mini|Tatorskizze vom Wohnungseingang, wo die Schießerei in der Nacht zum 24. Juli stattgefunden hatte mit einem der Opfer in der linken Bildmitte (New Orleans Times Democrat, 25. Juli 1900) Das Massaker von New Orleans 1900, im Englischen auch bekannt als Robert Charles Riots, ereignete sich vom 23. bis 27. Juli 1900 in New Orleans. Die Ausschreitungen gegen die afroamerikanische Bevölkerung nahmen ihren Anfang, als am Abend des 23. Juli der Schwarze Robert Charles von drei weißen Polizisten in einem überwiegend von Weißen bewohnten Stadtviertel aufgegriffen und vor Ort befragt wurde. Als Charles am Aufstehen gehindert wurde, zog er eine Waffe und es kam zu einer Schießerei mit dem Polizisten August T. Mora. Verletzt konnte er sich in seine Wohnung zurückziehen. Wahrscheinlich im Bewusstsein, welches Schicksal ihm in den Südstaaten der Jim Crow-Ära und der Rassentrennung blühte, ließ er sich nicht verhaften, als die Polizei vor seiner Wohnungstür stand, sondern begann eine weitere Schießerei, in deren Verlauf zwei Polizisten den Tod fanden.

Charles konnte sich erneut der Situation entziehen, weshalb in New Orleans am 24. Juli eine der bis dahin größten Fahndungen in der Stadtgeschichte durchgeführt wurde. Währenddessen versammelten sich immer mehr Weiße an der Stelle, wo die beiden Polizisten am Vortag den Tod gefunden hatten. Nicht viel später kam es zu ersten gewalttätigen Übergriffen gegen die schwarze Bevölkerung. Am 25. Juli ging der weiße Mob systematischer vor und kämmte, vom damaligen Platz Lee Circle ausgehend, New Orleans nach Afroamerikanern durch. Außerdem unterstützte er die Polizei bei der Suche nach Charles im hauptsächlich schwarzen Viertel Storyville. Am 26. Juli aktivierte Bürgermeister Paul Capdeville zwar 1500 Hilfspolizisten, um die Gewalt in den Griff zu bekommen, doch vereinzelt kam es weiterhin zu Übergriffen.

Am 27. Juli entdeckte die Polizei schließlich Charles in der Saratoga Street. Es kam zu einer mehrstündigen Schießerei, die von mehreren Tausend Schaulustigen beobachtet wurde und fünf Tote forderte. Schließlich setzte die Polizei das Haus in Brand und erschoss Charles, als er vor den Flammen floh. Danach zog ein weißer Mob die Leiche durch die Stadt und brannte eine afroamerikanische Schule nieder. In der Presse war nach dem Massaker von sieben toten Afroamerikanern die Rede, aber es wird davon ausgegangen, dass die Opferzahl wahrscheinlich größer war. In einem Überblickswerk zur Kriminalgeschichte Louisianas gibt Alan N. Brown (2025) eine Gesamtopferzahl von mindestens 20 Toten und 50 Verletzten an.Alan N. Brown: Louisiana Scoundrels: Killers, Cultists & the Utterly Dissolute. History Press, Charleston 2025, ISBN 978-1-4671-5902-9, S. 39.

Literatur Andrew Baker: To Poison a Nation: The Murder of Robert Charles and the Rise of Jim Crow Policing in America. New Press, New York 2021, ISBN 978-1-62097-603-6. K. Stephen Prince: The Ballad of Robert Charles: Searching for the New Orleans Riot of 1900. University of North Carolina Press, Chapel Hill 2021, ISBN 978-1-4696-6181-0. William Ivy Hair: Carnival of Fury: Robert Charles and the New Orleans Race Riot of 1900. Louisiana State University Press, Baton Rouge 1976, ISBN 978-0-8071-0178-0.

Weblinks

Brandon T. Jett, Marianne Ramirez: Robert Charles Riots. Eintrag bei 64 Parishes: Encyclopedia, 19. September 2024.

Anmerkungen

Kategorie:Geschichte der Vereinigten Staaten (1865–1918) Kategorie:Geschichte (New Orleans) Kategorie:Rassenunruhen in den Vereinigten Staaten Kategorie:Konflikt 1900