Die Unfall einer de Havilland Canada DHC-3 Otter in der Mutiny Bay ereignete sich am 4. September 2022. Bei einem Charterflug von Friday Harbor nach Renton innerhalb des US-Bundesstaats Washington geriet eine de Havilland Canada DHC-3-T Turbine Otter plötzlich außer Kontrolle und schlug in den Gewässern der Mutiny Bay auf, wobei alle 10 Insassen getötet wurden.
Maschine Das beteiligte Flugzeug war eine 1967 gebaute und mit Schwimmkufen ausgerüstete de Havilland Canada DHC-3 Turbine Otter mit der Werknummer 466 und dem Luftfahrzeugkennzeichen N725TH. Es handelte sich somit um die letzte je gebaute Maschine des Typs de Havilland DHC-3 Otter. Am 16. Juni 1967 wurde die Maschine mit dem Kennzeichen CF-VQD an die Fluggesellschaft Laurentian Air Service aus Ottawa, Ontario ausgeliefert. Am 24. Juni 1977 übernahm Sabourin Lake Airways aus Cochenour, Ontario, die Maschine, ließ sie mit dem Kennzeichen C-FVQD wieder zu und betrieb sie bis zum 3. Juli 1996. Am 4. September ereignete sich auf einem entlegenen Flugfeld 50 Meilen nördlich von Mayo, Yukon ein Unfall mit der Maschine. Als die Maschine mit Rückenwind Rückenwind landete, stieg sie kurzzeitig nach der Landung wieder in die Luft. Die Piloten verloren die Kontrolle über die Maschine, die daraufhin in Büsche rollte, wodurch das Fahrwerk, der Propeller und das Leitwerk beschädigt wurden. Die Maschine wurde repariert und wieder in Betrieb genommen. Im April 1998 übernahm Eagle Aviation Ltd. aus Silver Falls, Manitoba die Maschine und verleaste sie an Blue Water Aviation Services Ltd., die die Maschine am 14. April 1998 zuließ und sie von ihrer Basis in Pine Falls, Manitoba aus betrieb. Ab dem 4. Juni 1999 verleaste Eagle Aviation Ltd. die Maschine dann an Sowind Air Ltd. aus St. Andrews, Manitoba, wobei die Maschine in Little Grand Rapids stationiert war. Am 14. April 2000 wurde sie bei der Fluggesellschaft wieder abgemeldet. Vom 10. Mai 2000 bis zum 5. April 2001 war die Maschine erneut auf die Blue Water Aviation Services Ltd. zugelassen, vom 5. April 2001 bis zum 18. Juni 2002 war sie dann an Wamair Service & Outfitting Inc. aus Matheson Island, Manitoba verleast. Die Maschine wurde dann bei AOG Air Support in Kelowna, British Columbia. in eine DHC-3 Turbine Otter umgebaut, indem sie mit einem Turboproptriebwerk des Typs Walter M601 SER nachgerüstet wurde. Am 19. Juni 2002 wurde die Maschine auf die Manitoba Ltd. (Adventure Air), aus Pine Falls, Manitoba zugelassen und von Matheson Island, Manitoba aus betrieben. Dieses Unternehmen gehörte zu der Leasinggeberin Eagle Aviation Ltd. Ab Mai 2003 bis Ende 2004 war die Maschine an Inland Air Charters aus Prince Rupert, British Columbia verleast. Die Maschine wurde am 5. April 2005 schließlich wieder an Manitoba Ltd., (Adventure Air) zurückgegeben. Von Mai 2005 bis September 2005 war die Maschine an Northway Aviation aus Arnes, Manitoba. und von Mai bis September 2006 erneut. Ab dem 16. Mai 2007 war die Maschine auf Northwestern Air Lease aus Fort Smith, Northern Territories zugelassen. Von Mai 2007 bis Mai 2008 war die Maschine an Northway Aviation aus Arnes, Manitoba unterverleast, ehe sie zum 23. Juni 2008 in die Flotte von Manitoba Ltd., (Adventure Air) zurückkehrte. Vom 20. Mai 2011 bis zum 6. März 2013 war die Maschine an Kississing Lake Lodge Ltd. (Wings over Kississing) aus Steinbach, Manitoba zugelassen, anschließend wurde sie aus dem Zulassungsregister Kanadas gestrichen und in die USA exportiert. Die Maschine wurde nach Erhalt eines Lufttüchtigkeitszeugnisses der Federal Aviation Administration am 17. März 2014 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen N725TH auf Hans W. Munich, aus Yukatat, Alaska zugelassen den Besitzer von Yukatat Coastal Airlines. Im Juli 2015 wurde ein neues Triebwerk des Typs Walter GE-H80 montiert; neue BARON-STOL-Tragflächen sowie ein neues Interior und neue Rücksitze. Am 18. Dezember 2018 wurde die Maschine auf ihre neue Eigentümerin Northwest Seaplanes Inc., aus Renton, Washington zugelassen. Die Gesamtbetriebsleistung der Maschine belief sich auf 22.203 Betriebsstunden.
