Karsten Wiegand (* 1972 in München) ist ein deutscher Opernregisseur und Intendant des Staatstheaters Darmstadt.
Ausbildung und Wirken Wiegand studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Freien Universität Berlin. Bei seinen Studien wurde er durch das Begabtenförderungswerk Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. 1994 begann Wiegand seine Theaterlaufbahn als Dramaturg für die Sparten Schauspiel und Musiktheater am Hans Otto Theater in Potsdam und wirkte danach zunächst als freier Schauspielregisseur. Am Deutschen Nationaltheater Weimar inszenierte er unter anderem gemeinsam mit Julia von Sell Goethes Faust I, wofür sie 2001 mit dem Bayerischen Theaterpreis ausgezeichnet wurden. 2004 debütierte Wiegand als Opernregisseur mit Glucks Orfeo ed Euridice an der Oper Krakau. In den Jahren 2004 bis 2006 erhielt Wiegand ein Regiestipendium der Akademie Musiktheater heute. Mit Wiegands Inszenierung von Schillers Schauspiel Die Jungfrau von Orleans wurde 2006 am Theater Aachen das Theatertreffen Nordrhein-Westfalen eröffnet. Von 2008 bis 2013 war er Operndirektor am Deutschen Nationaltheater Weimar.
Seit 2014 ist Wiegand Intendant des Staatstheaters Darmstadt, wo er weiterhin mit Erfolg inszeniert. Im Jahr 2016 inszenierte Wiegand die Uraufführung der Oper Koma von Georg Friedrich Haas für die Schwetzinger Festspiele und das Staatstheater Darmstadt, die im Fachmagazin Opernwelt zur Uraufführung des Jahres gekürt wurde.
Im Pandemiejahr 2020 thematisierte Wiegand gemeinsam mit Tanzkünstlerin Nadia Beugré in der Musik- und Tanzcollage Atem/Souffle die Fragilität menschlichen Lebens mit Verweis auf die COVID-19-Pandemie und die Proteste infolge des Todes von George Floyd. Die spartenübergreifende Produktion entstand mit der Unterstützung des Institut français und des französischen Ministeriums für Kultur.
In Reaktion auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 verlegte Wiegand die Premiere seiner Inszenierung von Elektra, die für den 27. Januar geplant war, an dem international der Opfer des Holocaust gedacht wird, um an diesem Datum seine Neuinszenierung der Kammeroper Pnima ... ins Innere von Chaya Czernowin zu eröffnen, worin er Ereignisse des radikalislamistischen Angriffs thematisierte.
Anlässlich des 80. Holocaust-Gedenktags im Jahr 2025 schuf Wiegand mit der Veranstaltung zum Gedenken an die Befreiung des KZ Auschwitz für den Vorabend ein viel beachtetes Programm, in dem Gideon Kleins Streichtrio, Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8 und Wiegands eigene Inszenierung von Morton Feldmans Rothko Chapel den für den Anlass in Auftrag gegebenen Liederzyklus Letters to Fred/Briefe an Fred der Komponistin Bracha Bdil umrahmten, der anhand von Briefen an den Holocaustüberlebenden Fritz „Fred“ Herzberg vom Schicksal Detmolder Familien erzählt.
Als Intendant betrieb Wiegand eine Veränderung der Ausrichtung des Staatstheaters auf das Bildungsbürgertum hin zu einem „Theater für alle“. Dazu wurden kostenfrei zugängliche Spielstätten erschlossen, wie etwa der Georg-Büchner-Platz, der Vorplatz des Theaters, auf dem das Staatsorchester Darmstadt und Mitglieder des Opernensembles regelmäßig kostenlose Freiluftkonzerte anbieten, und es wurden Darbietungen jenseits der klassischen Kultur in das Programm integriert, etwa Hip-Hop-Acts und künstliche Intelligenz. Anlässlich der Verlängerung von Wiegands Intendanz bis 2029 ließ das hessische Kultusministerium wissen, dass sowohl das Land Hessen als auch die Stadt Darmstadt die künstlerische Entwicklung des Staatstheaters unter Wiegand als sehr positiv beurteilt haben.
Wiegand ist seit dem Jahr 2018 der Vizepräsident der Hessischen Theaterakademie.
