Der Glatzer Schneeberg, auch Grulicher oder Spieglitzer Schneeberg, , ist der höchste Berg des Glatzer Schneegebirges in den Ostsudeten. Die Grenze zwischen Polen und Tschechien führt über den Gipfel. Der Berg ist oberhalb von Höhe von subalpiner Vegetation geprägt.
Name Der Name des Berges ist insbesondere von der langen Winterperiode abgeleitet. Bis zu acht Monate im Jahr ist der Gipfel mit Schnee bedeckt. Die drei deutschen Namen Glatzer, Grulicher und Spieglitzer Schneeberg spiegeln die frühere Zugehörigkeit des Berges zu den drei Ländern Schlesien, Böhmen und Mähren wieder. Der heutige polnische Name Śnieżnik Kłodzki ist die wörtliche Übersetzung von Glatzer Schneeberg, der tschechische Name Králický Sněžník entspricht dem deutschen Namen Grulicher Schneeberg.
Lage und Umgebung mini|links|Quelle der March an der Südflanke (2006) Der Glatzer Schneeberg befindet sich etwa 30 Kilometer südlich von Kłodzko (Glatz), 20 Kilometer nördlich von Králíky (Grulich) und 30 Kilometer westlich von Jeseník (Freiwaldau). An seinem Fuß liegen die Ortschaften Międzygórze (Wölfelsgrund), Kletno (Klessengrund), Velká Morava (Großmohrau) und Staré Město (Mährisch Altstadt). Nach dem Abriss der Schutzhütte auf dem Gipfel ist heute auf der polnischen Seite die frühere Schweizerei am Glatzer Schneeberg, heute: Schronisko PTTK „Na Śnieżniku“ unterhalb des Gipfels die einzige noch vorhandene Bergbaude am Schneebergmassiv. Die oberhalb von Kletno 1966 bei Bohrarbeiten entdeckte Tropfsteinhöhle Jaskinia Niedźwiedzia (Bärenhöhle) besteht aus mehreren Ebenen und enthält Knochen eiszeitlicher Tiere sowie Spuren menschlicher Besiedlung. Teile der Tropfsteinhöhle sind für die Öffentlichkeit zugängig. Ein Stück unterhalb des Gipfels befindet sich die Felsgruppe Vlaštovčí kameny (Schwalbensteine) – mit einer Blockhalde am Fuß.
Der Trójmorski Wierch („Dreimeereberg“, deutsch Klapperstein, tschechisch Klepý), ein Nebengipfel des Schneebergmassivs, ist ein bedeutender europäischer Wasserscheidepunkt. Die in einer Höhe von am Südhang des Berges entspringende March (tschechisch Morava) fließt über die Donau zum Schwarzen Meer, die Glatzer Neiße (Nysa Kłodzka) fließt über die Oder in die Ostsee und der Lipkovský potok (Lipkauer Bach) erreicht über die Elbe die Nordsee.
Geschichte Geschichtlich grenzten am Gipfel das Königreich Böhmen, die Markgrafschaft Mähren und die Grafschaft Glatz aneinander. Ein historischer Wappenstein markiert diese Stelle.
Auf der schlesischen Seite wurde 1899 auf dem Gipfel eine steinerne Bergbaude mit dem 30 Meter hohen Kaiser-Wilhelm-Turm eröffnet.Jürgen Schölzel „STANDHAFT und TREU“. Die Chronik des Glatzer Schneebergturms", MARX Verlag, früher Leimen/Heidelberg, 1977, S. 63, siehe auch: https://www.grafschaft-glatz.de/bilder/habelsch/schnee21.htm; abgerufen am 21. Juli 2022
Auf böhmischer Seite wurde von 1908 bis 1912 an der östlichen Bergschulter das Liechtenstein-Schutzhaus errichtet. Ab 1922 traf sich hier die Künstlergruppe „Jescher“, zu der folgende Künstler gehörten: Kurt Hallegger, Josef Eberhard Karger, Karl Eichhoff, Franz Urban und Anna Maria Hallegger-Bunzl. Zum 10. Jahrestag der Gruppengründung 1932 wurde neben der Baude die Granitskulptur eines Elefanten aufgestellt (Entwurf: Hallegger-Bunzl, Ausführung: Steinmetz Förster aus Zuckmantel).Der Schneeberg / Králický Snežník (abgerufen am 27. Juli 2023)
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 liegt der schlesische Anteil des Berges auf dem Staatsgebiet der Republik Polen. Die Staatsgrenze war fortan scharf bewacht. Der rege Besucherstrom auf den Berg brach ab. Die Baude auf dem Gipfel verfiel zur Ruine, am 11. Oktober 1973 wurde sie von der Polnischen Armee gesprengt. Das Liechtenstein-Schutzhaus wurde noch bis 1968 bewirtschaftet und 1971 abgerissen. Lediglich die frühere Schweizerei blieb als Bergbaude des polnischen Touristenvereins PTTK weiterhin in Betrieb.
