Der VEB Eisenbau Leipzig (ab 1963 VEB Industriestahlbau Leipzig) war ein Unternehmen, dessen Kerngeschäftsfelder der Stahlhochbau für Industrieanlagen und Gesellschaftsbauten sowie der Feinstahlbau zur Herstellung von Türen, Toren, Fenster und Jalousien war.

Geschichte Die Enteignung des Vorgängerbetriebes Eisenbau Reinhold Patzschke auf der Grundlage des Volksentscheides vom 30. Juni 1946 zu Gunsten des Landes Sachsen wurde rechtskräftig mit der Löschung der Firma im Handelsregister (HRA 2976) am 5. Juli 1948. Der Nachfolgebetrieb VEB Eisenbau Leipzig wurde 1949 der VVB ABUS (Ausrüstung für Bergbau und Schwerindustrie) in Halle (Saale) unterstellt. Die Zahl der Beschäftigten von 347 Personen im Jahr 1945 stieg auf 778 im Jahr 1950. In den Anfangsjahren hatte der Betrieb vor allem Reparationsleistungen in Form von Demontagen und Lieferungen für Brückenkonstruktionen zu erbringen. Neben der ursprünglichen Produktion wurden auch Konsumgüter, wie Kohleschaufeln, Wassereimer und Jalousien gefertigt. Im November 1949 erfolgte die Angliederung des Werkes zur Herstellung einfacher Stahlkonstruktionen in der Klingenstraße an den VEB Eisenbau Leipzig. 1953 folgte im Zuge der Verstaatlichungen die Übernahme der Firma Otto Alber, Fensterbau Leipzig in der Plautstraße 20 sowie der Metallfensterfabrik GmbH in der Berliner Straße 75.

mini|hochkant|Fahrbares Montagegerüst des VEB Eisenbau Leipzig (1955) mini|Kabelkrananlage Mathias-Thesen-Werft Wismar (1970), jetzt MV Werften Wismar Bereits in den 1950er Jahren produzierte der Betrieb zunehmend Anlagen für den Export. So lieferte der VEB Eisenbau 1953–1954 Stahlkonstruktionen für das Kesselgerüst einer Zuckerfabrik in China, 1956–1960 für ein Schilfzellstoffwerk in Rumänien sowie unter anderem für Kühlturmgerüste und ein Kraftwerk der Textilfabrik in Bergama Izmir (Türkei). Weitere Lieferungen erfolgten für Schwerpunktbaustellen im Inland, wie für die Großkokerei Lauchhammer, die Hellinganlagen in Wismar und Warnemünde sowie für Reparaturleistungen der SAG Adolf Bleichert & Co. Nicht unerwähnt sollen die Lieferungen und Montageleistungen für den Wiederaufbau des Leipziger Hauptbahnhofs ab Mitte der 1950er Jahre bleiben. Dabei arbeiteten die Monteure bis in eine Höhe von 24 m über drei Arbeitsbühnen eines fahrbaren Arbeitsgerüstes. Die auf dem Bahnsteig vorgeglühten Nieten mussten über die Arbeitsbühnen in die Höhe geworfen und gefangen werden, bevor sie gesetzt und geschlagen werden konnten. Als Montageleiter fungierte der Richtmeister Helmut Riechel.

Am 1. Oktober 1952 wurde der Betrieb als VEB Eisenbau Leipzig in der VVB ABUS in das Register der volkseigenen Wirtschaft eingetragen (siehe Staatsarchiv Leipzig, Registernummer 20256 Bezirksvertragsgericht Leipzig, Nr. 3000, HRC 23). Nach Auflösung der VVB ABUS sowie der VVB Stahlbau im März 1953 und der Bildung von Hauptverwaltungen (HV) waren die zugehörigen Betriebe strukturell und inhaltlich bis 1958 in der HV Hebezeuge, Förderanlagen und Stahlbau beim Ministerium für Schwermaschinenbau der DDR organisiert. 1958 erfolgte die Unterstellung in der VVB Stahlbau Leipzig.

