Die schmalspurigen Tenderlokomotiven der Bauart Typ Brauns waren von der Firma Henschel in Kassel hergestellte Industrielokomotiven der Bauart B n2t. Sie wurden vorrangig in der Spurweite von 900 mm und 600 mm von 1906 bis 1920 hergestellt. Einige wenige Exemplare wurden auch in anderen Spurweiten (750 mm, 837 mm, 1000 mm) gefertigt.

Eine Lokomotive ist erhalten geblieben. Sie wurde 1981 bei den Kalkwerken H. Oetelshofen als Denkmal aufgestellt.Foto der Lok Henschel 17418

Geschichte Die Bauserie Brauns stammt aus einer Reihe von Henschel-Bau-Lokomotiven, die auf Vorrat gefertigt worden und vorrangig an Zwischenhändler wie Gerätestelle Berlin, G. Futter & A. Hirsch in Berlin, W. Hoene, Berlin oder M.Brenner, Berlin weiterveräußert wurden. Teilweise wurden die Lokomotiven an große Baufirmen wie Philipp Holzmann, Dyckerhoff & Widmann oder die Hoch- und Tiefbau AG verkauft. Die Lokomotiven werden im Henschel-Katalog als gängige Henschel-Lokomotiven für Steinkohlenfeuerung bezeichnet.Karl R. Repetzki: Bau-, Feldbahn-, Kleinbahn- und Industrielokomotiven von Henschel, Steiger-Verlag, Moers 1982/83, ISBN 3-921564-52-2, Tafel 1

Die Lokomotiven des Typs Brauns waren auf deutschen Werksbahnen weit verbreitet. Insgesamt 201 Lokomotiven wurden hergestellt. Vorrangig wurden die Lokomotiven für die Spurweite von 900 mm hergestellt. Sie konnten auch in jeder anderen technisch möglichen Spurweite hergestellt werden. Die Lokomotiven waren bis in die 1960er Jahre im Einsatz. Bei der Lokomotive Henschel 12435 ist bekannt, dass sie 1913 an den Lokhändler Geipel in Karbach verkauft wurde und später bei der Huta Żelaza Bobrek in Bobrek im Einsatz war. Die Lok war bis 1971 im Einsatz.Auflistung der von Henschel gefertigten Lokomotiven auf www.werkbahn.de (kann als CD kostenpflichtig erworben werden)

Lokomotiven für die Spurweite 600 mm

Die Lokomotiven mit der kleinsten Spurweite waren die mit den Fabriknummerngruppen 17411-17422 und 17778-17783 aus dem Jahr 1920. Darunter war auch die erhaltene Lokomotive Henschel 17418, die später für den Betrieb bei der Grube Osterholz auf 900 mm umgespurt wurde.

Lokomotiven in anderen gefertigten Spurweiten

Bereits 1910 wurde die Lokomotive Henschel 9734 für die Spurweite 800 mm an die Henrichshütte in Hattingen geliefert. Ein Jahr später entstand für die Dreiviertelmeterspur die Lok mit der Fabriknummer 10659 für die Basaltwerke Adeleben bei Göttingen.

Für die seltene Spurweite 837 mm wurde die erste Lokomotive mit der Fabriknummer 11381 an die Firma Union in Dortmund geliefert. Zu einem nicht bekannten Zeitraum wurde sie nach Dänemark weitergegeben. Die Nummer 14741 ging 1916 an die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-AG in Bochum sowie die Nummern 16184 und 16185 im Jahr 1917 an die Dortmund-Hörder Hüttenunion.

Die Lokomotive mit der größten gefertigten Spurweite wurde 1914 mit der Nummer 13017 an eine Firma in Paris geliefert. Diese Außenseiter entstanden alle um die Zeit des Ersten Weltkrieges, als für besondere Zwecke entsprechende Lokomotiven dringend benötigt wurden.

