Am 18. Dezember 1957 stürzte eine Iljuschin Il-12 auf dem Aeroflot-Flug 10, einem sowjetischen Inlandsflug von Chabarowsk nach Moskau-Wnukowo mit einem Zwischenstopp in Magdagatschi ab. Infolgedessen kamen alle 27 Insassen ums Leben.
Maschine Die Maschine war eine 1947 im Moskauer Werk Nr. 30 „Snamja Truda“ gebaute Iljuschin Il-12P mit der Werknummer 30015, die am 28. Februar 1947 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen CCCP-Л1309 (SSSR-L1309) an die Aeroflot ausgeliefert wurde. Das zweimotorige Kurzstreckenflugzeug war mit zwei 14-Zylinder-Sternmotoren ASch-82FNW mit je 1.361 kW (1.850 PS) Leistung ausgestattet. Bis zum Zeitpunkt des Unfalls hatte die Maschine eine Gesamtbetriebsleistung von 10.436 Betriebsstunden absolviert.
Besatzung und Passagiere Den Flug auf dem betroffenen Flugabschnitt hatten 22 Passagiere angetreten. Es befand sich eine fünfköpfige Besatzung an Bord, bestehend aus dem Flugkapitän Wasili Efimowitsch Lopatinikow, dem Ersten Offizier Boris Andrejewitsch Sitow, dem Flugingenieur Alexander Michailowitsch Belkow, dem Bordfunker Boris Boschchojewitsch Michejew und der Flugbegleiterin Wiwia Petrowna Nikolenko.
Verlauf Die Piloten baten um Rollerlaubnis zur Startbahn. Da es an diesem Tag sehr böig (20–24 m/s, der Wind wehte somit mit bis zu 86 km/h) war, war eine Ruderverriegelung nötig. Der Fluglotse fragte danach, ob sie angebracht ist, doch die Piloten bestanden darauf ohne sie zu rollen. Der Lotse ordnete daraufhin die Anbringung an. Als die Piloten sagten, sie seien bereit, erteilte der Lotse die Erlaubnis im Glauben, die Piloten hätten ihm Folge geleistet. Augenzeugen berichteten später, die Maschine ohne Verriegelung gesehen zu haben.
Um 11:58 Uhr startete die Il-12 schließlich. Als die Piloten nach den Startbedingungen gefragt wurden, ignorierten sie dies zunächst. Bei der zweiten Frage gab es als Antwort „не мешайте“ („[Bitte] nicht stören“) und kurz darauf („очень плохие“) („sehr schlecht“). Die Besatzung einer anderen Il-12 (CCCP-Л1346) beobachtete, wie die spätere Unfallmaschine den Flughafen ansteuerte, anstatt wegzufliegen. Anscheinend wollte Kapitän Lopatikow wegen eines Problems zurückkehren, entschloss sich dann aber zum Weiterflug.
Um 12:24 Uhr meldeten die Piloten, dass die Seitenrudersteuerung versagt hatte und beschlossen auf Anfrage, in Archara zu landen, da es in Chabarowsk zu windig war. Nachdem auch in Chabarowsk die Nachricht ankam und dies weiterleiteten, nutzen sie nicht ihr gesamtes Radar, um das Flugzeug auf dem Bildschirm verfolgen zu können.
Um 12:35 Uhr meldeten die Piloten, dass sie bereits vor 3 Minuten Birobidschan auf 2.100 m überflogen hätten. Der Lotse bat sie darum ihren Funk auf Ultrakurzwelle umzustellen. Danach brach der Kontakt ab.
Ursache Eine Suche wurde gestartet, die jedoch erfolglos blieb. Bei der Begutachtung einer weiteren Il-12 (CCCP-Л1330), die im selben Winkel zum Wind geparkt war, wurden Schäden am Seitenruder gefunden. Eine Böe ließ es am Boden voll ausschlagen, noch vor dem Start von Flug 10. Aufgrund des Schadens und der Meldung der Piloten, dass die Seitenrudersteuerung versagt hätte, wurde geschlossen, dass das Seitenruder durch die Schäden nur noch lose baumelte. Inmitten der Turbulenzen sei es dann abgerissen.
Schließlich wurde das Wrack am 15. Juni 1958 an einem über 45° steilen bewaldeten Hang des Berges Poktoi gefunden, 30 km westlich von Birobidschan. Die Spuren am Fundort bestätigten die Annahmen der Ermittler. So zeigte sich, dass das Seitenruder im Flug versagt hatte, wobei es durch Beschädigungen, die es am Boden erfahren hatte, geschwächt gewesen war. Die Beschädigungen seien, ebenso wie jene an der Il-12 (CCCP-Л1330) durch eine starke Windböe verursacht worden.
Quellen Unfallbericht Il-12, CCCP-L1309 Unfallbericht (Russisch), airdisaster.ru Авиакатастрофа Ил-12 Восточно-Сибирского ТУ ГВФ (134 АТО) близ Биробиджана, avia.pro
Kategorie:Flugunfall 1957 Flug 0010 Kategorie:Iljuschin Il-12 Kategorie:Verkehr (Jüdische Autonome Oblast) Kategorie:Flugunfall in der Sowjetunion