mini|Ein Luxemburger Gendarm/Polizist grüßt Heinrich Himmler beim Besuch in Luxemburg 1940

Die Luxemburger Kollaboration mit NS-Deutschland bezeichnet die Zusammenarbeit von Luxemburger Dienststellen auf staatlicher oder kommunaler Ebene, aber auch von Unternehmen, Gruppen oder Personen mit der deutschen Besatzungsmacht in Luxemburg im Zweiten Weltkrieg, vom Zeitpunkt der Besetzung am 10. Mai 1940 bis zur ersten Befreiung im September 1944. Vornehmlich Anhänger der späteren Volksdeutschen Bewegung (VdB) begrüßten nicht nur die Invasion der Deutschen, sondern waren auch aktiv an der Zerstörung des luxemburgischen Staates beteiligt. Sie waren Kollaborateure aus Überzeugung. Zu ihnen gesellten sich jene, welche sich aus Opportunismus beteiligten oder äußerem Druck nachgaben. Ihr Verhalten wurde später als Verrat angesehen.

In dieser Zeit kollaborierten einige Luxemburger Dienststellen, Unternehmen, Gruppen oder Personen mit der Besatzungsmacht. Der Ausdruck Gielemännchen ("Gelbmännchen", ggf. auch gemeint als Goldammer, assoziiert zu dem abwertend gemeinten Goldfasan) wurde angewendet auf manche Luxemburger, ursprünglich bezogen auf Mitglieder der Luxemburger NS-Bewegung, die gelbe/khakifarbene Uniformen trugen. Später wurde dieser Begriff allgemeiner angewendet auf Luxemburger Kollaborateure aller Art.

Vorgeschichte in der Vorkriegszeit In der Zeit zwischen den Weltkriegen gab es in einigen Ländern West-Europas faschistische oder rechtsextreme Bewegungen, so auch in Luxemburg. Diese Bewegungen hatten typischerweise gemein, dass sie nationalistisch waren, oft anti-semitisch, feindlich gegenüber sowohl Kapitalismus als auch Kommunismus, und sie wurden oft von der unteren Mittelklasse getragen. In Luxemburg gab es in den 1930er Jahren unter anderem die zahlenmäßig wenig bedeutenden Faschistische Partei Luxemburg und die Luxemburgische Nationale Arbeiter- und Mittelstandsbewegung. Die Luxemburger National Partei (LNP) veröffentlichte 1936 die erste Ausgabe des National-Echo. Wegen interner Streitigkeiten und Geldmangel ging die LNP aber bereits kurz danach wieder ein. Versuche der Reaktivierung während der deutschen Besetzungszeit gelangen nicht.Majerus, Benoît. In: ...et wor alles net esou einfach - Questions sur le Luxembourg et la Deuxième Guerre mondiale; Buch zur Ausstellung, veröffentlicht vom Musée d'Histoire de la Ville de Luxembourg, Vol. X; Luxembourg, 2002; p. 126–140.

Die Luxemburger Volksjugend (LVJ), auch Stoßtrupp Lützelburg genannt, war erfolgreicher darin, junge Männer zu gewinnen. Sie folgte der NS-Ideologie entsprechend dem deutschen Vorbild und sah Adolf Hitler auch als ihren Führer.

Eine weniger offen politische Organisation war die Luxemburger Gesellschaft für Deutsche Literatur und Kunst (GEDELIT), die sich später als eine Art Reservoir für künftige Kollaborateure herausstellte. GEDELIT wurde 1934 gegründet, als Gegengewicht zur bereits erfolgreichen Alliance française, die die kulturellen Verbindungen mit Frankreich stärken wollte. Seit der Gründung bestand gegenüber der GEDELIT der Verdacht, dass sie ein Werkzeug der deutschen NS-Regierung oder von deren Partei war.

Bisher erscheint der tatsächliche Einfluss der Vorkriegs-Organisationen auf das Verhalten der allgemeinen Bevölkerung während der Besetzung unklar, ebenso wie die Kontinuität der Volksdeutsche Bewegung (VdB) oder der Luxemburger Abteilung der NSDAP. Nur die LVJ, die sich 1940 in Volksjugend unbenannte und dann 1941, nach der Besetzung, Teil der Hitlerjugend wurde, war in dieser Hinsicht politisch erfolgreich.

Luxemburg hat sich lange Zeit nur als Opfer deutscher Aggressionen und Zwangsrekrutierungen definiert. Allerdings gab es schon vor dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Besetzung im Mai 1940 in Luxemburg weit verbreiteten offenen Antisemitismus. Das Dritte Nürnberger Rassegesetz wurde von Luxemburg schon vor dem Zweiten Weltkrieg in den 1930er Jahren freiwillig übernommen und die Ehe von Nicht-Juden mit Juden verboten. Juden wurden als Menschen zweiter Klasse eingestuft und unter anderem bei der Arbeitssuche behindert.

