mini|Amalie von Voigt: Wörterbuch 1822 Amalie Henriette Caroline Voigt geb. Ludecus, ab Januar 1807: von Voigt (* 21. September 1778 in Weimar; † 4. Oktober 1840 ebenda) war im klassischen Weimar unter Pseudonymen („Cäcilie“, „A. V.“, „Vir.“ u. a.) schriftstellerisch tätig.Büste von Christian Friedrich Tieck etwa 1802, photographiert von Sigrid Geske.

Die Herkunftsfamilien Amalies Vater Johann August Ludecus (1741–1801) und ihre Mutter Friedericke geb. Kirms (1747/1748–1789) waren jeweils Teil einer verzweigten Weimarer Beamtenfamilie.nach Huschke 1977, S. 73‒76 und 83–85.

Ludecus

Kirms

Leben Friedericka Kirms und Johann August Ludecus heirateten am 5. Mai 1776.Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 8. Mai, S. 150f. Das Ehepaar bezog das umgebaute HinterhausUmbau 1776 laut der Baugeschichte in Müller-Harang 1999, S. 32. auf dem Kirms-Grundstück. Das erste Kind der Ehe war Amalie Henriette Caroline 1778.Laut Dahl, Goethes Amtliche Schriften, 1987, S. 148, war nicht Ludecus der Vater, sondern der Herzog Carl August ‒ offenbar eine Verwechslung mit der von Ludwig Ludecus adoptierten Amalie (1799–1882). Ihr Geburtstag war der 21. September;Huschke 1948/1949, S. 181.Brief vom 21. September 1821 (Matenko 1967, S. 46). bei ihrer Taufe am 23. SeptemberWeimarische Wöchentliche Anzeigen vom 26. September 1778, S. 316f. zählten zu den Paten die Herzogin-Mutter Anna Amalia, der Kanzler Achatius Carl Schmid (Friederickas Schwager) und die beiden Großmütter Friederika Rosina Maria Kirms und Henrietta Johanna Ludecus.Horn, Amalie Voigt 2009, S. 357. Ein Bruder, vier Jahre später geboren, wurde nur drei Jahre alt.Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 25. September 1782, S. 306, und vom 17. September 1785, S. 298. Die Mutter Friedericka starb im Oktober 1789.Beigesetzt am 13. Oktober (Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 17. Oktober 1789, S. 330, mit falscher Altersangabe: „alt 31 Jahr“; das kirchliche Sterberegister gibt 41 Jahre an).

Die elfjährige Amalie wurde im Haushalt der Großmutter Kirms von ihrer Tante Louise betreut. Der Vater schloss im September 1793 eine zweite EheWeimarische Wöchentliche Anzeigen vom 2. Oktober 1793, S. 313. mit der Kammerfrau Caroline Amalie KotzebueZu beachten: Die Ehefrau Caroline Amalie Ludecus geb. Kotzebue wird in der Literatur teilweise „Amalie Ludecus“ genannt. (1755‒1827Todesanzeige für die „geliebte Mutter“ unterzeichnet von Amalie v. Voigt, in Weimarisches Wochenblatt vom 27. April 1827, S. 158.). Die neue Familie Ludecus bewohnte ein Grundstück mit einem Vorderhaus an der Windischengasse und einem geräumigen Hinterhaus an der „Esplanade“ (an der Stelle des heutigen Gebäudes Schillerstraße 10). Amalie wuchs in liebevoller Beziehung zu der Stiefmutter Caroline wie zu der Kirms-Familie zu einer äußerst sprachbegabten und literarisch interessierten Frau heran.

