Pavica Mrazović (geb. Karlavaris; * 1923 in Perlez; † 10. März 2003 in Novi Sad) war eine jugoslawische Germanistin und Linguistin, die als Professorin an der Universität Novi Sad lehrte und die Germanistik in Jugoslawien maßgeblich prägte.Ulrich Engel: Nachruf auf Pavica Mrazović, in: Sprachreport 19 (2003), Nr. 3, S. 33–35, Institut für Deutsche Sprache (PDF; 3,1 MB), abgerufen am 31. August 2025 Für ihr wissenschaftliches und vermittelndes Wirken erhielt sie 1987 die Goethe-Medaille und 1992 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.Goethe-Institut: Die Goethe-Medaille – alle Trägerinnen und Träger (PDF-Gesamtliste), S. 8 (1987: „Prof. Pavica Mrazovic; Germanistin; Serbien“), abgerufen am 31. August 2025
Leben Mrazović wurde 1923 im banatischen Perlez geboren.Univerzitet u Novom Sadu (UNNJS): Prof. Dr. Pavica Mrazović (deutschsprachige Kurzbiografie, PDF), ohne Jahr, abgerufen am 31. August 2025 Sie entstammte der Familie Karlavaris und führte nach der Heirat 1944 den Namen Mrazović.
Bis 1961 arbeitete sie als Volksschullehrerin in Knićanin und anschließend in Novi Sad; parallel bildete sie sich im Fernstudium weiter und wechselte dann an den Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur der Universität Novi Sad. Ihr Studienabschluss in Germanistik in Novi Sad datiert auf 1960.Zavod za kulturu vojvođanskih Hrvata (ZKVH): U Perlezu obilježeno 100 godina od rođenja Pavice (Karlavaris) Mrazović, 11. November 2023, abgerufen am 31. August 2025 1972 promovierte sie mit einer Arbeit zur deutschen Wortstellung; 1978 wurde sie außerordentliche und 1982 ordentliche Professorin in Novi Sad, 1985 emeritierte sie. Von 1992 bis 1999 war sie als Gastdozentin an der Universität Szeged tätig. Sie starb am 10. März 2003 in Novi Sad.
Wirken Ende der 1960er-Jahre initiierte Mrazović in Kooperation mit dem Institut für Deutsche Sprache in Mannheim das großangelegte Projekt einer kontrastiven Grammatik Deutsch–Serbokroatisch; 1978 wurde die Zusammenarbeit vertraglich fixiert. Die zweibändige Deutsch-serbokroatische kontrastive Grammatik (DSKKG) erschien 1986 in München (Sagner) und Novi Sad und wurde zu einem Standardwerk der deutsch-jugoslawischen Kontrastivlinguistik.Stanford University Libraries (SearchWorks): Kontrastive Grammatik Deutsch-Serbokroatisch, 2 Bde., München: Verlag Otto Sagner, 1986, abgerufen am 31. August 2025 Zu ihren vielbeachteten Monografien zählen Deutsch im Kontrast. Die Stellung der Satzelemente im Deutschen und im Serbokroatischen (Groos, Heidelberg 1982) sowie das Deutsch-serbokroatische phraseologische Wörterbuch (Narodna knjiga, Belgrad 1981, mit Ružica Primorac).Russische Nationale Elektronische Bibliothek (RUSNEB): Katalogeintrag Deutsch im Kontrast. Die Stellung der Satzelemente im Deutschen und im Serbokroatischen, Groos 1982 (mit Mitarbeit von Ulrich Engel), abgerufen am 31. August 2025Deutsche Digitale Bibliothek: Datensatz Nemačko-srpskohrvatski frazeološki rečnik (Mrazović/Primorac), Narodna knjiga 1981, abgerufen am 31. August 2025 Gemeinsam mit Sieglinde Czichocki veröffentlichte sie 1983 die Lexikologie der deutschen Sprache, die 2014 in einer völlig neu bearbeiteten Auflage bei JATEPress (Szeged) erschien.Deutsche Nationalbibliothek (DNB): Katalogeintrag Lexikologie der deutschen Sprache. Einführung / Sieglinde Czichocki; Pavica Mrazović, Novi Sad 1983, abgerufen am 31. August 2025Deutsche Nationalbibliothek (DNB): Katalogeintrag Lexikologie der deutschen Sprache. Einführung / Sieglinde Czichocki; Pavica Mrazović, 2., völlig neu bearb. Aufl., Szeged: JATEPress 2014, abgerufen am 31. August 2025 Besondere Wirkung entfaltete zudem die mehrfach aufgelegte Grammatik des Serbokroatischen (mit Zora Vukadinović), in der Mrazović das Modell der Dependenz-Verb-Grammatik auf ihre Muttersprache anwandte. Fachpolitisch baute sie tragfähige Kooperationen zwischen den germanistischen Zentren Belgrad, Novi Sad, Sarajevo und Zagreb auf und förderte die deutsch-jugoslawische wissenschaftliche Verständigung.
Ehrungen Für ihr Lebenswerk wurde sie 1987 mit der Goethe-Medaille geehrt; 1992 folgte das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Zur Erinnerungskultur zählen die Benennung der Ulica Pavice Mrazović in Novi Sad (2019), eine nach ihr benannte Bibliothek in ihrem Geburtsort Perlez (2022) sowie Ausstellungen und Veröffentlichungen zu ihrem 100. Geburtstag (2022/2023).„Rešenje“ (Amtsverfügung): Ulica Pavice Mrazović – Benennung einer neuen Straße in Novi Sad, 2019 (Auszug), abgerufen am 31. August 2025Radio-televizija Vojvodine (RTV): Perlez dobio biblioteku koja nosi naziv čuvene naučnice Pavice Mrazović, 4. November 2022, abgerufen am 31. August 2025Novi Sad 2022 (European Capital of Culture): Prof. Dr. Pavica Mrazović – život i delo / The Book Promotion of “Pavica Mrazović: A Wife, a Mother and a Scientist”, 2022–2023, abgerufen am 31. August 2025
Einzelnachweise
Kategorie:Germanist Kategorie:Linguist Kategorie:Hochschullehrer (Novi Sad) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes (Großkreuz) Kategorie:Jugoslawe Kategorie:Serbe Kategorie:Geboren 1923 Kategorie:Gestorben 2003 Kategorie:Frau