Das ColdMetalFusion-Verfahren, auch CMF genannt, ist eine sinterbasierte 3D-Drucktechnologie für die Serienproduktion von Metallbauteilen. Dieser neue Industriestandard basiert auf etablierten und zuverlässigen Technologien wie SLS-3D-Druck, Lösungsmittelentbinderung, Sintern und Nachbearbeitung. Das ColdMetalFusion-Verfahren wurde von der Headmade Materials GmbH entwickelt.

Die CMF-Technologie ermöglicht die wirtschaftliche Produktion von 100 bis zu 1.000.000 Bauteilen pro Jahr – ohne Einschränkungen bei der Materialauswahl oder Einbußen in der Bauteilqualität. CMF wurde entwickelt, um 3D-Druck nahtlos in bestehende Fertigungs-prozesse zu integrieren. Statt neue, teure Maschinen zu benötigen, basiert das Verfahren auf einem etablierten Ökosystem aus bewährten Maschinen und Prozessen. Der Druck erfolgt auf gängigen SLS-Systemen für Kunststoff-3D-Druck, die von verschiedenen Herstellern erhältlich sind.

3D-Druck mit ColdMetalFusion Der 3D-Druck eröffnet völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten und führt zu besseren Produkten – gleichzeitig bleibt er eine anspruchsvolle Technologie. Metall-3D-Druck wird seit Jahren genutzt, macht jedoch nur einen kleinen Teil des gesamten Fertigungsmarktes aus. Die führende Technologie, das Pulverbettfusionsverfahren (Powder Bed Fusion, PBF), wird von zahlreichen Anbietern angeboten. Allerdings verhindern hohe Teilekosten, begrenzte Materialverfügbarkeit und ein geringer Teileausstoß die breite Markteinführung von PBF und damit die Serienproduktion. Hier setzt ColdMetalFusion an: Diese sinter-basierte 3D-Drucktechnologie ist speziell für die wirtschaftliche Serienfertigung von Metallbauteilen konzipiert.

Die Merkmale von ColdMetalFusion im Überblick:

3D-Druck von Metallbauteilen auf weit verbreiteten Laser-Sinter-Anlagen für Kunststoffe (SLS) Ausgereifte Maschinentechnik von verschiedenen Anbietern Keine Bauplattform und Stützstrukturen für den 3D-Druckprozess erforderlich (im Vergleich zum Powder Bed Fusion-Verfahren)

Hohe Produktivität und niedrige Kosten für die Serienproduktion von bis zu 1.000.000 Bauteilen pro Jahr Vollständige Wiederverwendbarkeit von unverarbeitetem Rohmaterialpulver Hohe Grünteilfestigkeit ermöglicht automatische Entpulverungslösungen und eine effiziente Handhabung in einer Produktionsumgebung Prozesskompatibilität zum MIM-Entbinder- und Sinterprozessen

Teileigenschaften (Dichte, Streckgrenze, Zugfestigkeit, Dehnung) erfüllen oder übertreffen die ASTM- und ISO-Normen und sind mit MIM-Verfahren vergleichbar Viele Werkstoffe aus der Pulvermetallurgie können verwendet werden Niedrige Verarbeitungstemperatur („Cold Metal“) spart Zeit und Energie. Eine Wärmebehandlung nach dem Druck ist nicht erforderlich.

Das ColdMetalFusion-Verfahren Das ColdMetalFusion-Verfahren ist ein sinterbasiertes 3D-Druckverfahren, das das SLS-Druckverfahren, das für die Serienproduktion von Kunststoffteilen verwendet wird, mit dem seit Jahrzehnten in der Pulvermetallurgie eingesetzten Entbinderungs-/Sinterverfahren, kombiniert.

Kernstück der ColdMetalFusion-Technologie ist ein spezielles Ausgangsmaterial. Der Feedstock enthält Metallpulver, das in eine Kunststoffbindermatrix integriert ist. Das Feedstock-Pulver ist für den Einsatz auf einer SLS-Anlage und den Entbinderungs- und Sinterungsprozess ausgelegt. Da die Metallpartikel in eine Bindermatrix integriert sind, können nicht nur CMF-Pulver, sondern auch klassische Polymerpulver mit der gleichen Maschine verarbeitet werden. Die notwendige Fließfähigkeit des Feedstocks für den 3D-Druckprozess wird durch das Bindersystem gewährleistet.

