Der Hindutempel Basel (Arulmigu Hindu Alayam) ist ein Zentrum für Kultur, Gemeinschaft und Religion im Baseler Dreispitz, in dem die tamilisch-hinduistische Tradition gelebt wird.

Geschichte Der erste Hindutempel in der Schweiz entstand 1985 in Basel im Keller eines Privathauses: der Sithi Vinayagar Alayam, der dem Gott Ganesha (auch Vinayagar oder Pillayair genannt) geweiht war. In den folgenden Jahren wurden zwei weitere Tempel gegründet: der Sri Raja Rajeswary Ambal, mit der Einweihung von Amman (eine Form der Göttin Parvati, auch Rajarajeswary genannt) und der Sri Subramaniar, mit der Einweihung von Murugan (verehrt als Skanda oder Kartikeya). Diese drei Tempel prägten das religiöse Leben der tamilischen Hindus in Basel.

1993 wurde in Basel das erste hinduistische Kumbhabhishekham (Einweihungsritual) der Schweiz durchgeführt. Am 2. Juni 2004 schlossen sich die drei Tempel zur gemeinsamen Institution Hindu Tempel Basel zusammen. 2008 musste das bisherige Areal aufgrund einer Kündigung aufgegeben werden. Um die Zukunft des Tempels zu sichern, wurde die Stiftung Hindugemeinde gegründet, die den Neubau im Dreispitz ermöglichte. 2009 begann der Bau des neuen Tempels an der Mailandstrasse 30. Im Jahr 2015 fand die offizielle Eröffnung statt.Hindu Tempel Basel eröffnet, Livenet jesus.ch.Hindu Tempel Basel, Lexikon Kirchliche Fachstelle Religionen, Sekten und Weltanschauungen.

Architektur Der Hindutempel Basel entstand durch die Umnutzung einer ehemaligen Lagerhalle. Die Planung und Umgestaltung erfolgte durch den Architekten Paul Leis in Zusammenarbeit mit der Stiftung Hindugemeinde. Das Gebäude umfasst rund 1'000 Quadratmeter Nutzfläche auf zwei Ebenen und erreicht eine Höhe von etwa zehn Metern. Von aussen ist der industrielle Ursprung der Halle noch erkennbar. Besonders ins Auge fällt der Haupteingang, über dem sich ein farbenprächtiger Gopuram (Tempelturm) mit typischen Elementen südindischer Tempelarchitektur erhebt.

mini|hochkant|Innenansicht des Hindutempels in Basel, mit kunstvoll bemalten Säulen und Götterstatuen Im Inneren befindet sich eine zentrale Tempelhalle mit Schreinen für die drei Hauptgottheiten Ganesha, Amman und Murugan. Ergänzt wird die Anlage durch kleinere Altäre für weitere Gottheiten. Neben den Sakralräumen gibt es eine Küche, Lagerräume und Räume für kulturelle Veranstaltungen.

Lage Der Tempel befindet sich im Dreispitz-Areal an der Grenze zwischen den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Die ursprünglich als Industrie- und Logistikgebiet genutzte Fläche entwickelt sich im Zuge des städtebaulichen Wandels zu einem Quartier mit gemischter Nutzung. Der Tempel ist in wenigen Gehminuten von der Haltestelle Dreispitz (Tram und Zug) erreichbar. Die Tramlinie 11 verbindet den Dreispitz direkt mit der Innenstadt und auch aus den angrenzenden Gemeinden Muttenz und Münchenstein ist der Tempel schnell zu erreichen. Dis Lage des Tempels im Dreispitz bietet praktische Vorteile: Die Fläche und Raumhöhe sind für religiöse Zwecke geeignet und bei grösseren Festen sind kaum Konflikte mit Anwohnern zu erwarten.Hindu Tempel Basel, Wissen: Porträts der Religionscommunity, inforel.Hindutempel Basel , Kultur- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Luzern, 17. Februar 2024.

Tempelfeste und Rituale Der Hindutempel Basel ist nicht nur ein architektonisches, sondern vor allem ein religiöses und kulturelles Zentrum. Die täglichen Zeremonien sowie die grossen Jahresfeste bilden den Kern des gemeinschaftlichen religiösen Alltags der tamilisch-hinduistischen Diaspora.

Puja Täglich finden Pujas (Gottesdienste) statt, die von einem Priester geleitet werden. Diese beinhalten Rezitationen, Räucherungen, Lampenopfer (Aarati) und das Darbringen von Speisen. An bestimmten Tagen werden Abhishekas durchgeführt, bei denen die Götterstatuen mit Milch, Wasser und Honig rituell gebadet werden. Nach den Zeremonien erhalten die Besucherinnen und Besucher Prasadam (gesegnete Speise), die oft gemeinsam im Untergeschoss des Tempels verzehrt wird.

Thai Pongal Das tamilische Thai Pongal (Erntedankfest), wird jedes Jahr Mitte Januar gefeiert. An diesem Tag kochen die Gläubigen Milchreis, der Pongal genannt wird. Sobald der Reis überkocht, rufen alle gemeinsam "Pongalo Pongal". Dieser Ausruf soll Glück, Dankbarkeit und Wohlstand ausdrücken. Anschliessend wird der Pongal zuerst den Göttern dargebracht und danach mit allen Anwesenden geteilt.