Passagiere und Pilot Den Flug hatten neun Passagiere angetreten. Es befand sich ein einzelner 43-jähriger Pilot an Bord der Maschine, der über 3.686 Stunden Flugerfahrung verfügte, davon 1.300 Stunden mit der DHC-3 Otter.
Unfallhergang Am Morgen des Unfalltages war die Otter von Renton nach Roche Harbour geflogen und anschließend nach Renton zurückgekehrt. Von dort ging es weiter nach Windsock auf Lopez Island und schließlich nach Friday Harbor. Um 14:50 Uhr startete die Maschine in Friday Harbor mit dem Piloten und neun Passagieren an Bord zum Rückflug nach Renton. Sie befand sich in einer Höhe von 305 Metern (1000 Fuß), als sie 18 Minuten nach dem Start senkrecht in die Gewässer der Mutiny Bay nahe Whidbey Island stürzte. Alle Insassen kamen dabei ums Leben. Augenzeugen beobachteten, wie die Otter sich im Sturzflug fast senkrecht drehte.
Such- und Bergungsaktion mini|Das Wrack der Maschine Die US-Küstenwache leitete umgehend eine Such- und Rettungsaktion ein. Mehrere Schiffe, ein Eurocopter MH-65 Dolphin-Hubschrauber (Kennzeichen 6517) der Küstenwache Port Angeles und ein Alenia C-27J-Patrouillenflugzeug der Küstenwache Sacramento waren im Einsatz. Am Nachmittag wurde eine Leiche im Wasser treibend gefunden, weitere Leichen oder Wrackteile blieben jedoch verschwunden. Die Küstenwache stellte ihre Suche am Montagnachmittag ein, nachdem sie zu dem Schluss gekommen war, dass niemand den Absturz überlebt haben konnte. Das NTSB traf am selben Tag ein, um die Suche nach dem Flugzeugwrack zu koordinieren und begann ebenfalls mit seiner offiziellen Untersuchung des Absturzes.
Die Suche des National Transportation Safety Board wurde vom Department of Fish & Wildlife, der University of Washington und der NOAA mithilfe von Seitensicht- und Fächerecholotgeräten unterstützt. So konnte das Wrack in 58 Metern Wassertiefe in einem Gebiet mit starker Strömung geortet werden. Die Bergung des Wracks sollte am 26. September mit zwei Lastkähnen beginnen, von denen einer mit einem Kran ausgestattet war. Die US-Marine stellte ihr ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug „Deep Drone 8000“ zur Verfügung, das den Meeresboden absuchte, Wrackteile in Körbe sammelte und diese mit dem Kran verband. Auf diese Weise wurde das Wrack am 29. September, mehr als drei Wochen nach dem Absturz, an die Oberfläche gebracht und die meisten Leichen geborgen. Drei Passagiere blieben jedoch vermisst, da sie von der starken Strömung mitgerissen worden waren. Das Wrack wurde vom NTSB zur detaillierten Analyse an einen sicheren Ort gebracht.
Ursache Das National Transportation Safety Board übernahm nach dem Unfall die Ermittlungen zur Unfallursache. Als wahrscheinliche Ursache dieses Unfalls wurde festgestellt, dass sich die Klemmmutter vom Zylinder des Trimmaktuators des Höhenleitwerks während des Fluges aufgrund eines fehlenden Sicherungsrings gelöst hatte, was dazu führte, dass sich das Höhenleitwerk in eine extreme Position mit nach unten geneigter Hinterkante bewegte und die Nickbewegung des Flugzeugs unkontrollierbar wurde.
Am 4. Oktober erließ die Federal Aviation Administration eine Lufttüchtigkeitsanweisung, die eine sofortige Inspektion der Höhenruderholme aller DHC-3 Otter vorschrieb mit dem Ziel, Risse und Korrosion zu erkennen und zu beheben, da diese zum Ausfall des Höhenruders und damit zum Kontrollverlust über das Flugzeug führen konnten. Der Bericht des NTSB wurde nach Fertigstellung veröffentlicht.
Quellen Unfallbericht DHC-3T, N725TH im Aviation Safety Network Crash of a De Havilland DHC-3T Otter into the Mutiny Bay: 10 killed, B3A – Bureau of Aircraft Accident Archives Abschlussbericht des National Transportation Safety Board Betriebsgeschichte der Maschine, dhc-3archive.com
Weblinks
Kategorie:Flugunfall 2022 Kategorie:Flugunfall in den Vereinigten Staaten Kategorie:Luftverkehr (Washington) Kategorie:De Havilland Canada DHC-3