Das Barber Institute of Fine Arts ist eine 1932 von der Stifterin Hattie Barber begründete Institution der University of Birmingham. Es verfügt in seinem 1939 auf dem Campus Edgbaston in Birmingham eröffneten Gebäude über einen Kammermusiksaal für öffentliche Konzerte sowie über museal genutzte Galerieräume für die Ausstellung von Kunstwerken und bietet Studienmöglichkeiten der Musik und zur Kunstgeschichte. Das Musikprogramm des Hauses reicht von kostenfreien Lunchkonzerten bis zu Gastspielen renommierter Musiker. Die seit der Gründung kontinuierlich gewachsene Kunstsammlung des Barber Institute umfasst vor allem bedeutende Werke der westeuropäischen Kunst von der Spätgotik bis zum 20. Jahrhundert. Darüber hinaus finden regelmäßig Wechselausstellungen statt. Mit der Kombination aus Kunstmuseum und Konzerthalle nahm das Barber Institute die Idee späterer multidisziplinärer Kunstzentren vorweg. Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 12. Das im Stil des Art déco errichtete Gebäude des Barber Institute steht unter Denkmalschutz und wurde in die nationale Liste Grade I aufgenommen.Eintrag des Barber Institute in die Denkmalliste The National Heritage List for England.

Geschichte Das Barber Institute of Fine Arts geht zurück auf den Rechtsanwalt Sir Henry Barber (1860–1927) und seine Frau Lady Hattie Barber (1869–1933). Er hatte als erfolgreicher Immobilienentwickler in Birmingham innerhalb weniger Jahre ein erhebliches Vermögen erwirtschaftet und konnte sich bereits im Alter von 33 Jahren aus dem aktiven Geschäftsleben zurückziehen. 1893 heiratete er die aus wohlhabendem Haus stammende Hattie Onions. Das Paar ließ sich anschließend auf dem Landsitz Culham Court im südenglischen Berkshire nieder.Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 23. Vor allem Henry Barber blieb Birmingham weiterhin verbunden. Er beteiligte sich an dem von Joseph Chamberlain eingerichteten Fond zur Gründung der University of Birmingham und stiftete im November 1923 darüber hinaus 20.000 Pfund für einen neuen Lehrstuhl der Rechtswissenschaften.Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 34. In den Folgejahren beriet das kinderlose Paar, was mit ihrem erheblichen Nachlass geschehen sollte. Dabei entstand die Idee, mit dem zu vererbenden Vermögen der University of Birmingham ein Kunstmuseum mit einem Konzertsaal zu stiften. Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 46. Zwar besaß Birmingham seit 1885 mit dem Birmingham Museum and Art Gallery bereits ein städtisches Kunstmuseum in der Innenstadt und es gab dort auch geeignete Orte für Musikdarbietungen, aber auf dem außerhalb des Zentrums im Vorort Edgbaston gelegenen Campus der Universität fehlten bisher derartige kulturelle Angebote. Das Barber Institute folgte einerseits der langen Tradition von universitären Kunstsammlungen und knüpfte andererseits an den Stiftergeist von Mäzenen an, die ein Kunstmuseum einer Universität begründeten. Beispiel hierfür ist die 1885 von Joseph Whitworth gestiftete Whitworth Art Gallery in Manchester.Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 50. Zudem hatte 1922 William Lever nahe Liverpool die Lady Lever Art Gallery eröffnete und damit ein weiteres Beispiel für einen mäzenatisch handelnden Unternehmer gegeben. Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 43.

