Das St. Elisabeth-Krankenhaus Köln-Hohenlind, gemeinhin Hohenlind genannt, ist eine Klinik im Kölner Stadtteil Lindenthal. Es wurde 1927 vom Deutschen Caritasverband gegründet. Das Gebäude, die dazu gehörige Kirche von Dominikus Böhm sowie der umliegende Park stehen unter Denkmalschutz.

Geschichte Die Anfänge 1927 fasste der Deutsche Caritasverband den Plan, eine „einheitliche Fortbildungsstätte für die caritative Gesundheitsfürsorge im deutschen Sprachgebiet“ in Verbindung mit einem Krankenhaus zu errichten. Initiator des Vorhabens war Johannes van Acken, der ab 1924 Direktor des Caritasverbandes in Berlin war. Für den Bau wurde ein 16 Morgen großes Gelände erworben, das ein Gut des 1045 gegründeten Antoniter-Ordens gewesen war. Nach der Säkularisierung 1803 gehörte es der Familie Herstatt, und Katharina Adelaide Herstatt erhielt das Grundstück 1829 bei ihrer Heirat mit dem Bankier Johann Heinrich Stein als Mitgift. Die Stadt Köln beteiligte sich mit einem Zuschuss, einer Bürgschaft und einer Zinsvergünstigung am Erwerb des Grundstücks.St. Elisabeth Krankenhaus, S. 15.

Das siebenstöckige Hauptgebäude, bestehend aus drei Trakten, wurde vom Düsseldorfer Architekturbüro Tietmann & Haake entworfen. Bei seiner Einweihung war das Krankenhaus „das größte in Westdeutschland“. Die Einweihung fand mit einem Festakt am 29. Oktober 1932 statt. Der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer erblickte eine „providentielle Fügung“ darin, dass Planung und Bau des Krankenhauses zu einer Zeit begonnen worden seien, als noch ausreichend Geldmittel zur Verfügung gestanden hätten, die Fertigstellung jedoch in die Zeit tiefer wirtschaftlicher Depression gefallen sei.St. Elisabeth Krankenhaus, S. 16. Die Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu von Hiltrup übernahmen die Pflegeaufgaben.

Das Krankenhaus verfügte über 550 Betten. Gelobt wurde etwa die Abkehr von Massensälen, die Unterbringung der Patienten in Zimmern mit überwiegend vier Betten sowie die Möglichkeit, große Liegeterrassen zu nutzen oder mit großen Schiebefenstern zu lüften. Eine Woche nach der feierlichen Einweihung wurde das Krankenhaus eröffnet. 1933 wurden insgesamt 3568 Patienten an 99.444 Pflegetagen versorgt.St. Elisabeth Krankenhaus, S. 17.

Die Eröffnung des Lehrinstituts wurde zunächst um ein Jahr verschoben, um auf erste Erfahrungen mit dem Klinikbetrieb zurückgreifen zu können. Pater M. Fischer OSCam: „Was dieser erste Kurs als Zukunftsbild des katholischen Krankenhauses herausstellte, das sahen die Kursteilnehmer in seinen Grundformen bereits vor Augen: Gemeinschaftswollen und Gemeinschaftsdienst, Wirtschafts- und Betriebseinheit, Herausarbeitung des spezifischen Charakters der kirchlichen Anstalt, religiöse Durchdringung des Ganzen und die Verwirklichung eines Berufslebens, das aus Gebet und Opfer und liturgischer Gottesdienstgestaltung täglich neue Antriebe empfängt.“ 1934 verfasste van Acken für das gemeinsamen Beten mit der Hausgemeinschaft die Gebete von Hohenlind, die an vielen caritativen Anstalten Deutschlands Verbreitung fanden.

NS-Zeit und Kriegsjahre

Nach seiner Absetzung als Oberbürgermeister durch die Nationalsozialisten brachte Adenauer seine Familie – Frau und sieben Kinder – im März 1933 in Hohenlind unter, wo sie im Internatstrakt lebten. Er selbst wurde nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 im Messelager Köln inhaftiert, von wo aus er von Ärzten nach Hohenlind überwiesen wurde und schließlich fliehen konnte.

Am 24. Dezember 1936 wurde Rosa Stein, die Schwester der Ordensfrau Edith Stein, von van Acken in der Kirche des Krankenhauses getauft. Der Grund für die Wahl dieses Taufortes war, dass sich Stein bei einem Sturz Hand und Fuß gebrochen und daher die Nacht vor der Taufe in Hohenlind verbracht hatte. Die beiden Frauen wurden wegen ihrer jüdischen Abkunft am 9. August 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet. In der Kirche erinnert seit 2005 eine Gedenktafel an sie.St. Elisabeth Krankenhaus, S. 29f. Vor der Klinik wurden Stolpersteine für die Schwestern verlegt.

