200px
Die Kirche Johannis des Täufers in Haifa, Israel, ist ein Gotteshaus der griechisch-orthodoxen Parochie namens Nationale Orthodoxe Millet in Haifa, das eine Landmarke im Stadtbild darstellt. Die Architektin Maha Ballan schuf bis 2010 ein ungewöhnliches Kirchengebäude der Moderne, inspiriert von byzantinischer Architektur und eklektizistischen Einflüssen. Die Parochie gehört zur Metropolie Caesarea, einer kirchlichen Jurisdiktion des Griechischen Patriarchats Jerusalem.
Namen Der arabische Name der Kirche lautet , vielfach auch ohne den Titel ‹Mar› gebraucht,Racheli Orbach (, ), “” (22. Januar 2021), auf: ; abgerufen am 24. August 2025. der in aramäischer Tradition steht. Da es in Haifa 450 Meter weiter östlich auch eine anglikanische Johannes-Evangelist-Kirche (Zur Unterscheidung werden die Adjektive evangelisch und episkopalistisch hinzugefügt ().) gibt, wird der Name mitunter präzisiert durch den nachgestellten Zusatz der Konfession (). Der hebräische Name ist Knessijjat Jochanan haMatbil (, mit Johannis als im Deutschen gebräuchlicher Genitiv des biblischen Namen Johannes, beeinflusst durch altsprachliche Traditionen in der Theologie).
Lage Die Kirche Johannis des Täufers befindet sich im Rechov haParsim 3a (, ), einem Hammergrundstück im Eigentum der Parochie, nicht des Patriarchats. Das Kirchengebäude steht bedingt durch die Grundstücksform etwa 50 Meter ab von der Straße an der östlichen Grundstücksgrenze.
Das Grundstück zählt zum Viertel HaMoschavah haGermanit (, im 19. Jahrhundert ‚Templerkolonie Haifa‘ genannt),ʿAmmiram Oren (), “” (Abschnitt ‹›; 9. November 2019), auf: ; abgerufen am 24. August 2025. grenzt aber im Osten an Grundstücke, die zum Viertel Wadi Nisnas gehören, das als vor allem arabische Christen als ihr bevorzugtes Wohngebiet entwickelt hatten. In den Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegsjahren 1948 bis 1953, als über arabische Israelis in Haifa Kriegsrecht verhängt war, war Wadi Nisnas das ihnen verpflichtend angewiesene Wohnviertel.
mini|Blick mit Turm der Lukaskirche zu Kuppel und jenem der Johanniskirche, 2012 Die Kirche mit ihren angebauten Funktionsräumen bildet einen wichtigen und zentralen Punkt im Stadtteil ʿIr Tachtit (), der urbanes und historisches Flair vereint. Buchstäblich benachbart sind das Grundstück Derech Allenby 45 (50 Meter nordwestlich gelegen), ebenfalls Milleteigentum und bis 2010 Sitz des Parochialbüros sowie das südöstlich angrenzende Gelände der anglikanischen Pfarrgemeinde St. Johannes-St. Lukas des Bistums Jerusalem, deren Gemeindezentrum mit der kleinen Kirche des Heiligen Lukas () nur 60 Meter von der orthodoxen Kirche entfernt liegt. Anglikanisches Kirchlein und Gemeindezentrum sind allerdings erschlossen von der östlichen Parallelstraße Sderot haZijjonut 14. Kürzer ist der Fußweg zum Báhá'i-Zentrum, 120 Meter südwestlich der Kirche in der Nr. 10 des Rechov haParsim,Racheli Orbach (), “”, auf: ; abgerufen am 25. August 2025. auch bekannt als Western Pilgrim House, 1922 bis 1926 erbaut. In der Nr. 25 der Sderot haZijjonut befindet sich ein Königreichssaal der Zeugen Jehovas.