Der ColdMetalFusion-Prozess besteht aus mehreren Schritten:

Schritt 1: CAD-Datei Die CAD-Datei wird um die zu erwartende Schwindung hochskaliert. Das Upscaling hängt vom verwendeten Material ab, ist aber mit dem MIM-Verfahren vergleichbar. Die Schwindung für Edelstahl 316L und Titan Ti6Al4V beträgt beispielsweise ~ 12 % und führt zu einer geringen Schwindung im Vergleich zu anderen 3D-Druckverfahren. Eine geringere Schwindung erweitert die Designmöglichkeiten (Überhänge usw.) erheblich.

Schritt 2: SLS-3D-Druck Das Bauteil wird auf einer Laser-Sinter-Anlage für Kunststoffe (SLS) Schicht für Schicht aufgebaut. Durch Schmelzen des Ausgangsmaterials entsteht ein Grünteil. Das Kunststoff-Bindemittel wird bei niedriger Temperatur (<80 °C) geschmolzen. In der Regel reichen bereits 50° Celsius aus, was die Aufheiz- und Abkühlzeit deutlich minimiert. Das Prozessfenster erlaubt zudem den Betrieb in nahezu jeder Umgebung, ohne dass eine externe Kühlung erforderlich ist. Die niedrige Prozesstemperatur minimiert auch die Belastungen für das SLS-System und führt zu geringem Verschleiß, d. h. zu einer geringeren Amortisation über eine längere Maschinenlebensdauer. Diese SLS-Systeme sind weithin zu erschwinglichen Preisen erhältlich. Außerdem sind im Bauprozess selbst keine Stützkonstruktionen erforderlich, so dass die Bauteile frei im Bauprozess platziert werden können.

Schritt 3: Entpulverung und Reinigung Der fertige Bauauftrag wird dann entpulvert und gereinigt. Das Entpulvern wird auch Entpacken genannt und findet statt, sobald das Pulverbett abgekühlt ist. Beim Entpulvern wird das lose und nicht geschmolzene Pulver um die Grünteile herum entfernt. Da CMF-Teile eine sehr hohe Grünteilfestigkeit aufweisen, kann das Entpulvern mit Druckluft oder Wasserstrahl automatisiert werden.

Der Rest des losen Pulvers kann vollständig für den nächsten Bauauftrag wiederverwendet werden, wodurch der Abfall minimiert und der ökologische Fußabdruck verbessert wird. Automatisierte Entpulverungslösungen werden derzeit von der Rösler Gruppe (AM Solutions) entwickelt.

Schritt 4: Grünteilnachbearbeitung Die hohe Grünteilfestigkeit erleichtert nicht nur das Entpulvern, sondern ermöglicht auch die Nachbearbeitung der Grünteile vor dem Sintern. Die Grünteilnachbearbeitung ist ein entscheidender Faktor, der die ColdMetalFusion-Technologie für die Serienfertigung attraktiv macht. Dank der hohen Grünteilfestigkeit können präzise und effiziente Bearbeitungsverfahren wie Fräsen, Schleifen oder Bohren durchgeführt werden – Prozesse, die im finalen Metallbauteil mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand verbunden wären. Besonders bei schwer zerspanbaren Materialien wie Titan und Inconel bietet sich diese Möglichkeit an, da sie eine wirtschaftlichere Fertigung erlaubt.

Obwohl optional, verbessert die Grünteilbearbeitung die Produktionseffizienz erheblich. Sie ermöglicht kostengünstige Anpassungen, etwa die Integration feinster Details oder die Verbesserung der Oberflächenqualität in einem frühen Prozessstadium. Etablierte Verfahren, darunter automatisierte Oberflächenbehandlungen, tragen nicht nur zu einer verbesserten Oberflächenqualität bei, sondern erhöhen auch die Prozesssicherheit.

Die Grünteile von ColdMetalFusion sind deutlich stabiler als von vergleichbaren Alternativen und ermöglichen konsistente und wiederholbare Ergebnisse. Diese Möglichkeit macht ColdMetalFusion zur idealen Lösung für industrielle Anwendungen, die Präzision und Kosteneffizienz erfordern.

Oberflächengüten im Überblick

As print: Im unbehandelten Zustand erreichen ColdMetalFusion-Bauteile eine Rauheit von Ra 12–15 µm. AutoSmooth: Das automatisierte Strahlverfahren erzielt eine gleichmäßige Rauheit von Ra 3–4 µm, selbst bei komplexen Geometrien. Der AutoSmooth-Prozess entfernt Treppeneffekte effektiv, wodurch in den meisten Fällen keine zusätzliche Nachbearbeitung nach dem Sintern erforderlich ist. Dies spart Zeit und reduziert Prozesskosten erheblich. Spanende Bearbeitung: Mit präzisem Fräsen lassen sich Oberflächenqualitäten realisieren, die über die Ergebnisse des AutoSmooth-Verfahrens hinausgehen. Besonders Funktionsflächen profitieren von der hohen Präzision und Wiederholgenauigkeit.

