mini|Wilhelm Böttcher, Altona 1901 Wilhelm Heinrich Böttcher (* 20. August 1857 in Altona; † 19. Januar 1928 ebenda) war ein deutscher Kaufmann und Pionier der Fischwirtschaft in Altona. Er gehörte zu den ersten großen Heringsimporteuren Norddeutschlands und leitete über viele Jahre den Reichsverband Deutscher Frischheringsimporteure.

Frühe Jahre Böttcher wurde am 20. August 1857 in Altona geboren. Seine Mutter war Catharina Elisabeth Böttcher (1832–1897), geborene Inzelmann, später als Witwe wiederverheiratete Brandt. Über den Vater ist wenig bekannt. Die Familie wohnte in der Großen Fischerstraße 17, unmittelbar am Altonaer Fischmarkt.Hamburger Fremdenblatt, 21. Dezember 1897, S. 21 (Familiennachrichten, Todesanzeige Catharina Elisabeth Brandt, verw. Böttcher, geb. Inzelmann, Sterbehaus Gr. Fischerstr. 17, Altona). Diese Straße existiert heute nicht mehr. Hier verbrachte Böttcher seine Kindheit und Jugend im direkten Umfeld des Fischhandels. In einem Nachruf wurde er später als ein „richtiges Altonaer Kind“ bezeichnet.Altonaer Nachrichten, 20. Januar 1928, Bericht über die Trauerfeier für Wilhelm Heinrich Böttcher.

Gründung des Unternehmens Um die Mitte der 1880er Jahre gründete Böttcher gemeinsam mit Louis Koch in Altona ein Kommissionsgeschäft für frische Heringe. In den folgenden Jahren entwickelte sich daraus ein bedeutendes Heringsimportgeschäft.Adressbuch der Stadt Altona 1919, Abt. Firmenverzeichnis, S. 49, Staatsarchiv Hamburg. Der Firmensitz befand sich in der Großen Elbstraße, mitten im Zentrum des Altonaer Fischhandels.

Internationale Handelsaktivitäten Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs leitete Böttcher den Einkauf für seine Firma persönlich im Ausland. Passagierlisten aus dem Hamburger Hafen dokumentieren seine regelmäßigen Reisen nach England. In einem Artikel anlässlich seines 70. Geburtstags wurde zudem erwähnt, dass er auch in die skandinavischen Länder reiste, um frische Heringe einzukaufen.Hamburger Fremdenblatt, 20. August 1927, Nr. 192, S. 6 („Wilhelm Böttcher 70 Jahre“).

Verbandsarbeit Böttcher übernahm früh führende Funktionen in den Berufsverbänden der Heringshändler. 1908 wurde er Vorsitzender der Vereinigung der Kommissionäre für frischen Hering in Altona. Während des Ersten Weltkriegs und der Nachkriegszeit stand er außerdem dem Reichsverband Deutscher Frischheringsimporteure vor.Hamburger Fremdenblatt, 19. Januar 1928, Abendausgabe, Jg. 100, Nr. 19, S. 4 (Todesanzeigen Wilhelm Heinrich Böttcher).

Reedereigründung Am 15. Oktober 1906 wurde die Altonaer Küstenreederei GmbH in das Handelsregister eingetragen. Geschäftsführer war der Schiffsmakler Albert August Hauschild, Böttchers Schwiegersohn. Wilhelm Heinrich Böttcher fungierte als stellvertretender Geschäftsführer.Hamburgischer Correspondent und neue hamburgische Börsen-Halle, 19. Oktober 1906, Morgenausgabe, Nr. 500 (Handelsregisterbekanntmachung, Amtsgericht Altona, Abt. 6). Damit war er Mitinhaber der Reederei, die zu den frühen Küstenschifffahrtsunternehmen in Altona zählte.

Würdigungen und Tod mini|hochkant|Porträtzeichnung von Wilhelm Heinrich Böttcher, 1927 Am 20. August 1927 berichtete das Hamburger Fremdenblatt anlässlich seines 70. Geburtstags ausführlich über Böttcher. Er wurde dort als einer der Pioniere des deutschen Frischheringsimports gewürdigt.

Böttcher starb am 19. Januar 1928 im Alter von 70 Jahren. Bei der Trauerfeier am 21. Januar 1928 waren zahlreiche Kollegen, Familienmitglieder und Vertreter des Fischhandels anwesend. In den Zeitungen erschienen Traueranzeigen, unter anderem vom Reichsverband Deutscher Frischheringsimporteure. In den redaktionellen Nachrufen wurde er als „integrer Kaufmann“ beschrieben, der die „seltenen Vorzüge einer verehrungswürdigen Persönlichkeit mit der Tüchtigkeit eines ehrbaren Kaufmannes bester Tradition vereinte“.Hamburger Fremdenblatt, 20. Januar 1928, Morgenausgabe, Jg. 100, Nr. 20a, S. 4 (Nachruf und Trauerfeier).

Nachwirkung Nach seinem Tod wurde die Firma weitergeführt. Zum 50-jährigen Jubiläum erschien am 1. April 1937 im Hamburger Tageblatt eine Jubiläumsanzeige, die Böttcher als Gründer würdigte und die Kontinuität des Unternehmens hervorhob.Hamburger Tageblatt, 1. April 1937, S. 11 (Jubiläumsanzeige der Firma Wilhelm Böttcher, 50 Jahre). mini|Jubiläumsanzeige im Hamburger Tageblatt (1. April 1937) zum 50-jährigen Bestehen der Firma Wilhelm Böttcher

Familie Böttcher war verheiratet mit Wilhelmine Usine Böttcher, geborene Petersen. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor, Ingeborg Anna Andrea Berta Böttcher (1887–1915).

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