C. F. Hutschenreuter & Co. KG (kurz CFH) in Aue war eine Mitte des 19. Jahrhunderts gegründete Metallwarenfabrik, aus der sich zwei Jahre später die von August Wellner eröffnete Fabrik abtrennte. Die Fabrik trug den Namen des Firmengründers Christian Friedrich Hutschenreuter und bestand bis 1972. Bis zur deutschen Wiedervereinigung produzierte die Firma nun als Volkseigener Betrieb weiter, dann wurde sie abgewickelt. Die Hutschenreuter-Erben erhielten die Immobilie zurück, die sie jedoch der Stadt Aue verkauften. Teile der baulichen Anlage sind denkmalgeschützt.

Lage Das gesamte Firmengelände erstreckt sich südwestlich vom Stadtzentrum, zwischen der Wettinerstraße und nördlich der bogenförmig verlaufenden Zwickauer Mulde, westlich begrenzt von der Zinnstraße. Die Grundstücksfläche beträgt zirka 25.000 m². Westlich schließt sich das Fabrikgelände der Metallwerke Auerhammer an.

In den 1880er Jahren wohnte der damalige Fabrikbesitzer Karl Emil Hutschenreuter (zweite Generation) in der Auerhammerstraße 124, die Fabrik trug die gleiche Adresse, hatte also noch kein separates Firmengelände.2021.

Geschichte Im Jahr 1852 wurde die Firma als C. F. Hutschenreuter & Co KG, Fabrik von Alpacca-, und Alpacca versilberten Bestecken, Hotel- und Tafelgeräten. Walzwerkserzeugnisse in Argentan-, Alpacca-, Neusilber- und Pacfongblechen gegründet. mini|hochkant=0.65|Annonce von Hutschenreuter 1926 Sohn Emil Hutschenreuter übernahm in den 1880er Jahren die Firmenleitung in zweiter Generation, Ende der 1920er Jahre ging er in den Ruhestand. Im Adressbuch wurde er dann als Rentier im Haus Wettinerstraße 53 geführt. Die Firmenweiterführung hatte er an seinen Sohn Johannes Hutschenreuter (dritte Generation) übergeben, der im Haus Wettinerstraße 55 wohnte.

Ab den 1930er Jahren trug die Firma die geänderte Bezeichnung C. F. Hutschenreuter & Co KG, Spezialfabrik für Bestecke, Hotel- und Tafel-Geräte.

Markenkennzeichnung der Produkte waren die Buchstaben CFH und als Fabrikmarke diente ein stilisierter Steinbock. Zusätzlich kam der Hinweis Neoxyd auf manche Produkte, womit die Edelstahlbasis („nicht oxidierend“) gekennzeichnet wurde.

CFH lieferte in den 1930er Jahren bis Mitte der 1940er Jahre seine Erzeugnisse in zahlreiche europäische Länder wie in die Schweiz, nach Schweden, nach Ungarn oder in die Balkanländer (1938 bis 1944).

Im Zweiten Weltkrieg musste auch CFH Hilfsmittel für den Kriegsdienst herstellen, so finden sich Dokumente über Stahlgurte (St.G. 151) für Maschinengewehre aus den Jahren 1942 bis 1944. Dazu Transportkästen für die Stahlgurte, Stahlbehälter für Tellerminen (T.Mi 35 = Tellermine 35) und für Riegelminen (R.Mi 43 =Riegelmine 43).

Die für die Kriegsführung hergestellten Produkte wurden nicht mit dem Herstellerlogo oder -namen versehen, sondern mit drei kleinen Buchstaben gebrandet; CFH musste die Kombination „bsz“ benutzen. Das wurde so festgelegt, weil die Fabrik von strategischer Bedeutung war und weitestgehend geheim bleiben sollte.

Nach dem Krieg, zwischen 1949 und 1971 führte Johann Hutschenreuter den Betrieb privat mit staatlicher Beteiligung. Er konnte an die guten Vorkriegsumsätze anknüpfen und seine Erzeugnisse auch wieder ins Ausland verkaufen wie nach Ägypten, in den Libanon, nach Syrien, Libyen, Schweden, Rumänien und Jugoslawien sowie nach Tunesien, Kuwait, Frankreich, Marokko.

Die Firma wurde 1972 verstaatlicht und produzierte danach weiter als VEB Besteck- und Metallwaren (Bemet) Aue. Auch die Ex- und Importbeziehungen wurden erfolgreich weitergeführt.

Im Ergebnis der deutschen Wiedervereinigung stellte die Firma ihre Produktion ein, der Maschinenpark wurde verkauft oder verschrottet, die Immobilien gingen an die Hutschenreuter-Erben zurück. Da kein Interesse an einer eigenen Nutzung vorhanden war, verkauften sie die Gebäude an die Stadtverwaltung Aue.

Firmenbauten mini|Wettinerstraße 61 in Aue Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten die Firmeninhaber ein großes Baugelände erworben und ließen darauf einen Fabrikkomplex als Dreiseitanlage errichten, gestaffelt von ein- bis viergeschossig. Neben den Produktionshallen verfügte CFH auch über eigene Heiz- und Kraftwerke (mit drei großen Schornsteinen).

Im Jahr 1912 entstand direkt an der Wettinerstraße ein zusätzliches Verwaltungsgebäude im neoklassizistischen Stil (siehe Bild).

Alle Gebäude sind im 21. Jahrhundert erhalten und saniert worden. Genutzt werden sie seit den 2010er Jahren überwiegend von kommunalen Einrichtungen. Das frühere Verwaltungsgebäude steht unter Denkmalschutz.

Erzeugnisse (Auswahl) Walzwerksprodukte aus Alpacca und Pacfong-Blechen wie komplette Tafelbestecke, versilbert Suppen- und Kaffeelöffel, Speisegabeln, Speisemesser, dazu Satz von Serviettenringen und eine Gebäckzange; Auslieferung im Etui, Vorlegegabeln, Suppenkellen und Schöpfer, Buttermesser, Fischbestecke, Zuckerlöffel.

Dekore der Besteckteile sind überwiegend im Jugendstil, Kreuzband oder Bauhaus-Deco ausgeführt worden. Tee- oder Kaffeekanne (Alpacca Silber), Zuckerdosen, metallene Kelche

Viele Produkte wurden später auch aus Edelstahl gefertigt.

Weblinks

Einzelnachweise

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