Inszenierungen (Auswahl) Schauspiel Faust I, Goethe. Deutsches Nationaltheater Weimar, gemeinsame Regie mit Julia von Sell Käthchen von Heilbronn, Kleist. Deutsches Nationaltheater Weimar Verbrechen und Strafe, Dostojewskij. Staatstheater Stuttgart Das Maß der Dinge, LaBute. Staatstheater Stuttgart Kampf des Negers und der Hunde, Koltès. Passau
Quelle:
Musiktheater 2004: Orfeo ed Euridice, Gluck. Oper Krakau, musikalische Leitung: Cornelia von Kerssenbrock 2005: Otello, Rossini. Deutsches Nationaltheater Weimar, m. L.: Olaf Storbeck 2006: Rigoletto, Verdi, Niedersächsische Staatstheater Hannover, m. L.: Enrique Mazzola 2006: Maria Stuarda, Donizetti. Staatsoper Unter den Linden, m. L.: Alain Altinoglu 2007: Hyperion, Maderna. Staatsoper Stuttgart, m. L.: Enrique Mazzola 2007: Luisa Miller, Verdi. Deutsches Nationaltheater Weimar, m. L.: Martin Hoff 2008: Nabucco, Verdi. Theater Bremen, m. L.: Markus Poschner 2008: Pnima ... ins Innere, Czernowin. Deutsches Nationaltheater Weimar, m. L.: Johannes Harneit 2009: Aida, Verdi. Staatsoper Stuttgart, m. L.: Manfred Honeck 2009: Faust, Gounod. Staatsoper Unter den Linden, m. L.: Alain Altinoglu 2009: Don Giovanni, Mozart. Deutsches Nationaltheater Weimar, m. L.: Enrique Mazzola 2010: Rigoletto, Verdi. Deutsches Nationaltheater Weimar, m. L.: Gregor Bühl 2010: Orpheus und Eurydike, Křenek. Konzerthaus Berlin, m. L.: Lothar Zagrosek 2011: Eugen Onegin, Tschaikowski. Deutsches Nationaltheater Weimar, m. L.: Gregor Bühl 2011: Tristan und Isolde, Wagner. Deutsches Nationaltheater Weimar, m. L.: Stefan Solyom 2012: Faust, Gounod. Deutsches Nationaltheater Weimar, m. L.: Felix Bender 2012: La traviata, Verdi. Deutsches Nationaltheater Weimar, m. L.: Stefan Solyom 2012: Arabella, Strauss. Deutsches Nationaltheater Weimar, m. L.: Stefan Solyom 2013: Hänsel und Gretel, Humperdinck. Deutsches Nationaltheater Weimar, m. L.: Martin Hoff 2013: Rigoletto, Verdi. Niedersächsische Staatstheater Hannover, m. L.: Benjamin Reiners 2015: Hänsel und Gretel, Humperdinck. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Anna Skryleva 2015: Prometeo, Nono. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Johannes Harneit 2016: Rigoletto, Verdi. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Enrico Delamboye 2016: Koma, Haas. Schwetzingen Festspiele, m. L.: Jonathan Stockhammer 2016: Koma, Haas. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Johannes Harneit 2017: Faust, Gounod. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Michael Nündel 2017: South Pole, Srnka. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Johannes Harneit 2019: Saint François d’Assise, Messiaen. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Johannes Harneit 2019: Die Zauberflöte, Mozart. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Rubén Dubrovsky 2020: Atem, Collage. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Daniel Cohen; Inszenierung gemeinsam mit Nadia Beugré 2021: Requiem für einen jungen Dichter, Zimmermann. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Karsten Januschke 2022: Don Giovanni, Mozart. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Daniel Cohen 2023: La traviata, Verdi. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Daniel Cohen 2024: Pnima ... ins Innere, Czernowin. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Richard Schwennicke 2024: Elektra, Strauss. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Daniel Cohen 2024: Requiem Für Einen Jungen Dichter/Rothko Chapel, Zimmermann/Feldman. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Karsten Januschke 2025: Veranstaltung zum Gedenken an die Befreiung des KZ Auschwitz, diverse. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Alice Meregaglia 2025: Wozzeck, Berg. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Daniel Cohen 2026: L’incoronazione di Poppea, Monteverdi. Staatstheater Darmstadt, m. L.: Clemens Flick
Quelle:
Veröffentlichungen 2018: Zeitgenössisches Musiktheater: auf der Höhe der Zeit? Musik & Ästhetik, Band 22, Heft 85, „Forum: Zeitgenössisches Musiktheater“, S. 67–76. Kosch Theater
Einzelnachweise Siehe „Karsten Wiegand auf der Staatstheater Darmstadt Website“ unter Weblinks. Abgerufen am 22. August 2025.
Siehe „Karsten Wiegand auf Operabase“ unter Weblinks. Abgerufen am 21. August 2025.
Weblinks Karsten Wiegand auf der Staatstheater Darmstadt Website
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