Geschichte Vorgeschichte Nachdem Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidani 1761/1762 das alte Haifa niederreißen und zwei bis drei Kilometer südöstlich an einem neuen Ankerplatz im Golf von Haifa neu anlegen ließ,Alex Carmel (), Geschichte Haifas in der türkischen Zeit 1516-1918 [, Haifa: , 1969; dt.], Clara Zellermeyer (Übs.), Wiesbaden: Harrassowitz, 1975, (=Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins; Bd. 3), Seite wie gesondert angegeben. ISBN 3-447-01636-1. ließ er im Gebiet der heutigen ʿIr Tachtit () eine rechteckige Fläche von einer Stadtmauer umschließen, binnen deren 250 Bewohner Alt-Haifas eine Siedlung gründeten, die Hälfte oder gar mehr davon Christen, wie schon in Alt-Haifa. Die meisten Christen waren katholische Melkiten, die als Geschäftsleute der Levante überall Fuß fassten, wo sich Erwerbsgelegenheiten boten. Al-ʿUmar al-Zaidani warb um Einwanderer zur Entwicklung der Stadt, wobei er Nichtmuslime nicht diskriminierte, und förderte die Wirtschaft. Neben der seinerzeitigen regionalen Hauptstadt Akkon, das an Untiefen seines natürlichen Hafens in seinem Teil der Bucht litt, etablierte das neue Haifa sich als Wettbewerber Anfangs wurde ab Haifa als einzige Exportware Getreide aus der Jesreelebene verschifft.
19. Jahrhundert Augustin Scholz berichtet für 1821 als erster von orthodoxen Christen, 30 Seelen, neben 350 katholischen Melkiten und 50 Juden unter den insgesamt 2.500 sonst muslimischen Einwohnern am Ort.Augustin Scholz, Reise in die Gegend zwischen Alexandrien und Parätonium, die libysche Wüste, Siqa, Egypten, Palästina und Syrien in den Jahren 1820 und 1821, Leipzig und Sorau: Friedrich Fleischer, 1822, S. 257. Der jeweilige Griechische Patriarch von Jerusalem war Oberhaupt der christlichen Orthodoxen im Heiligen Land.
Die Kirche Mar Ilyas () entstand 1869 im südöstlichen Viertel der Altstadt Haifas.ʿAmmiram Oren (), “” (Abschnitt ‹›; 9. November 2019), auf: ; abgerufen am 24. August 2025.
Die Zweite osmanische Verfassungsperiode ab 1908 ermöglichte, in allen Teilen des Reiches die Bildung von Vertretungsorganen der im Millet-System anerkannten religiösen Bekenntnisgemeinschaften. Christliche Orthodoxe gründeten die reichsweite Laienorganisation Nationale Orthodoxe Vereinigung ().Emile al-Ghouri (), “” (6. Dezember 2009), auf: ; abgerufen am 28. August 2025. Im Zuge dieses Emanzipationsprozesses bildeten in ihren Kirchengemeinden vorort die Gläubigen Vertretungsorgane und so entstand die Nationale Orthodoxe Millet in Haifa und ihr Kirchenvorstand nahm am 9. März 1908 seine Tätigkeit auf.ʿAmmiram Oren (), “” (Abschnitt ‹›; 9. November 2019), auf: ; abgerufen am 24. August 2025.
Doch die Hierarchie reagierte auf die Reformen abwehrend, worauf es andernorts zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen arabischer Christen und osmanischen Sicherheitskräften kam.
Anders verlief dagegen die Reform auf lokaler Ebene, nach einem einleitenden Gebet in der Kirche Mar Ilyas in Haifa übernahmen die gewählten Vertreter die Vermögenswerte der Gemeinde in ihre Verantwortung. Anfangs war der Bestand klein, doch war es das Ziel, für den Milletwaqf Immobilien anzuschaffen, aus deren Pacht oder Mieten der Orthodoxen Millet in Haifa regelmäßige Einnahmen erwachsen würden, um Milletaufgaben zu bestreiten. Zunächst wurden ein kleiner Laden auf dem alten Markt und zwei Gebäude mit Steingewölbe, die am Gelände des alten orthodoxen Friedhofs standen, erworben. Im Jahre 1910 ließ Haifas Orthodoxe Millet aus Ersparnissen und ersten Einkünften auf dem Friedhofsgelände eine Gruft aus Stein errichten. Weitere 200 osmanische Goldlira legte der Kirchenvorstand in einer Immobilie im östlichen Bereich der Stadt an.
Bis September 1918 waren die Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs fern Haifas, doch waren die Folgen des Krieges zu spüren. Zwischen 1914 und 1918 sanken die Einnahmen der Orthodoxen Millet in Haifa, während die Ausgaben für die Unterstützung Bedürftiger stiegen. Britisch-indische Streitkräfte, die Sherwood Forester Yeomanry und die Brigaden Jodhpur Lancers und Mysore Lancers, eroberten Haifa am 23. September 1918. Das Vereinigte Königreich und Frankreich gliederten gemäß ihren gemeinsamen Plänen (Sykes-Picot-Abkommen von 1916) die Levante neu, Haifa kam vom osmanischen Libanon an die britische südliche Besatzungszone osmanischen Gebiets unter der britischen Militärregierung Occupied Enemy Territory Administration South (OETA South).
