Reflexionsdämmung (auch reflektierende Dämmung; in Normen: werkmäßig hergestellte reflektierende Wärmedämmstoffe) bezeichnet Bauprodukte und Bauteilaufbauten, die den Wärmeübergang durch Strahlung reduzieren, indem sie angrenzende Luftschichten mit niedrig emittierenden (low-e) Grenzflächen nutzen. Dadurch verringert sich insbesondere der strahlungsbedingte Anteil des Wärmeübergangs; Leitung und Konvektion bleiben abhängig von Geometrie und Randbedingungen wirksam. Nachweise und Berechnungen erfolgen in Europa unter anderem nach EN ISO 6946 und EN 16012.
Wirkprinzip In Hohlräumen zwischen Bauteilflächen erfolgt Wärmeübertragung durch Leitung, Konvektion und Strahlung. Weisen die Grenzflächen einen hohen Emissionsgrad auf, ist der Strahlungsaustausch groß; bei niedrigem Emissionsgrad reduziert er sich deutlich. Luftschichten mit reflektierenden Grenzflächen können daher einen höheren Wärmedurchlasswiderstand aufweisen als Luftschichten mit hoch emittierenden Grenzflächen; Literatur nennt je nach Einbaulage häufig eine Verdopplung bis Verdreifachung. Die Emissivität wird beispielsweise nach DIN EN 12898 bestimmt; ersatzweise beschreibt EN 16012, Anhang D, alternative Messverfahren.
Produktarten Reflektierende Dämmprodukte liegen unter anderem als Verbundfolien, mehrlagige (vernähte) Systeme oder als Dämmstoffkerne mit reflektierenden Deckschichten vor. Die Leistungsbestimmung erfolgt nach EN 16012; Begrifflichkeiten und Produktspezifikation enthält EN 16863:2023.
Anwendungen Typische Anwendungsfelder sind: Untersparrenlösungen unter geneigten Dächern (innen), meist im Verbund mit Luftdichtheitsebene und Innenbekleidung; Zwischensparrenaufbauten mit definierten Luftschichten an mindestens einer low-e-Grenzfläche; Deckenhohlräume beziehungsweise abgehängte Decken; Sanierungen mit begrenztem Bauraum, sofern eine wirksame Luftschicht und Luftdichtheit herstellbar sind.
Die Wirksamkeit setzt voraus, dass die reflektierende Oberfläche einem Luftraum zugewandt ist; ohne Luftschicht vermindert sich der Effekt.
Normen und Nachweis EN 16012 / DIN EN 16012: Verfahren zur Bestimmung der deklarierten und designten Wärmeleistung reflektierender Produkte (einschließlich Ersatzverfahren zur Emissivitätsbestimmung). EN ISO 6946 / DIN EN ISO 6946: Berechnung von U-Werten inklusive Berücksichtigung von Luftschichten und Emissivitäten. EN 16863:2023 / DIN EN 16863:2023-10: Produktspezifikation (RI) und AVCP-Regelungen; ergänzt EN 16012. DIN EN 12898: Spektralphotometrische Bestimmung des Emissionsgrades.
Zulassung und Verwendbarkeit Mangels Veröffentlichung der EN 16863 im Amtsblatt der EU erfolgt die CE-Kennzeichnung in der Praxis häufig über eine Europäische Technische Bewertung (ETA) auf Basis des EAD 040007-00-1201; ergänzend kommen nationale Nachweise wie abZ/aBG (DIBt) zum Einsatz. Bauteil-U-Werte werden unter anderem nach EN ISO 6946 geführt. Beispielhaft weist die ETA 24/1098 die Verwendbarkeit eines mehrlagigen reflektierenden Dämmprodukts nach.
Wirksamkeit Rechen- und Prüfverfahren (EN ISO 6946, EN 16012) bilden den Einfluss strahlungswirksamer Luftschichten mit low-e-Grenzflächen ab. Je nach Einbaulage werden gegenüber Luftschichten mit hoch emittierenden Grenzflächen häufig deutlich erhöhte Widerstände berichtet; fehlende oder unterbrochene Luftschichten sowie erhöhte Emissivität (zum Beispiel durch Verschmutzung oder Alterung) mindern die Wirkung.
Geschichte Der physikalische Hintergrund (Infrarotstrahlung) wurde um 1800 unter anderem von Wilhelm Herschel beschrieben; baupraktische Anwendungen mit niedrig emittierenden Oberflächen verbreiteten sich deutlich später parallel zur Normung reflektierender Produkte.
Siehe auch Wärmedämmung Wärmestrahlung Emissionsgrad
Einzelnachweise EN ISO 6946: Building components and building elements – Thermal resistance and thermal transmittance – Calculation methods. EN 16012: Thermal insulation for buildings – Reflective insulation products – Determination of declared and design thermal values. Buildings (MDPI): Thermal Resistance of Enclosed Reflective Airspaces in Building Envelopes, abgerufen am 10. September 2025. DIN EN 12898: 2019-05 – Spektralphotometrische Bestimmung des Emissionsgrades. DIN EN 16863:2023-10 – Werkmäßig hergestellte reflektierende Wärmedämmstoffe (RI) – Spezifikation. EOTA: EAD 040007-00-1201 – Thermal insulation products for buildings with radiant heat reflective component, abgerufen am 9. September 2025. DIBt: Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) / Allgemeine Bauartgenehmigung (aBG), abgerufen am 9. September 2025. DIBt: Stellenwert der ETA in Deutschland – ETA vs. abZ, abgerufen am 9. September 2025. ITeC: ETA 24/1098 – Thermal insulation products for buildings with radiant heat reflective component, abgerufen am 11. September 2025. FIW München / ift Rosenheim: Einfluss von Alterung und Verschmutzung auf den Emissionsgrad (FO-04/08), abgerufen am 9. September 2025. Royal Institution: Herschel’s experiment – Infrared radiation, abgerufen am 9. September 2025.
Kategorie:Bauphysik Kategorie:Energieeinsparung Kategorie:Dämmung