Der VEB Eisenbau unterhielt eine Reihe von Festbaustellen in der chemischen Industrie in Böhlen und Espenhain, Leuna, Schkopau, Bitterfeld und Greppin, wodurch der Betrieb sowohl eine gesicherte Auftragslage als auch nachgewiesene Erfahrungen zur Realisierung von Aufgaben unter den spezifischen Arbeitsbedingungen in der Chemie erreichte.

1956–1957 erfolgte der Ausbau der Halle für den Stallhochbau und im Jahr 1963 war der Wiederaufbau des durch Sprengbomben zerstörten Schulgebäudes zum Verwaltungsgebäude in der Rosenowstraße 24 abgeschlossen, so dass der Firmensitz in dem Provisorium in der Dortmunder Straße 20 aufgegeben werden konnte. Mit der Verlegung des Firmensitzes wurde der Name des Betriebes in VEB Industriestahlbau Leipzig geändert. Mit Wirkung vom 31. Dezember 1968 verlor der Betrieb seine juristische Selbständigkeit. Rechtsnachfolger wurde der VEB Metalleichtbaukombinat Leipzig. Der VEB Eisenbau (ab 1963 VEB Industriestahlbau Leipzig) verfügte über eine bilanzierte Jahreskapazität von etwa 10.000 t für Stahlhochbau- und Feinstahlbaukonstruktionen.

Als Werkdirektoren des VEB Eisenbau beziehungsweise Industriestahlbau Leipzig fungierten: Walter Pannier ab 1. Oktober 1952 Oswald Lingel ab 18. Mai 1954 kommissarisch Jacob Hatting ab 17. März 1956 Ernst Pianezzer ab 15. Januar 1958 Dieter Fischer ab 1. Juni 1960 Werner Schuster ab 10. Dezember 1964.

Zur Absicherung einer effektiven Wartung und Instandhaltung des importierten Kranbestandes in der VVB Industrieanlagen und Stahlbau (IAS) wurde 1965 der VEB Brücken- und Stahlbau Leipzig beauftragt und als spezialisierter Montagebetrieb der VEB IMO Leipzig gegründet. Hierfür wurden die bis dahin in den einzelnen Stahlbaubetrieben existierenden Montagekapazitäten herausgelöst und in den IMO-Niederlassungen Leipzig, Magdeburg, Niesky und Plauen organisiert. Der Direktor im VEB Industriestahlbau Leipzig, Dieter Fischer, wurde Ende 1964 zum Leiter und Organisator dieses Montagebetriebes mit etwa 2200 Beschäftigten bestellt. Der Montageleiter im VEB Industriestahlbau, Wolfgang Berger, erhielt den Auftrag als Produktionsdirektor im VEB IMO Leipzig.

Werk Leipzig im VEB Metalleichtbaukombinat (MLK) Das Werk Leipzig im VEB MLK produzierte Stahlhochbaukonstruktionen für Schwerpunktvorhaben im Inland sowie für den Export. Es war spezialisiert für den Stahlbau in der chemischen Industrie und für die Sondervorhaben in Berlin sowie für kittlose Verglasung. Als Nachfolgebetrieb des VEB Industriestahlbau Leipzig wurde das Werk Leipzig zum 1. Januar 1969 auf Weisung des Ministers für Bauwesen juristischer Bestandteil des VEB MLK und zum 21. April 1969 im Register der volkseigenen Wirtschaft unter HRC 23 gelöscht. Aus dem Werk Leipzig wurden in die Leitung des Kombinates folgende Personen abberufen: Direktor für Produktion Gerhard Hölzel Direktor für Ökonomie Horst Uhlmann Leiter Abteilung Absatz Gerhard Kittel und durch geeignete Mitarbeiter ersetzt: Direktor für Produktion Dietrich Joecks/Klaus Sachse. Direktor für Ökonomie Roland Keßler/Rudolf Schäfer. Leiter Abteilung Absatz Peter Richter.