Nach den politischen Umwälzungen im östlichen Mitteleuropa nach 1989 wurde am Gipfel zunächst ein Grenzüberschreitender Wanderweg eingerichtet. Damit konnte der Gipfel auch von tschechischer Seite wieder legal auf direktem Weg besucht werden.
2021 und 2022 wurde mit finanzieller Unterstützung durch das europäische Interreg-Programm ein neuer Aussichtsturm auf dem Gipfel errichtet. Dessen Bau im Naturschutzgebiet stieß auf Widerstand aus Umweltkreisen.Streit zwischen Polen und Tschechien, abgerufen am 9. Juni 2021.
Im Jahr 2021 wurde auf dem Větrov bei Staré Město pod Sněžníkem (Mährisch Altstadt) eine Kopie des 1973 gesprengten Kaiser-Wilhelm-Turmes mit Bergbaude als Dalimilova rozhledna eröffnet.
Naturschutz Am Glatzer Schneeberg finden sich neben subalpinen Bereichen mit Knieholz und Hochmooren unterhalb der Waldgrenze Reste von Urwald mit den dort typischen Fichtenarten und endemischen Pflanzen.
In Polen ist das gesamte Glatzer Schneegebirge als Landschaftsschutzgebiet Śnieżnicki Park Krajobrazowy geschützt. Darüber hinaus bestehen in der Gipfelregion des Berges die Naturschutzgebiete Śnieżnik Kłodzki, Mały Śnieżnik und Jaskinia Niedźwiedzia. In Tschechien besteht das Nationale Naturreservat (NPR) Králický Sněžník. Deshalb dürfen im Umkreis des Glatzer Schneebergs keine Skilifte gebaut werden und eine Erschließung des Gebiets für den Wintersport ist nur eingeschränkt möglich.
Geologie Die Geologie des Berges wird durch Metamorphe Gesteine, wie Gneise und Glimmerschiefer bestimmt. Teilweise finden sich auch kristallisierte Kalksteine (Marmor), Dolomit, Amphibolit, Amphibolitschiefer, Quarzite und Quarzitschiefer. Die Flanken des Berges wurden in den Eiszeiten durch Gletscher überformt; es entstanden mannigfaltige Formenelemente, wie Blockhalden, Moränen und Mulden.
Auf tschechischer Seite wurde an der Südflanke der Schneeberg-Marmor (Sněžníkovský mramor) abgebaut, ein Gestein mit überwiegend hellem elfenbeinfarbenen Grundton und farbigen wolkenartigen Texturen (dunkelrosé, dunkelkhaki und grün). Aus ihm wurden Arbeiten für die Innenarchitektur sowie Mosaikpflaster gefertigt.Gemeinde Čenkovice: Dolní Morava – Sněžníkovský mramor. Kurznotiz mit Bildern im Untermenü (tschechisch).
Wege zum Gipfel mini|Karte mit Wanderwegen und Sehenswürdigkeiten Günstigster Ausgangspunkt ist der Urlaubsort Międzygórze (Mittelwalde). Von dort führt der Weg über die Śnieżnik-Hütte zum Gipfelplateau. Von Kletno (Klessengrund) aus führt ein Weg über die Bärenhöhle zum Gipfel. Weitere Ausgangspunkte sind Staré Město (Altstadt) und Velká Morava (Niedermohrau). Über den Berg führen der Europäische Fernwanderweg E3 und der Bergwanderweg Eisenach-Budapest.
Siehe auch Liste der Naturschutzgebiete in Tschechien
Literatur Manfred Spata: Die Eintausender des Glatzer Berglandes. In: Kladský sborník, XII (2019), S. 231–261.
Weblinks
Historische Aufnahmen Sneznik.cz (tschechisch)
Einzelnachweise Králický Sněžník auf peakbagger, abgerufen am 19. November 2018
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