Robert Huth (* 9. Oktober 1872 in Niederzimmern; † 31. August 1932 in Erfurt) war ein deutscher Lehrer, Maler, Modellbauer und Heimatforscher.
Leben Robert Huth wurde als Sohn des Landwirts Albert Huth und dessen Frau Maria Luisa, geb. Schiller, in Niederzimmern geboren. Er besuchte das Erfurter Lehrerseminar und erhielt 1893 sein Zeugnis zur Befähigung als Volksschullehrer zur provisorischen Anstellung. Seine erste Stelle als Lehrer trat er in Kaulsdorf (Saale). 1896 bestand er seine Zweite Volksschullehrerprüfung und kehrte 1900 nach Erfurt zurück.J. Biereye, S. 105.
In Erfurt wohnte Huth in der Nordhäuser Straße 95 und unterrichtete zunächst an den Bürgerschulen II und III. Später wechselte er an die evangelische Volksschule I (Johannesschule).
Im August 1930 erkrankte Huth an einem akuten Herzleiden und musste über längere Zeiträume vom Schuldienst beurlaubt werden. Trotz seiner schweren körperlichen Einschränkungen hoffte er bis zuletzt auf eine Genesung; noch am 1. August 1932 teilte er dem Rektor schriftlich mit, er hoffe, „in 14 Tagen wieder Dienst tun“ zu können. Ein weiteres ärztliches Attest vom 26. August bescheinigte ihm jedoch erneut Dienstunfähigkeit. Robert Huth verstarb am 31. August 1932 wenige Wochen vor Vollendung seines 60. Lebensjahres. Er hinterließ seine Frau Theresa Berta, geb. Kurth, und eine Tochter.J. Biereye, S. 108.
Wirken Huth forschte seit seiner Rückkehr nach Erfurt zur Geschichte von Stadt und Land. Er entfaltete zudem sein Talent zur künstlerischen Darstellung historischer Themen. Schon in Kaulsdorf hatte er sich eingehend mit der dortigen Burg (das jetzige Schloss wurde 1678 auf den Grundmauern der Burg aufgebaut) sowie dem Schloss von Kühndorf am Dolmar beschäftigt und dazu heimatkundliche Aufsätze verfasst, denen er eigene Zeichnungen beifügte.
center|mini|700px|Das Stadtmodell von Robert Huth zeigt Erfurt aus der Zeit um 1870.
In Erfurt wandte er sich dann dem Modellbau von Bauwerken zu. Zeugnisse seines Schaffens zeigt das Stadtmuseum Erfurt seit 2017; präsentiert werden neben einem kleineren Modell vor allem sein Hauptwerk, das Große Stadtmodell.Vgl. Artikel zur neuen Präsentation des Stadtmodells im Stadtmuseum Erfurt im März 2017. Das Modell von Robert Huth zeigt Erfurt vor der Entfestigung 1873. bei www.erfurt-web.de.
Den Mittelpunkt seiner Forschungen bildeten die Befestigungsanlagen der Festung Erfurt, die er für eine der bemerkenswertesten historischen Leistungen Erfurts hielt. Er verfasste eine Reihe von Monographien über Einzelbauwerke sowie Gesamtdarstellungen, zunächst zwei grundlegende Arbeiten über die beiden Zitadellen der Stadt, „Die Cyriaksburg“ (1907)Vgl. Robert Huth: Die Cyriaksburg bei Erfurt: Geschichtliche Darstellung und Beschreibung. Verlag des Thüringerwald-Vereins, Erfurt 1907: Reprint Rockstuhl, Bad Langensalza 2008, ISBN 978-3867770347. und „Der Petersberg“ (1908). Es folgten Abhandlungen über Burgen und Schlösser,Vgl. Robert Huth: Burgen und Schlösser um Erfurt. Mit Beiträgen über den Amtsbezirk Vieselbach und die Kohlebergwerke zu Hopfgarten von Robert Huth und Harald Rockstuhl. Reprint Rockstuhl, Bad Langensalza 2015, ISBN 978-3-867779-27-2. Warttürme und DorfbefestigungenVgl. Robert Huth: Warttürme und Dorfbefestigungen der Umgegend von Erfurt. In: Jahrbücher des Vereins für Heimatkunde im Amtsbezirk Vieselbach 2. Vieselbach 1910, S. 93–96 (Digitalisat). des Landes Erfurt.
Überdies befasste sich Huth mit dem Rechenmeister Adam Ries und dessen Aufenthalt in Erfurt.Vgl. Robert Huth: Die Beziehungen des Rechenmeisters Adam Riese zu Erfurt. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt 38. 1917 (im Druck 2027), S. 98 (Digitalisat). Die zeitgleiche Benennung Adam-Ries-Straße im Borntal geht vermutlich auf Robert Huth zurück. Gleichen Ursprungs soll die in Erfurt und in den Dörfern um Erfurt herum einst bekannte sprichwörtliche Redensart „Geh' zu Adam Ries in die Drachengasse“ sein.
Huth gehörte den meisten heimatkundlichen Vereinen der Region als aktives Mitglied an, wo er sich durch Veröffentlichungen, lebendige Vorträge und Führungen hervortat.J. Biereye, S. 107. Dem Geschichtsverein Erfurt trat er bereits 1902 bei, in dessen Vorstand wurde er 1919 als Beisitzer gewählt. Ebenso gehörte er dem Vorstand des Vereins für Heimatkunde im Amtsbezirk Vieselbach sowie fast zwei Jahrzehnte dem Thüringerwald-Verein an. Die Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt nahm ihn 1928 auf.
