mini|Aktuelles Logo seit 2019 mini|Peloton der Tour 2018
Die Tour de France [] ist das bekannteste und bedeutendste Straßenradrennen der Welt. Sie zählt neben dem Giro d’Italia und der Vuelta a España zu den großen Landesrundfahrten, den Grands Tours.
Seit 1903 wird die Tour de France alljährlich im Juli ausgetragen und führt dabei in wechselnder Streckenführung quer durch Frankreich und das nahe Ausland. Während des Ersten Weltkriegs fiel das Rennen von 1915 bis 1918 aus, der Zweite Weltkrieg bedingte eine Unterbrechung von 1940 bis 1946. Seit 1992 ist die Amaury Sport Organisation (ASO) Veranstalter des Etappenrennens. Aufgrund der COVID-19-Pandemie wurde die Tour de France 2020 auf August/September verschoben.
Die Tour de France gilt vielen nach Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaften als das drittgrößte Sportereignis der WeltVergleiche zum Beispiel: Die Bewertung als „drittgrößtes Sportereignis der Welt“ wird aber auch für andere Veranstaltungen wie die Rugby-Weltmeisterschaft verwendet, vergleiche zum Beispiel: und größtes jährlich stattfindendes Sportereignis. Oft wird sie als die schwierigste der drei großen Landesrundfahrten bezeichnet.vgl. Sie trägt auch den Beinamen Grande Boucle, für Große Schleife.
Eine Tour de France der Frauen wurde von 1984 bis 1989 ausgetragen, daneben gab es längere Zeit ähnliche Rennen wie Grande Boucle Féminine von anderen Veranstaltern. Länge und Bedeutung waren im Vergleich zur Tour der Männer gering. Seit 2014 veranstaltete die ASO La Course by Le Tour de France, die als Eintagesrennen konzipiert war und am selben Tag und auf derselben Strecke wie eine ausgewählte Tour-Etappe stattfand. Im Jahr 2022 gab es die erste Austragung der Tour de France Femmes als eigenständiges Etappenrennen mit zunächst acht Etappen.
Streckenführung Le Grand Départ Le Grand Départ, französisch für die große Abfahrt, ist die traditionelle Bezeichnung für den Beginn der Landesrundfahrt. Dieser Auftakt findet seit 1989 meistens am ersten Samstag im Juli statt; zuvor wurde auch wochentags begonnen. Traditionell lagen Start und Ziel in der Hauptstadt Paris. Von diesem Prinzip wich die Direktion erstmals 1926 ab, als sie die Gemeinde Évian-les-Bains im Osten Frankreichs als Ausgangspunkt wählte. Dies blieb vorerst die Ausnahme, erst mit dem Grand Départ in Metz 1951 wandelte sich das Bild. Seither startete die Tour de France nicht mehr in Paris, lediglich im Jubiläumsjahr 2003 machte die Rennleitung aus historischen Gründen eine Ausnahme. Bisher fand der Grand Départ 27 Mal im Ausland statt (Stand 2026), siehe dazu: Grand Départ im Ausland.
Von 1967 bis 2012 begann die Tour de France gewöhnlich mit dem so genannten Prolog. Er wurde als Einzelzeitfahren meist auf einem Rundkurs in einer größeren Stadt ausgetragen und dient hauptsächlich dazu, die Fahrer einem möglichst großen Publikum zu präsentieren. Unabhängig davon werden die Teilnehmer aber schon am Vorabend des Prologs einzeln vorgestellt. Außerdem ergeben sich durch den Prolog – im Gegensatz zu einer regulären Etappe, die möglicherweise mit einer gemeinsamen Zielankunft des Pelotons enden würde – bereits Zeitabstände zwischen den Fahrern.
Überschreitet das Eröffnungszeitfahren die vom Weltradsportverband UCI festgelegte Maximaldistanz für einen „Prolog“ von derzeit acht Kilometern, so wird es als erste Etappe ausgetragen. Dies war in den Jahren 2000 (16,5 Kilometer), 2005 (19,0 Kilometer), 2009 (15,5 Kilometer), 2015 (13,8 Kilometer) und 2017 (14 Kilometer) der Fall. 2008, 2011, 2013, 2014, 2016 und seit 2018 verzichtete die Rennleitung ganz auf ein Zeitfahren zu Beginn und begann die Tour de France, wie bis in die 1960er-Jahre üblich, mit einer regulären Etappe über knapp 200 Kilometer.