Amalie verlobte sich am 28. März 1798 mit dem beruflich aufstrebenden Verwaltungsjuristen Christian Gottlob Voigt, Sohn des gleichnamigen hohen Staatsbeamten.Der Schwiegervater war gerührt damit einverstanden (Brief vom 29. März an Goethe in Goethes Briefwechsel mit Christian Gottlob Voigt, Band II, Weimar 1951, S. 53f.).Zu beachten: Die Tochter des Schwiegervaters und seine zweite Ehefrau (Heirat 1815) hießen ebenfalls „Amalie“. Die Eheschließung war am 24. August 1798.Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 25. August, S. 270; vgl. Goethe. Begegnungen und Gespräche. Band IV, 1980, ISBN 3-11-008105-9, S. 442. Amalies Vater starb im Oktober 1801.Kaiserlich privilegirter Reichs-Anzeiger vom 5. November 1801, Spalte 3840; Pick 1906, S. 100. Ihr Schwiegervater wurde zum 31. Januar 1807 in den erblichen Adelsstand erhoben; dementsprechend wurden auch sein Sohn und mit ihm Amalie Adelsangehörige.

Amalies Stiefmutter war ab etwa 1798 literarisch sehr aktiv. Amalies eigenes Interesse an der Schönen Literatur und ihre Produktionslust wuchsen so, dass sie etwa ab 1807 – unter wechselnden Pseudonymen – regelmäßig selber publizierte.

Zugleich wuchsen offenbar die Disharmonien in ihrer Ehe, unter denen Amalie litt. Während einige Freundinnen ihr Leid unbeträchtlich fanden, riet ihr der Maler Kügelgen, mit dem sie befreundet war, ihrem tiefen Bedürfnis zu folgen; sie erreichte, dass die Ehe im April 1809 geschieden wurde.Vgl. Müller-Harang 1999, S. 15. – Durch Kügelgen war sie auch mit Friedrich zur Zeit des „Ramdohr-Streits“ bekannt und an einem Briefwechsel beteiligt (Hoch 1985, S. 35f.).Die Scheidung war formal einvernehmlich; ihre Schwiegereltern empfanden das jedoch anders; vgl. O. Jahn in Goethes Briefe an Christian Gottlob von Voigt, 1868, S. 100f., Anm. 1. Sie zog in das Kirms-Haus, in dem sie als Erbin ihrer Mutter Miteigentümerin war,Müller-Harang 2018, S. 78. und lebte dort in der obersten (vierten) Etage bis zu ihrem Ende. Sie reiste viel und unterhielt vielfältige Kontakte literarischer und persönlicher Art, z. B. zu Charlotte von Ahlefeld, Karoline Jagemann, Christian Friedrich Tieck, Heinrich HirzelVgl. die Widmung in dessen Ansichten von Italien nach neuern ausländischen Reiseberichten, 1. Bd. 1823.. Eine besonders tiefe Freundschaft verband sie mit Caroline Falk und ihrer Familie.Vgl. Horn, Caroline Falk 2009; Müller-Harang 2018, S. 78f., Anm. 139.

Neben ihren sprachlichen Neigungen war Amalie auch für die bildende Kunst begabt. Sie besuchte das Hochfürstliche freye ZeichenInstitut und gewann dort 1794 einen Preis.Schroeder, Malen mit der Nadel, 2009, S. 47. Von früh an pflegte sie eine anspruchsvolle Stickerei; in höherem Alter gab sie auch Unterricht,Müller-Harang 2018, S. 80f. und zwei ihrer Schriften (1810 und 1822) behandeln dieses Gebiet.

Ihre literarische Produktion wechselte über die Jahre. Zunächst schrieb (und übersetzte) sie kleine dichterische Texte. Dann brachte sie eine lange Folge von Kurzbiographien historischer Personen heraus. Gegen 1823 plante sie eine größere Sammlung Weimarische Denkwürdigkeiten aus der Blüthenzeit dieser Stadt.Vgl. Zeitung für die elegante Welt vom 24. Februar 1823, Spalte 305. Die gesammelten Einzelstücke konnte sie später in dem Sammelband von 1840 verwerten.

