mini|Gerhard Friedrich (2022) Gerhard Friedrich (* 1959 in Lahr/Schwarzwald) ist ein deutscher Pädagoge. Er ist Privatdozent mit Venia legendi für Allgemeine Didaktik an der Universität Bielefeld.Universität Bielefeld, ekVV: Lehrveranstaltung „Modelle der Allgemeinen Didaktik“ (SoSe 2009), Lehrender: PD Dr. Gerhard Friedrich. Abgerufen am 31. Aug. 2025. Seine Schwerpunkte betreffen frühe mathematische Bildung, Technikkonzepte, Sprachförderung und die Rezeption der Pädagogik von Friedrich Fröbel.
Werdegang Friedrich studierte Erziehungswissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Freiburg und schloss 1991 mit dem Diplom in Pädagogik ab. 1995 promovierte er mit der Dissertation Die Praktikabilität der Neurodidaktik. 2005 habilitierte er sich an der Universität Bielefeld.Universität Bielefeld, ekVV: Lehrveranstaltung „Modelle der Allgemeinen Didaktik“ (SoSe 2009), Lehrender: PD Dr. Gerhard Friedrich. Abgerufen am 31. Aug. 2025.
Neurodidaktik Friedrich beschäftigte sich ab Ende der 1980er-Jahre mit pädagogischen Implikationen neurowissenschaftlicher Forschung. Der Terminus Neurodidaktik wurde 1988 von Gerhard Preiß vorgeschlagen; eine systematische theoretische Ausarbeitung erfolgte in den folgenden Jahren.Gerhard Friedrich: Die Praktikabilität der Neurodidaktik. In: Gerhard Preiß (Hrsg.): Neurodidaktik. Theoretische und praktische Beiträge. Pfaffenweiler 1996, S. 9–27.
In seiner Diplomarbeit Annäherungen an eine Neurodidaktik (1991) legte Friedrich eine frühe wissenschaftliche Annäherung an den Begriff vor und skizzierte Grundlagen für eine didaktische Nutzung neurowissenschaftlicher Befunde.Gerhard Friedrich: Annäherungen an eine Neurodidaktik. Diplomarbeit, Pädagogische Hochschule Freiburg 1991. Mit seiner Dissertation entwickelte er ein Analyse- und Bewertungsinstrument, das didaktische Entscheidungen unter Berücksichtigung neuropsychologischer Forschung reflektierbar machen sollte.Gerhard Friedrich: Die Praktikabilität der Neurodidaktik. Ein Analyse- und Bewertungsinstrument für die Fachdidaktik. Frankfurt am Main: Peter Lang 1995.
Im von Preiß herausgegebenen Sammelband Neurodidaktik. Theoretische und praktische Beiträge (1996) veröffentlichte Friedrich den einleitenden Grundlagenaufsatz, in dem der Ansatz systematisch erläutert und als Analyse- und Bewertungsinstrument für fachdidaktische Fragestellungen begründet wird.Gerhard Friedrich: Die Praktikabilität der Neurodidaktik. In: Gerhard Preiß (Hrsg.): Neurodidaktik. Theoretische und praktische Beiträge. Pfaffenweiler 1996, S. 9–27. Gemeinsam mit Gerhard Preiß publizierte er 2003 einen Überblicksartikel in der Pädagogischen Rundschau, der Schnittstellen zwischen Hirnforschung und Didaktik sowie Perspektiven einer theoriegeleiteten Verbindung beider Bereiche skizzierte.Gerhard Friedrich; Gerhard Preiß: „Neurodidaktik. Bausteine für eine Brückenbildung zwischen Hirnforschung und Didaktik.“ In: Pädagogische Rundschau, 57 (2003), S. 181–199.
In seiner Habilitationsschrift Allgemeine Didaktik und Neurodidaktik (2005) untersuchte Friedrich die Bedeutung neurowissenschaftlicher und anderer Lerntheorien für die allgemeindidaktische Theoriebildung.Gerhard Friedrich: Allgemeine Didaktik und Neurodidaktik. Habilitationsschrift, Frankfurt am Main: Peter Lang 2005. Diese Linie führte er 2006 in einem Beitrag im von Ulrich Herrmann herausgegebenen Band Neurodidaktik weiter, in dem er die Rolle neuropsychologischer Befunde für didaktische Fragestellungen erneut untersuchte und den Ansatz von biologistischen und reduktionistischen Interpretationen abgrenzte.Gerhard Friedrich: „Neurodidaktik – eine neue Didaktik? Zwei Praxisberichte aus methodisch-didaktischem Neuland.“ In: Ulrich Herrmann (Hrsg.): Neurodidaktik. Weinheim: Beltz 2006, S. 217–233.
Frühe mathematische Bildung Ab 2003 entwickelte Friedrich das Konzept Komm mit ins Zahlenland, das in Kindertageseinrichtungen eingeführt und in der Anfangsphase vom Kultusministerium Baden-Württemberg sowie von der Robert Bosch Stiftung gefördert wurde.Landtag Baden-Württemberg, Drucksache 15/4677 (2014): Bericht zur frühkindlichen Bildung.
Das Konzept fand öffentliche Resonanz: 2003 berichtete das Wissenschaftsmagazin Gehirn & Geist über das Projekt.Hartwig Hanser: „Zahlenspiele im Kindergarten“. In: Gehirn & Geist, Nr. 4/2003, S. 30–33. Im selben Jahr veröffentlichte das Apotheken-Magazin Gesundheit den Beitrag Mit Mathe auf Du und Du.Gesundheit. Das Magazin aus Ihrer Apotheke, September 2003, S. 13 ff.