Etappen Die auf den Grand Départ folgenden Etappen, meist zwanzig an der Zahl, zeichnen das französische Hexagon nach. Die Streckenführung und die Etappenorte wechseln dabei jedes Jahr. In den ersten zehn Jahren wurde dabei ausschließlich im Uhrzeigersinn gefahren, von 1913 bis 1932 dann nur gegen die Uhr. Seither ändert sich die Fahrtrichtung in immer rascherer Folge, zwischen 1998 und 2009 wurde sogar konsequent jährlich gewechselt.
mini|Ziellinie bei der Tour 2017
Die ersten Tage der Tour de France sind fast immer von schnellen und sprinterfreundlichen Flachetappen im Norden Frankreichs geprägt, bevor sich dann im Hochgebirge der Pyrenäen und der Alpen die Gesamtwertung der Tour entscheidet. Wird die Rundfahrt im Uhrzeigersinn gefahren, so erreichen die Fahrer zuerst die Alpen, wird in der Gegenrichtung gefahren, so stehen die Pyrenäen zuerst auf dem Programm. Besonders spektakuläre Bergetappen werden dabei bevorzugt auf das zweite und dritte Wochenende im Verlauf der Tour de France oder den Französischen Nationalfeiertag am 14. Juli gelegt. Dadurch möchte man möglichst vielen Zuschauern eine Teilnahme am Renngeschehen ermöglichen.
Ergänzend dazu finden auch in den beiden Mittelgebirgen Vogesen und Zentralmassiv Bergetappen statt, wenngleich diese vom Schwierigkeitsgrad nicht mit jenen im Hochgebirge zu vergleichen sind. Flache Etappen zwischen zwei Gebirgen nennt man Übergangs- oder Überführungsetappen. Heute werden während der Tour de France in der Regel zwei Zeitfahren ausgetragen, das zweite meistens am Vortag der Schlussetappe nach Paris. Vereinzelt wird das erste Zeitfahren nicht als Einzelzeitfahren, sondern als Bergzeitfahren oder als Mannschaftszeitfahren ausgetragen.
Die insgesamt zu absolvierende Streckenlänge wurde nach dem Dopingskandal von 1998 deutlich reduziert und beträgt seitdem rund 3500 Kilometer. Die längste Tour wurde 1926 gefahren und war 5745 Kilometer lang, die kürzeste war die erste Tour im Jahr 1903 mit insgesamt 2428 Kilometern. Auch die einzelnen Etappen sind kürzer als früher, heute werden zwischen 150 und 250 Kilometer täglich gefahren. Die längste jemals gefahrene Etappe führte 1919 über eine Entfernung von 482 Kilometern von Les Sables-d’Olonne nach Bayonne. Nicht mehr ausgetragen werden sogenannte Halbetappen, die zwischen 1934 und 1991 üblich waren. Dabei mussten die Fahrer zwei- oder sogar dreimal an einem Tag antreten, typischerweise vormittags zum gewöhnlichen Rennen und nachmittags zum Zeitfahren.
Die Tour de France wird traditionell von mehreren Ruhetagen unterbrochen. In der Gegenwart sind dies meist der zweite und der dritte Montag während des Rennens. Anders als früher wird heute nur noch vergleichsweise selten in dem Ort gestartet, in welchem die Rennfahrer am Vortag angekommen sind. Ursächlich hierfür ist der Wunsch, möglichst viele Gemeinden in den Parcours einzubinden. Die Folge sind Transfers nach vielen Etappen. Diese erfolgen mit Kraftfahrzeugen. Für die Fahrer stehen speziell adaptierte Reisebusse ihrer jeweiligen Mannschaft zur Verfügung. In der Regel sind ein- oder zweimal während jeder Tour de France auch längere Überführungen nötig. Sie finden entweder an einem der beiden Ruhetage oder am Abend nach einer Etappe statt. Solche längeren Strecken legen die Fahrer im Flugzeug oder im TGV zurück.
Die Tour de France hat in ihrer Geschichte alle Départements auf dem französischen Festland durchfahren. Im Jahr 2013 bei der 100. Austragung der Tour wurden schließlich auch die beiden Départements auf Korsika berücksichtigt. Die fünf Übersee-Départements Französisch-Guayana, Guadeloupe, Martinique, Mayotte und Réunion wurden bisher aus geografisch-logistischen Gründen nicht in das Programm aufgenommen.
mini|Typische Gestaltung eines Kreisverkehrs während der Tour
Großstädte werden bei der Streckenführung heute eher gemieden. Die nachmittägliche Ankunft der Tour de France und die damit verbundenen Straßensperrungen führen dort, mitten in der Hauptverkehrszeit, häufig zu Verkehrsproblemen. Ebenso scheiden besonders kleine Gemeinden als Etappenort meistens aus. Grund hierfür sind logistische Probleme, insbesondere fehlende Unterkünfte für den Begleittross der Tour. Prinzipiell bevorzugt werden Kommunen, die noch nie Teil des Parcours waren. Der Zusage seitens der Tourdirektion geht ein aufwändiges Bewerbungsverfahren voraus. Manche Kommunen müssen viele Jahre lang darauf warten, bei der Streckenführung berücksichtigt zu werden. Für die Jubiläumstour 2013 haben beispielsweise gleich 250 Orte ihr Interesse als Etappenort angemeldet. Der Tourverlauf wird meist im Oktober des Vorjahres auf einer Pressekonferenz vorgestellt, davor unterliegt er strikter Geheimhaltung. Lediglich der Startort und der Verlauf der ersten Etappe werden schon früher veröffentlicht.
