Die Joghurtladen-Morde war ein in der Nacht des 6. Dezembers 1991 in einem Joghurt-Restaurant der Kette I Can’t Believe It’s Yogurt! in der texanischen Hauptstadt Austin begangener Vierfachmord. Dabei wurden vier weibliche Teenager getötet. Der Fall war bis 2025 ein Cold Case und wurde medial aufgenommen.
Hergang Der Joghurtladen, vergleichbar mit einer Eisdiele, lag in einem Einkaufszentrum im Nordwesten Austins an der Adresse 2949 West Anderson Lane. Am Tattag, einem Freitag, arbeiteten dort die 17-jährige Jennifer Harbison und die gleichaltrige Schichtleiterin Eliza Thomas. Harbisons Schwester Sarah (15) und ihre beste Freundin Amy Ayers (13) hatten den Tag zunächst in der fußläufig entfernten Mall Northcross Center verbracht und sich anschließend in den Joghurtladen begeben, um von dort nach Feierabend gemeinsam den Heimweg zum Wohnhaus der Familie Harbison anzutreten. Die Öffnungszeiten endeten freitags um 23 Uhr, wobei es üblich war, dass eine Viertelstunde vor Ende der Öffnungszeiten keine neuen Gäste mehr eingelassen wurden und die Bediensteten den Laden aufzuräumen und für den nächsten Tag herzurichten begannen. Der letzte unbare Zahlungsvorgang jenes Tages war in den Abrechnungsunterlagen um 22:42 Uhr registriert worden.
Kurz vor Mitternacht bemerkte eine Streife des Austin Police Department (APD) einen Brand in dem geschlossenen Lokal und verständigte die Feuerwehr. Im Zuge der Löscharbeiten entdeckten die Einsatzkräfte vier teils bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leichen, eine am Übergang zwischen der Ladentheke im Gästebereich und dem Mitarbeiterbereich und drei weitere dort in der Nähe des Hinterausgangs. Alle waren unbekleidet und mit ihrer Unterwäsche gefesselt und allen war mit Kaliber 22-Munition in den Hinterkopf geschossen worden. Der etwas abseits der anderen Leichen gefundene Körper wies als einziger eine weitere Schussverletzung (9 mm-Munition) und zudem Anzeichen einer Vergewaltigung auf; er wurde der 13-jährigen Amy Ayers zugeordnet, die vermutlich von dem ersten Schuss nicht tödlich getroffen worden und ein kurzes Stück über den Boden gekrochen war. Das Feuer im Lokal wurde mittels angezündeter Servietten und Brandbeschleuniger entfacht. Von den Ladeneinnahmen fehlte ein dreistelliger Dollarbetrag.
Dem Verbrechen fielen vier weibliche Jugendliche zum Opfer. Dies sind Amy Ayers (* 31. Januar 1978), Jennifer Harbison (* 9. Mai 1974), Sarah Harbison (* 28. Oktober 1976) und Eliza Hope Thomas (* 16. Mai 1974).
Ermittlungen Die Ermittlungen gestalteten sich von Anfang an schwierig. Die exekutionsartige Ermordung der Opfer und die Erschwerung späterer Beweissicherungsmaßnahmen durch Brandstiftung sprachen für ein professionelles Vorgehen, hingegen nicht die Auswahl der Tatörtlichkeit, in deren unmittelbarer Nähe im Einkaufszentrum größere Beute zu erwarten gewesen wäre; auf ein wenigstens zum Teil sexuelles oder misogynes Motiv deuteten wiederum der entkleidete Zustand und die rein weibliche Geschlechtszugehörigkeit der Opfer hin.
Einige Tage nach dem Verbrechen wurde in der Nähe des Tatortes der Teenager Maurice Pierce aufgegriffen, der sich im Besitz einer .22er-Schusswaffe befand. Er wurde polizeilich vernommen und erwähnte seine Freunde Michael Scott, Robert Springsteen und Forrest Welborn. Die Vernehmung förderte allerdings keine weiteren Erkenntnisse zutage und wurde nicht weiter protokolliert, die Ermittlungen gerieten ins Stocken. Ins Visier der Polizei gerieten die vier jungen Männer wieder nach einem Ermittlerwechsel Ende der neunziger Jahre, und unter dem Eindruck belastender bis aggressiver Vernehmungspraktiken der Polizei gestanden Scott und Springsteen schließlich, das Verbrechen begangen zu haben. Scott wurde zu lebenslanger Freiheitsstrafe, Springsteen zum Tode verurteilt; gegen Pierce und Welborn, die eine Tatbeteiligung bestritten hatten, konnte sich die Jury mangels ausreichender Indizienlage nicht zu einer Anklage (Grand Indictment) durchringen.