Lady Barber verfolgte nach dem Tod ihres Mannes 1927 weiter die gemeinsam entwickelte Idee, der Universität Birmingham ein Kunstzentrum zu stiften. In den Folgejahren führte sie hierzu Gespräche mit dem Pro-Chancellor der Universität Gilbert Barling, einem Cousin von Hattie Barbers Mutter, und dem Vice-Chancellor Charles Grant Robertson. Zudem setzte sie die bisherige finanzielle Unterstützung ihres Mannes an die juristische Fakultät fort.Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 42. Während hierbei der direkte Bezug zum beruflichen Hintergrund ihres Mannes erkennbar ist, war die geplante Gründung eines Kunstmuseums für das Paar weniger naheliegend. Sir und Lady Barber hatten trotz ihres Vermögens bisher keine bedeutende Kunstsammlung aufgebaut. In ihrem Landsitz Culham Court gab es nur wenige Werke von namhaften Künstlern, etwa das Gemälde Die Pfauenfeder von Antonio Mancini. Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 31. Hattie Barber pflegte jedoch einen intensiven Austausch mit dem heute relativ unbekannten belgischen Maler Nestor Cambier (1879–1957), der mehr als 20 Porträts von ihr malte.Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 20, 41. Bedeutender war ihre Sammlung mit flämischen Tapisserien aus der Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Darüber hinaus gab es einige Objekte des Kunsthandwerks, wie Möbel und Silberarbeiten. Die Idee, ein Kunstmuseum mit einem Konzertsaal zu verbinden, geht zurück auf Hattie Barbers Begeisterung für Musik, die seit ihrer Jugend eine wichtige Rolle spielte. Sie hatte zunächst Klavierunterricht während des Studiums am Cheltenham Ladies College erhalten und später Musik an der Royal Academy of Music studiert.Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 22.

Vier Monate vor ihrem Tod gründete Lady Barber am 13. Dezember 1932 zur Erinnerung an ihren Mann den Henry Barber Trust, dem das gesamte Vermögen der Barbers zufallen sollte. Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 10. Mit der Stiftung wurde zugleich das Barber Institute of Fine Arts begründet. Gemäß der Gründungsurkunde ist das Vermögen für verschiedene Aufgaben zu verwenden. Dazu gehört die dauerhafte Finanzierung von vier Lehrstühlen an der University of Birmingham – zwei in Rechtswissenschaften, einer in Musik und einer in Kunstgeschichte. Weiterhin sollte ein Gebäude mit einem Konzertsaal und Galerieräumen errichtet werden. Die Erträge der Stiftung waren zudem bestimmt, fortlaufend ein Konzertprogramm zu gewährleisten, und es sollten Kunstwerke für die museale Dauerausstellung erworben werden. Denn anders als das ebenfalls 1932 gegründete Courtauld Institute of Art der University of London, verfügte die Barber-Stiftung zunächst über keine bedeutende Sammlung.

Nach dem Tod von Hattie Barber berief der Stiftungsrat am 5. Dezember 1934 Thomas Bodkin (1887–1961) zum ersten Direktor des Barber Institute of Fine Arts. In dieser Funktion hatte er gemäß Satzung der Stiftung zugleich den Lehrstuhl für Kunstgeschichte inne.Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 50. Als Bodkin, der zuvor Direktor der National Gallery of Ireland in Dublin warRobert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 51., am 1. März 1935 sein Amt antrat, standen ihm weder geeignete Unterrichtsräume zur Verfügung, noch gab es ein Museum, das er hätte leiten können. Dennoch gelang es ihm, mit Vorlesungen in Kunstgeschichte zu beginnen Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 14. Weiterhin wurde der bereits seit 1904 als Peyton Professor of Music bestehende Lehrstuhl für Musik um die Stiftungsgelder des Barber Trust erweitert. Der erste Inhaber des nunmehr Peyton and Barber Professor of Music genannten Lehrstuhls wurde 1934 Victor Hely-Hutchinson. Im selben Jahr wurde mit Robert Atkinson zudem der Architekt des zu bauenden Kunstzentrums ausgewählt.Richard Verdi: The Barber Institute of Fine Arts S. 9. Er war bisher insbesondere für seine Kinobauten bekannt, vor allem für das Regent Cinema in Brighton.Eintrag in die englische Denkmalliste.

