Toera (gest. 1897) war ein Sakalava-König von Menabé im Westen Madagaskars, der von Mitgliedern des französischen Kolonialregimes getötet wurde.France returns three colonial-era human skulls to Madagascar. Reuters, 26. August 2025 (englisch), abgerufen am 26. August 2025. Sein Schädel gelangte Ende des 19. Jahrhunderts in die Sammlungen des Muséum national d’Histoire naturelle in Paris, zu denen auch das Musée de l’Homme gehört.Le Muséum d’histoire naturelle abrite-t-il le crâne d’un roi malgache… ? Le Monde, 12. August 2016 (französisch), abgerufen am 26. August 2025. Am 26. August 2025 wurden der mutmaßliche Schädel Toeras und zwei weitere Schädel im Kulturministerium in Paris offiziell an Madagaskar übergeben.

Es handelte sich um die erste Rückgabe unter dem 2023 verabschiedeten französischen Gesetz zur Restitution menschlicher Überreste aus öffentlichen Sammlungen. Rechtsgrundlage ist das Gesetz Nr. 2023-1251 vom 26. Dezember 2023 über die Restitution zu Überresten menschlicher Herkunft aus öffentlichen Sammlungen.Loi n° 2023-1251 du 26 décembre 2023 relative à la restitution de restes humains appartenant aux collections publiques. Légifrance, 26. Dezember 2023 (französisch), abgerufen am 26. August 2025.

Leben, Wirken und Nachwirken Toera herrschte als König der Sakalava über Menabé im Westen Madagaskars. Ende August 1897 kam es im Zuge der französischen Unterwerfung Madagaskars zum Massaker von Ambiky, bei dem Toera getötet wurde.Restitution des restes humains : le sort du crâne d’un ancien roi malgache en suspens. Le Monde/AFP, 14. Dezember 2023 (französisch), abgerufen am 26. August 2025. Sein Kopf wurde nach Paris überführt und den Sammlungen des Muséum national d’Histoire naturelle (u. a. Musée de l’Homme) zugeordnet.Madagascar : la France restitue trois crânes sakalava, entre science et enjeux mémoriels. Le Point, 25. April 2025 (französisch), abgerufen am 26. August 2025. Die Nachfahren Toeras ersuchten bereits seit 2003 um Rückgabe, was den Anstoß für eine langjährige Restitutionsforderung gab.« Pour nous, c’est un héros » : la France va restituer à Madagascar des reliques royales… TV5Monde, 21. August 2025 (französisch), abgerufen am 26. August 2025. Am 3. Oktober 2024 setzten Frankreich und Madagaskar einen gemeinsamen wissenschaftlichen Ausschuss zur Identifizierung und Prüfung der Modalitäten der Rückgabe ein.La France pourrait restituer à Madagascar le crâne d’un roi décapité pendant la colonisation. Le Monde, 3. Oktober 2024 (französisch), abgerufen am 26. August 2025. Mit dem Dekret Nr. 2025-309 vom 2. April 2025 ordnete die französische Regierung die Restitution der Überreste binnen eines Jahres an.Décret n° 2025-309 du 2 avril 2025 portant restitution de restes humains à la République de Madagascar. Légifrance, 2. April 2025 (französisch), abgerufen am 26. August 2025. Aus Rücksicht auf rituelle Kalender wurde ein ursprünglich im Frühjahr erörterter Termin auf August 2025 verschoben.Report en août de la restitution du crâne du roi Toera. Midi Madagasikara, 5. April 2025 (französisch), abgerufen am 26. August 2025. Genetische Analysen erbrachten laut Berichten keine eindeutige Zuordnung, sodass die Identität als „mutmaßlich Toera“ geführt wird. Eine traditionelle Sakalava-Tromba-Mediatorin bestätigte die Zuordnung rituell, was in die Entscheidung einfloss.France returns slain king’s skull to Madagascar. BBC News, 26. August 2025 (englisch), abgerufen am 26. August 2025.

Toera wurde nach seinem Tod zum Symbol des sakalavischen Widerstands gegen die französische Unterdrückung; in Westmadagaskar wird seiner in zyklischen Gedenkritualen gedacht. Bei der Übergabe betonte Frankreichs Kulturministerin Rachida Dati, die Schädel seien in einem Kontext kolonialer Gewalt in die Sammlungen gelangt und ihre Restitution habe eine würdige, historische und memoriale Bedeutung. Madagaskars Kulturministerin Volamiranty Donna Mara sprach von einer seit über einem Jahrhundert offenen Wunde und würdigte die Rückgabe als bedeutsame Geste für Nation und Sakalava-Gemeinschaft. Die Restitution war zugleich die erste Anwendung des neuen französischen Gesetzes zu Überresten menschlicher Herkunft aus öffentlichen Sammlungen. Sie fügt sich in einen breiteren, von Frankreich und Madagaskar vorangetriebenen Erinnerungsprozess ein, der 2025 politisch bekräftigt wurde.À Madagascar, Macron veut créer les « conditions » du « pardon » de la colonisation. France 24/AFP, 24. April 2025 (französisch), abgerufen am 26. August 2025. Die anthropologischen Bestände des genannten Museums umfassen nach eigenen Angaben rund 18.000 Schädel.Collection ostéologique de restes humains. MNHN, o. D. (französisch), abgerufen am 26. August 2025. In Madagaskar ist im Rahmen der nationalen Erinnerungskultur eine Ehrung zum Jahrestag der Tötung Toeras Ende August vorgesehen.

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