In verschiedenen Vereinen hielt Robert Huth eine Reihe von Vorträgen zu den von ihm publizierten Aufsätzen zur Befestigungsgeschichte aber auch angrenzenden historischen Themen, wie beispielsweise „Über das Land Erfurt im 30jährigen Kriege“ und leitete Führungen zu den beschriebenen Burgen und Warten. Auf den Mitgliederversammlungen des Geschichtsvereins sprach Huth am 5. Februar 1909 anhand zweier selbst geschaffener Modelle über die „Citadelle Petersberg“Vgl. Die Citadelle Petersberg zu Erfurt. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt 29. 1908, S. 105–108 (Digitalisat). sowie 1920 über die dort gemachten Funde, am 25. Januar 1921 über die „Festung Erfurt“ sowie einen Monat später über die Bienstädter Warte,Vgl. Robert Huth: Die Bienstädter oder Offhäuser Warte. In: Thüringer Monatsblätter 32/7. Erfurt 2024/5, S. 64–67. (Digitalisat). am 31. März 1922 über die Wasserburg Ollendorf,Vgl. Die Wasserburg zu Ollendorf. In: Jahrbücher des Vereins für Heimatkunde im Amtsbezirk Vieselbach 5. Vieselbach 1925, S. 55–66. (Digitalisat). am 10. April 1926 vom festen Schloss der Erfurter zu VippachVgl. Robert Huth: Das feste Schloß der Erfurter zu Vippach. In: Jahrbücher des Vereins für Heimatkunde im Amtsbezirk Vieselbach 6. Vieselbach 1926, S. 9–26 (Digitalisat). und seiner reichen Geschichte, am 31. Januar 1929 über „Das Schwedische Heerwesen im Dreißigjährigen Kriege“. Zu Führungen des gleichen Vereins lud er ein am 18. Oktober 1919 auf den Petersberg, am 12. Mai 1920 auf eine Besichtigung des Sybillentürmchens und der Cyriaksburg, am 2. Juli 1922 auf die Wasserburg Ollendorf sowie um 1922 auf die Wasserburg Kapellendorf.
Seinen lang gehegten Plan, die Erfurter Universitätsgeschichte zu erforschen, konnte er nicht mehr verwirklichen.
Schriften Warttürme um Erfurt mit Dorfbefestigungen. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2015, ISBN 978-3-86777-926-5. mit Neubearbeitung von Harald Rockstuhl: Burgen und Schlösser um Erfurt. Mit Beiträgen über den Amtsbezirk Vieselbach und die Kohlebergwerke zu Hopfgarten von Robert Huth und Harald Rockstuhl. Reprint Rockstuhl, Bad Langensalza 2015, ISBN 978-3-867779-27-2. Die Mühlburg. Bekannt durch Gustav Freytags Roman: „Das Nest der Zaunkönige“. Geschichtliche Darstellung. Koenig, Erfurt 1932; Reprint Rockstuhl, Bad Langensalza 2006, ISBN 978-3-938997-44-4. Die Ruine Brandenburg, eine ehemalige Erfurter Veste. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt 46. 1930, S. 83–86 (Digitalisat). Die Beziehungen des Rechenmeisters Adam Riese zu Erfurt. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt 38. 1917, S. 98 (Digitalisat). Über den Hochheimer Wartturm. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt 38. 1917, S. 95–97 (Digitalisat). Das feste Schloß der Erfurter zu Vippach. In: Jahrbücher des Vereins für Heimatkunde im Amtsbezirk Vieselbach 6. Vieselbach 1926, S. 9–26 (Digitalisat). Das feste Schloß zu Vippach. In: Heimatbuch des Landkreises Weimar. Verlag: Der Thüringische Kreisdirektor - Jugendamt Weimar, 1925. Die Wasserburg zu Ollendorf. In: Jahrbücher des Vereins für Heimatkunde im Amtsbezirk Vieselbach 5. Vieselbach 1925, S. 55–66. (Digitalisat). Burg Hopfgarten und ihre Bewohner. In: Jahrbücher des Vereins für Heimatkunde im Amtsbezirk Vieselbach 5. Vieselbach 1925, S. 41–54 (Digitalisat). Die Bienstädter oder Offhäuser Warte. In: Thüringer Monatsblätter 32/7. Erfurt 2024/5, S. 64–67. (Digitalisat). Die Geschichte der ehemaligen Kohlenbergwerke zu Hopfgarten. In: Jahrbücher des Vereins für Heimatkunde im Amtsbezirk Vieselbach 3. Vieselbach 1912, S. 91–105 (Digitalisat). Warttürme und Dorfbefestigungen der Umgegend von Erfurt. In: Jahrbücher des Vereins für Heimatkunde im Amtsbezirk Vieselbach 2. Vieselbach 1910, S. 93–96 (Digitalisat). Die geschichtliche Entwicklung des Amtsbezirks Vieselbach. In: Jahrbücher des Vereins für Heimatkunde im Amtsbezirk Vieselbach 1. Vieselbach 1909, S. 13–30 (Digitalisat). Warttürme und Dorfbefestigungen der Umgegend von Erfurt. In: Thüringer Monatsblätter 16 / 2008/9. Erfurt 1908, S. 13–30 (Digitalisat). Die Citadelle Petersberg zu Erfurt. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt 29. 1908, S. 105–108 (Digitalisat). Die Cyriaksburg bei Erfurt: Geschichtliche Darstellung und Beschreibung. Verlag des Thüringerwald-Vereins, Erfurt 1907: Reprint Rockstuhl, Bad Langensalza 2008, ISBN 978-3867770347.
Siehe auch Liste von Persönlichkeiten der Stadt Erfurt
Literatur Johannes Biereye: Robert Huth. Nachruf. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Erfurt 48. 1932, S. 105–108 (Digitalisat).
Anmerkungen
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