Joachim Volz (* 1958 in Mannheim) ist ein deutscher Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Überregionale Bekanntheit erlangte er durch eine Klage gegen seinen Arbeitgeber, das Klinikum Lippstadt, um weiterhin Schwangerschaftsabbrüche durchführen zu dürfen.
Leben und Wirken Volz legte 1977 das Abitur in Heidelberg ab. Anschließend studierte er Humanmedizin an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg sowie Philosophie und Geschichte an der Universität Mannheim. Während seines Studiums war Volz Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und Vorsitzender des Allgemeinen Studentenausschusses seiner Fakultät. 1983 wurde er mit einer Arbeit über die Diagnostik der Hirnblutung bei Neugeborenen am Universitätsklinikum Mannheim zum Doktor der Medizin promoviert und erhielt seine Approbation. Er war anschließend von 1983 bis 1984 wissenschaftlicher Assistenzarzt an der Kinderklinik Mannheim und von 1984 bis 1986 wissenschaftlicher Assistenzarzt an der Frauenklinik Heidelberg. Von 1987 bis 1990 leistete er Entwicklungsdienst in einem katholischen Krankenhaus der Benediktinerinnen im namibischen Oshikuku. Von 1990 bis 1992 war er an der Frauenklinik Ulm tätig; zunächst als wissenschaftlicher Assistenzarzt und ab 1991 als Facharzt für Frauenheilkunde. Von 1992 bis 2002 war er Oberarzt an der Frauenklinik Mannheim.
1996 wurde Volz habilitiert. 2002 erhielt er eine außerplanmäßige Professur für Frauenheilkunde an der Universität Heidelberg. Von 2002 bis 2012 war er Chefarzt des Zentrums für Frauenheilkunde und Leiter des Brustzentrums am Klinikum Bielefeld. Seit 2012 ist er Chefarzt im Krankenhaus Lippstadt. Dort leitet er das Brustzentrum und das Perinatalzentrum. Von 2012 bis 2017 war er zusätzlich ärztlicher Direktor. Zudem ist er Gründer und Leiter des Kinderwunschinstituts FROG in Bielefeld.
Volz ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er lebt im Bielefelder Stadtteil Stieghorst. Er war bis 2026 Mitglied der CDU. 2026 trat er Bündnis 90/Die Grünen bei.
Juristische Auseinandersetzung Ende 2024 fusionierte der Arbeitgeber von Volz, das Evangelische Krankenhaus Lippstadt, mit dem katholischen Dreifaltigkeits-Hospital Lippstadt. Daraufhin wurde Volz Anfang 2025 die Weisung erteilt, sowohl im Krankenhaus wie auch in seiner Privatklinik in Bielefeld keine Schwangerschaftsabbrüche auch bei medizinischer Indikation mehr durchzuführen, wenn keine Lebensgefahr für die Schwangere gegeben ist. Volz klagte gegen diese Weisung vor dem Landesarbeitsgericht Hamm, was bundesweite Aufmerksamkeit erregte. Anfang Juli 2025 startete Volz eine Online-Petition mit dem Titel „Ich bin Arzt – meine Hilfe ist keine Sünde!“, die bis zur Gerichtsverhandlung im August 2025 über 230.000 Unterschriften erhielt. Für die Rechtskosten wurde eine Crowdfunding-Kampagne auf der sozialen Plattform GoodCrowd.org ins Leben gerufen. Das Gericht wies die Klage im August 2025 zurück. Gemäß Urteil sei das Krankenhaus berechtigt gewesen, „im Rahmen des zustehenden Direktionsrechts diese Vorgaben zu machen“. Volz legte Berufung ein. Sein Standpunkt wurde auch von Hartmut Kreß unterstützt, der daran erinnerte, dass das kirchliche Selbstverwaltungsrecht laut Grundgesetz nur im Rahmen „des für alle geltenden Gesetzes“ bestehe.Eine Frage des Menschenbildes. In Glaube und Heimat vom 17. August 2025, S. 6. Im Februar 2026 urteilte das Landesarbeitsgericht Hamm, dass für Volz die Dienstanweisung zwar in seiner Tätigkeit als Chefarzt Bestand habe, jedoch nicht für seine Nebentätigkeit. Volz darf demnach in seiner privaten Praxis in Bielefeld und auch ambulant in der Klinik in Lippstadt (in seiner Nebentätigkeit als Kassenarzt) wieder Schwangerschaftsabbrüche durchführen.
Während seiner juristischen Auseinandersetzung wurde Volz von der Giordano-Bruno-Stiftung, der Ärztin Kristina Hänel sowie Vertretern von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke unterstützt.
Sonstiges Engagement Volz war von 1998 bis 2006 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Frauengesundheit in der Entwicklungszusammenarbeit (FIDE) der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Er leitete außerdem Ausbildungsprogramme in Libyen und organisierte ein Austauschprogramm mit pakistanischen Ärzten. In Kaschmir organisierte er mit finanzieller Unterstützung der deutschen Bundesregierung den Aufbau zweier Krankenhäuser. Am Klinikum Bielefeld war er Gründer der Geburtshilfeorganisation Babytown und der bilingualen Kindertagesstätte.
Weblinks Website von Joachim Volz
Einzelnachweise
Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Gynäkologe, Geburtshelfer Kategorie:Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland Kategorie:Frauenrechtler (Deutschland) Kategorie:Hochschullehrer (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) Kategorie:CDU-Mitglied Kategorie:Bündnis-90/Die-Grünen-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1958 Kategorie:Mann