Am 26. August 1939 wurde das Krankenhaus von der Wehrmacht als Reservelazarett übernommen, und alle Zivilpatienten wurden entlassen. Der Lehrbetrieb wurde fortgeführt. In den Kellern wurden Luftschutzkeller eingerichtet und es wurden Speisungen für Hungernde ausgegeben.St. Elisabeth Krankenhaus, S. 18. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich ab Mai 1940 gerieten viele französische Soldaten in Kriegsgefangenschaft, von denen etliche an Verletzungen, die sie im Kampf erlitten hatten, in Reservelazaretten in Köln-Nippes oder in Hohenlind starben. Die Franzosen wurden auf dem Westfriedhof bestattet.

Das Krankenhausgebäude wurde mit starken Betonmauern und einem Erdwall umgeben, Mauern und Türen verstärkt. Von Wasser- und Stromversorgung war die Klinik unabhängig. Am 17. Oktober 1944 wurden Internat und Kirche schwer von Bomben beschädigt, und der Dachstuhl brannte ab. Mehr als 80 Bombentrichter wurden auf dem Gelände gezählt. Das Krankenhaus konnte jedoch weiter Opfer von Luftangriffen aufnehmen.St. Elisabeth Krankenhaus, S. 18f.

Nach 1945 Nach Kriegsende wurde das St. Elisabeth-Krankenhaus für kurze Zeit als Lazarett für US-Amerikaner und Briten genutzt und ab 21. September 1945 mit einer feierlichen Wiedereröffnung wieder für deutsche Patienten freigegeben. Im selben Monat verkaufte die Stadt Köln dem Deutschen Caritasverband ein 7 Hektar großes Gelände am Militärring, womit die Voraussetzungen für künftige Neubauten geschaffen wurden. 1949 war der Wiederaufbau beendet.St. Elisabeth Krankenhaus, S. 20. Es folgten in den weiteren Jahrzehnten Bauten von Wohnheimen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und weitere Neubauten sowie Modernisierungen.St. Elisabeth Krankenhaus, S. 21. 1977 wurde die Klinik Akademisches Krankenhaus der Universität zu Köln.St. Elisabeth Krankenhaus, S. 22.

Mit Ablauf des 30. Juni 1993 zogen sich der Orden der Hiltruper Missionare und somit die letzten im Krankenhaus noch tätigen Ordensschwestern zurück.St. Elisabeth Krankenhaus, S. 23. Im Oktober 1993 gründete sich der Verein der Freunde und Förderer des St. Elisabeth-Krankenhauses in Köln-Hohenlind, um mit der Hilfe von Privatleuten und Firmen Investitionen über den medizinischen Bereich hinaus tätigen zu können.St. Elisabeth Krankenhaus, S. 22.

21. Jahrhundert 2023 verfügte das St. Elisabeth-Krankenhaus über 392 Betten in zehn Fachabteilungen. Krankenhausträger ist die St. Elisabeth-Krankenhaus GmbH. Gesellschafter sind der Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln und die Caritas-Trägergesellschaft West in Düren.

Die Fachabteilungen sind: Medizinische Klinik (mit Notfallambulanz) Abteilung für Radiologie Chirurgische Klinik (mit Notfallambulanz) Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe (mit Notfallambulanz) Brustzentrum (Senologie) Urologische Klinik (mit Notfallambulanz) Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde (mit Notfallambulanz) Klinik für Augenheilkunde (mit Notfallambulanz) Schmerztherapie Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin

An der Caritas-Akademie werden weiterhin Ausbildungs- und Weiterbildungsgänge für Gesundheitsberufe angeboten. 2024 wurde ein Neubau des Caritas-Bildungszentrums für Pflege am St. Elisabeth-Krankenhaus Köln-Hohenlind eröffnet. Das Bildungszentrum bietet bis zu 252 Ausbildungsplätze für Pflegefachkräfte und Pflegefachassistenten an.

Kirche mini|Die Krankenhauskirche von Dominikus Böhm (2009) mini|hochkant|Der Innenraum der Kirche (2004) Die Krankenhauskirche St. Elisabeth (erbaut 1928–1932) gilt als Herzstück des Krankenhauses und eines der ersten Beispiele für modernen Kirchenbau in Köln. Van Acken, ein theoretischer Vordenker der Liturgiereform, die eine Stärkung der Teilnahme der Gemeinde an der Feier der Liturgie zum Ziel hatte, fand in Dominikus Böhm einen Architekten, dessen Kirchenbauten von diesen Ideen beeinflusst waren.

