Der Typ Krutwig ist eine Baureihe schmalspuriger Tenderlokomotiven, die von Henschel in Kassel für den Einsatz auf Großbaustellen und in Tagebauen entwickelt wurde. Basis der Konstruktion war der Typ Klettwitz. Erstkunde und Namensgeber war 1938 die Bauunternehmung Christian Krutwig mit Sitz in Köln-Kalk. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Krutwig als Kriegslokomotive KDL 10 als kriegswichtig eingestuft und in großen Stückzahlen gefertigt.

Geschichte mini|links|Nr. 93 der SUBAG (Werkfoto 1942) Die Lokomotive ist der Weiterbau des Typs Klettwitz in entfeinerter und modernisierter Bauform. Die ersten Maschinen gingen 1937 direkt an die Firma Christian Krutwig.

Im Jahr 1938 begann der Generalinspektor für Straßenwesen mit dem Aufbau eines eigenen Baugeräteparkes, um den Mangel an modernen Baumaschinen auf den Großbaustellen des Deutschen Reiches zu verringern. Die beteiligten Baufirmen konnten sich dort Baugeräte für den Zeitraum der Baustellen mieten. Unter anderem wurden auch Lokomotiven des Typs Krutwig beschafft, die aufgrund der hohen Auslastung bei Henschel im Reichsprotektorat Böhmen und Mähren bei Škoda in Pilsen bestellt wurden. Die erste Serie von 70 Lokomotiven wurde dort 1939–1940 mit einer Spurweite von 900 mm ausgeliefert. Weitere Lieferserien hatten zum Teil auch Meterspur.Lokomotiven der Firma Christian Krutwig Insgesamt baute Škoda 175 Stück. Später kam als Lieferant noch die Böhmisch-Mährische Maschinenfabrik (BMMF) in Prag hinzu, wo 1942 eine Serie von 20 Lokomotiven entstand. Neun Lokomotiven baute auch Krauss-Maffei in München. mini|links|Die KRUTWIG der Kindereisenbahn Košice entstammt einer Nachbauserie von ČKD. Sie wurde bei ihrer Aufarbeitung äußerlich dem Ursprungstyp von Henschel angepasst (2017) In der 1945 wiederbegründeten Tschechoslowakei wurde der Typ Krutwig ab 1948 von ČKD als 900 BS 200 in modernisierter Form weiter gebaut. Die letzten Maschinen wurden dort 1959 ausgeliefert. Auch bei Henschel war der Typ Krutwig als B 200 nach 1945 noch lieferbar.

Drei Lokomotiven sind museal erhalten, davon eine betriebsfähig.Denkmallokomotive in Groß Behnitz In Tschechien und der Slowakei existieren darüber hinaus noch fünf Lokomotiven des Typs ČKD 900 BS 200. Eine Lokomotive des Baujahres 1955 läuft als KRUTWIG auf der Kindereisenbahn Košice.Übersicht auf uzkorozchodky.cz

Preussag Borken Fabriknummer 25091

mini|links|Nr. 25091 als Museumslokomotive in Meuselwitz (2025) Die Lokomotive wurde 1944 an das Borkener Braunkohlerevier ausgeliefert und war dort auf dem Gebiet der Grube Altenburg IV bis 1963 eingesetzt.Andreas Christopher Der hessische Braunkohlenbergbau und seine Bahnen, Verlag im Biebertal, Biebertal, 1993, ISBN 3-9801447-2-0, Seite 103 Dieser Betrieb der Firma Holzmann wurde 1943 mit der Spurweite von 900 mm weiterbetrieben, als die Preussag auch den Abraumbetrieb übernahm.Andreas Christopher Der hessische Braunkohlenbergbau und seine Bahnen, Verlag im Biebertal, Biebertal, 1993, ISBN 3-9801447-2-0, Seite 93 Im Jahr 1963 wurde sie dort durch modernere Lokomotiven abgelöst. Die Lok blieb zunächst in Borken abgestellt.Fotografie von Eberhardt Schüler der KDL 10 in Borken 1966 wurde die Lokomotive in der Werkssiedlung der PREAG in Großkrotzenburg auf einem Spielplatz ausgestellt, wo sie 25 Jahre stand.Zustand der Lokomotive in den 1980er Jahren auf Bimmelbahn-Forum

