Die Graphische Sammlung am Kunsthistorischen Institut der Universität Tübingen wurde 1894/1897 von dem ersten Tübinger Ordinarius für Kunstgeschichte, Konrad Lange (1855–1921), als eine Sammlung von Künstlergraphiken und Reproduktionsgraphiken gegründet. Sie diente vor allem zu Lehr- und Studienzwecken im Zusammenhang mit dem Studium des Faches Kunstgeschichte an der Universität. Hauptschwerpunkt waren etwa 6000 Blatt, die aus dem Königlichen Kupferstichkabinett in Stuttgart erworben werden konnten (Konrad Lange war von 1901 bis 1907 Direktor des damaligen Königlichen Museums der Künste in Stuttgart). Enthalten sind in der Sammlung hauptsächlich Druckgraphiken des 16. bis 18. Jahrhunderts, vor allem aus Deutschland, Italien und den Niederlanden. Hinzu kamen Objekte aus dem Vermächtnis von Otto Freiherr von Breitschwert (1829–1910),Anette Michels: "Meine Kunstsachen".Die Graphiksammlung Otto Freiherr von Breitschwert – eine Spurenlese. In: Celia Haller-Klingler, Anette Michels (Hrsg.): Kehrseite(n). Von Meisterwerken, Sammlern und Marken. Die Graphiksammler Ernst Riecker (1845–1918) und Otto Freiherr von Breitschwert (1829–1910).Graphik-Kabinett Backnang 2018, ISBN 978-3-9818264-0-1, S. 20–25. einem württembergischen Juristen und Politiker.
Der Nachfolger Konrad Langes, Georg Weise, ergänzte die Graphische Sammlung durch ein umfangreiches Foto-Archiv. Im Jahre 1962 erhielt die Sammlung mit Donat de Chapeaurouge erstmals einen hauptamtlichen Kustos. Sie wurde erweitert durch Stiftungen des deutsch-amerikanischen Unternehmers und Kunstsammlers Max Kade.Graphiken alter Meister aus der Sammlung Max Kade. Stiftungen an den Stuttgarter Galerieverein und an das Kunsthistorische Institut der Universität Tübingen; Katalog der Ausstellung des Tübinger Kunstvereins vom 3. Februar bis 1. März 1966. Tübingen 1966. Hinzu kamen weitere Schenkungen, so von Hedwig und Gustav Adolf Rieth. Bedeutend waren weitere Stiftungen von zeitgenössischen Werken wie etwa von dem Tübinger Professor für Biochemie und Kunstsammler Wolfgang VoelterAnette Michels (Hrsg.): Wissenschaftlerleben mit Kunst. Druckgraphik der Sammlung Heide und Wolfgang Voelter (= Schriften des Museums der Universität Tübingen, MUT. Bd. 6). Tübingen 2014, ISBN 978-3-9816616-2-0. und die vollständige Sammlung der Druckgraphik von Harald NaegeliAnette Michels (Hrsg.): Harald Naegeli – Utopie der Zeichnung. Bestandskatalog der Schenkung Harald Naegeli an die Graphische Sammlung am Kunsthistorischen Institut der Eberhard Karls Universität Tübingen (= Schriften des Museums der Universität Tübingen, MUT. Bd. 19). Tübingen 2019, ISBN 978-3-9821339-0-4. nach einer Ausstellung seiner Werke in Tübingen 1998.
Seit 1992 befindet sich die Graphische Sammlung mit ihrem Studiensaal im Bonatzbau der Universitätsbibliothek Tübingen. Vorher war sie im Kunsthistorischen Institut untergebracht. Sie besitzt zwei Graphikschränke, die der württembergische Ebenist Johannes Klinckerfuß 1809 geschaffen hat. Sie waren für das Königliche Kupferstichkabinett in Stuttgart bestimmt und wurden zwischen 1894 und 1896 als „Dubletten“ an das Kunsthistorische Institut in Tübingen abgegeben.Wolfgang Wiese: Johannes Klinckerfuß. Ein württembergischer Ebenist (1770-1831). Thorbecke, Sigmaringen 1988, S. 268, ISBN 3-7995-7053-5; Graphikschränke des württembergischen Ebenisten Johannes Klinckerfuß (1770-1831). Staatsgalerie Stuttgart / Graphische Sammlung (Einladung zu einer Spende, 16. März 2003).
Kustoden - Donat de Chapeaurouge (1962–1978)
- Peter Märker (1979–1986)
- Monika Wagner (1986–1987)
- Anette Michels (1987–2020)
- Ariane Koller (2020– )
Literatur (Auswahl)
Donat de Chapeaurouge: Die Anfänge der Sammlungen. In: Attempto, Bd. 59/60 (1977), S. 70–75.
Peter Märker: Lehr- und Kunstsammlung. Zur Geschichte und Funktion der Graphischen Sammlung am Kunsthistorischen Institut. In: Tübinger Blätter, Bd. 71 (1984), S. 84–90.
Anette Michels: Stiftungen an die Graphische Sammlung des Kunsthistorischen Instituts der Universität Tübingen. In: 20 Jahre Tübinger Kunstgeschichtliche Gesellschaft e.V. Eine Dokumentation. Thorbecke, Sigmaringen 1993, S. 39–48.
Anette Michels, Regina Prange: „Erfreuen und belehren“. 100 Jahre Graphische Sammlung am Kunsthistorischen Institut der Universität Tübingen (= Aus den Kunstsammlungen der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Bd. 2). Thorbecke, Sigmaringen 1996, ISBN 3-7995-7861-7. Anette Michels: Bilder lesen. Die Graphische Sammlung des Kunsthistorischen Instituts im Bonatzbau der Universitätsbibliothek. In: Bettina Fiand u. a. (Hrsg.): „Fest-Platte“. Beiträge aus der Universitätsbibliothek Tübingen für Berndt von Egidy. Universitätsbibliothek Tübingen 2003, S. 148–151 (Volltext). Anette Michels: Kunst auf Papier. Graphische Sammlung. In: Ernst Seidl (Hrsg.): Museen + Sammlungen der Universität Tübingen (= Schriften des Museums der Universität Tübingen, MUT. Bd. 14). Tübingen 2016, ISBN 978-3-9817947-4-8, S. 150–157. Pia Schumacher/Michael La Corte: Die Graphische Sammlung. In: Jörg Büchler u. a. (Hrsg.): Musik in den Sammlungen der Universität Tübingen (= Schriften des Museums der Universität Tübingen, MUT, Bd. 29). Museum der Universität Tübingen 2025, S. 252–262, ISBN 978-3-949680-07-6.
Außerdem gab die Graphische Sammlung mehrere Ausstellungskataloge heraus.
Weblinks
Graphische Sammlung / Kunsthistorisches Institut / Eberhard Karls Universität Tübingen
Museum der Universität Tübingen (MUT) / Graphische Sammlung Portraitsammlungen der Eberhard Karls Universität Tübingen
Einzelnachweise
Kategorie:Grafische Sammlung Kategorie:Unterorganisation der Eberhard Karls Universität Tübingen Kategorie:Universitätssammlung Kategorie:Gegründet 1897 Kategorie:Kunst (Tübingen) Kategorie:Bildende Kunst (Baden-Württemberg)