Ab Herbst 1823 war Amalie als Rezensentin für Schöne Literatur bei der Jenaischen Allgemeinen Literatur-Zeitung tätig.Rezensenten-Nummer 969 (Bulling 1963, S. 310). Mittels der von Bulling erarbeiteten Rezensionslisten können die Rezensenten identifiziert werden.Vgl. Bulling 1962, S. 43. Die Rezensionen waren gewöhnlich mit einer Sigle (Rezensenten-Kennzeichen) unterzeichnet; fast alle Rezensenten hatten mehrere Siglen (Amalie hatte 42 SiglenBulling 1965, S. 300.), und manche Siglen waren mehreren Rezensenten zugewiesen.z. B. Bulling 1965, S. 48: „C.“ für Amalie in Rezension Nr. 565 und für Schulze (Rezensent 796) in Rezension Nr. 533; S. 160: „n.“ für Amalie in Rezension Nr. 189 und für v. Lüdemann (Rezensent 1149) in Rezension Nr. 179. Die Siglen „A. V.“, „Vir.“ und „B. U.“ stehen jedoch eindeutig für Amalie, soweit man weiß. Von 1823 bis 1833 rezensierte sie etwa 850 Werke;Bulling 1963, S. 343, und 1965, S. 300‒302. sie führte diese Tätigkeit bis 1840 fort.

Als Louise Marezoll Ende 1837 ihre Frauenzeitschrift (Frauenzeitung, dann Frauen-Spiegel) gründete, wurde Amalie eine produktive Mitarbeiterin. Sie trug – neben zahlreichen Rezensionen – Biographien, Veranstaltungsberichte, einen Reisebericht und zeitkritische Aufsätze bei, bis ihr Leben im Oktober 1840 endete.

Das Intelligenzblatt der Jenaischen Allgemeinen Literatur-Zeitung meldete den Tod der „geistreichen Schriftstellerin“ im November 1840.Num. 22, Spalte 172. Wilhelm Ludecus und seine Schwester Charlotte Ortmann zeigten den Tod ihrer Cousine in der Weimarischen Zeitung an, und sie dankten gemeinsam mit Sophie („Caroline“) Kirms und ihrer Schwester Friederike Krackow für gezeigte Anteilnahme.Beilage zur Weimarischen Zeitung vom 7. und 14. Oktober 1840, Inserat 1765 und 1932. Louise Marezoll widmete ihr einen ungewöhnlich detailreichen persönlichen Nachruf im Frauen-Spiegel.

Werke Stickwerke Stickmustertuch. (Herstellung wahrscheinlich 1798–1812.) (Photo) Klingelzug. (Photo) Ofenschirm mit Hera und Hygieia. (Photo) Kaminschirm mit Aurora oder Psyche. (Photo)

