Der Ford Thunderbird der ModelljahreDie zeitliche Zuordnung von Automobilen erfolgt in den USA in erster Linie anhand von Modelljahren. Modelljahre weichen in der Regel von Kalenderjahren ab. Bei den meisten Herstellern beginnt bereits im Spätsommer eines Jahres nach den Werksferien, in denen Fertigungsstraßen umgebaut werden, ein neues Modelljahr. 1977 bis 1979 ist ein zweitüriges Personal Luxury Coupé, das vor allem in Nordamerika verkauft wurde. Diese Baureihe ist die siebte Generation der Thunderbird-Familie. Sie ist die erste, die kürzer war als ihr Vorgänger. Mit den Torino Birds nahm Ford eine Neupositionierung der traditionsreichen Modellreihe vor: Die siebte Thunderbird-Generation war erstmals seit eineinhalb Jahrzehnten nicht mehr im Full-Size-Segment angesiedelt, sondern basierte auf den Mittelklassemodellen des Konzerns. Die Autos werden inoffiziell als Torino Birds bezeichnet. Fords Schwestermarke Mercury verkaufte zur gleichen Zeit ein Thunderbird-Pendant unter der Bezeichnung Cougar XR-7.
Modellgeschichte Seit seiner Einführung zum Modelljahr 1955 war der Thunderbird das Prestigemodell der Marke Ford. Im Drei- oder Vierjahresrhythmus brachte Ford neue Thunderbird-Serien heraus, die von Generation zu Generation größer und schwerer wurden. Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Thunderbird so von einem sportlichen Zweisitzer zu einem schweren Luxuscoupé, von dem zeitweise sogar viertürige Versionen im Programm standen. Seit 1969 teilte er sich das Chassis, die Antriebstechnik und zuletzt auch Karosseriekomponenten mit den Full-Size-Coupés Continental Mark III und Mark IV von Lincoln und übernahm damit auch deren Unhandlichkeit und Unwirtschaftlichkeit. Die Kunden nahmen diese Entwicklung teilweise kritisch auf.Lee Iacocca, William Novak: Eine amerikanische Karriere. Ullstein, 1985, ISBN 3-548-34388-0, S. 157. Zum Modelljahr 1974 brachte Ford mit dem Elite ein hochwertig ausgestattetes Coupé heraus, das auf dem Chassis des Mittelklassemodells Torino aufbaute und das Thunderbird-Programm nach unten ergänzen sollte;Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. New York (Beekman House) 1984. ISBN 0-517-42462-2, S. 316. er entsprach dem ursprünglichen Thunderbird-Konzept mehr als der aktuelle Thunderbird selbst. In seiner dreijährigen Produktionszeit verkaufte sich der kleinere Elite besser als der schwere Thunderbird.
Die Ölpreiskrise von 1973, in deren Folge sich die Treibstoffpreise in den USA in kurzer Zeit vermehrfachten, und daran anknüpfende gesetzliche Vorgaben zur VerbrauchsbegrenzungKonkret waren das gesetzliche Bestimmungen zur Begrenzung des Flottenverbrauchs, die 1975 unter der Bezeichnung Corporate Average Fuel Economy (CAFE) in Kraft traten. Die Vorgaben verlangten einen Flottendurchschnittsverbrauch von 18 miles per gallon (mpg) (13,0 Liter/100 km) im Jahr 1978, 19 mpg (12,4 Liter/100 km) im Jahr 1979 und 20 mpg (11,8 Liter/100 km) im Jahr 1980. Vgl. Albert R. Bochroch: American Cars of the Seventies. Warne’s Transport Library, London 1982, ISBN 0-7232-2870-1, S. 33. zwangen die Hersteller dazu, künftig in allen Segmenten wirtschaftlichere und damit kleinere und leichtere Autos zu entwickeln. Der Ford-Konzern verfolgte dieses Downsizing weniger konsequent als der Konkurrent General Motors.Der ehemalige Ford-Manager Lee Iacocca begründete das mit einer Realitätsverweigerung und vermutete als Hintergrund eine grundsätzliche Aversion des Konzernleiters Henry Ford II gegen kleinere Autos. Vgl. Lee Iacocca, William Novak: Eine amerikanische Karriere. Ullstein, 1985, ISBN 3-548-34388-0, S. 183. Fords Full-Size-Modelle kamen erst 1979 bzw. – im Fall des Lincoln – 1980 in kleineren Versionen auf den Markt, und das herkömmliche, auf dem Torino von 1972 basierende Mittelklassemodell Ford LTD II stand bis 1979 im Programm.
