Célestin Hennion, geboren am 8. September 1862 in Gommegnies (Nord) und gestorben am 14. März 1915 in Sainte-Adresse, war ein französischer Polizeipräfekt.
Er hat die französische Polizei zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Unterstützung von Georges Clemenceau, bekannt als „der Tiger“, modernisiert. Als Direktor der Sûreté Générale gründete er die berühmten „Tigerbrigaden“, die Vorfahren der Kriminalpolizei. Für diese Aktionen gilt er als „Vater der modernen Polizei“.Der im französischen Original genannte Beleg ist nicht (mehr) aufrufbar.
Biografie Kurz nach dem Abitur trat er der Armee bei und wurde von 1880 bis 1885 nach Tunesien geschickt, das in dieser Zeit als französisches Protektoratsiehe: Tunesien#Französisches Protektorat, Unabhängigkeitskampf gegründet wurde. Für dieses militärische Engagement erhielt er die Médaille coloniale und wurde zum Ritter des Nicham-Iftikar-Ordens und zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt.
Seine Polizeikarriere begann am 15. November 1886 als Inspektor zweiter Klasse bei der Eisenbahnbrigade und stieg schnell zum Polizeikommissar auf. Anschließend untersuchte er verschiedene Bewegungen, die auf den Sturz der Dritten Republik abzielten, wie die Anarchisten und die Boulangisten.
Die von ihm durchgeführten Ermittlungen und Missionen waren sehr politisch: die Dreyfus-Affäre, in der er die von Kommandant Picquart aufgedeckten Beweise für seine Unschuld untersuchte, oder der Schutz des russischen Zaren Nikolaus II. während seiner Reise nach Frankreich im Jahr 1896. Er vereitelte mehrere Attentate (auf die Zarin 1901, auf Alfons XIII. von Spanien 1905) und Staatsstreiche, wie den von Paul Déroulède im Jahr 1899. Ab April 1899 war er auch für den Schutz des Präsidenten der Republik verantwortlich.
Am 30. Januar 1907 wurde er von Innenminister Georges Clemenceau zum Generaldirektor der Direction de la Sûreté générale ernannt. Im selben Jahr schlug er Clemenceau die Schaffung mobiler Brigaden vor, die später als „Tigerbrigaden“ bekannt wurden. Er modernisierte außerdem die Polizeiausrüstung und die Ermittlungsmethoden. Er setzte sich für die Verstaatlichung der städtischen Polizei ein.
Am 31. März 1913 wurde er zum Polizeipräfekten ernannt und damit der Nachfolger von Louis Lépine. In dieser Position definierte er die Aufgaben der Polizei und schuf am 3. August 1913 drei Arbeitsbereiche: die Gerichtspolizei, die Geheimpolizei (er gründete die erste allgemeine Geheimdienstbrigade) und die Ordnungspolizei. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn am 2. September 1914 zum Rücktritt und er wurde durch seinen Generalsekretär Émile Marie Laurent ersetzt. Er starb im folgenden Jahr an Krebs.
Im Jahr 1919 wurde sein Leichnam in seine Heimatstadt Gommegnies überführt, wo eine Straße nach ihm benannt wurde. Auch die Allée Célestin-Hennion, die durch den Blumenmarkt am Place Louis Lépine neben dem Pariser Polizeipräsidium führt, wurde ihm zu Ehren benannt.
Der 15. Jahrgang der Polizeikommissare der École nationale supérieure de la Police, die 1964 ihren Dienst aufnahmen, trägt seinen Namen.
Auszeichnungen Ehrenlegion (März 1913) 50px Royal Victorian Order (1908) 25px Militärverdienstkreuz (Spanien) 50px Grand Officier du Ordre du Orange-Nassau de Pays-Bas (31. Mai 1912) Leopoldsorden (Belgien) 50px Nischan el Iftikhar 50px Ordre des Palmes Académiques 50px Kolonialmedaille mit tunesischer Spange 50px Médaille d’honneur de la mutualité 50px
Literatur Jean-Marc Berlière, L'institution policière en France sous la Troisième République (1875-1914), thèse de doctorat, Histoire, université de Bourgogne, Dijon, 1991, dact., 3 vol., LIV-1304 f°. Jean-Marc Berlière, La carrière exceptionnelle d'un commissaire spécial sous la Troisième République : Célestin Hennion, in Dominique Kalifa und Pierre Karila-Cohen (dir.), Le commissaire de police au XIXe siècle, Paris, Publications de la Sorbonne, Koll. Histoire de la France aux XIXe et XXe siècles (N. 67), 2008, 284 S., ISBN 978-2-85944-595-9, S. 173–191 Jean-Marc Berlière und René Lévy, Histoire des polices en France : de l'Ancien régime à nos jours, Paris, Éditions Nouveau Monde, 2011, 767 S., ISBN 978-2-84736-573-3 (nachzulesen: www.openedition.org)
Einzelnachweise
Kategorie:Polizist (Frankreich) Kategorie:Träger des Ordre des Palmes Académiques (Offizier) Kategorie:Commander des Royal Victorian Order