Freimaurerhandschriften sind historische Handschriften, die für die Erforschung der Entstehung der Freimaurerei von Bedeutung sind. Am zahlreichsten sind diejenigen zu den Alten Pflichten oder den jeweiligen Konstitutionen der Logengemeinschaften. Diese Dokumente bezogen sich auf eine "Geschichte" der Maurerei, wollten deren Ursprünge bis auf biblischen Zeiten zurückführen oder bezogen sich auf klassische und mystische Wurzeln. Oft findet man darin auch Regelungen der Organisation sowie die Verantwortlichkeiten verschiedener Grade. Seltener sind Dokumente in Form alter handschriftlicher Kopien von Ritualen, frühe Protokollbücher von Logen sowie operative Schriftstücke und Bauhütten-Ordnungen. Sie vermitteln ein begrenztes Verständnis früher maurerischer Riten. Alle Handschriften, die vor der Bildung von Großlogen entstanden sind, kamen aus Schottland und Irland und zeigten eine solche Ähnlichkeit, dass die irischen Rituale wohl schottischen Ursprungs waren. Die frühesten Protokolle von Logen, die vor der ersten Großloge gebildet wurden, befanden sich ebenfalls in Schottland. Frühe Aufzeichnungen der ersten Vereinigte Großloge von England von 1717 ermöglichen ein elementares Verständnis der unmittelbaren Zeit vor der Großloge und geben einen gewissen Einblick in Persönlichkeiten und Ereignisse, die die frühe Freimaurerei des 18. Jahrhunderts in Großbritannien prägten. Die ältesten bekannten Organisationsbestrebungen der Steinmetze im deutschsprachigen Raum sind die Regensburger Ordnung von 1459 und die Straßburger Ordnung von 1563. Sie regelten die Ausbildung, die Hierarchie innerhalb der Bauhütten (Meister, Parlier, Gesellen, Lehrlinge), die Anforderungen an die Mitglieder und die Zusammenarbeit der Hütten.https://www.heimatforschung-regensburg.de/2472/1/1192798_DTL1707.pdf Regensburger Ordnung 1459
Alten Pflichten mini|alt=Introduction to Grand Lodge Manuscript no 1|Einleitung ins Grand Lodge Manuskript Nr. 1 Die Alten Pflichten der Maurerlogen waren Dokumente, die die Pflichten der Mitglieder beschrieben, auf die jeder Maurer bei der Aufnahme geloben musste. Aus diesem Grund hatte jede Loge eine Kopie ihrer Pflichten, gelegentlich in den Anfang des Protokollbuchs eingeschrieben, aber gewöhnlich als separate handschriftliche Pergamentrolle. Die ältesten Dokumente sind Versammlungsstatuten und Zeremoniebeschreibungen. Sie gliedern sich meist in drei Teile: Einleitendes Gebet, Erläuterung der „Sieben Freien Künste“ mit Betonung der Geometrie, eine legendäre Handwerksgeschichte (oft mit Bezug zu König Æthelstan oder York) und abschließend die eigentlichen Vorschriften und Pflichten.
Mit dem Aufkommen der Großlogen wurden diese größtenteils durch gedruckte Konstitutionen ersetzt, nur die wenigen Logen, die in Schottland und Irland unabhängig blieben, behielten die handschriftlichen Pflichten als ihre Berechtigung bei, sich als Loge zu versammeln.
Der älteste erhaltene Text ist das Regius-Manuskript (um 1425–1450), ein gereimtes Gedicht, gefolgt vom Cooke-Manuskript (um 1450),https://www.freemasonry.bcy.ca/aqc/cooke.html das erstmals in Prosa gefasst ist.
Bekannte deutsche Übersetzungen und Analysen finden sich etwa in den Werken von Lennhoff/Posner.Lennhoff/Posner: Internationales Freimaurer-Lexikon. Amalthea-Verlag Wien–München 1980, Reprint von 1932, 5. Auflage, 2006, ISBN 978-3-77665007-5 Die Inhalte wurden im 18. Jahrhundert v. a. durch die Constitutions von James Anderson popularisiert. Das Prinzip der Alten Pflichten ist bis heute grundlegend für viele nationale und internationale Logen. »Die Alten Pflichten von 1723«, in neuer Übersetzung herausgegeben von der Großloge A.F.u.A.M. von Deutschland, Verlag "Die Bauhütte", Bonn, 12. Aufl., 1996, ISBN 3-930139-00-6
Entwicklung der York-Legende Die frühesten maurerischen Dokumente sind die der Arbeitgeber der damaligen Steinmetze, also Kirche und Staat. Die ersten, die von den späteren Freimaurern als die direkten Vorfahren ihrer eigenen Pflichten beansprucht wurden, beziehen sich auf die Selbstorganisation der Maurer als Bruderschaft mit gegenseitigen Verantwortlichkeiten.https://biblioscout.net/book/chapter/10.3813/9783777628622/00006 Straßburger Ordnung von 1563 Von der Herrschaft Heinrich VI. bis zur elisabethanischen Zeit, von etwa 1425 bis 1550, zeigen überlieferte Dokumente auch die Entwicklung einer Legende der Maurerei, mit Rückbezügen bis vor die biblische Sintflut und gipfelten in der behaupteten Wiedererrichtung des Maurerhandwerks in York während der Herrschaft König Æthelstans.