Der flachgedeckte Baukörper besteht aus dem Kubus des Gemeinderaumes und der halbrunden Apsis des Chores. Wie das Krankenhaus zeigt auch die Kirche nur durch Fensteröffnungen gegliederte Backsteinfassaden, was zu einem „monumentalen Erscheinungsbild“ führt. Dabei dienten frühromanische Kirchen als Vorbild, die den Anhängern der Reformbewegung als gebauter Ausdruck der gelebten religiösen Gemeinschaft jener Frühzeit gilt. Das Mittelschiff der Krankenhauskirche liegt auf Erdgeschossniveau des Krankenhauses, die äußeren Schiffe und der Chor auf Ebene des ersten Geschosses. Dadurch ergibt sich eine räumliche Trennung für gesunde und kranke Kirchenbesucher.

Die Ausstattungsstücke der seit 1982 denkmalgeschützten Kirche stammen unter anderem von Ewald Mataré, darunter die Holzskulptur „Schmerzensmann“. Die Kölner Werkschulen schufen 1932 Wandteppiche für die Kirche. Ursprünglich waren Decken und Wände der Kirche in Weiß gehalten. 1949/50 wurde der Chor mit einer Darstellung des Jüngsten Gerichts von dem Künstler Peter Hecker ausgemalt.

1943, während des Krieges, wurden die Glocken aus dem Glockenturm entfernt. 2006 konnten mit Hilfe von Spenden des Fördervereins, einer Initiative von 16 Kölner Karnevalsgesellschaften und des Kölner Dreigestirns von 2006 zwei neue Glocken angeschafft werden. Die kleinere Glocke trägt die Inschrift „Däm Här zor Ihr – De Minsche zor Freud ben ich e Jeschenk vun kölsche Fastelovendsjecke. Kölle Alaaf!“ (‚Dem Herrn zur Ehre – den Menschen zur Freude bin ich ein Geschenk von kölnischen Karnevalsjecken.‘) In Erinnerung an Kardinal Frings erhielt sie sein Wappen. In der Krypta befindet sich das Grab von Johannes van Acken.

Park Zum Zeitpunkt des Erwerbs im 19. Jahrhundert war das Grundstück Teil des „landtagsfähigen“ Rittergutes Hohenlind. Um 1850 wurde dort ein klassizistisches Landhaus erbaut. Es war von einem großflächigen Park umgeben, von dem schon 1932 gesagt wurde, er sei 150 Jahre alt. Das Herrenhaus wurde in den 1920er Jahren abgerissen.

In dem Park befinden sich zum Teil sehr alte Bäume, darunter zwei, die auf der Liste der Naturdenkmäler stehen: eine Platane (Platanus acerifolia, NDI 303.11a) sowie eine Stieleiche (Quercus robur, NDI 303.11b). Die Grünanlage ist tagsüber für die Öffentlichkeit geöffnet.

Trivia Auf der Geburtenstation von Hohenlind wurde ein „1.-FC-Köln-Familienzimmer“ eingerichtet. Das Zimmer ist in den Vereinsfarben „rut un wieß“ (rot und weiß) gestaltet. Es gibt ein FC-Trikot und einen Geißbock Hennes aus Gips. Schon im Krankenhaus können die Eltern eine Mitgliedschaft für ihr Kind beim FC beantragen.

Literatur Deutscher Caritasverband Freiburg (Hrsg.): 2. Ausführungsbericht zum Bau des deutschen Caritasinstitutes für Gesundheitsfürsorge und St. Elisabeth-Krankenhauses zu Köln-Hohenlind. Köln 1932.

Daniela Danz: Herzpunkt der Anlage. Der Krankenhauskirchenbau der Weimarer Republik. Göttingen 2015, ISBN 978-3-8353-1681-2, hier insb. S. 63–175. Ralph Eberhard Brachthäuser: Johannes van Acken – „sein Geist hatte etwas Universelles“. In: Johannes van Acken: Christozentrische Kirchenkunst. Ein Entwurf zum liturgischen Gesamtkunstwerk. Neu herausgegeben, bearbeitet und ergänzt um eine Biographie von Ralph Eberhard Brachthäuser und eine kunsthistorische Einordnung von Manuela Klauser, mit einem Geleitwort von Albert Gerhards. Münster 2022, ISBN 978-3-643-15197-1, S. 181–248, hier insb. S. 234–240.

Weblinks

Website des Krankenhauses Hohenlind Infobroschüre: Kirche des St. Elisabeth-Krankenhauses Köln-Hohenlind (PDF; 0,9 MB)

Einzelnachweise

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