Friedel Dzubas (eigentlich Friedebald Alfred Dzubas; * 20. April 1915 in Berlin; † 10. Dezember 1994 in Auburndale, Massachusetts) war ein deutsch-amerikanischer Maler, dessen Werk den Stilrichtungen des Abstrakten Expressionismus und des Color Field Painting zugeordnet wird.
Leben Friedel Dzubas wuchs als jüngster von drei Söhnen in Berlin auf. Sein Vater Mannheim (Martin) DzubaszFriedel Dzubas 1915- 1994, bei Fritz Ascher Society, 2021. (1875–1949) war Modedesigner und Leiter einer Textilfabrik, seine Mutter Martha (1880–1960) Hausfrau. Bereits in jungen Jahren wurde er durch seine Großmutter und einen Zeichenlehrer im Zeichnen gefördert, wenngleich seine Eltern seinen künstlerischen Ambitionen zunächst skeptisch gegenüberstanden. Friedel Dzubas absolvierte von 1931 bis 1933 eine künstlerische Ausbildung. Zunächst besuchte er die Berliner Kunstgewerbeschule (Vereinigte Staatsschulen für freie und angewandte Kunst Berlin). Anschließend studierte er an der Preußischen Akademie der Künste. Parallel dazu besuchte er Museen und beschäftigte sich intensiv mit den Werken der deutschen Expressionisten, insbesondere der Künstlergruppen Brücke und Der Blaue Reiter. 1939 floh Friedel Dzubas wegen der Verfolgung durch die Nationalsozialisten nach London und emigrierte im selben Jahr weiter nach Nordamerika. Nach einer Zwischenstation in Montreal, ließ er sich mit seiner Frau in den Vereinigten Staaten nieder und musste zunächst mit diversen Gelegenheitsarbeiten (unter anderem als Aushilfskraft, Anstreicher und Grafiker) seinen Lebensunterhalt verdienen. Nach seiner Scheidung und ersten künstlerischen Erfolgen zog er 1945 nach New York City.
In den 1950er Jahren gehörte Friedel Dzubas zum Kreis der Künstler um Helen Frankenthaler sowie Jackson Pollock und anderen Vertretern der New York School. In dieser Zeit wurde er vom Kritiker Clement Greenberg nachhaltig gefördert und unterstützt. 1951 nahm er an der wegweisenden Ausstellung 9th Street Art Exhibition teil. Es folgten zahlreiche weitere Ausstellungen, unter anderem in der Tibor de Nagy Gallery, der Leo Castelli Gallery und der Stable Gallery sowie in vielen anderen Institutionen. 1976 verließ Friedel Dzubas New York und lebte bis zu seinem Tod in Massachusetts.
Werk In den frühen Arbeiten von Friedel Dzubas in Deutschland sind Einflüsse von Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner und Wassily Kandinsky erkennbar. Nach seiner Emigration wandte er sich den gestisch-abstrakten Ausdrucksformen des abstrakten Expressionismus zu. In den frühen 1950er Jahren teilte Dzubas ein Atelier mit Helen Frankenthaler. Von ihr übernahm er die Technik des „Stain Painting“, bei der stark verdünnte Farbe in eine ungrundierte Leinwand einzieht. Mithilfe dieser Methode konnte er großformatige Farbflächen schaffen, die an seine seit 1940 entstandenen, von Paul Klee angeregten Tusch- und Aquarellarbeiten anknüpften. Ein frühes Hauptwerk dieser Phase ist Fallen Angel (1959). In diesen Arbeiten sind die Farbflächen über die gesamte Bildfläche verteilt, ohne dass sich ein dominierendes Zentrum ausbildet. Im Unterschied zu Frankenthaler beruhen Dzubas' Kompositionen stärker auf dem Nebeneinandersetzen klar abgegrenzter Farbformen als auf linearen Netzstrukturen.
Zwischen 1961 und 1964 wandelte Dzubas seinen Malstil. Werke wie Engadin I (1961) zeigen klar umrissene, kompakte Farbformen mit gleichmäßigem Farbauftrag. Die zuvor dominierende gitterartige Ordnung wurde zugunsten freier, scheinbar schwebender Farbflächen aufgegeben. Die Beziehungen der Formen ergeben sich aus Überlagerung, Gleichgewicht oder formalen Entsprechungen. Als Bezugspunkte dieser Werkphase werden die papiers découpés von Henri Matisse sowie die nach 1945 entstandenen Gemälde von Clyfford Still genannt. Im Vergleich zu den Arbeiten von Helen Frankenthaler und Jules Olitski zeichnen sich Dzubas’ Werke dieser Zeit durch eine stärkere formale Eigenständigkeit der Farbflächen aus.