Halliwell-Manuskript/Regius-Gedicht mini|Halliwell-Manuskript Das Regius-Manuskript oder Halliwell-Manuskript von 1390 ist die älteste bekannte Zunftordnung der Steinmetzbruderschaften und somit die früheste der Alten Pflichten. Sie besteht aus 64 Pergamentseiten des Mittelenglischen, geschrieben in Paarreimen. Hierin unterscheidet sie sich von der Prosa aller späteren Pflichten. Das Gedicht beginnt mit der Beschreibung, wie Euklid "die Geometrie nachahmte" und sie Maurerei nannte, für die Beschäftigung der Kinder der Nobilität im Alten Ägypten. Es erzählt dann die Verbreitung der Kunst der Geometrie in "verschiedenen Ländern". Das Dokument berichtet, wie das Handwerk der Maurerei nach England während der Herrschaft des Æthelstan (924–939) gebracht wurde.
Das Gedicht erzählt, wie alle Maurer des Landes zum König kamen, um Anweisungen für ihre eigene gute Regierung zu erhalten, und wie Athelstan zusammen mit der Nobilität und dem Landadel die fünfzehn Artikel und fünfzehn Punkte für ihre Regierung schmiedete. Es folgen fünfzehn Artikel für den Meister bezüglich sowohl des moralischen Verhaltens (keine Diebe beherbergen, keine Bestechungsgelder annehmen, regelmäßig zur Kirche gehen usw.) als auch des Betriebs der Arbeit auf einer Baustelle (lass deine Maurer nicht nachts arbeiten, unterrichte Lehrlinge ordentlich, nimm keine Arbeiten an, die du nicht tun kannst usw.). Dann gibt es fünfzehn Punkte für Handwerker, die einem ähnlichen Muster folgen.Hermann Marggraff: https://freimaurer-wiki.de/index.php/Regius-Poem_(1390)_Teil_1 Regius-Manuskript (deutsche Übersetzung), abgerufen am 22. August 2025Pietre-Stones, The Regius Poem, Parallel text with introduction, abgerufen am 22. August 2025
Die Ursprünge des Regius liegen im Dunkeln. Das Manuskript wurde in verschiedenen persönlichen Inventaren erfasst, als es den Besitzer wechselte, bis es in den Besitz der Royal Library gelangte, die 1757 von König Georg II. dem British Museum geschenkt wurde.F. L. Quick, A Fantasy of the Regius Poem's Origin, Transactions of A. Douglas Smith, Jr. Lodge of Research #1949, Vol 3 (1993–1997), pp 11–15 Das Manuskript wurde auf das Jahr 1390 datiert und laut Hughan wahrscheinlich von einem Priester geschrieben.William James Hughan, The Old Charges of British Freemasons, London, 1872, pp 2–3
Matthew Cooke Manuskript Die Matthew Cooke-Handschrift ist die zweitälteste der Alten Pflichten oder Gotischen Konstitutionen der Freimaurerei und die älteste bekannte Sammlung von Pflichten, die in Prosa geschrieben wurde. Sie ist zwischen 1410 und 1450 entstanden, enthält einige Wiederholungen, aber verglichen mit dem Regius gibt es auch neues Material, von dem vieles in späteren Konstitutionen wiederholt wird. Nach einem einleitenden Dankgebet zählt der Text die Sieben Freien Künste auf und gibt der Geometrie den Vorrang, die er mit der Maurerei gleichsetzt. Das Cooke Manuskript will den Nachweis erbringen, dass die Freimaurerei von der vornehmsten unter den sieben freien Künsten, der Geometrie abstammt. Es folgt als historische Absicherung die Geschichte der Kinder Lamechs, erweitert aus dem Buch Genesis. Jabal entdeckte dort der Legende nach die Geometrie und wurde Kains Meister-Maurer. Jubal entdeckte die Musik, Tubal-Kain entdeckte die Metallurgie und die Kunst des Schmiedes, während Lamechs Tochter Naama das Weben erfand. Um ihr Wissen zu schützen, schrieben sie alles auf zwei Steinsäulen, eine, die gegen Feuer unempfindlich wäre, und eine, die nicht sinken würde. Generationen nach der Sintflut wurden beide Säulen entdeckt, eine von Pythagoras, die andere vom Philosophen Hermes Trismegistos. Die sieben Wissenschaften wurden dann durch Nimrod, den Architekten des Turms zu Babel, an Abraham weitergegeben, der sie den Ägyptern lehrte, einschließlich Euklids, der wiederum die Maurerei als lehrreiche Disziplin weitergab.https://www.freimaurer-wiki.de/index.php/Cooke-Manuskript
