteidiger sich still verhalten, beschließt die eingetroffene Ramirez-Bande, „hier für einige Zeit ihr Hauptquartier aufzuschlagen, bis die Sache mit dem Zugraub etwas verblaßt war und die Soldaten in weiter abliegenden Distrikten auf der Verfolgung waren.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 91. Curtin wird zufällig auf seiner Einzelposition in der Erdrinne entdeckt. Es kommt zum belagerungsartigen Kampf, der für die US-Amerikaner schlecht zu enden droht, als sich Soldaten dem Platz nähern. „Sie hatten zweifellos erfahren, daß die Banditen hier irgendwo sein müßten“,Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 102. die sich vom Platz entfernen, um dort nicht in eine Falle zu geraten. Die drei alteingesessenen US-Amerikaner räumen nach Verschwinden der Ramirez-Bande und der Soldaten den Platz weiter auf, um ihn unauffällig zurückzulassen und gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt die Mine abermals auszubeuten. Der eigenbrötlerische „Ahasver-Typus“Wilfried F. Schoeller: Nachwort. In: Der Schatz der Sierra Madre, Die Baumwollpflücker, Die Brücke im Dschungel. Drei Romane. 3. Auflage. Universitas, München 1992. ISBN 3-8004-0848-1. S. 425–433. Hier S. 429. Robert Lacaud „war wieder seine eigenen Wege gegangen und […] sagte nicht, was er suche, und von den dreien fragte ihn niemand.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 125.

Dobbs, Curtin und Howard reisen ab mit ihrer geteilten Ausbeute, unauffällig in Felle verpackt, werden aufgehalten in einem Indianerdorf durch die Mitarbeiter einer staatlichen Impfkampagne, lassen sich impfen. Ein Indianer fragt die US-Amerikaner, ob sie seinem Sohn helfen könnten, der bewusstlos aus einem Gewässer geborgen wurde. Howard beatmet den beinahe Ertrunkenen, belebt ihn so wieder, und der Indianer fordert: „Dafür müssen Sie mein Gast sein. Zwei Wochen.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 131. Der aufdringlichen Gastfreundschaft wird Nachdruck verliehen dadurch, dass der Indianer nicht allein ist. „So verärgert die drei Reisenden auch waren, sosehr sie sich wehrten, sie konnten nicht entkommen. Sie waren umringt von den sechs Männern und waren in deren Gewalt. […] So schien es der beste Ausweg zu sein, daß Howard den beiden Arbeitsgenossen sein Gut übergab“, die es quittieren und in Tampico in Howards Namen auf ein Bankkonto einzahlen wollen.Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 132–133. Doch die „drei Männer, die sich hier zusammengefunden hatten, waren niemals Freunde gewesen. Sie hatten auch kaum je daran gedacht, irgendwann einmal Freunde zu werden. Sie waren, um das Beste in dieser Hinsicht zu sagen, Geschäftsfreunde. Aus reinen Nützlichkeitserwägungen hatten sie sich zusammengetan. Sobald dieser Grund verschwand, hörte auch ihre Gemeinschaft auf.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 57. Dobbs und Curtin sind im Verlauf der Weiterreise „wütend, daß sie die Fracht Howards zu transportieren hatten, daß sie seine Esel zu treiben hatten, daß sie sein Gut abladen und aufladen mußten und daß er fehlte und seinen Teil der Arbeit nicht verrichtete.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 133. Dadurch vergrämt, schlägt Dobbs Curtin vor, dass sie Howards Anteil unter sich aufteilen sollten, was Curtin verweigert. Doch das Misstrauen bleibt, und Curtin ist sich sicher, dass Dobbs nun auch ihn opfern würde. „Da war nur ein Ausweg. Curtin hatte das mit Dobbs zu tun, was Dobbs mit Curtin vorhatte. Eine andere Rettung gab es nicht.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 138. In dieser Situation, in der „die Sicherheit des eigenen Lebens allein in der rücksichtslosen Überwältigung und Vernichtung des andern“ liegt,Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 140. überwältigt Dobbs Curtin, tötet ihn vermeintlich, macht sich mit der Ausbeute aller drei Goldsucher allein davon, Zielort Durango.Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 150. „Was kann Howard machen? Nichts. Versucht er, mit der Polizei oder dem Gericht etwas zu erreichen, dann sitzt er selber drin. Er hat ja eine Mine gegraben und ausgebeutet, ohne die Erlaubnis der Regierung einzuholen.“Traven, Der Schatz der Sierra Madre, S. 152.