Daniel L. Davis (* um 1964) ist ein US-amerikanischer Offizier und Militäranalyst.
Leben und Tätigkeit
Davis, der im US-Bundesstaat Texas aufwuchs, trat 1985 in die US-amerikanische Armee ein, der er anschließend mehr als 20 Jahre lang angehörte. Er unterbrach seine Tätigkeit in der Armee zeitweise, um einen Bachelor-Abschluss der Texas Tech University zu erwerben. Später folgte außerdem ein Masterabschluss im Fach Internationale Beziehungen der Troy University.
Während seiner Laufbahn im US-Militär war Davis u. a. in Deutschland und im Nahen Osten stationiert. 1991 nahm er als Offizier an der Operation Desert Storm teil.
Ende der 1990er Jahre verließ Davis die Armee zeitweise, um in der Privatwirtschaft zu arbeiten, kehrte aber 2002, infolge der Terroranschläge vom 11. September 2001, in den aktiven Militärdienst zurück. Er war in der Folgezeit zunächst im Pentagon beschäftigt und anschließend mehrfach zu Einsätzen in Afghanistan entsandt. Er schied schließlich 2012 mit dem Rang eines Oberstleutnants (lieutenant colonel) aus dem Militär aus.
Grund für Davis’ Ausscheiden aus dem Militär war seine Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit der militärischen Führung bezüglich des Afghanistaneinsatzes des US-Militärs, in der er eine grobe Täuschung der Öffentlichkeit sah, da die Führung nach seiner Ansicht den Einsatz in Afghanistan offiziell als weitaus erfolgreicher hinstellte, als dieser nach seiner Wahrnehmung als vor Ort eingesetzter Offizier tatsächlich war. Aus diesem Grund ließ Davis dem Office of Inspector general der US-Streitkräfte einen kritischen Bericht über die von ihm wahrgenommene Irreführung der Öffentlichkeit zukommen. Einige Kopien dieses Berichts gelangten schließlich in die Hände mehrerer Kongressabgeordneter, wie auch von Presseorganen, wie der New York Times, die Davis Feststellungen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machten, wodurch diese die öffentliche Debatte über die Sinnhaftigkeit einer Fortsetzung des amerikanischen Engagements in Afghanistan befeuerten. 2012 wurde Davis aufgrund seines Berichts mit dem Ridenhour Prize for Truth-Telling ausgezeichnet."In Afghan War, Officer Becomes a Whistle-Blower", in: The New York Times vom 5. Februar 2012; "Truth, Lies and Afghanistan", in: Time vom 5. Juni 2012.
Seit 2020 moderiert Davis einen Podcast mit dem Titel Daniel Davis Deep Dive, in dem er aktuelle militärische Konflikte und Sicherheitsfragen analysiert und in Gesprächen mit Fachleuten erörtert.
2025 wurde Davis von der Direktorin der amerikanischen Nachrichtendienste (Director of National Intelligence) der 2. Regierung Trump, Tulsi Gabbard, für das Amt des stellvertretenden Direktors (deputy director; entspricht praktisch einem Staatssekretär im deutschen Sprachgebrauch) des Arbeitsbereiches Einsatzvernetzung (mission integration) ihrer Behörde ausgewählt. Gabbard zog Davis’ Ernennung jedoch zurück, nachdem Teile der Republikanischen Partei aufgrund von Davis’ kritischer Haltung zur israelischen Regierung unter Benjamin Netanjahu Kritik an seiner Auswahl für diesen Posten vorgebracht hatten."Gabbard Drops Pick for Top Intelligence Post, a Critic of Israel on Gaza", in: New York Times vom 13. März 2025.
Schriften America: How America’s Foreign Policy Got Jacked Up – and How the Next Administration Can Fix It, 2020.
Einzelnachweise
Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Mann Kategorie:Militärperson (Vereinigte Staaten)