Die Oberflächenbearbeitung ist jedoch immer von der Geometrie des Bauteils abhängig. Besonders gut zugängliche Flächen können optimal nachbearbeitet werden, während schwer zugängliche Bereiche spezielle Anpassungen erfordern können.

Anwendungen bei denen die Grünteilnachbearbeitung den Unterschied macht Die Grünteilnachbearbeitung bietet klare Vorteile in verschiedenen Anwendungsbereichen:

Funktionsflächen: Bereits im Grünteilstadium können Oberfläche und Bauteilgeometrien bearbeitet werden. Dadurch wird die Bearbeitung des finalen Bauteils auf ein Minimum reduziert und beschränkt sich häufig auf eine Feinschlichtbearbeitung oder entfällt vollständig. Hochpräzise Komponenten: Anwendungen mit Anforderungen an Planarität, dünne Wandstärken oder feine Details profitieren von der Möglichkeit, diese frühzeitig und kosteneffizient umzusetzen. Leichtbau und Medizintechnik: Performance Metalle wie Titan oder Inconel, die in der Luftfahrt und Medizintechnik eingesetzt werden, lassen sich präzise und zeitsparend bearbeiten, wodurch diese Sektoren erheblich profitieren.

Schritt 5: Lösemittel-Entbinderung Die gereinigten Grünteile werden dann mit einem Lösungsmittel entbindert. Die Lösemittelentbinderung erfolgt in einem temperaturgesteuerten Lösemittel. Beim Entbindern wird ein Teil des Bindemittelsystems bei ca. 30–40° Celsius vom Grünteil abgelöst, so dass ein sogenanntes Braunteil entsteht, das noch eine hohe Bauteilfestigkeit aufweist. Die Lösemittelentbinderung ist ein kostengünstiges und ökologisches Verfahren, das in der Pulvermetallurgie seit vielen Jahren eingesetzt wird. Die Lösungsmittel werden nach Gebrauch destilliert und können unbegrenzt wiederverwendet werden, um einen geschlossenen Produktionskreislauf zu schaffen und die Umwelt nicht zu belasten.

Schritt 6: Sintern Nach dem Entbindern erfolgt der Sinterschritt, um ein vollwertiges Metallbauteil zu erhalten. Der Ofen wird langsam auf die Sintertemperatur aufgeheizt, während die geringe Menge des verbleibenden Kunststoffbinders (1–3 %) bei mittlerer Temperatur rückstandslos verbrennt. Bei der Sintertemperatur des Metalls verschmelzen die Metallteilchen miteinander und bilden ein dichtes, festes Metallteil. Die Teile schwinden in der X/Y/Z-Achse gleichmäßig, im Beispiel des rostfreien Stahls 316L um etwa 12 %. Das gesinterte Bauteil weist in der Regel eine Dichte von 97–99 % auf. Sinterverfahren sind in der pulvermetallurgischen Industrie bekannt und weit verbreitet.

Schritt 7: Nachbearbeitung Das gesinterte Metallteil kann mit verschiedenen Nachbearbeitungsverfahren wie z. B. Schleifen, Polieren, Sandstrahlen und Eloxieren veredelt werden. Die Teile können problemlos durch heißisostatisches Pressen (HIP) oder Wärmebehandlung behandelt werden, um die gewünschte Dichte und Gefügestruktur zu erreichen. Die Oberflächenbeschaffenheit kann je nach Kundenanforderung gewählt werden.

Pulver-Handling Die Handhabung von reinem Metallpulver erfordert sehr hohe Sicherheitsvorkehrungen, um Gesundheitsschäden oder Brände und Explosionen zu vermeiden. Die Verwendung von Legierungen mit Nickel- oder Titanpulvern wird daher oft vermieden. Auch hier schafft die ColdMetalFusion-Technologie Abhilfe, da das Feedstock-Pulver das darunter liegende Metallpulver in eine Binder-Matrix einbindet. Die Agglomeration von Metallpulvern reduziert die notwendigen Sicherheitsanforderungen und vereinfacht das Pulver-Handling erheblich.

Merkmal Metallbauteil Für die weitere Verbreitung des 3D-Drucks ist es wichtig, marktübliche Eigenschaften von Metallteilen zu erreichen. Da das ColdMetalFusion-Verfahren eine ähnliche Prozesskette wie die Pulver-Metallurgie-Verfahren verwendet, sind die Eigenschaften der Metallteile durchaus vergleichbar.

Für pulvermetallurgische Legierungen gibt es in ASTM und ISO genormte Teileigenschaften. Die mit der ColdMetalFusion-Technologie hergestellten Metallteile erfüllen und übertreffen diese Normen.