mini|Basismodell des Thunderbird: Ford LTD II 1974 gab es Überlegungen, die siebte Generation des Thunderbird, deren Markteinführung zum Modelljahr 1977 vorgesehen war, von der kompakten Fox-Plattform abzuleiten, die zu dieser Zeit in Planung war. Die Designabteilung fertigte hierzu einige Entwürfe an, bei denen insbesondere die Gestaltung der B-Säule ein außergewöhnliches Element war.John F. Katz: Soaring Spirit: Thirty-five Years of Ford Thunderbird, Automobile Quarterly Publications, 1989, ISBN 0-915038-67-6, S. 44. Letztlich entschied sich das Management gegen ein derart radikales Downsizing des Thunderbird. Der 1977er Thunderbird wurde stattdessen vom Intermediate-Modell LTD II abgeleitet und rutschte damit in das Marktsegment, das bis dahin der Ford Elite belegt hatte.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. New York (Beekman House) 1984. ISBN 0-517-42462-2, S. 348. Mit der Einführung der siebten Thunderbird-Generation entfiel der Elite ersatzlos. Der Thunderbird übernahm das B-Säulen-Design, das ursprünglich für die Fox-Version entworfen worden war.
Die siebte Thunderbird-Generation war ein ungewöhnlicher Erfolg. Die Umstellung auf eine weit verbreitete technische Basis ermöglichte es, den Listenpreis des Thunderbird gegenüber dem Vorgängermodell jedenfalls für die Grundversion um mehr als ein Drittel zu senken. Deshalb und wegen der verbesserten Wirtschaftlichkeit setzte Ford bereits im ersten Modelljahr mehr Thunderbirds ab als von der Vorgängergeneration in vier Jahren. Diese Thunderbird-Serie blieb bis zum Ablauf des Modelljahrs 1979 im Programm. Danach kam die achte Generation auf den Markt, die unmittelbar auf Fox-Technik basierte und deutlich verringerte Abmessungen hatte.
Modellbezeichnung Die Verkaufsbezeichnung des Autos lautete Ford Thunderbird. In der Sammlerszene werden die einzelnen Thunderbird-Serien zur weiteren Individualisierung vielfach mit plakativen zusätzlichen Begriffen versehen. Die Thunderbirds der Modelljahre 1977 bis 1979 tragen die inoffizielle Bezeichnung Torino Birds.Marc Cranswick: The Cars of American Motors. An Illustrated History, McFarland, 2011, ISBN 978-0-7864-8570-3, S. 205. Der Begriff nimmt auf den (bis 1976 gebauten) Ford Torino Bezug, den Vorgänger des Ford LTD II, auf dessen Technik die siebte Thunderbird-Generation beruht.
Modellbeschreibung
Rahmen und Fahrwerk Der Ford Thunderbird hat separates Fahrgestell. Grundlage ist ein Kastenrahmen, der mit dem des Ford LTD II übereinstimmt und der von dem Rahmen des ab 1972 produzierten Ford Torino abgeleitet ist. Die vorderen Räder sind einzeln aufgehängt, hinten ist eine Starrachse mit Schraubenfedern eingebaut.
Karosserie mini|Frontpartie mit geöffneten Scheinwerferklappen In dieser Generation war der Ford Thunderbird ausschließlich als zweitüriges Stufenheckcoupé erhältlich. Ein Cabriolet, das zuletzt 1965 angeboten worden war, wurde auch in der siebten Thunderbird-Generation nicht wieder ins Programm aufgenommen. Werksseitig erhältlich war lediglich ein sogenanntes T-Top, das zwei herausnehmbare Dachteile über dem Fahrer- und dem Beifahrersitz aufweist und bei dem der obere Rahmen der Frontscheibe und das hintere Dach durch einen mittig verlaufenden Steg miteinander verbunden sind. Ähnliche Konstruktionen gab es auch bei den Personal Luxury Coupés der anderen Konzerne.
Die Karosserie besteht aus gepresstem Stahlblech. Sie hat keine tragende Funktion. Der Rahmen ist mit 14 Gummilagern ausgestattet, die die Übertragung von Vibrationen vom Fahrgestell auf die Karosserie vermindern sollen.
