NVA ist eine Filmkomödie des Regisseurs Leander Haußmann aus dem Jahr 2005. Haußmann schrieb zusammen mit Thomas Brussig auch das Drehbuch. Der Film karikiert das Leben in der Nationalen Volksarmee (abgekürzt: NVA) in der Endphase der DDR.
Handlung Im Herbst 1988 kommen in der DDR die neuen Wehrdienstleistenden in der Fidel-Castro-Kaserne an. Darunter sind auch der verträumte, sensible Henrik Heidler und der renitente, draufgängerische Krüger, welcher durch seine langen Haare und seine provokante Art sogleich negativ bei den Offizieren auffällt. Als die Rekruten untereinander Fotos ihrer Freundinnen zeigen, hat nur Krüger keins vorzuweisen. Als Grund gibt er an, er hätte gerade erst wegen des anstehenden Grundwehrdienstes mit seiner Freundin Schluss gemacht.
Beide Rekruten geraten mit den Offizieren und den älteren Wehrpflichtigen, den sogenannten EKs (Entlassungskandidaten) öfter aneinander. Es werden diverse Riten und Schikanen der EKs gezeigt, v. a. wie diese die Jungsoldaten („Glatte“) herabwürdigend behandeln bzw. sogar quälen. Nachdem sich Eva, die Freundin von Henrik, wegen seiner langen Dienstzeit von ihm per Brief getrennt hat, ist er auf der Suche nach einer neuen Freundin, was im Leben eines Wehrpflichtigen in der DDR kaum möglich scheint. Als er sich jedoch bei einer Gefechtsübung im Wald verirrt, lernt er die junge Krankenschwester Marie kennen, die sich später als Tochter des humorlosen Standortkommandanten Oberst Kalt entpuppt. Zwischen Marie und Hendrik entwickelt sich trotz aller wehrpflichtbedingten Hindernisse eine Liebesbeziehung. Henriks Kamerad Krüger hingegen wird wegen Krankheits-Simulation und dadurch unerlaubten Entfernens von der Truppe von Oberst Kalt für eine gewisse Zeit in die berüchtigte Strafkompanie Schwedt/Oder versetzt. Als er wieder zurückkehrt, erscheint sein Charakter wie umgekrempelt. Nichts ist mehr geblieben von seiner rebellischen Art und seinem Humor. Krüger scheint nun offenbar der „perfekte Soldat“, aber er ist psychisch stark mitgenommen und menschlich gebrochen. Als die Krankenschwester Sonja bei einem Besuch in der Kaserne mittels eines Songs ihn doch noch an seine rebellischen Zeiten erinnern kann, bricht Krüger in Tränen aus und besinnt sich auf seine früheren Tage und somit auch auf seine Freunde zurück.
Am 10. November 1989 fasst Henrik einen Entschluss und hat nun den Mut, seinem Vorgesetzten Oberst Kalt zu widersprechen. Er sagt bei einer Veranstaltung zu seiner Belobigung, dass er niemandem dienen könne und dies eigentlich auch gar nicht wolle. Er verabschiedet sich von Oberst Kalt, woraufhin viele andere Wehrpflichtige sich ebenfalls verabschieden und die Kaserne verlassen, mit der Begründung, dass es nun wieder Zeit für andere Dinge sei. Oberst Kalt und seine Kollegen bleiben desillusioniert zurück. Hauptmann Stummel zweifelt, ob er nun zur Bundeswehr gehen soll, während der Waffenwart Horst darüber nachdenkt, wo er die letzte ungebrauchte Munition verstecken bzw. vergraben soll.
Hintergrund Der Film trug den Arbeitstitel NVA – Manöver Schneeflocke. Die Dreharbeiten fanden vom 14. Juli 2004 bis zum 3. September 2004 statt. Gedreht wurde vorwiegend in der ehemaligen Heide-Kaserne in Bad Düben. Der Kinostart in Deutschland war am 29. September 2005. In den deutschen Kinos wurden rund 800.000 Besucher gezählt. Regisseur Leander Haußmann und sein Vater Ezard Haußmann spielen Ärzte im Film. Es gibt Anspielungen auf den Film Full Metal Jacket, die sich durch Krüger als aufsässigen Rekruten beim Begrüßungsappell, Heidlers Rezitieren des Warrior's Creed und Krügers Bitte um Hilfe beim Durchladen ausdrücken. Der Film endet mit der Einblendung „In Memoriam: 1949–1989“. Dieser Zeitraum bezieht sich auf die Gründung der DDR bis zum Mauerfall. Offiziell bestand die DDR bis 1990, die NVA wurde 1956 gegründet.
Kritiken
Musik Eher untypisch für den Film sind die enthaltenen Musikstücke: So ist schon zu Anfang des Films Bad Moon Rising von Creedence Clearwater Revival zu hören. Für ehemalige DDR-Bürger ist dieser Song allerdings eng mit der Wehrdienstzeit verbunden (Text damals: „Abschied von Sex und geilen Weibern, Abschied von Schnaps und LSD, Abschied von allem, was wir lieben, Scheiße wir müssen zur Armee“). Die Berliner Band Element of Crime steuert zwei Titel bei: Eine Neuaufnahme des englischen Volksliedes My bonnie is over the ocean sowie eine Coverversion von Bob Dylans It's all over now, baby blue. Bei der Liebesszene im Wachturm wird das Stück Lucky Man von Emerson, Lake & Palmer eingespielt. Weiterhin gibt es – als Referenz an die „Verherrlichung der Obdachlosigkeit beim Klassenfeind“ – eine Diskussion über das Lied Ein Bett im Kornfeld von Jürgen Drews. Hinzu kommen noch Gänselieschen von der ersten LP der Klaus Renft Combo, Light and Day von The Polyphonic Spree und Oh very young von Cat Stevens.
Auszeichnungen Deutscher Kamerapreis 2006 in der Kategorie Schnitt Kinospielfilm an Hansjörg Weißbrich. DVD Champion 2006 in der Kategorie Deutscher Film.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Thomas Brussig Kategorie:Leander Haußmann Kategorie:Filmtitel 2005 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Medien (NVA) Kategorie:Satirefilm Kategorie:Militär im Film