2004 erschienen mehrere regionale Berichte, u. a.: Badische Zeitung: „Meine Freunde leben im Zahlenland“ (24. Juni 2004), mit Hinweis auf eine Vorstellung in der SWR-Landesschau Baden-Württemberg.Petra Kistler: „Meine Freunde leben im Zahlenland“. In: Badische Zeitung, 24. Juni 2004. Offenburger Tageblatt: „Die Eins trägt eine Zipfelmütze“ (29. Juni 2004).Michael Haß: „Die Eins trägt eine Zipfelmütze“. In: Offenburger Tageblatt, 29. Juni 2004.
Anfang 2005 verwies das Offenburger Tageblatt zudem auf einen Fernsehbericht des Magazins Spiegel TV über das Zahlenland.Daniela Petersen: „Wo die Zahlen eine Seele haben“. In: Offenburger Tageblatt, 2. Januar 2005.
2005 folgte eine Reportage in der Frankfurter Rundschau.Sylvia Meise: „Keine Angst vorm Zahlenmann“. In: Frankfurter Rundschau, Nr. 225, 27. September 2005, S. 28.
Wissenschaftlich wurde das Konzept in der Zeitschrift Psychologie in Erziehung und Unterricht evaluiert.G. Friedrich; H. Munz: Förderung schulischer Vorläuferfähigkeiten … In: Psychologie in Erziehung und Unterricht 53 (2006), S. 132–144. Es wurde außerdem im Fachbuch Vom Kleinsein zu Einstein (2009) dargestellt.Pauen/Herber (2009): Vom Kleinsein zu Einstein. Cornelsen Scriptor. Eine englische Adaption unter dem Titel Let’s visit Numberland wird international eingesetzt.Friedrich/Schindelhauer (2015): Let’s visit Numberland … In: Primary Mathematics 19(1), 13–16.
Rezeption Für das Jahr 2019 findet sich auf der Plattform socialnet.de eine ausführliche Rezension des Buchs Komm, lass uns Fröbel neu entdecken. Es handele sich um ein „Aktionsbuch, das das Spielen mit Fröbels Ideen neu inspirieren und weiterführen möchte“. Unter anderem werde ein „Bogen aus der Zeit Fröbels und seinem religiös, mystisch-romantisch geprägten Denken des späten 18. Jahrhunderts in die moderne Zeit des 21. Jahrunderts“ [sic!] gespannt. Das Buch arbeite auf „ansprechende Weise die ‚alte‘ Lehre eines der größten (deutschen) Pädagogen auf“ (Friedrich Fröbel) und übertrage sie in die heutige Zeit, so dass Fröbels Pädagogik neu entdeckt und interpretiert werde könne.
Im Oktober 2022 lud die Stadt Lahr im Schwarzwald unter dem Titel Freude am Umgang mit Zahlen bereiten zu einer Veranstaltung in ihre Mediathek ein. Anlässlich dieser Einladung wurde berichtet, dass Friedrich als Spieleautor gemeinsam mit seinem Sohn Felix und dessen Ehefrau mehrere Spiele entwickelt hatte, die helfen sollen, „Kindern schon im Vorschulalter Freude am Umgang mit Zahlen zu bereiten“. Vorgestellt wurden die drei Spiele DOMInext, MEMOnext und Joe's Zoo, die vor Ort ausprobiert werden konnten.
Auf ihrer Internetpräsenz rezipierte die Stiftung Kinder forschen einen Teil von Friedrichs Arbeit und Werk, das „getrieben“ sei von einer „Mischung aus privatem und fachlichem Interesse“. Nachdem er der Schwierigkeiten von Flüchtlingskindern „mit Mathe in der Grundschule“ gewahr wurde, gründete er in einem Übergangswohnheim in seiner Heimatstadt Lahr eine „Mathespielgruppe mit vier Kindern zwischen vier und sechs Jahren“ in der Absicht, Sprache und Mathematik gleichzeitig zu vermitteln. Die Website der Stiftung stellt „Mathespiele“ kurz vor, die Friedrichs Buch Komm mit, lass uns Mathe spielen entnommen wurden.
Schriften
Bücher Mit Renate Friedrich, Viola de Galgóczy: Mit Kindern Gefühle entdecken. Beltz, Weinheim 2008, ISBN 978-3-407-62616-5. Mit Andrea Bordihn: Komm, lass uns Fröbel neu entdecken. Herder, Freiburg 2019, ISBN 978-3-451-38017-4.
Mit Sandra Jestand: Ich wäre der Verkäufer und du … Frühe mathematische Bildung durch Fantasie- und Rollenspiele. Beltz Juventa, Weinheim, Basel 2022, ISBN 978-3-7799-6753-8.
Fachartikel Friedrich, Gerhard; Munz, Horst: „Förderung schulischer Vorläuferfähigkeiten durch das didaktische Konzept ‚Komm mit ins Zahlenland‘.“ In: Psychologie in Erziehung und Unterricht, 53 (2006), S. 132–144. Friedrich, Gerhard; Schindelhauer, Barbara: „Let’s visit Numberland – a highly emotive and efficient reason for reasoning in early numeracy.“ In: Primary Mathematics, 19(1) (2015), S. 13–16.
Einzelnachweise
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