Der jugoslawische Kriegsschauplatz des Zweiten Weltkriegs, im Sprachgebrauch des kommunistischen Jugoslawien als Volksbefreiungskrieg und im bundesdeutschen Sprachgebrauch als Partisanenkrieg in Jugoslawien bekannt, umfasst neben dem Angriff der Achsenmächte auf Jugoslawien im April 1941 besonders den darauf folgenden und intensiv geführten Mehrfrontenkrieg zwischen verschiedenen Besatzungsmächten und Widerstandsbewegungen, der von 1941 bis 1945 als Teil des größeren Zweiten Weltkriegs geführt wurde und im Mai 1945 sogar das offizielle Kriegsende in Europa um mehrere Wochen überdauerte.

Nach dem Balkanfeldzug im April bildeten sich bis Jahresende 1941 kampfstarke Widerstandsbewegungen gegen die deutsche, italienische, ungarische und bulgarische Besatzungsmacht sowie besonders gegen die im von den Achsenmächten neu gegründeten Unabhängigen Staat Kroatien herrschende klerikal-faschistische Ustascha-Bewegung. Die beiden wichtigsten Widerstandsgruppen waren die kommunistisch dominierte Partisanenbewegung (später: „Volksbefreiungsarmee“) unter Josip Broz Tito sowie die serbisch-nationalistischen Tschetnik-Verbände, deren wichtigster Anführer Draža Mihailović war. Diese beiden Hauptwiderstandsgruppen führten aber ab spätestens November 1941 auch einen brutalen Bürgerkrieg gegeneinander, weswegen insbesondere die Tschetniks dazu übergingen, zunächst mit den Italienern und dann auch mit den Deutschen intensiv zu kollaborieren, um gemeinsame Kampfhandlungen gegen die Partisanen zu koordinieren.

Der Schwerpunkt der Kämpfe lag Ende 1941 im südlichen Zentrum des heutigen Serbien, verlagerte sich dann mit dem Jahreswechsel 1941/42 jedoch ins heutige Bosnien und Herzegowina, wo anschließend bis Mitte 1944 die deutliche Mehrheit der größeren Schlachten und Operationen ausgetragen wurde, weshalb in Bosnien-Herzegowina auch die Todesrate der Zivilbevölkerung deutlich höher war als in anderen Teilen Jugoslawiens. Große Bedeutung kam auf dem Kriegsschauplatz auch den Gebieten der heutigen Staaten Serbien, Kroatien und Montenegro zu. Nebenkriegsschauplätze gab es im Kosovo, in der Vojvodina und dem Banat, in Nordmazedonien und in Slowenien. Jugoslawien erlitt proportional die dritthöchsten Menschenverluste des Zweiten Weltkriegs, nur noch übertroffen von Polen und der Sowjetunion.

In Jugoslawien verübten die Besatzer zahlreiche Kriegsverbrechen. Sowohl deutsche als auch italienische Gewaltexzesse und Massaker forderten zehntausende Todesopfer in den jeweiligen Besatzungszonen. Die kroatischen Ustascha beteiligten sich freiwillig an den Völkermorden der Deutschen (Holocaust, NS-Völkermord an den Sinti und Roma), denen in Jugoslawien zehntausende Juden und Roma zum Opfer fielen. Den Völkermord an den Roma betrieben in Jugoslawien die Ustascha sogar wesentlich stärker als die Nationalsozialisten. Darüber hinaus begingen die Ustascha einen von den Deutschen unabhängigen Völkermord an den Serben; Ustascha-Personal leitete mit dem KZ Jasenovac das einzige nichtdeutsche Vernichtungslager Europas.

Zwischen 1941 und 1943 wurde auf dem jugoslawischen Kriegsschauplatz hauptsächlich in der Form der Guerilla- bzw. Partisanenkriegführung gekämpft, wobei die Widerstandsgruppen mit Sabotageakten und Hinterhalten vorgingen und Eisenbahnlinien sowie Garnisonen attackierten. In den schwer zugänglichen Gebirgen und Waldgebieten Jugoslawiens bauten die Widerständler eigene Machtbereiche auf, die dann üblicherweise in Militäroperationen der Besatzungstruppen der Achsenmächte angegriffen wurden. Spätestens 1944 setzte sich aber die Volksbefreiungsarmee als die stärkste Widerstandskraft in Jugoslawien durch und vollbrachte den Umbau der Partisanenabteilungen in eine konventionelle Streitmacht, die zum Jahreswechsel 1944/45 entlang einer fest definierten Frontlinie mit eigenen Land-, Luft- und Seeverbänden Krieg gegen Wehrmacht und Waffen-SS führte.