Nicht selten werden eigens für die Tour de France Straßenbeläge erneuert. Typischerweise putzen sich die durchfahrenen Dörfer besonders heraus. Beliebt ist beispielsweise die besondere Gestaltung der Innenflächen von Kreisverkehren.
Paris ist der mit Abstand meist frequentierte Etappenort, bis einschließlich 2010 war die Tour 135-mal an der Seine zu Gast. An zweiter Stelle folgt Bordeaux, wo die Tour de France 80-mal gastierte, an dritter Stelle Pau, das 62-mal Etappenort war. Eine weitere Konstante in der Streckenführung sind bestimmte Gebirgspässe, die bei fast jeder Austragung passiert werden.
Schlussetappe mini|Fahrt auf der Avenue des Champs Élysées Die letzte Etappe findet seit 1967 immer an einem Sonntag statt, zuvor aber auch an anderen Wochentagen.
Zielankunft Von 1903 bis 1967 endete das Rennen im Stadion Parc des Princes im Westen von Paris und von 1968 bis 1974 im Vélodrome Jacques-Anquetil südlich der Hauptstadt. Seit 1975 beginnt die letzte Etappe im Umland von Paris, der Île-de-France, und endet stets mit mehreren Schlussrunden auf den Champs-Élysées im Zentrum der Hauptstadt.
Im Jahr 2024 endete die Tour erstmals in ihrer Geschichte nicht in Paris, sondern in Nizza. Grund hierfür waren die kurz danach stattfindenden Olympischen Spiele in Paris.
Im Jahr 2025 endete das Rennen zum 50. Mal wieder auf den Champs-Élysées, allerdings mit einer neuen Route, die drei Runden über den Anstieg auf den Montmartre beinhaltete. Der Anstieg war zuvor beim Straßenrennen der Olympischen Sommerspiele 2024 befahren worden.
„Tour d'Honneur“ Seit der Zielankunft auf den Champs-Élysées 1975 hat sich die letzte Etappe zu einem letzten Showdown für die Sprinter entwickelt, die um den prestigeträchtigen Sieg auf den Champs-Élysées kämpfen. Die Führenden im Gesamtklassement unterlassen Attacken aufeinander, weswegen die letzte Etappe auch Tour d'Honneur (Ehrenrunde) genannt wird; der Nichtangriffspakt wird in den Medien oft als „Ehrenkodex“ dargestellt.Spox.com: Tour de France: Letzte Etappe durch Paris – warum kein Angriff aufs Gelbe Trikot?, 5. Juli 2018. Allerdings liegen die Fahrer zu diesem Zeitpunkt üblicherweise mehrere Minuten auseinander, und der Zuschnitt der letzten Etappe bietet keine Aussicht auf bedeutende Änderungen im Gesamtklassement.
Bis in die 1970er Jahre war die letzte Etappe eine sportlich ernsthafte Angelegenheit, die oft hunderte Kilometer lang war, und bei der die Fahrer in kleinen Gruppen mit mehreren Minuten Abstand zueinander eintrafen. Noch 1979 unternahm der Zweitplatzierte Joop Zoetemelk während der Schlussetappe einen Angriff auf den Gesamtführenden Bernard Hinault, wurde von diesem aber im Zweiersprint geschlagen. Zu Führungswechseln am letzten Tag kam es nur drei Mal: Jean Robic gewann die Tour de France 1947 auf der Schlussetappe, als er auf der Côte de Bonsecours ausgangs Rouen angriff; heute ist ihm an dieser Stelle ein Denkmal gewidmet. Auch Jan Janssen 1968 und Greg LeMond 1989 gewannen das Gelbe Trikot erst auf der Schlussetappe, als diese in Form eines Zeitfahrens ausgetragen wurde.
Berge mini|Der Col du Tourmalet ist der am häufigsten passierte Pass der Tour mini|Eine typische Bergwertung im Hochgebirge, hier 2007 auf dem Col de la Colombière mini|David de la Fuente erklimmt 2006 im Gepunkteten Trikot den Anstieg nach Alpe d’Huez mini|Géant-du-Tourmalet-Denkmal zur ersten Überquerung des Col du Tourmalet im Jahre 1910