Recht bald widerriefen Scott und Springsteen ihre Geständnisse und fochten ihre Verurteilungen an. Tatsächlich waren diese nicht rechtmäßig zustande gekommen: darin, dass keinem der beiden Angeklagten die Möglichkeit gegeben worden war, den ihn durch das Geständnis belastenden vermeintlichen Mittäter zu konfrontieren, sah das Berufungsgericht (Texas Court of Criminal Appeals) einen Verstoß gegen den 6. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten und hob die Schuldsprüche auf. Eine Rückversetzung des Verfahrens in den vorherigen Stand wurde vom Obersten Gerichtshof (Supreme Court of the United States) 2007 abgelehnt.
Zur Veranlassung einer neuen Anklage durch die für Travis County zuständige Staatsanwältin Rosemary Lehmberg kam es nicht: DNA, die im Intimbereich der vergewaltigten Amy Ayers gefunden und durch zwischenzeitlich präzisere wissenschaftliche Methoden ausgewertet worden war, ließ sich keinem der vier Verdächtigen zuordnen. Am 24. Juni 2009 wurden Scott und Springsteen auf Anordnung des zuständigen Richters Michael Lynch aus der Haft entlassen, das Verfahren gegen sie am 28. Oktober 2009 eingestellt.
2025 wurde bekannt, dass der Serienmörder Robert Eugene Brashers, der sich im Januar 1999 während einer Konfrontation mit Polizisten erschossen hatte, als Täter bestätigt wurde. Die beim Suizid genutzte Patrone stimmte mit einer in einem Abfluss in dem Restaurant gefundenen Patrone überein. Bestätigt wurde dies durch einen DNA-Abgleich. Stephanie Slifer: Bullet casing in drain at Texas yogurt shop links serial killer to the infamous murders, says original investigator, CBS News vom 26. September 2025 Der 1958 in Newport News geboreneMandyTaheri: Who Was Robert E. Brashers? What to Know About Yogurt Shop Murders Suspect, Newsweek vom 27. September 2025 Brashers war durch DNA-Tests bereits 2018 mit einem Doppelmord 1998 in Portageville in Missouri in Verbindung gebracht worden, ein Mord 1990 in Greenville (South Carolina) und die Vergewaltigung einer Vierzehnjährigen 1997 in Texas konnten ihm zugeschrieben werden. 1986 war er für einen Mordversuch in Florida verurteilt worden.Vivian Ho: DNA testing links dead man to Texas ‘yogurt shop’ killings, police say, The Washington Post vom 27. September 2025 1989 war er vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassen worden.
Nachgang Der Serienmörder Kenneth McDuff, der sich Anfang der 1990er Jahre in der Gegend der Tat aufgehalten hatte, hatte die Morde im Joghurtrestaurant am Tag seiner Hinrichtung im November 1998 gestanden, konnte von der Polizei auf der Basis der vorhandenen Spuren jedoch nicht mit der Tat in Verbindung gebracht werden.
Im August 2022 unterzeichnete US-Präsident Joe Biden ein Gesetz zur Stärkung der Rechte der Familien von Kapitalverbrechensopfern, das den Hinterbliebenen die Möglichkeit einräumen soll, beim Aufkommen neuer wissenschaftlicher Standards ein Wiederaufgreifen der Cold-Case-Ermittlungen zu verlangen. Das Gesetz beruht auf dem Verbrechen, das 1991 im Joghurtladen in Austin verübt wurde.Biden signs bipartisan cold case law establishing federal right to request review for victims' families, Fox News, 5. August 2022, abgerufen am 26. August 2025
Rezeption Die vierteilige HBO-Miniserie The Yogurt Shop Murders, die im August 2025 veröffentlicht wurde, befasst sich mit dem Verbrechen. Außerdem verfilmte die True-Crime-Serie People Magazine Investigates den Fall im Jahr 2023 unter dem Titel „Who Killed Our Girls?“.More than 30 Years Later: Inside the Unsolved Yogurt Shop Murders of 4 Teens, People Magazine, 21. August 2023, abgerufen am 26. August 2025
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Kriminalfall in den Vereinigten Staaten Kategorie:Kriminalfall 1991 Kategorie:Ungeklärter Kriminalfall