Das Castello Gerione (oder eher ‚‚Girone‘‘) ist eine Burgruine aus dem 10. Jahrhundert in Campagna in der italienischen Region Kampanien. Sie liegt in der Via Dauli auf dem Gipfel des Hügels ‚‚Girolo‘‘, der am Südhang durch den Monte Calvo gestützt wird, auf 406 Metern Höhe.
Namensursprung In dem historischen Dokumenten aus langobardischer und normannischer Zeit wird die Festung mehrmals als „Castellum Campanie“, als „Castelli Giroli de Campanea“ oder „Castellum Gironem“ bezeichnet. Der Begriff „Girolo“ der heute den einzelnen Hügel bezeichnet, könnte aus dem altgriechischen „Gyros“ (dt.: Spirale, Kreis) abgeleitet sein; das Wort „Gerione“ könnte von dem normannischen „Gironde“ (dt.: kreisrunder Ort) abgeleitet sein.
Geschichte Der Bau der Festung hatte vermutlich den Zweck, die Übergänge über die Berge zu kontrollieren, und dank ihrer strategisch günstigen Lage wurde sie auch als Beobachtungspunkt für einen großen Teil der Seleebene genutzt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie auf einem Pergament aus dem Jahre 1056, also in langobardischer Zeit. Die genaue Bauzeit ist nicht bekannt.
Der erste dokumentierte Burgherr war der Graf Roberto in normannischer Zeit.
Mit der Belagerung von Capua im Jahre 1220 erwarb die königliche Liegenschaftsverwaltung von Kaiser Friedrich II. die Burg, wodurch sie in den direkten Einflussbereich des Kaisers kam und unter die „Castra exempta“, die bedeutendsten Festungen des Königreiches eingeordnet wurde.
1384 weilte Papst Urban VI. bei seiner Flucht aus Nocera auf der Burg.
Die Anlage behielt ihre militärische Verteidigungsfunktion bis 1515. Dann gab sie der letzte Lehensherr, der Herzog Ferdinando Orsini, angesichts der unbequemen Lage für die damaligen Erfordernisse an das Kollegiat Santa Maria della Pace ab. Laut anderen Quellen wurde die Burganlage entweder als Gefängnis oder als spanische Garnison während der Lehensherrschaft der Grimaldis, Herzöge von Monaco und Markgrafen von Campagna, genutzt.
Heute gehört die Anlage dem ehemaligen Waisenhaus Lavinia Cervone in Campagna.
Beschreibung Die Burganlage bedeckt eine Fläche von insgesamt etwa 3000 m², die sich in Form einer Spindel darstellt; die Gebäude sind alle Ruinen.
Der militärische Komplex hat zwei Eingänge; einer stellt die Verbindung zum Baronspalast auf der ‚‘Sant’Agostino‘‘-Klippe her und der andere liegt unterhalb des Monte Romanella.
Auf der Westseite gibt es ein Verteidigungssystem, das aus einer Mauer parallel zum Zugang von der ‚‘Via San Bartolomeo‘‘ aus besteht; diese hat vier Türme, von denen einer kürzlich umgebaut wurde. Der Zugang von der Via Pianello aus ist dagegen durch eine Metalltüre, flankiert von zwei Türmen begrenzt. Die gesamte Anlage ist von einem robusten Mauerring mit einer Dicke von 1,8 Metern und guelfischen Zinnen umschlossen.
Wenn man den Eingang durchschritten hat, gelangt man in einen äußeren Hof, zu einem Gebäude für die Garnison und ein Gehege für Kleinvieh. Die Zone, in der der Burgherr wohnte, wurde durch eine Zugbrücke aus Holz geschützt, die den Zugang zu einem kleinen Hof vermittelte, der durch einen Donjon, einen großen, rechteckigen Turm, überwacht war. Das Hauptgebäude, der Palast des Burgherrn, hat einen unregelmäßigen Grundriss und zwei Stockwerke; angebaut waren eine Kapelle, die Küchen, eine Zisterne für Regenwasser und die Räume des Burgherrn. Die Burganlage ist nur von zwei Punkten in der Stadt aus zu Fuß zu erreichen oder über einen Weg von der Via Bartolomeo aus, der nach den letzten Häusern und dem „Kalvarienberg“ beginnt, oder von der Siedlung Romanelle aus über die Via Ponte Dauli. Vom Gipfel des Hügels aus kann man ein Panorama über die Wohnbezirke unterhalb und über einen Teil der Seleebene bewundern.
Premio Gerione Seit 2005 organisiert die Gemeinde Campagna eine nationale Versammlung von Schulen und Theatern, die „Il Gerione“ genannt wird.
Einzelnachweise Storia di Campagna. Ediz. Ass. Giordano Bruno, 2017. Atto notarile su pergamena del 1056 in Scrittura beneventana. Arca CXXIV., Nr. 3. Capitolo di Campagna. F. Mottola (Herausgeber): Appendice documentaria in C. Carlone: Melchiorre Guerriero e la diocesi di Campagna. Salerno 1984. C. Carlone, F. Mottola: I regesti delle pergamene dell'abbazia di S. Maria Nova in Calli (1098-1513). E.S.S.M., Salerno 1981. L. Gianelli: Campagna Medievale. Neapel 2005. S. 89. A. V. Rivelli: Memorie storiche della città di Campagna. 1894. Costanzo-Collennui-Paesano, Anonimo delle storie di Napoli. Valentino Izzo: Raccontare Campagna: Il castello Gerione. Eboli 2006. M. Ulino: L'Età Barocca dei Grimaldi di Monaco nel loro Marchesato di Campagna. Neapel 2008.
Quellen N. de Nigris: Campagna antica e nuova, sagra e profana overo compendiosa istoria della Città di Campagna descritta dal dott. Nicolò De Nigris e alla medesima dedicata. Neapel 1691. L. Gianelli: Campagna Medievale. Neapel 2005. C. Carlone: Melchiorre Guerriero e la Diocesi di Campagna. Salerno 1984. C. Carlone, F. Mottola: I regesti delle pergamene dell'abbazia di S. Maria Nova in Calli (1098-1513). E.S.S.M., Salerno 1981. Valentino Izzo: Raccontare Campagna: Il Castello Gerione. Eboli 2006. M. Ulino: L'Età Barocca dei Grimaldi di Monaco nel loro Marchesato di Campagna. Neapel 2008. Storia di Campagna. Ediz. Ass. Giordano Bruno, Campagna 2017.
Weblinks
Website der Stadt Campagna. Abgerufen am 29. August 2025. Offizielle Website der Comune di Campagna. Abgerufen am 29. August 2025.
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