Ab Oktober 1944 trat die Rote Armee der Sowjetunion im Zuge der Belgrader Operation für einige Monate auf dem jugoslawischen Kriegsschauplatz in Erscheinung, womit der jugoslawische Kriegsschauplatz Anschluss an den südlichsten Ausläufer der deutsch-sowjetischen Frontlinie fand. Nach der Befreiung Belgrads und der Vojvodina drehten die sowjetischen Truppen jedoch nordwärts in Richtung Ungarn ein, wodurch ihr Kampfeinsatz in Jugoslawien nur von kurzer Dauer war.

Im Mai 1945 brachte das allgemeine Kriegsende den Sieg der Volksbefreiungsarmee in Jugoslawien. Hier ging der Krieg jedoch noch mehr als eine Woche über das Kapitulationsdatum hinaus, da sich die fliehenden Soldaten und Zivilisten der Achsenmächte dem Zugriff von Titos Truppen entziehen wollten. Es kam in den ersten Wochen der Nachkriegszeit zu umfangreichen Massakern der Sieger, die besiegte Soldaten sowie fliehende Zivilisten deutscher, italienischer, ungarischer oder kroatischer Nationalität als Ziel hatten. An das Kriegsende in Jugoslawien schloss sich die Gründung der Föderativen Republik Jugoslawien an.

Vorgeschichte mini|Ethnische Gruppen in Jugoslawien, 1931 Nach dem Ersten Weltkrieg entstand der Staat der Slowenen, Kroaten und Serben, dessen Gebiet auf dem im Friedensvertrag von Saint Germains mit Österreich (1919) und dem Friedensvertrag von Trianon mit Ungarn (1920) beruhte. Mit Italien, das zu den Siegermächten zählte, wurde 1920 der Grenzvertrag von Rapallo abgeschlossen. Anfang der 1920er bildeten die Tschechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien das Defensivbündnis Kleine Entente gegen die Gefahr einer Restauration der Habsburger Dynastie. Das ursprünglich gegen Gebietsansprüche Ungarns gerichtete Bündnis wurde nach der Achsenbildung Berlin-Rom 1936 nicht angepasst und half politisch auch nicht gegen den Anschluss Österreichs. Mit dem Anschluss Österreichs und der Zerschlagung der Tschechoslowakei spielte der Balkan beim Drang nach Lebensraum keine Rolle und Hitler hatte gegenüber Mussolini die Adria und das Mittelmeer (mare nostrum) als italienisches Interessengebiet anerkannt und das deutsche Desinteresse an den Mittelmeerländern bekundet.

Für Italien führte die Gründung Jugoslawiens dazu, dass die im Londoner Vertrag von 1915 zugesagten Gebietsgewinne sich nicht realisierten und man sprach von einem verstümmelten Sieg (vittorio mutilata). Seit 1932 favorisierte Mussolini einen Zerfall Jugoslawiens und unterstützte deshalb den mazedonischen und kroatischen Separatismus und erlaubte der Ustascha eine Basis in Italien aufzubauen. Im März 1937 schloss er dann überraschend einen Freundschaftspakt mit Jugoslawien, um ein Gegengewicht zu Deutschland zu bilden, und internierte Ustascha-Mitglieder und -Funktionäre auf der Insel Lipari. Ab 1939 verfolgte der italienische Außenminister Ciano dann eine doppelgleisige Strategie: Einerseits wurden die Separatisten wieder unterstützt und andererseits ein Nichtangriffspakt angestrebt, den Jugoslawien ablehnte, da es seine Neutralität wahren wollte. In Rom gab es ab 1940 auf der Basis eines Memorandums des Ustascha-Führers Pavelic Kriegsplanungen gegen Jugoslawien. Der Kriegseintritt Italiens schob die Invasionspläne des Generalstabs auf und auf Drängen Hitlers im September 1940 wurde von diesem Plan abgelassen.