Mahotsavam mini|links|hochkant|Ther in Basel, 2024 mini|hochkant|Sapparam im Hindutempel Basel, 2025 Das wichtigste Fest im Jahreszyklus ist das zehntägige Mahotsavam (Jahresfest), das jeweils im Sommer gefeiert wird. Täglich finden während dieser Zeit Pujas, Abhishekas und kulturelle Veranstaltungen statt. Jede Gottheit erhält eigene Festtage mit speziellen Ritualen. Die Höhepunkte sind dabei der Sapparam (Prozession mit einer kleineren Götterfigur auf einem Traggestell) sowie der Ther (Wagenfest), bei dem die Hauptgottheit auf einem festlich geschmückten Wagen durch den Tempelraum gezogen wird. Im Unterschied zu den Tempeln in Sri Lanka oder Indien, wo der Ther auf grossen Strassenumzügen stattfindet, beschränken sich die Prozessionen in Basel aus Platzgründen auf das Tempelgelände / Mailandstrasse.

Darüber hinaus werden weitere bedeutende hinduistische Feste begangen. Dazu zählen das Vinayagar Chaturthi zu Ehren des Gottes Ganesha, das Navaratri zu Ehren der Göttin Amman sowie das Kanda Sashti zu Ehren des Gottes Murugan. Auch Diwali (Lichterfest) und andere religiöse Anlässe haben ihren festen Platz im Jahreskalender des Tempels. Bei allen Feierlichkeiten spielt das gemeinsame Essen eine wichtige Rolle für den sozialen Zusammenhalt der Gemeinschaft. Neben den Festen dient der Tempel auch als Ort für persönliche Rituale der Gläubigen. Dazu gehören Hochzeiten, Gebetsversammlungen und Trauerzeremonien, die jeweils von den entsprechenden religiösen Handlungen begleitet werden.

Gottheiten Im Hindutempel Basel werden 17 verschiedene Gottheiten des Hinduismus verehrt, insbesondere solche, die in der tamilischen Tradition eine grosse Bedeutung haben. Allerdings gibt es im Hinduismus tausende von Gottheiten, unter anderem Vishnu, Lakshmi, Krishna, Rama, Sarasvati, Durga, Hanuman, Brahma und viele andere.Götter und Göttinnen im Hinduismus – jeder zeigt eine besondere Seite von Brahman, Lexikon religionen-entdecken.de.

Shivan

Shivan ist einer der Hauptgottheiten im Hinduismus und Teil der Trimurti, der göttliche Dreiheit, zu der auch Brahma (Schöpfer) und Vishnu (Erhalter) gehören. Shivan gilt als Gott der Zerstörung und Erneuerung, der über Geburt, Tod und Wiedergeburt herrscht. Er steht für Meditation, Transformation und kosmische Energie. Dargestellt wird er meist mit einem Dreizack, einem dritten Auge auf der Stirn und einer Mondsichel im Haar. Oft ist er mit einer Schlange um den Hals und in tiefer Meditation sitzend zu sehen. Shivan ist der Ehemann von Amman und der Vater von Ganesha und Murugan.

Amman mini|hochkant|Amman, festlich geschmückt mit Blumengirlanden und Öllampen im Hindutempel Basel Amman, auch bekannt als Parvati oder Rajarajeswary, ist die Mutter von Ganesha und Murugan und die Ehefrau von Shivan. Sie repräsentiert die weibliche schöpferische Kraft (Shakti) und gilt als Göttin der Liebe, Hingabe, Fruchtbarkeit, Fürsorge und spirituelle Stärke. Amman wird als schöne Frau mit dunklem Haar und leuchtender Haut dargestellt, reich geschmückt mit Schmuck und bunten Kleidern. Sie kann mit zwei oder mehreren Armen dargestellt sein, in denen sie Symbole wie Blumen, Gebetsketten oder andere Symbole hält. Ihr ist das Fest Navaratri gewidmet, das im Hindutempel Basel jedes Jahr mit grosser Hingabe gefeiert wird.

Ganesha

180px|mini|links|Ganesha in traditioneller Kleidung, vor blauem Hintergrund im Hindutempel Basel Ganesha, auch Vinayagar oder Pillayair genannt, ist der elefantenköpfige Gott, der als Gott der Weisheit, des Erfolgs und der Überwindung von Hindernissen verehrt wird. Er ist der ältere Sohn von Shivan und Amman und wird traditionell zu Beginn von Zeremonien oder Ritualen angerufen, um Erfolg zu sichern und Hindernisse zu beseitigen. Ganesha wird mit einem Elefantenkopf und menschlichem Körper dargestellt, oft mit vier Armen, in denen er unter anderem eine Axt, eine Lotosblume, eine Süssigkeit und eine Gebetskette trägt. Das wichtigste Fest zu seinen Ehren ist das Vinayagar Chaturthi, das auch im Tempel Basel gefeiert wird.

Murugan

Murugan, auch bekannt als Skanda oder Kartikeya, ist der Gott des Krieges, der Jugend, der Tapferkeit und Weisheit. Er ist der jüngere Sohn von Shivan und Amman und der Bruder von Ganesha. Murugan wird als junger, strahlender Krieger dargestellt, mit einem Speer in der Hand. Oft reitet er auf einem Pfau. Das Reittier gilt als Symbol für den Sieg über das Ego. Er spielt eine zentrale Rolle in vielen hinduistischen Mythen, vor allem im Kampf gegen das Böse und Dämonen. Wichtige Feste zu seinen Ehren sind Thaipusam und Kanda Shashti.

Weblinks

Station 3.5 Hindutempel. (Audioguide Dreispitz) In: bs.ch Hinduistisch, sinnlich, vielgestaltig : Der Hindutempel in Basel. (PDF; 0,5 MB). In: bs.ch, September-Dezember 2024.

Einzelnachweise

Kategorie:Sakralbau in Basel Kategorie:Hinduismus in der Schweiz Kategorie:Hinduistischer Tempel Kategorie:Erbaut 2015 Kategorie:Orientalisierende Architektur Kategorie:Bauwerk des Historismus in Basel