Die Kotflügel, die Türen und die Verglasung des Thunderbird stimmen mit den entsprechenden Bauteilen des Ford LTD II und des Mercury Cougar überein. Die Front- und Heckmaske sowie das Dach wurden neu gestaltet. Generell ist der Aufbau betont gradlinig und winkelig; die Rundungen des vorherigen Thunderbird, die noch auf die Ära des Coke-Bottle-Designs zurückgingen, entfielen komplett. Mit der siebten Thunderbird-Generation kehrten Klappscheinwerfer in diese Baureihe zurück: Vorn sind runde Einzelscheinwerfer installiert, die im Ruhezustand hinter einer in Wagenfarbe lackierten und mit einem Thunderbird-Emblem verzierten Klappe verborgen sind. Anders als beim LTD II, der schmale, senkrechte Rückleuchten in den Kotflügelenden hat, sind die Rückleuchten beim Thunderbird rechteckig geformt und waagerecht ausgerichtet. mini|B-Säulen-Design im Stil eines Korbgriffs („Basket Handle“) Ein besonderes stilistisches Merkmal dieser Thunderbird-Generation ist die nach Art eines Überrollbügels gestaltete B-Säule. Der Überrollbügel grenzt unmittelbar an die Türen, sodass das kleine Seitenfenster zwischen Türen und B-Säule, das bei den zweitürigen LTD-II-Versionen serienmäßig eingebaut war, entfällt. Die vorderen und hinteren Dachteile sind üblicherweise in einer anderen Farbe als die übrige Karosserie lackiert, sodass sich der Überrollbügel farblich vom sonstigen Karosseriekörper abhebt. Dadurch kann der Eindruck eines Griffs entstehen. Im US-amerikanischen Sprachgebrauch ist hier vielfach von „Basket Handle“ (deutsch: Korbgriff) die Rede. Dieses Merkmal geht zurück auf den Entwurf eines Thunderbird auf Fox-Basis aus dem Jahr 1974; im Fox-Umfeld ging es 1978 beim Ford Fairmont Futura in die Serienproduktion ein. In der B-Säule ist ein kleines Seitenfenster eingelassen. Die Fläche hinter der B-Säule ist im Regelfall verglast. Eine Ausnahme sind die Sonderserien der Modelljahre 1978 und 1979: Bei ihnen befindet sich anstelle der hinteren Seitenfenster ein vinylbezogenes Dachteil.
Motorisierung und Kraftübertragung Die Ford Thunderbird dieser Generation waren ausschließlich mit Achtzylinder-V-Ottomotoren erhältlich. Wie die unmittelbaren Konkurrenten erreichte auch Ford die jährlich strenger werdenden Grenzwerte für Verbrauch und Schadstoffausstoß einerseits durch die Aufgabe der größten und schwersten Motoren – so war der im vorherigen Modell serienmäßige 7,5-Liter-Big-Block-Motor in dieser Thunderbird-Generation nicht mehr erhältlich – und anderseits durch die kontinuierliche Absenkung der Motorleistung. Verbreitete Maßnahmen waren die Verringerung des Verdichtungsverhältnisses und der Verzicht auf bis dahin verbreitete Doppel- oder Vierfachvergaser.Marc Cranswick: The Legend of American Motors, Veloce Publishing, 2024, ISBN 978-1-78711-765-5.
Verfügbar waren in allen Modelljahren 5,0 und 5,8 Liter große Achtzylindermotoren; 1977 und 1978 gab es auf Wunsch außerdem einen Motor mit 6,6 Liter Hubraum.
Als Kraftübertragung war serienmäßig ein automatisches Dreiganggetriebe vorgesehen.
Übersicht über die MotorisierungenAngaben nach automobile-catalog.com (abgerufen am 9. September 2025) Hubraum cui 301 351 402 cm³ 4942 5766 6590 Leistung kW 97 99 100 101 107 112 120 123 129 SAE-PS (netto) 132 135 136 137 146 153 163 168 175 Modelljahr 1977 S – – – – – O – O 1978 – – S – O – – O – 1979 – S – O – O – – – S= Serienausstattung, O= Sonderausstattung gegen Aufpreis
Ausstattungslinien Neben der Basisversion des Thunderbird wurde regelmäßig ein besser ausgestatteter Thunderbird Town Landau angeboten, der keine äußerlichen Besonderheiten aufweist. Zusätzlich gab es 1978 eine Diamond Jubilee Edition und 1979 eine Heritage Edition.
Diamond Jubilee Edition (1978)