Das Königreich Jugoslawien hatte in den 1920er-Jahren unter ethnischen Rivalitäten, insbesondere der beiden größten Volksgruppen, der Serben und Kroaten, zu leiden. König Alexander I. errichtete im Jahr 1929 nach einer Phase des schwachen Parlamentarismus eine Königsdiktatur. Diese als serbisch empfundene Autokratie heizte die ethnischen Ressentiments der nicht-serbischen Bevölkerungsteile noch an. Die Bevölkerung war geographisch stark durchmischt: 45 % der Serben und Montenegriner des Landes lebten außerhalb Serbiens und Montenegros, 38 % der Kroaten außerhalb Kroatiens. Lediglich Slowenien war einigermaßen homogen. Besonders stark vermischt war das heutige Bosnien und Herzegowina, wo die Bevölkerung hauptsächlich aus Serben (43,9 %), Bosniaken (31,1 %) und Kroaten (22,2 %) bestand, und wo es im Krieg von 1941 bis 1945 proportional die meisten Todesopfer gab. In Jugoslawien lebten darüber hinaus im Jahr 1940 etwa 80.000 Roma und etwa 72.000 Juden. Die jüdische Gemeinde in Jugoslawien wurde im Krieg fast vollständig ausgelöscht, das Gleiche galt für die Roma im heutigen Kroatien und Bosnien-Herzegowina.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Jugoslawien zunächst neutral. Im Juni 1940 wurde seine wichtigste Schutzmacht Frankreich überraschend schnell besiegt, während sein traditioneller Rivale Italien an der Seite des siegreichen Deutschlands, welches seit dem Anschluss Österreichs 1938 selbst auch an Jugoslawien angrenzte, in den Krieg eintrat. Italien führte ab Oktober 1940 einen erfolglosen Krieg gegen Griechenland, was die deutsche Regierung dazu brachte, eine Intervention zugunsten Italiens vorzubereiten.

Im September 1940 schlossen Deutschland, Italien und Japan den Dreimächtepakt. Die NS-Führung verfolgte das Ziel, möglichst viele südosteuropäische Staaten, inklusive Jugoslawien, als Signatarstaaten des Pakts zu gewinnen. Die angestrebte Bindung der Donau-Balkan-Staaten an den Dreimächtepakt, sollte den kontinentalen „Wirtschaftsraum Großdeutschland-Südost“ absichern und stand im Zusammenhang mit strategischen Überlegungen zum geplanten Rußlandfeldzug. Nachdem Jugoslawien dem Dreimächtepakt am 25. März 1941 zunächst zugestimmt hatte, sich aber nach einem darauf folgenden unblutigen Militärputsch vom 27. März sich wieder aus diesem zurückziehen wollte, wurde der deutsche Angriffsplan gegen Griechenland auf Befehl Adolf Hitlers in der Weisung Nr. 25 auf Jugoslawien ausgeweitet. Hitler entschied sich in einem antiserbischen Hassaffekt und zur Sicherung des zunächst nur gegen Griechenland geplanten Balkanfeldzugs und des geplanten Russlandfeldzugs kurzfristig zur überstürzten Zerschlagung Jugoslawiens unter Beteiligung von Italien, Ungarn und Bulgarien.

Kriegsparteien mini|hochkant|Josip Broz Tito war zu Kriegsbeginn Generalsekretär der KPJ und wurde Oberbefehlshaber der Volksbefreiungsarmee. Ende 1943 wurde er von den Westalliierten als gleichberechtigter alliierter Befehlshaber anerkannt. Der jugoslawische Kriegsschauplatz ist innerhalb des Zweiten Weltkriegs einzigartig, da er eine besonders hohe Zahl verschiedener bewaffneter Fraktionen mit jeweils eigenen Zielsetzungen umfasste, die flexibel und zweckorientiert Nichtangriffsabkommen und Bündnisse miteinander schlossen und wieder brachen.

Zu diesen Fraktionen zählte auf dem Gebiet Jugoslawiens die letztlich siegreiche und durch die Kommunistische Partei Jugoslawiens (KPJ) unter Josip Broz Tito geführte Volksbefreiungsarmee, die disparate Bewegung serbisch-nationalistischer „Tschetniks“ unter der formellen (aber nie voll durchgesetzten) Führung von Draža Mihailović, die faschistische Ustascha-Bewegung mit ihrem Unabhängigen Staat Kroatien („NDH“) unter Ante Pavelić, die Kollaborationsregierungen im deutschen Militärverwaltungsgebiet Serbien mit Milan Nedić als wichtigstem Anführer, die von Deutschland unterstützte faschistische ZBOR-Bewegung in Serbien, der bis 1943 von den Italienern und danach von den Deutschen kontrollierte Unabhängige Staat Montenegro, die aus Bosniaken rekrutierte Legion Hadžiefendić, die mit der Volksbefreiungsarmee verbündete Osvobodilna Fronta in Slowenien, die aus slowenischen Antikommunisten unter Leon Rupnik gebildete Slowenische Heimwehr und die aus Kroatiendeutschen rekrutierte Einsatzstaffel der Deutschen Mannschaft. Da auch der Kosovo Kriegsgebiet war, beteiligten sich auch ethnische Albaner am Krieg, obwohl das von Italien besetzte und nur nominell unabhängige Königreich Albanien nicht Teil Jugoslawiens war. Die Kommunistische Partei Albaniens von Enver Hoxha war mit der Tito-Bewegung verbündet. Dem gegenüber kollaborierte die albanische Balli Kombëtar („Nationale Front“) mit den Achsenmächten. mini|Deutsche und italienische Soldaten auf dem Berg Vaganj 1941