Erhaltene Lokomotive

Die Lokomotive Henschel 17418 wurde 1919 an G. Futter & A. Hirsch in Berlin geliefert und für die Klöckner Werke AG Georgsmarienhütte verwendet. Zu einem terminlich nicht bekannten Zeitpunkt wurde die Lok für den Betrieb bei den Kalkwerken H. Oetelshofen auf die 900 mm umgespurt und war dort bis in die 1960er Jahre eingesetzt. Danach wurde sie vor dem Werksgelände als Denkmal aufgestellt.Internetseite über die erhaltene Lokomotive Henschel 17418 auf www.Dampflokomotivarchiv.de

Konstruktion

Die Lokomotiven zählten zu der Regelbauart von Henschel-Baulokomotiven und wurden im Beschaffungskatalog mit einem geringen Beschaffungspreis, kurzen Lieferfristen, schneller Beschaffung von Ersatzteilen und einem geringen Ersatzteillager angeboten. Durch die vorrangige Ausführung mit Spurweite 900 mm waren sie vorzugsweise für mittlere Zuglasten in Baubetrieben, Klein- und Hüttenbahnen gut einsetzbar. Sie wurden auf Vorrat gefertigt und von Händlern vertrieben.

Die Lokomotiven besitzen einen Blechrahmen mit einer Stärke von 20 mm, der gleichzeitig als Wasserkastenrahmen im Bereich der ersten Achse ausgelegt ist. Außerdem führten sie seitliche Wasserkästen mit. Der Rahmen war mit den stabil ausgebildeten Pufferbohlen und mehreren Querträgern vernietet, in ihm waren die beiden Achsen gelagert und oberhalb der Achslager mit Blattfedern abgefedert. Als Kupplung wurde eine Mittelpuffer-Kupplung verwendet, die an der Pufferbohle beidseitig abgefedert war.

Die Lokomotiven waren standardmäßig für Steinkohlenfeuerung ausgelegt und hatten einen Kessel mit einer kupfernen Feuerbüchse. Auf Wunsch konnte für den Einsatz mit schwefelhaltiger Kohle eine eiserne Feuerbüchse eingebaut werden. Der Kessel bestand aus zwei Schüssen, auf dem ersten saß der Dampfdom, auf dem zweiten der Sandkasten. Von ihm gingen jeweils vor das vordere und hinter das hintere Rad je ein Sandfallrohr hinab. Die Steuerung der Dampfmaschine wurde mit der Heusinger-Steuerung und Flachschieber durchgeführt, sie wurde mit einem großen Handhebel gesteuert, der Kreuzkopf wurde zweischienig auf der Gleitbahn geführt.

Die Loks besaßen Handbremse, die als Gewichtsbremse mit Raschenhebel ausgeführt war und Hand-Sandstreuer. In der Normalausführung waren sie mit einer Lampe an der Rauchkammertür bzw. Führerhausrückwand mit Petroleumbeleuchtung ausgerüstet. Betrieblich konnten sie mit der Geschwindigkeit von 11 km/h in der Ebene eine Last von 634 t schleppen, auf 10 ‰ waren es 199 t, auf 25 ‰ 100 t und auf 50 ‰ noch 41 t.

Siehe auch

Liste schmalspuriger Lokomotiven von Henschel

Literatur

Karl R. Repetzki: Bau-, Feldbahn-, Kleinbahn- und Industrielokomotiven von Henschel, Steiger-Verlag, Moers 1982/83, ISBN 3-921564-52-2, Seite 52

Weblinks

Stationierung der Lokomotive auf entlang-der-gleise.de Internetseite über die erhaltene Lokomotive Henschel 17418 bei dem Steinbruch Dornap auf www.bimmelbahn-Forum Auflistung der erhaltenen Lokomotiven von Henschel mit Erwähnung der Henschel Typ Brauns Nr. 17418 Filmsequenz auf youtube über die erhaltene Lokomotive Henschel 17418 Internetseite auf bahn-express.de über die vorhandene Lokomotive Henschel 17418

Einzelnachweise

Kategorie:Tenderlokomotive Achsfolge B Kategorie:Schienenfahrzeug (Henschel) Kategorie:Triebfahrzeug (Deutschland)