mini|Rückseite des Kriegerdenkmals mini|Vorderansicht (2006) Das Kriegerdenkmal ist ein 1925 errichtetes Mahnmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten. Es befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof in der Gruppe 91, wo zwischen 15.000 und 23.000 Kriegstote verschiedener Nationalitäten bestattet sind. Geschaffen wurde es von dem österreichischen Bildhauer Anton Hanak im Auftrag der Stadt Wien.

Lage Das Denkmal steht am Ende der Hauptachse, die von der Friedhofskirche zum Gräberfeld der Gruppe 91 führt. Dieses Areal unterscheidet sich von anderen Kriegsgräberfeldern des Zentralfriedhofs durch seine heterogene Gestaltung: Die Grabsteine sind unregelmäßig verteilt und variieren in Form und Größe. Halbkreisförmig umgeben die Gräber das Denkmal, von dem aus sich Kieselwege in verschiedene Richtungen verzweigen.Vgl. Giller/Mader/Seidl 1992, S. 71–111.

Geschichte Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs beschloss die Stadt Wien, ein zentrales Monument für die gefallenen Soldaten zu errichten. Im Jahr 1925 erhielt Anton Hanak den Auftrag, das Denkmal zu gestalten. Ziel war es, sowohl einen architektonischen Abschluss der Gräbergruppe zu schaffen als auch den kollektiven Schmerz über den Krieg in künstlerischer Form auszudrücken. Ursprünglich war die Inschrift „Nie wieder Krieg“Vgl. Der Abend, 4. November 1925. vorgesehen, die jedoch durch die heute sichtbare Widmung ersetzt wurde: „Herr gib uns Frieden! Den Gefallenen des Weltkrieges – Die Stadt Wien“.

Der Bau begann am 10. August 1925 und musste bis Allerheiligen desselben Jahres fertiggestellt sein. Trotz widriger Wetterbedingungen und technischer Probleme wurde das Denkmal am 31. Oktober 1925 – einen Tag früher als geplant – offiziell enthüllt.Vgl. Der Abend, 4. November 1925.

Gestaltung Das Denkmal besteht aus einem pylonartigen Block aus hellem Stein, der auf einem gestuften Sockel ruht. Vorderseite: Eine rechteckige Nische mit Architekturumrahmung erinnert an ein Scheintor der Antike. Darin befindet sich die Widmungsinschrift an die Gefallenen. Rückseite: Ein hohes Relief zeigt die sogenannte „Trauernde Mutter“. Die Frauengestalt ist in ein langes Gewand gehüllt. Mit dem nach vorne gestreckten Kopf, den geschlossenen Augen und ausgebreiteten Armen lassen sich Symbole für Schmerz, Trauer oder Hoffnung herauslesen.

Politische Einordnung Das Denkmal entstand im Kontext der sozialdemokratischen Kulturpolitik des „Roten Wien“. Mit der Figur der „Trauernden Mutter“ und der ursprünglichen Inschrift „Nie wieder Krieg“ wird eine pazifistische Botschaft transportiert, die sich von heroischen Soldatendarstellungen anderer Kriegerdenkmäler unterscheidet.Giller/Mader/Seidl 1992; Winter 2014.

Literatur Gregor-Anatol Bockstefl: Hanak, Anton (1875–1934), Bildhauer. In: ÖBL Online-Edition 1815–1950, 2. Aufl., Wien 2019. Joachim Giller, Hubert Mader, Christina Seidl: Wo sind sie geblieben ...? Kriegerdenkmäler und Gefallenenehrung in Österreich. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1992. Wolfgang Born: Anton Hanak: The Development of Austria’s Foremost Contemporary Sculptor. In: Parnassus, 1932. Jay Winter: Sites of Memory, Sites of Mourning. The Great War in European Cultural History. Cambridge University Press, Cambridge 2014.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Kriegerdenkmal in Österreich Kategorie:Wiener Zentralfriedhof Kategorie:Gedenkstätte des Ersten Weltkriegs in Österreich Kategorie:Erbaut in den 1920er Jahren Kategorie:Denkmal in Wien