Nach Luxemburg geflüchtete deutsche oder österreichische Juden wurden separat registriert. Mitte der 30er-Jahre scheuten die Luxemburger Behörden nicht davor zurück, »illegale« jüdische Flüchtlinge und sogar Flüchtlinge mit gültigen Papieren zur deutschen Grenze zurückzubringen, obwohl bekannt war, dass sie dort verhaftet und in Konzentrationslager gebracht würden. Die Juden gerieten immer wieder ins Visier militanter Nationalisten und NS-Sympathisanten und wurden als Parasiten bezeichnet sowie aufgefordert, nach Palästina zu gehen. Im Jahr 1938 soll sogar nach dem Schutz Deutschlands gerufen worden sein.Vor 77 Jahren / An der größten Massenerschießung des Zweiten Weltkriegs waren auch Luxemburger beteiligt, auf tageblatt.luLUXEMBURG. Die Helfer der Schoa, auf juedische-allgemeine.de

Volksdeutsche Bewegung

mini|hochkant|Plakat der Volksdeutschen Bewegung im Vorfeld der Personenstandsaufnahme 1941

Eine Bewegung von Kollaborateuren ergab sich schon in den ersten Wochen der Besetzung, erhielt aber zu diesem Zeitpunkt keine Unterstützung durch die deutsche Militärverwaltung (von Mai bis Juli 1940). Am 19. Mai 1940 gab es ein Treffen von 28 Personenen, die zuvor den erwähnten rechten und faschistischen Gruppen angehörten, die Luxemburg zum Gau, also zu einem Teil des Deutschen Reichs machen wollten. Der Historiker Émile Krier stellte fest, dass die Volksdeutsche Bewegung Vorkriegsnetzwerke nutzte, als sie sich gründete. So war beispielsweise der Lehrer Damian Kratzenberg, der dann Chef des landesweiten VdB wurde, zuvor Chef der Luxemburger Gesellschaft für Deutsche Literatur und Kunst.

Am 13. Juli 1940 wurde die Volksdeutsche Bewegung (VdB) offiziell gegründet. Diese enthielt drei Untergruppen: eine Gruppe rund um Damian Kratzenberg, die schon vor dem Krieg zum NS-Staat orientiert war und die zuvor vor allem in der kulturellen Szene tätig war; eine Gruppe, die aus ökonomischen Gründen mit den Besatzern zusammenarbeiten wollte; schließlich als dritte Gruppe junge Männer rund um den früheren Journalisten Camille Dennemeyer, die Aktivitäten entsprechend der deutschen Sturmabteilung (SA) entwickeln wollten. Letztere wurden als potenziell schädlich für das öffentliche Image der VdB eingeschätzt und so wurden Dennemeyer und Mitglieder seiner Gruppe im November 1940 ihrer Posten im VdB enthoben.

Die VdB wurde die ideologische Speerspitze der Bewegung, Luxemburg als Teil des Deutschen Reichs zu verstehen. Am 6. Juli 1940, eine Woche vor der offiziellen Gründung der VdB, ließ er öffentlich erklären: "Luxemburger, hört den Ruf des Bluts! Es sagt Euch, dass ihr Deutsche seid, von Rasse und Sprache [...]" Zielsetzung war, dass Luxemburger sich als Teil von NS-Deutschland verstehen sollten.

In den nächsten Monaten konnte das VdB seine Mitgliedszahl steigern. Organisatorisch wurden landesweit vier Kreise gebildet, darunter Ortsgruppen. Schon im August 1942 wurde etwa ein Drittel der Bevölkerung als Mitglied eingestuft. Am Ende des Krieges 1944 gab es 120 lokale VdB-Gruppen. Bis zum Ende des Krieges hatte der VdB allerdings keine weiterreichende eigene Ideologie formuliert. Es war aber aus den veröffentlichten Äußerungen ablesbar, dass die angestrebte Entrechtung der Juden, die Ablehnung der Resistance und der großherzoglichen Familie mit den deutschen Besatzern geteilt wurde.