Schriften Bücher und Beiträge zu Almanachen usw. A. V.: Die Parzen. Eine kleine dramatische Unterhaltung an einem Geburtstage. In: Journal des Luxus und der Moden 22. Band, Jg. 1807. Weimar April 1807, S. 213‒218.Die Autorenschaft ist wahrscheinlich, aber nicht gesichert. Im Journal des Luxus und der Moden 1807–1811 sind etliche weitere Beiträge mit „A. V.“ gezeichnet. A. V.: Da setztʼs Kappen! Ein spanisches Zwischenspiel. In: Journal des Luxus und der Moden 23. Band, Jg. 1808. Weimar 1808, S. 6‒16. (Übersetzung von Alonso de Castillo Solórzano.) Amalie: Ueber Stickerei und ihre Gränzen. In: Journal des Luxus und der Moden 25. Band, Jg. 1810. Weimar 1810, S. 337‒345. Cäcilie: Margaretha von Provence, Königin von Frankreich. In: Rheinisches Taschenbuch für das Jahr 1812, S. 64‒81. Cäcilie: Elisabeth von Oesterreich, Gemahlin Karl des Neunten, Königs von Frankreich. In: Zeitung für die elegante Welt vom 27. bis 30. November 1812, Spalte 1889–1893, 1900‒1903, 1906‒1910. Cäcilie: Anna von Bretagne, Königin von Frankreich. In: Rheinisches Taschenbuch für das Jahr 1814, S. 84‒108. Cäcilie: Geschichte der Königin Philippe von England, Gemahlin Eduard des Dritten. In: Rheinisches Taschenbuch für das Jahr 1815, S. 54‒86. Cäcilie: Erzählungen und Novellen. Erfurt 1816. (S. 1: Clementine; S. 91: Novellen von Franco Sacchetti; S. 155: Novellen einiger mit Boccaccio gleichzeitigen, oder wenig neuern Novellisten; S. 187: Novellen von Francesco Grazzini.) Digitalisat. (Neue Aufl. 1826.Besprochen in Morgenblatt für gebildete Stände. Literatur-Blatt auf das Jahr 1826, S. 284.) Cäcilie: Züge aus dem Leben Eduards, Prinzen von Wales, genannt der schwarze Prinz. In: Rheinisches Taschenbuch für das Jahr 1816, S. 46‒90. Cäcilia: Johanna von Kent. Gemahlin Eduards, Prinzen von Wales. In: Rheinisches Taschenbuch für das Jahr 1817, S. 36‒72. Cäcilie: Züge aus dem Leben des deutschen Kaisers, Maximilian dem Ersten. In: Rheinisches Taschenbuch für das Jahr 1818, S. 56‒119. Cäcilie: Geschichte [der] Margarethe von Valois, Königin von Navarra, und deren Tochter dʼAlbret, Königin von Navarra. In: Rheinisches Taschenbuch für das Jahr 1819, S. 3‒59. Cäcilie: Blanka von Kastilien, Königin von Frankreich. In: Rheinisches Taschenbuch für das Jahr 1820, S. 64‒105. Cäcilie: Dorothea Marie, Herzogin zu Sachsen Weimar. In: Iduna, Schriften deutscher Frauen, gewidmet den Frauen. Ersten Bandes zweites Heft 1820, S. 95–103. Cäcilie: Vittoria Colonna, Marchese von Pescara. In: Rheinisches Taschenbuch für das Jahr 1821, S. 42‒86. Cäcilie: Amalie Elisabeth, Landgräfin von Hessen. In: Abend-Zeitung vom 26. bis 29. Juni 1821, Nr. 152, 153, 154 und 155. Cäcilie: Wörterbuch der Blumensprache für Verziehrungsmahler und Stickerinnen. Leipzig 1822. Digitalisat. [anonym:] Das weimarische Liebhaber-Theater unter Göthe. In: Zeitung für die elegante Welt vom 24. bis 27. Februar 1823 (Nr. 39‒41), Spalte 305‒308, 315‒317 und 324f. [anonym:] Erste Aufführung der Maria Stuart in Weimar im Juni 1800. In: Zeitung für die elegante Welt vom 10. bis 13. März 1823 (Nr. 49‒51), Spalte 385‒388, 396f. und 401‒403. Cäcilie: Adelheid von Burgund. In: Rheinisches Taschenbuch für das Jahr 1823, S. 141‒184. Cäcilie: Drei fränkische Königinnen. In: Rheinisches Taschenbuch für das Jahr 1824, S. 239‒256. [anonym:] Biographisches. In: Monatliche Beiträge zur Geschichte dramatischer Kunst und Literatur, 3. Band, 1828, S. 180–186 und 187–220. (abgebrochen; von A. v. Voigt, laut Goedeke 1913.) Cäcilie: Ueber eine weibliche Erziehungsanstalt in Freiburg. In: Frauenzeitung. Ein Unterhaltungsblatt für und von Frauen. 1838, S. 88 und 89–92. Cäcilie: Sophie, Kurfürstin von Hannover. In: Frauenzeitung. Ein Unterhaltungsblatt für und von Frauen. 1838, S. 348–350 und 356–359.