Eggerthella ist eine Gattung von Bakterien. Arten wie Eggerthella lenta und Eggerthella sinensis sind Teil der gesunden menschlichen Darmflora, können aber auch Auslöser einer schweren Bakteriämie sein. Das Gleiche gilt für die früher zu Eggerthella gestellte Art Paraeggerthella hongkongensis. Im August 2025 zählten vier Arten zu der Gattung.
Merkmale Die einzelnen Arten von Eggerthella sind obligat anaerob, d. h. sie tolerieren keinen Sauerstoff. Sie sind unbeweglich und bilden keine Endosporen. Der Gram-Test fällt positiv aus, was bedeutet, das die Zellwand aus einer dicken Mureinschicht besteht.
Stoffwechsel und Wachstum Die Arten kommen im Darm vor und gewinnen Energie durch die Gärung. mini|Arginin-Dihydrolase-Pathway bei Eggerthella, erstmalig beschrieben von Jay F. Sperry und Tracy D. Wilkins Das Wachstum wird bei einigen Arten durch die Aminosäure Arginin stimuliert. Diese Arten nutzen hierbei den Arginin-Dihydrolase-Weg (englisch: arginine dihydrolase pathway) zur Energiegewinnung. Dieser Stoffwechselweg von Eggerthella lenta wurde im Jahr 1976 von Sperry und Wilkens beschrieben. Bei diesem Stoffwechselweg wird Arginin abgebaut um ATP zu gewinnen (siehe Bild). Hierbei wird die Aminosäure Arginin in Ornithin, Kohlendioxid (CO2) und Ammoniak (NH3) zerlegt. Es wird ein Phosphation an das ADP angeheftet, so dass ATP entsteht. Hierfür sind drei wesentlichen Enzyme verantwortlich: Arginin-Deiminase (Arginin-Iminohydrolase), Ornithin-Transcarbamylase und Carbamat-Kinase (Carbamylphosphokinase). Im letzten Schritt des Weges wird durch eine Reaktion unter Beteiligung der Carbamatkinase ATP erzeugt. Ein ähnlicher Stoffwechselweg findet wahrscheinlich bei Arten von Mycoplasma statt.
Ökologie Arten von Eggerthella kommen im Darm von Menschen vor. Eggerthella timonensis wurde von einer Stuhlprobe einer gesunden 8-jährigen Pygmäenfrau und die Art Eggerthella guodeyinii aus Stuhlproben von chinesischen Probanden isoliert.
Eggerthella lenta wandelt eine breite Palette von Verbindungen um, darunter Steroide und Lignane. Hierzu genutzte Enzyme sind vor allem Dehydrogenasen und Dehydroxylasen. Gallensäuren wie Cholsäure und Chenodesoxycholsäure werden durch die Wirkung von verschiedenen Dehydrogenasen abgebaut. Eggerthella lenta-Stämme bauen auch Kortikosteroide, Linolsäure und verwandte ungesättigte langkettige Fettsäuren ab. Die biologische Aktivität der die Herzfrequenz beeinflussenden Stoffe (Herzglykoside) Digitoxin und Digoxigenin wird durch die von Eggerthella lenta vermittelte Reduktion einer kritischen Doppelbindung zerstört. Es wird angenommen, dass bei 10 % der behandelten Patienten eine signifikante Zerstörung von Digoxigenin auftritt, weil sie hohe Konzentrationen von Eggerthella lenta in ihrer Darmmikrobiota aufweisen. Eggerthella lenta kann sich am Stoffwechsel von Phytoöstrogenen wie Secoisolariciresinoldiglucosid beteiligen, um die östrogenähnlichen Verbindungen Enterodiol und Enterolacton zu bilden, die möglicherweise eine Rolle bei der Prävention von Krebs, Atherosklerose und Diabetes mellitus spielen.
Pathogenität Gelegentlich können Arten von Eggerthella, vor allem E. lenta, Krankheiten verursachen, indem sie sich auf andere Körperorgane ausbreiten und eine schwere Bakteriämie verursachen. Es kann zu Sepsis, Leberabszesse, bakterielle Vaginose und Meningitis kommen. Die Art E. lenta kann die Wirkung von Digoxin, ein Mittel gegen Herzkrankheiten, einschränken. Außerdem kann es In Tierversuchen wurde weiterhin gezeigt, das Eggerthella lenta bei Ratten Arthritis auslösen kann.
Systematik Der Typstamm VPI 0255T von Eggerthella lenta wurde ursprünglich aus einem Rektumtumor im Jahr 1935 isoliert und von als Mitglied der Gattung Eubacterium beschrieben. Aufgrund einer 16S rRNA-Gen-Sequenzanalyse wurde es zu der Familie der Coriobacteriaceae innerhalb der Abteilung der Actinobacteria gestellt. Später wurde die Familie Eggerthellaceae aufgestellt und die Gattung hierhin transferiert. Die Familie zählt zu der Ordnung der Eggerthellales innerhalb der Klasse Coriobacteriia.LPSN Der Name wurde zu Ehren Arnold Eggerth, der das Bakterium im Jahr 1935 zuerst beschrieben hatte, gewählt.
Im August 2025 wurden vier Arten der Gattung zugestellt: Eggerthella guodeyinii Eggerthella lenta Eggerthella sinensis Eggerthella timonensis
Einzelnachweise William G. Wade, Floyd E. Dewhirst: Eggerthella (2015) In:
Mitchell F. Balish, Rohini Chopra-Dewasthaly, Sabine Pereyre, Ana S. Ramírez, Tomeu Viver und Joachim Spergser: Mycoplasma (2024) In:
Literatur William G. Wade, Floyd E. Dewhirst: Eggerthella (2015) In:
Weblinks LPSN NCBI