Die haitianisch-marokkanischen Beziehungen beschreiben das bilaterale Verhältnis zwischen der Republik Haiti und dem Königreich Marokko.
Offizielle Beziehungen Die im Jahr 1804 von Frankreich unabhängig gewordene Republik Haiti und das 1956 von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassene Königreich Marokko nahmen am 22. August 1985 diplomatische Beziehungen auf.
Haiti richtete am 12. Dezember 2020 eine Botschaft in der marokkanischen Hauptstadt Rabat und ein Generalkonsulat in Dakhla (Westsahara) ein. Haiti war mit der Eröffnung der konsularischen Vertretung in Dakhla am 14. Dezember 2020 das erste nicht-arabische und nicht-afrikanische Land, das einen solchen Schritt vollzog.
Marokko ist in Haiti durch einen Honorarkonsul vertreten. Der Botschafter Marokkos in Venezuela ist in Haiti nebenakkreditiert.
Beide Länder sind Mitglied der Internationalen Organisation der Frankophonie (OIF).
Politik Im Dezember 2018 trafen die Außenminister beider Länder, Bocchit Edmond und Nasser Bourita, am Rande einer internationalen Konferenz in Marrakesch zusammen und betonten in einer gemeinsamen Erklärung die „ausgezeichnete Qualität der bilateralen Beziehungen“. Diese sei durch die „Förderung der Freundschaft, Brüderlichkeit und Zusammenarbeit zwischen den Regierungen und Völkern beider Länder“ weiter zu stärken. Es gelte, „eine echte strategische Partnerschaft“ aufzubauen, die auf den „Grundsätzen des gegenseitigen Nutzens und der gemeinsamen Entwicklung“ basiere.
Der haitianische Premierminister Jean-Henry Céant nahm auf Einladung von König Mohammed VI im März 2019 in Rabat am Forum Crans Montana teil.
Die Regierung Haitis unterstützt die Haltung Marokkos, d. h. die territoriale Integrität des Landes im Westsaharakonflikt. Dies unterstrich Außenminister Claude Joseph bei einem Besuch am 10. Dezember 2020 in Rabat. Sein marokkanischer Amtskollege Nasser Bourita betonte seinerseits, Haiti sei in regionalen und internationalen Organisationen stets ein verlässlicher Verbündeter Marokkos. Die Delegation des haitianischen Außenministers traf sich auch mit der General Confederation of Moroccan Enterprises (CGEM-MA), um Fragen des Handels und marokkanischer Investitionen in Haiti zu erörtern.
Marokko hatte sich im Jahr 2004 auf Initiative Spaniens bereit erklärt, 100 Blauhelmsoldaten für den vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschlossenen Einsatz einer Stabilisierungsmission in Haiti beizusteuern.
Wirtschaft Der bilaterale Handel ist geringfügig.
Haiti führt praktisch keine Güter nach Marokko aus.
Marokko exportierte im Jahr 2023 Waren im Wert von gut 2 Mio. US-Dollar nach Haiti:
Verschiedene Nahrungszubereitungen (951.000 Dollar), Zucker (726.000 Dollar) und gefrorener Fisch (241.000 Dollar) u. a.
Kultur Im Februar 2021 besuchte eine Delegation unter Leitung der Direktorin für kulturelle Angelegenheiten des haitianischen Außenministeriums, Yvrose Green, Marokko. Sie führte bilaterale Gespräche in Dakhla, in denen es um die Ausgestaltung einer Vereinbarung für den Zeitraum 2021–2023 ging, die Marokko und Haiti am 11. Dezember 2020 unterzeichnet hatten. Die Verbesserung der wissenschaftlichen und bildungspolitischen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern und die Möglichkeiten eines kulturellen Austauschs zwischen Haiti und der Region Dakhla-Oued Ed-Dahab wurden diskutiert. Die haitianische Delegation besuchte Hochschulen und Unternehmen der Wirtschaft.
Die Regierung Marokkos vergibt regelmäßig Stipendien an haitianische Studierende. Im akademischen Jahr 2025–2026 können 60 Stipendiaten ein Hochschulstudium in Marokko absolvieren.
Einzelnachweise