Mandatszeit Die 1908 etablierte Kirchengemeinde meldeten Vertreter der rum-orthodoxen Haifaner 1920 als Nationale Orthodoxe Millet in Haifa (, Eine alternative, demotischere hebräische Schreibung lautet in Plene: .) bei der OETA South an und hielten im gleichen Jahr noch demokratische Wahlen zum Kirchenvorstand ab. Die neue Stadtverwaltung als Genehmigungsbehörde billigte 1921 die neuen Statuten, die die Millet sich gegeben hatte. Das Government of Palestine, die Regierung des Mandatsgebiets, fasste das Gesetz das Griechische Patriarchat Jerusalem betreffs 1921 neu, wobei der Oberste Rat als Beteiligungsgremium für Laien am Kirchenregiment wieder fortfiel. Der Völkerbund legalisierte die von den Entente-Mächten geschaffenen Fakten und erteilte 1922 dem Vereinigten Königreich das Völkerbundsmandat für Palästina.
Haifa erlebte einen bemerkenswerten Aufschwung in der Mandatszeit. Laut Zensus von 1922 zählte es 25.000 Einwohner, davon mehr als 9.000 Muslime, etwas weniger arabische Christen und über 6.000 Juden.“Haifa: History & Overview” (2022), auf: Jewish Virtual Library; abgerufen am 22. August 2025. Christen hatten vor allem als Überlebende der Christenverfolgungen im Libanongebirge (1860 und 1915–1918) Zuflucht in der Stadt gefunden, kamen aber auch als Wirtschaftsflüchtlinge.Anton Prokesch von Osten, Reise ins heilige Land im Jahr 1829, Wien: Carl Gerold, 1831, S. 19seq.
Im Zuge des Eisenbahnbaus ab 1900 und der Industrialisierung ab 1925, die einwandernde jüdische Unternehmen einleiteten, zogen Sunniten vor allem aus den Bergen des Libanons und Galiläas zu. Haifas wirtschaftlicher Aufschwung spiegelt sich in Stiftungen zu Geld gekommener Gemeindeglieder an den Waqf der Orthodoxen Millet. Neu in die Stadt kamen Arbeitsmigranten, vielfach Nachfahren von Kleinbauern auf Pachtland in Galiläa, deren viele, auf zu kleinen Höfen schon die nachwachsenden jungen Erwachsenen nicht ernährten, teils dann nach Pachtkündigung selbst erwerbslos gewordene Landpächter waren.Tom Segev, Es war einmal ein Palästina: Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels, München: Pantheon, 32005, S. 390–394. ISBN 978-3-570-55009-0. In den 22 Jahren bis 1944 hatte sich die Stadtbevölkerung auf 128.000 Einwohner mehr als verzehnfacht, davon 66.000 Juden, 35.940 Muslime, 26.570 Christen und 3.000 Bahá'ís, unter letzteren drei Gruppen Haifas rund 62.500 nichtjüdische Araber.Shai Fogelman, “” (26. Mai 2011), in: Haʾaretz; abgerufen am 22. August 2025.
Weite Teile des Landes litten im Bürgerkrieg im Mandatsgebiet von Dezember 1947 bis Mai 1948. Die starke britische Garnison in Haifa ließ in der Stadt offene Bürgerkriegsszenen nicht aufkommen, doch zunächst aus eigener Sorge vor Gewalterfahrungen verließen bis Mitte März 1948 unter dem Eindruck der Kämpfe anderswo im Lande 25.000 bis 30.000 Araber Haifa.Vgl. auch Raschid al-Ḥaǧǧ Ibrahim, , Beirut: Institute for Palestine Studies, 2005.Benny Morris, The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited, Cambridge, Engl.: Cambridge University Press, 22004, S. 107. ISBN 978-0-521-00967-6. Gerade auch viele christliche Orthodoxe Haifas gingen, denn sie fürchteten Nachteile, da in ihren Kreisen viele dem arabischen Nationalismus zugetan waren, der blutige Attacken gegen britische Militärs und Zivilisten wie gegen Paramilitärs und Zivilisten der jüdischen Volksgruppe guthieß zudem auch arabische Guerillas finanzierte.