Das Korsische Heiligenkraut (Santolina corsica) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Heiligenkraut (Santolina) in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Es ist auf Korsika und Sardinien verbreitet.
Beschreibung mini|Spross mit Laubblättern mini|Blütenköpfchen mini|Habitus im Winter
Vegetative Merkmale Das Korsische Heiligenkraut ist ein immergrüner Halbstrauch, der rasig wächst und Wuchshöhen von 15 bis 50 Zentimetern erreicht. Die Pflanze ist graufilzig behaart, insbesondere an den nichtblühenden Sprossen. Die Laubblätter dieser meist graufilzig behaarten Sprosse besitzen 9 bis 14 eingerollte, 0,5 bis 2 Millimeter lange Fiederabschnitte. Die blühenden Sprosse sind im oberen Teil verzweigt. Die mittleren Laubblätter dieser Sprosse sind 15 bis 35 Millimeter lang. Ihre 20 bis 150 Fiederabschnitte sind mit 0,5 bis 2 Millimetern Länge dagegen sehr kurz.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli. Die etwa 1 Zentimeter großen Blütenköpfchen besitzen ausschließlich Röhrenblüten in dunkelgelber Farbe. Der röhrenförmige Teil der Blüten ist kürzer als 4 Millimeter. Die eilanzettlichen Hüllblätter stehen in mehreren Reihen und sind filzig behaart. Die Früchte besitzen Pappuskrönchen aber keine Pappushaare.
Chromosomensatz Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9; es tritt Tetraploidie und Hexaploidie mit Chromosomenzahlen von 2n = 36 und 2n = 54 auf.
Vorkommen Das Korsische Heiligenkraut ist auf Korsika und Sardinien verbreitet, sein Hauptverbreitungsgebiet liegt jedoch im zentralen Nordkorsika. Es kommt hauptsächlich in der mediterranen kollinen Höhenstufe in Höhenlagen zwischen 400 und 800 Metern vor. Dort wächst es in sonnigen, trockenen Garrigues auf Kalkstein- und Sandsteinsubstraten, oft vergesellschaftet mit der Montpellier-Zistrose und dem Katzen-Gamander (Teucrium marum). Gemeinsam mit der Italienischen Strohblume und der Ästigen Zwenke besiedelt das Korsische Heiligenkraut außerdem lehmige Substrate aufgegebener Weiden und Felder. Wie das Etruskische Heiligenkraut gilt das Korsische Heiligenkraut als Pionierpflanze, da beide Arten häufig auf offenen, degradierten Böden wachsen, die vielen Störungen ausgesetzt sind.
Systematik Die Erstveröffentlichung von Santolina corsica erfolgte im Jahr 1869 durch Claude Thomas Alexis Jordan und Jules Pierre Fourreau in Icones ad floram Europae, Band 2, S. 9. Das Artepitheton corsica bedeutet „korsisch, aus Korsika“. Santolina corsica gehört zur Sammelart Santolina chamaecyparissus agg. und ist damit eng verwandt mit der pentaploiden Kulturpflanze Graues Heiligenkraut. Synonyme für Santolina corsica sind Santolina chamaecyparissus var. corsica , Santolina chamaecyparissus subsp. insularis und Santolina insularis .
Lange galt die im Süden und mittleren Osten Sardiniens vorkommende Population als eigenständige Pflanzenart (Santolina insularis). Denn alle untersuchten Pflanzen von dort sind hexaploid im Gegensatz zu den tetraploiden Populationen von Santolina corsica im Nordosten Sardiniens und auf Korsika. Genetische und morphologische Analysen aus dem Jahr 2022 zeigen jedoch, dass eine konsistente Trennung von S. insularis und S. corsica nicht möglich ist. Die südsardische Population weist allerdings eine gewisse genetische Distanz auf, besiedelt klimatisch etwas andere Standorte und kann daher als eine evolutionär bedeutende Population (evolutionarily significant unit) innerhalb der Art Santolina corsica gelten.
Verwendung Die Blütenköpfchen des korsischen Heiligenkrauts werden traditionell als Wurmkraut und zur Abwehr von Parasiten verwendet. Die grünen Pflanzenteile werden zur Beruhigung sowie als Fieber- und Hustenmittel eingesetzt.
Nachgewiesen wurden viele sekundäre Pflanzenstoffe, darunter Kaempferol-Glycoside, Chlorogensäure, Rosmarinsäure, Myrcen und β-Phellandren. Extrakte mit organischen Lösungsmitteln zeigten in vitro antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. Außerdem wirkten sich die Extrakte antiproliferativ auf verschiedene Krebszelllinien aus, ohne dabei gesunde Zellen zu schädigen. Der zugrunde liegende Mechanismus ist allerdings noch unklar und bedarf weiterer Untersuchungen.
Literatur
Weblinks
Steckbrief bei Schede di botanica
Einzelnachweise Compositae Working Group (CWG), 2025. Datenblatt Santolina L. In: Global Compositae Database.
Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). – In: W. Greuter & Eckhard von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Datenblatt Santolina chamaecyparissus aggr. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
Claude Thomas Alexis Jordan, Jules Pierre Fourreau: Icones ad floram Europae novo fundamento instaurandam spectantes, Band 2, S. 9. Paris, 1869. eingescannt bei Gallica. Thomas Meyer, Michael Hassler: Datenblatt Santolina corsica mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Mittelmeer- und Alpenflora. Datenblatt Santolina corsica bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
Kategorie:Anthemideae (Tribus)