Im Jahr 1991 konnte die Lokomotive vom der Märkischen Museums-Eisenbahn übernommen werden, die auf Grund der nicht passenden Spurweite von einer betriebsfähigen Aufarbeitung Abstand nahm.Link aus der Vereinszeitung von MME 1991 über die KDL 10Foto der Lokomotive bei der Überführungsfahrt zur MME 1991 Die Lok kam 2001 zur Kohlebahn Meuselwitz, wo sie bis 2023 betriebsfähig aufgearbeitet wurde.

Konstruktion Im Vergleich zur Henschel Typ Klettwitz besitzt die Lokomotive einige Vereinfachungen in der Bauausführung bei Übernahme der gleichen Dampfmaschine. So wurden die seitlichen Wasserkästen bis zum Dampfdom verlängert und im Bereich der Steuerung etwas vereinfacht gestaltet. Die Führerhausseitenwände und das Dach wurden aus einem Teil gebogen hergestellt,Werkaufnahme von KM der KDL 10 auf Bimmelbahn-Forum beim Betrieb in Borken wurde diese Konstruktion zuletzt dem Typ Klettwitz angepasst. Die beim Typ Klettwitz noch verborgenen Griffe zum Führerhausaufstieg wurden bei der KDL 10 einfach außen aufgesetzt. Auch die Rückwand zeigt einige Veränderungen. Einige beim Typ Klettwitz vom Führerhaus zu bedienenden Armaturen sind bei der KDL 10 im Handbetrieb am Kessel ausgeführt.

Die Lokomotive, die keine Zylinderverkleidung besitzt, hatte diese im Betrieb bei der PREAG sowie Schutzbleche gegen Staub um die Zylinderstangen. Sie besitzt dieselben technischen Daten wie die Lokomotiven vom Typ Klettwitz. Wie alle Henschel-Industrielokomotiven der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg hatten sie einen Caledonian-Schornstein.

Siehe auch Liste schmalspuriger Lokomotiven von Henschel Liste der Schienenfahrzeuge der Förderbahnen der PREUSSAG Borken und HEFRAG Wölfersheim

Literatur Andreas Christopher Der hessische Braunkohlenbergbau und seine Bahnen, Verlag im Biebertal, Biebertal, 1993, ISBN 3-9801447-2-0 Stefan Lauscher: Die Lokomotiven des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen in Bahn-Express – Magazin für Werkbahnfreunde 2/1991, Verlag Ulrich Völz, Kiel; Digitalisat: (pdf) Karel Zeithammer: Česká stavba parních lokomotiv 2, Nakladatelství Růžolící chrochtík 2013, ISBN 978-80-904737-5-1 Karel Zeithammer: Česká stavba parních lokomotiv 3, Nakladatelství Růžolící chrochtík 2013, ISBN 978-80-904737-6-8

Weblinks

Internetseite über die Lokomotive KDL 10 bei den Kohlebahnen Meuselwitz Lebenslauf der Henschel KDL 10 bei der Heeresfeldbahnseite

Einzelnachweise

Kategorie:Tenderlokomotive Achsfolge B Kategorie:Schienenfahrzeug (Spurweite 900 mm) Kategorie:Schienenfahrzeug (Spurweite 1000 mm) Kategorie:Schienenfahrzeug (Henschel) Kategorie:Schienenfahrzeug (Škoda) Kategorie:Schienenfahrzeug (ČKD) Kategorie:Triebfahrzeug (Deutschland) Kategorie:Triebfahrzeug (Tschechoslowakei) Kategorie:Triebfahrzeug (Hessischer Braunkohlebergbau) Kategorie:Schienenfahrzeug (Krauss-Maffei)