mini|Buchhandlung im Haus zum Wetzstein (2018) Das Haus zum Wetzstein ist ein Gebäude in der Salzstraße der Historischen Altstadt von Freiburg im Breisgau, dessen Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Heute befindet sich im Erdgeschoss die Buchhandlung zum Wetzstein.
Architektur Das Haus zum Wetzstein gehört zu den historisch besonderen Häusern Freiburgs. Im Laufe der letzten 900 Jahre erlebte das Haus mehrere Erweiterungen und Umbauten. In den 1990er Jahren wurde das Haus einer ausführlichen Bauanalyse unterzogen. Damals wurde der Bau des Kernhauses auf die Jahre vor 1190 eingeordnet, u. a. gestützt auf die im Keller noch vorhandene Rundbogenpforte.
In der Mitte des 12. Jahrhunderts erlebte das Haus eine erste Erweiterung, 100 Jahre später wurde es zu einem dreigeschossigen Haus aufgestockt. Die damalige Laufhöhe des Kernhauses liegt heute auf der Ebene eines heutigen Zwischenkellers. Im 16. Jahrhundert wurde das Haus weiter aufgestockt und der Keller vertieft (1,40 m). Durch das Aushubmaterial des Kellers, das auf die Straße geworfen wurde, erhöhte sich das Bodenniveau, wodurch ein doppelgeschossiger Keller entstand und das ehemalige Erdgeschoss ein Kellergeschoss wurde. Im 18. Jahrhundert dürfte das Haus renoviert worden sein, da sich Böden und Stuckdecken in den oberen Stockwerken in diese Zeit datieren lassen. Der letzte große Umbau erfolgte im 19. Jahrhundert. Die Fassade wurde umgestaltet und die Front im Erdgeschoss durch drei Arkaden ergänzt. Zusätzlich wurde im 19. Jahrhundert das Haus um ein Dachgeschoss mit einer heute noch sichtbaren Terrasse erhöht.
An der Fassade des Hauses lassen sich drei Bauperioden ablesen: Das im 20. Jahrhundert umgebaute Erdgeschoss mit großen Schaufensterflächen, gekehlte Fenstergewände aus rotem Sandstein in den drei Obergeschossen (16. Jahrhundert) und das historisierende klassizistische Gebälk aus dem 19. Jahrhundert mit Konsolen und Zahnschnitt.
Eigentümer Namensgeber des Hauses ist Bastian Wetzstein (Derrer). Nachweislich hat er das Haus in der Salzstraße im Jahr 1539 besessen und umbauen lassen. Vor ihm besaß u. a. Sebastian von Blumeneck, Münsterpfleger am Freiburger Münster, das Haus. Unter seiner Amtszeit als Münsterpfleger wurde Hans Baldung Grien beauftragt, den Hochaltar zu gestalten. Sebastian von Blumeneck wurde in der Reihe der Münsterpfleger auf der Rückseite des Hochaltares verewigt. Hans Baldung entwarf für Blumeneck auch die Fenster in der Blumeneck-Kapelle im Münster, die den Stifter mit seinen beiden Frauen zeigt. Bastian/Sebastian Derrer, der sich Wetzstein nennt, war Professor an der Universität Freiburg. Nach dem Tod Wetzsteins im Jahre 1541 sind die Besitzverhältnisse unbekannt. Erst ab dem Jahr 1775 sind die Besitzer des Hauses Wetzstein genauer datiert. In diesem Jahr wurde das Haus zur Schreinerei von Johann Adam Bretz. Nach rund 100 Jahren Schreinerei wurde ein Hammerschmied Besitzer. Nach dessen Tod wechseln die Besitzer wieder, und 1874 ist für den Wetzstein zum ersten Mal ein Ladengeschäft belegt: Das Putzgeschäft Bernhard Bauer. Nach nur zwei Jahre folgte ein Betrieb für Manufakturwaren und Confektion und weitere ähnliche Betriebe. Spätestens seit dem Jahr 1921 befindet sich in den Räumen des Erdgeschosses eine Buchhandlung von Karl Ehrmann.
Nutzung als Buchhandlung Die erste Buchhandlung im Haus in der Salzstraße 31 wurde 1921 von Karl Ehrmann eröffnet. Er und später seine Frau führten die Buchhandlung und vererbten sie an ihre Kinder. 1968 erwarb Fritz Hodeige, Verleger und Herausgeber der Badischen Zeitung die Buchhandlung. Nach einem Umbau im Jahr 1970 eröffnete hier die Buchhandlung Rombach (Bücher Rombach/Rombach Exlibris). Nach der Eröffnung der ersten Großbuchhandlung in Deutschland, durch Rombach in der Bertoldstraße wurde Rombach Exlibris geschlossen. Diese Veränderung nutzen Thomas und Susanne Bader zusammen mit Herbert Placzek und eröffneten eine inhabergeführte Buchhandlung unter dem heutigen Namen, die am 14. Juli 1978 eröffnet wurde. Im Jahr 2014 übernahm Susanne Bader als letzte Mitgründerin die Geschäftsführung und renovierte die Buchhandlung im Jahr 2020. Viele der Einbauten aus den 1970er Jahren wurden dabei entfernt und die historische Bausubstanz wieder freigelegt.
2024 wurde die Buchhandlung mit dem Deutschen Buchhandelspreis als eine von fünf „Besonders herausragende Buchhandlungen“ ausgezeichnet.Freiburger Buchhandlung mit Deutschem Buchhandlungspreis gewürdigt, baden.fm, abgerufen am 24. August 2025
Literatur Rainer Moritz: Buchhandlung zum Wetzstein. In: ders.: Die schönsten Buchhandlungen Europas, Gerstenberg Verlag, 4. Auflage, Hildesheim 2013, ISBN 978-3-8369-2768-0, Christine Reinke: Das werden Sie sonst nirgends finden. In: Buchreport. Band 49 / Nr. 2, Harenberg, Dortmund 2018, Seite 20–23. Vincent Klink: Mit dem Professor im Freiburger Münster. In: ders.: Mein Schwaben. Leben und Speisen im Ländle des Eigensinns. Rowohlt Verlag, Hamburg 2024, ISBN 978-3-498-00310-4, S. 186 ff.
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