Zu Beginn der Besetzung waren die deutschen Besatzer nicht an einer engeren Zusammenarbeit mit diesen einheimischen Aktivisten interessiert. Die höheren Ränge der VdB wurden meist von Reichsdeutschen besetzt, darunter drei von vier Kreisleitern. Die zu Kriegsende 120 Ortsgruppenleiter waren allerdings meist Luxemburger. Dies war aber auch die höchste für Luxemburger vorgesehene Stufe der Karriereleiter. Die Ortsgruppenleiter waren ein wichtiger Knoten in den örtlichen Informationsnetzwerken zur Kontrolle des Landes Luxemburg während der vier Jahre der Besatzung: sie wurden befragt, wenn es um politische Anschauungen von Personen ging, zum Beispiel, wenn jemand Mitglied im VdB werden wollte, staatliche Hilfen erbat oder beim Zugang zu bestimmten Bildungsangeboten, der Freistellung für potenzielle Wehrmachtsangehörige oder vor der Entlassung aus Gefängnis oder Konzentrationslager. Damit hatten die Ortsgruppenleiter erheblichen Einfluss auf das Schicksal der Einwohner in den Ortschaften, für die sie zuständig waren.

Darüber hinaus lieferten sie schwarze Listen von möglichen Geiseln oder "Spendern". Nachdem die Drei Eicheln, eine Anlage von historischen Festungsanlagen auf dem heute zu Stadt Luxemburg gehörenden Kirchberg-Plateau, in den Luxemburger Nationalfarben rot, weiß und blau angemalt wurden, hatten die Ortsgruppenleiter im zuständigen Clausen eine Liste von 31 Personen präsentiert, die fähig seien, die 100.000 Reichsmark zu zahlen, die die Besatzer als Bestrafung für diesen Akt des Widerstands festgesetzt hatten.

Freiwillige in Wehrmacht und SS Ab Januar 1941 gab es eine Freiwilligenmeldestelle der Wehrmacht für Volksdeutsche luxemburgischer Staatsangehörigkeit und Reichsdeutsche in Luxemburg. Höchstens 1800 bis 2000 dienten als Freiwillige in den deutschen Streitkräften (davon 300 in der Waffen-SS). Das Freiwilligenmodell von Simon war verhältnismäßig erfolgreicher als das seiner CdZ-Kollegen im Elsass und in Lothringen. Gründe dafür sind die massive Werbung durch den VdB, der kontinuierliche persönliche Einsatz von Simon und die Naivität der Luxemburger bezüglich der Bedeutung des in Luxemburg unbekannten Wehrdienstes. Die Einführung der deutschen Staatsbürgerschaft erfolgte im August 1942 und in Folge wurden alle volksdeutschen Luxemburger wehrpflichtig (Luxemburger Zwangsrekrutierte). Nach kurzer Bestürzung der Luxemburger Bevölkerung kam es zu Demonstrationen und kollektiven Widerstandshandlungen, auf die von der überraschten deutschen Seite mit härtesten Maßnahmen (Standgericht, lokaler Ausnahmezustand) reagiert wurde.

Die Mitglieder der Luxemburger Freiwilligenkompanie wurden geschlossen als Polizeianwärter in die deutsche Polizei übernommen und kamen hauptsächlich in SS- und Polizeibataillonen zum Einsatz. Von den ursprünglich 455 Mitgliedern der Luxemburger Kompanie kamen insgesamt 255 in deutsche Gefängnisse oder Konzentrationslager, wo 48 starben. Fünfzehn wurden ins berüchtigte Reserve-Polizei-Bataillon 101 (1. Kompanie, erster und zweiter Zug) in Hamburg eingegliedert. In der Goldhagendebatte führte Browning an, dass vierzehn Luxemburger in diesem Pollizeibataillon gedient hätten, woraufhin in Luxemburg eine Debatte über deren Beteiligung am Holocaust im Osten begann.

Ende des Kriegs und Nachkriegszeit Kriegsende Im frühen September 1944 verließen etwa 10.000 Personen Luxemburg zusammen mit der deutschen Zivilverwaltung. Es wird angenommen, dass dies etwa 3.500 Kollaborateure mit ihren Familien waren. Diese Personen wurden verteilt in die Landkreise Mayen, Kreuznach, Bernkastel und St. Goar. Dort gab es schnell Spannungen zwischen den Flüchtlingen aus Luxemburg und der einheimischen Bevölkerung, deren Lebensbedingungen in diesem Zeitraum nicht mehr so komfortabel waren wie während der vorherigen Kriegszeit, in der die besetzten Länder geplündert wurden. Ein Hintergrund ist, dass die Luxemburger Kollaborateure weiterhin vom deutschen Sieg überzeugt waren, bis zu dem Punkt, dass ein Geheimpolizei-Bericht feststellte, dass beim Gruß Heil Hitler unterstellt wurde, dass Luxemburger (Nationalsozialisten) anwesend seien.