Auf Grund der ausgeprägten Fähigkeiten in der Konstruktion von Stahlbauten (Chefkonstrukteur Heinz Härtel) und Projektierung (Helmut Träger) erhielt das Werk Leipzig bevorzugt Aufträge für geometrisch anspruchsvollen Stahlbau. Hierzu gehörten unter anderem die Lieferung von 2.500 t für das Gewandhaus (Leipzig), die Lieferungen für den Plenarsaal der Volkskammer im Palast der Republik, für das Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Berlin, das Dickhäuterhaus im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde sowie für den Friedrichstadt-Palast Berlin u. a. m. Auch der Export von Schüttgutlagerhallen im Auftrag der MAN Werk Gustavsburg nach Saudi-Arabien sowie nach Kuweit im Auftrag der Weserhütte sollen hier Erwähnung finden. Außerdem war das Werk Leipzig langjährig für die Zulieferung der Stahlkonstruktionen für zahlreiche Erdöl-Pumpstationen an den Erdöltrassen in der Sowjetunion im Auftrag des VEB Chemieanlagenbaukombinat Leipzig-Grimma (CLG) bilanziert, für welche ein nicht geringer Anteil der Jahreskapazität eingesetzt wurde. Die Gesamtkapazität war für eine Fertigung von 10.000 t Stahlkonstruktionen ausgelegt. 1989 arbeiteten insgesamt 850 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Werk Leipzig. In Erfüllung des Regierungsabkommens zwischen der Demokratischen Republik Vietnam (DRV) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) sollten 100 ehemaligen vietnamesische Militärangehörige im Werk Leipzig zu Stahlbauschlossern ausgebildet werden. Zu deren Unterbringung wurde 1988 auf dem Gelände der Rosenowstraße ein zweigeschossiges Gebäude vom Typ Berlin als Wohnheim errichtet. Nach dem 3. Oktober 1990 wurde das Abkommen von der Bundesrepublik Deutschland nicht übernommen, so dass die Vietnamesen das Land ohne Berufsabschluss, jedoch mit guten Deutschkenntnissen verlassen mussten.

Als Werkleiter des MLK-Werk Leipzig fungierten: Werner Schuster ab 01.01.1969 Hans Johne ab 01.09.1977 Rainer Dünhaupt ab 19.10.1988 Hans Rohkrämer ab 30.05.1990

Literatur Heinz Graffunder, Martin Beerbaum, Gerhard Murza (Fotos): Der Palast der Republik. Seemann Verlag, Leipzig 1977. H. Johne, H. Härtel: Weitgespannte Hallenkonstruktionen - Gesichtspunkte für die Konstruktion, Werkstattfertigung und Montage. In: Wissenschaftliche Berichte der TH Leipzig, VI. Leipziger Metallbaukolloquium Fortschritte in Theorie und Praxis am 23. April 1986 in Leipzig, DDR. Heft 5/1986, S. 14–20. Hans-Dieter Glas: Tendenzen der wissenschaftlich-technischen Entwicklung im Stahlbau. In: Wissenschaftliche Berichte der TH Leipzig, VI. Leipziger Metallbaukolloquium Fortschritte in Theorie und Praxis am 23. April 1986 in Leipzig, DDR. Heft 5/1986, S. 4–7. Wolfgang Schumann: Friedrichstadtpalast - Europas größtes Revuetheater. Vom Palast-Varieté zum Friedrichstadtpalast 1945–1995. Henschel-Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-89487-236-5. Rudolf Skoda: Die Leipziger Gewandhausbauten. Konzertgebäude im inter-nationalen Vergleich. Verlag für Bauwesen, Berlin 2001, ISBN 3-345-00781-9. Natascha Meuser: Heinz Graffunder. Bauten und Projekte für zoologische Gärten. DOM publishers, Berlin 2021, ISBN 978-3-86922-888-4.

Einzelnachweise

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