„Ribbon“-Bilder (1964–1969): Zwischen 1964 und 1966 verdichtete Dzubas seine Kompositionen. Die Farbflächen wurden regelmäßiger und teilweise halb-rechteckig. Ab 1967 entstanden Werke in extremen Hoch- oder Querformaten mit einer Länge von bis zu zehn Metern. Diese Gemälde kombinieren bandartige Farbstreifen mit hellfarbig unterlegten Farbflächen. Ab 1969 kehrte Dzubas zu Formaten mit harmonischeren Proportionen zurück. In Werken wie Fog (1971) werden Farbbänder, halb-rechteckige Zonen und weich modulierte Hintergründe kombiniert. Mit Elmslight (1971) verstärkte sich der malerische Charakter, und die Farbflächen erhielten eine gesteigerte Leuchtkraft.
Seit 1972 erweiterte Dzubas seine Farbpalette. In den Werken Late Fire (1972) und Arcadian (1972) treten mehrere rechteckige Farbblöcke in komplexe Beziehungen zueinander. Die zuvor dominierenden Farbbänder werden zugunsten großflächiger Zonen zurückgenommen. Nun ist die Kombination klarer Konturen mit weich verlaufenden Rändern innerhalb derselben Farbform charakteristisch. Ein Schlüsselwerk ist das großformatige Gemälde Passages aus dem Jahr 1974 mit den Maßen 117 × 286 Zoll (2,97 × 7,26 m). Es vereint 33 farbige Zonen auf tiefgrauem Grund. Die Palette verschiebt sich dabei stärker ins Graue, wobei intensive Rot-, Gelb- und Blautöne Akzente setzen. Weiß aufgehellte Übergänge verbinden die Farbformen mit dem Hintergrund. In dieser Werkphase werden Bezüge zur späten Malweise von Paul Cézanne hervorgehoben, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis von Farbfläche und Bildraum. Darüber hinaus werden Parallelen zu älteren malerischen Traditionen benannt, etwa zu Eugène Delacroix, Tizian, Anthonis van Dyck und Tintoretto. Seine spätere Entwicklung wird oftmals im Kontext der sogenannten Post-painterly Abstraction verortet. Dzubas zählt zu den zentralen Vertretern dieser von Clement Greenberg so bezeichneten Strömung.
Friedel Dzubas hatte weltweit über sechzig Einzelausstellungen, darunter Retrospektiven im Museum of Fine Arts in Houston (1974) und im Museum of Fine Arts in Boston (1975) sowie im Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington, D.C. (1983). Seine Werke befinden sich in bedeutenden Sammlungen wie dem Museum of Modern Art (MoMA), dem Solomon R. Guggenheim Museum, dem Art Institute of Chicago, dem San Francisco Museum of Modern Art, der National Gallery of Art und dem Whitney Museum of American Art.
Literatur Clement Greenberg (Hrsg.): Post-Painterly Abstraction. Ausstellungskatalog, Los Angeles County Museum of Art, Los Angeles, 1964. Friedel Dzubas – A Retrospective Exhibition. With an Introductory Note by William C. Agee. Text and Catalogue by E. A. Carmean, Jr. Ausst.-Kat. The Museum of Fine Arts, Houston, 16. Oktober – 24. November 1974. Charles W. Millard: Friedel Dzubas. Ausst.-Kat. Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, 16. Juni – 14. August 1983. Washington, D.C.: Smithsonian Institution Press 1983. Friedel Dzubas. Gemälde. Ausst.-Kat. Kunsthalle Bielefeld, 18. Dezember 1977 – 15. Januar 1978. Friedel Dzubas – New Paintings. Mit einer Einführung von Karen Wilkin. Ausst.-Kat. André Emmerich Gallery, 5. – 28. März 1987. Patricia L. Lewy: Friedel Dzubas. Skira, Milano, 2017.
Dzubas, Friedewald, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. München: Saur, 1983, S. 231
Weblinks Remembering Friedel: An Intimate View of Friedel Dzubas, bei Fritz Ascher Society, 2021 Hollis Taggart Gallery – Friedel Dzubas Loretta Howard Gallery Encyclopedia.com – Dzubas, Friedel Alfred Yares Art Wie die 9th Street Art Exhibition 1951 aus den New Yorker Kunstkanons heraustrat, bei ideelart.com (en) Patricia L. Lewy (Friedel Dzubas Estate Archives): Greenberg on Dzubas, bei nonsite.org, 22. Juni 2015
Einzelnachweise
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