Anders als die meisten alten Verfassungen, die auf Rollen geschrieben sind, ist das Cooke-Manuskript auf Pergamentbögen von 112 mm × 86 mm Höhe und 86 mm Breite geschrieben und zu einem Buch gebunden, das noch immer seinen originalen Eicheneinband besitzt. Das Manuskript wurde 1861 von R. Spencer, London, veröffentlicht und von Matthew Cooke herausgegeben – daher der Name. Neuere Analysen des Mittelenglischen des Dokuments datieren es in dieselbe Zeit wie die Niederschrift, um 1450. Dies legt nahe, dass die Quellen, aus der es kopiert wurde, fast zeitgleich mit dem Cooke-Gedicht und zeitgleich mit oder nur wenig später als das Regius-Gedicht entstanden sind. Es wurde wahrscheinlich in den West Midlands verfasst, nahe dem Ursprungsort des Regius in Shropshire. Der Historiker Andrew Prescott sieht sowohl das Regius- als auch das Cooke-Manuskript als Teil des Kampfes mittelalterlicher Maurer um die Festlegung ihres eigenen Gehalts, insbesondere nach dem Gesetz von 1425, das Maurerversammlungen verbot. Die Maurer versuchten zu zeigen, dass ihre Versammlungen die Zustimmung des Königs hatten, und fügten hinzu, dass der Sohn des Königs selbst Maurer geworden war.Andrew Prescott, The Old Charges Revisited, from Transactions of the Lodge of Research No. 2429 (Leicester), 2006, Pietre-Stones Masonic Papers, abgerufen am 22. August 2025
James Anderson hatte Zugang zum Cooke-Manuskript, als er seine Verfassungen von 1723 verfasste. Er zitiert die letzten sechzig Zeilen in einer Fußnote zu seiner Beschreibung der Yorker Versammlung. Das Woodford-Manuskript, eine Kopie des Cooke-Manuskripts, enthält eine Anmerkung, die erklärt, dass es 1728 vom Großsekretär der Premier Grand Lodge of England, William Reid, für William Cowper, den Sekretär des Parlaments, angefertigt wurde, der ebenfalls Großsekretär war.
Dowland Manuskript Das Dowland Manuskript wurde erstmals im Gentleman's Magazine 1815 abgedruckt. Der Beitragsersteller, James Dowland, schrieb: "Zur Genugtuung Ihrer Leser sende ich Ihnen eine merkwürdige Ansprache bezüglich der Freimaurerei, die vor nicht langer Zeit in meinen Besitz gekommen ist. Sie ist auf eine lange Pergamentrolle geschrieben, in einer sehr deutlichen Hand scheinbar des 17. Jahrhunderts, und wurde wahrscheinlich von einem Meister früheren Datums kopiert." Dieses frühere Datum wird immer noch auf etwa 1550 geschätzt, was das Dowland zur zweitältesten bekannten Prosa-Konstitution macht. Die im Text erwähnten Löhne stimmen mit anderen Handschriften überein, die bekanntermaßen aus der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts stammen. Unglücklicherweise ging das Original verloren. Die Geschichte ähnelt der der Cooke-Handschrift, auch hier werden die Pflichten von Euklid ausgehend abgeleitet.https://www.freimaurer-wiki.de/index.php/Dowland-Manuskript
Großloge Nr. 1 Dieses Manuskript ist die erste der Pflichten, die ein Datum trägt, 25. Dezember 1583. Das Dokument hat die Form einer Pergamentrolle von neun Fuß Länge und fünf Zoll Breite, bestehend aus vier Stücken, die an den Enden zusammengeklebt sind. Die Vereinigte Großloge von England erwarb es 1839. Der Inhalt der Großloge Nr. 1 erzählt mit nur geringfügigen Änderungen dieselbe Geschichte wie das Dowland-Manuskript.G. W. Speth, Quatuor Coronati Antigrapha, vol IV, part 1.2
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