Die Planungen für den Bau des Barber Institute of Fine Arts erfolgten in enger Abstimmung zwischen dem Architekten und dem ersten Direktor des Barber Institute, Professor Bodkin. Beide besichtigten zunächst eine Reihe von neuen Museumsbauten im In- und Ausland, um sich vor Ort über die neuesten Ideen bei der Konzeption von Museen und Details wie Beleuchtungsfragen zu informieren. So besuchten sie das National Museum Cardiff, den Erweiterungsbau des Fitzwilliam Museum der University of Cambridge, das Huge Lane in Dublin, das Gemeentemuseum Den Haag und das Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam. Noch während der Bauarbeiten begann Direktor Bodkin mit den ersten Ankäufen für die Sammlung. So erwarb er 1936 erste Zeichnungen, 1937 folgten die ersten Gemälde.Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 71. Im selben Jahr wurde die Reiterstatue von König Georg I. von John Nost erworben, die sich zuvor in Dublin befand und nun vor dem Neubau des Barber Institute aufgestellt wurde. Als das Gebäude am 26. Juli 1939 durch die Königinmutter Mary eröffnet wurdeRichard Verdi: The Barber Institute of Fine Arts S. 14. beherbergte die Sammlung 16 Gemälde, 31 Zeichnungen und Aquarelle, 19 Drucke und drei Skulpturen. Nur wenige Wochen später begann der Zweite Weltkrieg und die Dauerausstellung musste bereits wieder schließen. Die Kunstwerke wurden in dieser Zeit im Keller unter dem Musiksaal eingelagert. Robert Wenley: Foundations of a collection, the Barber Institute of Fine Arts, S. 56. Erst nach dem Krieg konnte ein regelmäßiger Konzertbetrieb aufgenommen werden und auch die Sammlungen standen der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung.

Die nachfolgenden Direktoren setzten Bodkins erfolgreiche Ankaufspolitik fort, legten aber teilweise andere Schwerpunkte. Der zweite Direktor Ellis Waterhouse, zuvor Leiter der National Gallery of Scotland,Richard Verdi: The Barber Institute of Fine Arts S. 12. konnte beispielsweise 1967 eine Satzungsänderung bewirken, sodass erstmals der Erwerb von Kunst des 20. Jahrhunderts möglich wurde. In seine Amtszeit fällt auch der Erweiterungsbau von 1965 für die Musikbibliothek. Unter der Leitung des dritten Direktors Hamish Miles wurde der Anbau 1974 aufgestockt, um ein weiteres Depot für Kunstwerke zu erhalten. Weiterhin gelang es Miles mit den Sammlungen Geoffrey Haines und Philip Whitting, eine Abteilung für antike Münzen zu begründen. Richard Verdi, von 1990 bis 2007 im Amt, nutzte neben den Geldern aus dem Henry Barber Trust erstmals auch Zuwendungen anderer Stiftungen und Gelder der staatlichen Lotterie.

Liste der Direktoren des Barber Institute of Fine Arts 1935–1952 Thomas Bodkin 1952–1970 Ellis Waterhouse 1970–1990 Hamish Miles 1990–2007 Richard Verdi 2007–2012 Ann Summer 2013–2022 Nicola Kalinsky 2023–heute Jennifer PowellInformationen zu Jennifer Powell auf der Website des Barber Institute of Art

Liste der Peyton and Barber Professor of Music 1934–1944 Victor Hely-Hutchinson 1944–1948 Jack Westrup 1947–1968 Anthony Lewis 1968–1986 Ivor Keys 1987–1992 Basil Deane 1992–2012 Colin Timms 2013–heute Andrew KirkmanListe der bisherigen Professoren für Music auf der Website des Barber Institute of Fine Arts.

Gebäude Das Gebäude des Barber Institute of Fine Arts befindet sich auf dem Campus der University of Birmingham in Edgbaston an der Ecke der Ring Road North zur University Road East. Der Entwurf des zwischen 1935 und 1939 errichteten Gebäudes stammt von dem Architekten Robert Atkinson, der hierbei die Vorgaben der Stifterin einzuhalten hatte, die sowohl einen Konzertsaal wie auch Galerieräume für eine Museumssammlung vorsahen. Die Ausführung vor Ort erfolgte durch das Büro Maddocks and Walford. Der figurative Außenschmuck wurde an den Bildhauer George Atkinson vergeben, der nicht verwandt mit dem Architekten Robert Atkinson war. Die Ausführung erfolgte durch George Hericx aus der Werkstatt Birmingham Sculptors in Moseley.